Review: Noah (2014 US)

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„Noah“, ein wankelmütiger Riese, bei dem es zumindest wertungstechnisch nur ein schwarz oder weiß zu geben scheint. Entweder begeistert er sein Publikum mit der losen Erzählung Noahs und der Arche, oder er säuft bei dem Versuch damit gnadenlos ab.

Der Film will so vieles sein: Die innere Zerrissenheit und Opferbereitschaft eines Mannes, ein optischer Leckerbissen, eine fesselnde Geschichte.

Aber irgendwie kam der Film nie so richtig zu Potte. Die Erzählweise ist einigermaßen abgehackt gehalten, wodurch ich ständig den Eindruck hatte gerade das Interessante würde fehlen, bzw. zu kurz kommen. Diese konstante und vorantreibende Dynamik hat mir gefehlt, wodurch sich die 138 Minuten wie eine Ewigkeit anfühlten. Wenn man dann noch überlegt wie wenig in dieser Zeit überhaupt passiert, dann gute Nacht. Abgesehen von der Geschichte konnte mich auch die Optik nicht begeistern. Klar gab es mitunter schöne Bilder zu betrachten, aber dann wurde es stellenweise auf unnötige Weise überzogen und überreizt, dass mich selbst das nicht mehr in den Bann ziehen konnte und der Film noch anstrengender wurde, als er ohnehin schon war. Der Score vom sonst so großartigen Clint Mansell war auch nicht gerade der Rede wert, genauso wenig wie der 3D-Effekt.

Achtung, ab hier leichte Spoiler voraus.

NoahVor allen Dingen aber lag es am mangelnden Empathieempfinden für die Figuren, die mir den Film so verdorben haben. Denn hier kam so gar nichts rüber. Alles ließ mich kalt, mir war es im weiteren Verlauf sogar egal, ob sie alle auf der Arche krepieren oder nicht. Da kann Jennifer Conelly bspw. noch so göttlich ihre Mutter Theresa ähnliche Art zeigen, es bringt mir nichts, wenn ich dabei nichts fühlen kann. Der Funke wollte einfach zu keinem Zeitpunkt überspringen. Ach doch, bei einem der Wächter ganz kurz, aber da war es dann auch schon wieder viel zu schnell vorbei. Dazu kommt der Antagonist Tubal Cain, dem man mit Feingefühl eine Position der Rechthaftigkeit innehalten hätte lassen können, aber stattdessen gibt es hier wieder das obligatorische Motiv des bösen, machthungrigen Möchtegernkönigs vorgesetzt. Wenn man ihn jedoch nicht zu einer solchen Figur verkommen lassen hätte, dann hätte Aronofsky einen viel griffigeren und emotional bindenden Zwist zwischen Noah und seiner sich gegen die Menschheit treffenden Entscheidung erschaffen können, anstatt hier nur oberflächlich ein 0815 Schema abzuarbeiten und die Boshaftigkeit des Menschen auf nur einen einzelnen zu projizieren. Selbstredend braucht eine solche Geschichte den Erzfeind, aber ihn mit einer so langweiligen und nicht greifen wollenden Aufmachung abzustrafen, das hat er sicherlich nicht verdient. Hier hat er es sich für meinen Geschmack eindeutig zu leicht gemacht und geht dadurch den unbequemen und vermutlich sogar interessanteren Fragen aus dem Weg.

noah-movie-photo-3-550x366Was interessieren mich denn schon die ganzen Menschen die vor lauter Verzweiflung damit beginnen sich selbst zu attackieren und ihren tierischen Instinkten folgen, wenn ihre letzte Stunde angebrochen ist? Bis auf ein, zwei Ausnahmen werden sie alle auf ein und dieselbe Ebene mit Tubal Cain gestellt. Das sind die vorherrschenden Bilder. Massengräber, Vergewaltigung, Zerfleischung. Was bringt ein vermeintlich imposantes Schlachtgetümmel, wenn sie dich nicht zu packen vermag? Und dann, wenn die Flut kommt, beobachtet man die Menschen, die sich vor Angst an den Felsen festklammern, aus unnahbarer Entfernung dabei, wie sie von den Wellen erfasst und in den Tod gerissen werden. Was soll man da auch groß an Empathie reinstecken? Das sind doch größtenteils alles unmenschliche sündige und bösartige Kreaturen und zusätzlich noch so weit weg. Wie sollen sie einen da nur berühren können? Höhepunkt ist dann natürlich Cain mit seiner Rede auf dem Schiff, der Mensch sei nur dazu erschaffen um sich die Welt wie Gott Untertan zu machen.

Aber stattdessen verlagert sich der innere Konflikt Noahs auf einen kleinen Kreis, nämlich auf seine Familie, die mir mindestens genauso fremd ist, wie Ila zu Beginn des Abenteuers. Ein weiterer Versuch Intensität in die Geschichte reinzubringen, aber auch das kann die nicht vorhandenen Empfindungen und das Mitgefühl für die Figuren nicht hinterm Ofen hervorlocken. Stattdessen treibt alles in ähnlich gemächlichem Tempo wie die Arche selbst nur so vor sich hin.

Entweder man ist in solchen Fällen als Regisseur konsequent oder nicht. Scheitert dies beim ersten Mal, dann ist diese Chance schnell verloren. Und genau das ist Aronofsky hier passiert und sowohl ihm als auch mir als Zuschauer zum Verhängnis geworden.

Dass nicht jeder Mensch von Grundauf gut ist, das weiß ja nun wirklich jeder. Aber c’mon… Stell dir mal vor Tubal wäre ein besonnener, einigermaßen anständiger Mensch gewesen. Nur mal so als Gedankenspiel. Was man damit hätte anstellen können…

Flood of objections … Darren Aronofsky's Noah.„Noah“ ist ein Film der mich aufgrund seiner adynamischen und gefühlskalten Erzählung zu keiner Zeit zu fesseln vermag und es lieber vorzieht in seinen unendlich langen zeitrafferähnlichen Sequenzen und aufgedunsenen Bildern zu ertrinken. Dass der Film auf seine religiösen Eckpfeiler einigermaßen pfeift und unseren Protagonisten gerne mal im Regen stehen lässt ist zu begrüßen. Jedoch ging dadurch auch eine notwendige vorantreibende Kraft verloren, die erzähltechnisch auch anderweitig nicht gefunden wurde. Wenn man schon bereit ist auf ebendieses Fundament zu verzichten, dann fehlt da einfach etwas. Denn anstatt seine zur Rettung (und Unterhaltung) erbaute Arche zu betreten und somit eine intensive Geschichte über einen Mann mit der größten aller Bürden zu erzählen, wie viel nämlich ein einzelner Mann bereit ist aufzugeben, fackelt Aronofsky diese, der Einfachheit halber, lieber ab.

Der erste persönliche Kinoflop dieses Jahr, und was für einer. Selten schien mir die Anzahl der Lichtquellen im Kino interessanter, als das Geschehen auf der Leinwand selbst.

2/10 Punkte
Noah-PosterNoah [Noah]
Jahr: 2014 US
Regie: Darren Aronofsky
Cast:
Russell Crowe
Jennifer Connelly
Emma Watson
Logan Lerman
Anthony Hopkins
Ray Winstone
Nick Nolte
Kevin Durand
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2 Kommentare zu „Review: Noah (2014 US)“

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