[Film] Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989 US)

„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“

„Wir folgen keinen alten Karten, entdecken keine vermissten Schätze und noch nie hat ein X irgendwann irgendwo einen bedeutenden Punkt markiert.“

In den letzten Jahren habe ich aufgehört mitzuzählen, wie oft ich diesen Indy-Teil schon gesehen habe, aber bestimmt vier oder fünfmal so oft wie die ersten beiden Teile zusammengezählt.“Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ ist für mich schlicht und ergreifend DER Abenteuerfilm schlechthin. Stolze 25 Jahre hat er nun schon auf dem Buckel und er ist seinem Alter nicht im Geringsten erlegen und wird es auch niemals tun. Ganz im Gegenteil, selbst heute noch versprüht er diesen gewissen staubigen, rauen Abenteuercharme, ohne das einem das körnige Bild als Störfaktor ins Auge springt. Der dritte Indy kommt dafür viel zu frisch und fesch daher, was er nicht zuletzt seinem kultigen Titelhelden und der spannenden und amüsanten Handlung verdankt. Die Späße werden nach dem X. Male noch immer nicht langweilig und wenn man ihn nur oft genug gesehen hat, dann freut man sich bereits im Vorfeld jedes Mal aufs Neue auf kultige Szenen wie „Ah, Venedig!“ oder wenn sie allesamt an der Klippe stehen und in den Abgrund blicken oder die Szene in der Bibliothek… Hach, hier könnte ich ewig weitermachen, zumal das wohl einer der wenigen Filme ist, bei denen ich nahezu jede einzelne Szene aufzählen könnte, einfach weil hier jeder einzelne noch so platte Witz den Weg unmittelbar ins Zwerchfell antritt.

Dabei leitet der Film seine Geschichte schon mit gehörig Feuer unterm Hintern ein, wenn wir dem jungen Pfadfinder Indiana Jones (River Phoenix) dabei zusehen, wie er sich mit einer Gaunerbande anlegt und sich als Abschluss ein grandioses Duell auf einem Zug liefern muss.

„Heute hast du verloren, Kleiner…aber das muss Dir ja nicht gefallen.“

River Phoenix als junger Henry „Indiana“ Jones

Wenn dann die eigentliche Handlung rund um den erwachsenen Archäologieprofessor Jones anfängt und sich Junior auf die Suche nach dem heiligen Gral und auch seinen Vater Henry Jones Sr. macht, dann… spätestens dann kommt man aus dem Lachen echt nicht mehr heraus. Es ergeben sich die gesamte Laufzeit über zahlreiche pfiffige Szenen und eine so stimmige Chemie zwischen zwei Darstellern, wie eben hier bei Ford und Connery, sieht man auch nicht mehr alle Tage. Sean Connerys trockene aber humorvolle Ader setzt dem Film ohne Zweifel die Krone auf und macht den Film dadurch zu meinem Liebling der Reihe.

„Sie Trottel, Sie glauben tatsächlich, dass mein Sohn so dämlich ist, dieses Tagebuch den weiten Weg hierher mitzubringen? … Du hast es doch nicht oder? … Nein, du hast es nicht bei dir!“ 

Michael Byrne als SS-Offizier Ernst Vogel

Dabei bietet der Film so viel mehr als nur witzige Sprüche und Situationskomik. Nachdem mir im zweiten Teil die Nazis als Widersacher schmerzlich fehlten, dürfen sie glücklicherweise im dritten Abenteuer des kultigen Archäologen wieder ran. Aus irgendeinem Grund funktioniert diese Kombination des Abenteurers und der sturen Nazis, die alle möglichen Mittel investieren um ein altes Relikt aufzuspüren, ganz wunderbar. Dabei werden gängige Klischeevorstellungen überzogen, ordentlich Seitenhiebe ausgeteilt und die Figuren so überspitzt dargestellt, dass man selbst bei in der Realität traurig machenden Szenen, wie hier die Bücherverbrennung im Zuge der entarteten Kunst, wieder mit einem Schmunzeln aus der Angelegenheit entlassen wird. Generell sind es auch die Kleinigkeiten, die dem Film eine ständig vorantreibende Kraft verleihen, die einfach so offensichtlich doof sind und einem doch die Lachtränen in die Augen treiben. Allein schon die Szene mit dem Wegschild irgendwo im nirgendwo inmitten der österreichischen Pampa bringt mich ständig zum Schmunzeln und ich weiß einfach nicht warum.

Und wenn die beiden dann auf dem Motorrad die Flucht antreten und Sr. seinen Sohn mit den giftigen Blicken straft ist das zum schießen komisch gehalten.

„Wir müssen da lang!“ *zeigt in Richtung Venedig* „Aber das Buch ist in Berlin!“

Sean Connery und Harrison Ford als urkomisches Vater-Sohn-Gespann

Zusätzlich zu der rundum gelungenen und spannenden Geschichte, die immer wieder mit fabelhaften Actionszenen gespickt ist, gesellt sich abschließend ein Finale, bei dem mir jedes Mal der Atem stockt. Denn obwohl die größte Strecke überwunden scheint, liegt der schwierigste Teil noch vor ihnen und zehrt ordentlich an den Nerven, die bei „Junior“ doch sonst immer wie Stahlseile erscheinen.

Die Truppe um Jones Jr. und Sr. an der tückischen Klippe

Ehe der Kommentar jedoch vor lauter Fangirlschwärmerei noch länger wird, hier ein Fazit:

„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ ist mehr als nur ein würdiger Abschluss der alten Trilogie. Der Entschluss im (vorläufig) letzten Teil eine Art Familienzusammenführung zu feiern, zumal sich die beiden ständig wie ein alterndes Ehepaar in die Haare kriegen und vom Wesen her doch so gleich sind, ist einfach zum schießen komisch in Szene gesetzt und verleiht dem Film die nötige Würze.

Zusätzlich ist er für mich persönlich einer der wenigen Filme, die ich mir immer und immer wieder ansehen kann, ohne dass sie auch nur im Geringsten Sorge tragen müssen an Charme zu verlieren, die meine Jugend und Abenteuerlust geprägt haben (auch wenn ich mir letzten Endes doch das Archäologiestudium verkniffen habe) und die auch niemals langweilig werden – einfach weil hier so viele unterhaltsame Elemente miteinander verbunden werden, ohne dabei platt zu wirken und mit der gängigen draufgängerischen Vorstellung eines verbohrten Archäologen und seiner Arbeit spielt. Wer würde denn nicht gerne mal solche Abenteuer erleben um dadurch dem sonst so drögen Alltag zu entfliehen?

Hoffentlich ergibt sich irgendwann nochmal die Möglichkeit, ihn auf der großen Leinwand zu sehen. Denn genau so muss man diesen Film eigentlich sehen.

10*/10 Punkte

175503.1020.AIndiana Jones und der letzte Kreuzzug [Indiana Jones and the last Crusade]
Jahr: 1989 US
Regie: Steven Spielberg | Drehbuch: Jeffrey Boam, George Lucas, Menno Meyjes
Cast:
Harrison Ford
Sean Connery
Michael Byrne
Denholm Elliott
Alison Doody
John Rhys-Davies
Julian Glover
River Phoenix

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5 Kommentare zu “[Film] Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989 US)”

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