Review: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013 US)

Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein ganz und gar leichtfüßiger Film, der einem seine Aussage zwar immer wieder ins Gesicht drückt, es aber mit einer Herzlichkeit und guten Laune tut, sodass man es ihm gar nicht übel nehmen kann.

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Walter und Cheryl im Plausch

Wer kennt das nicht? Tagträume, die auf ewig nur Träume bleiben werden, ehe man nicht seinen inneren Schweinehund überwindet, um sich alsbald ins Abenteuer zu stürzen. Klar, es läuft nicht immer so wie man es sich wünscht, letztlich findet sich aber immer ein Weg ans Ziel. Nur wie der aussieht, das weiß man nie.

Liegt darin nicht der gewisse Nervenkitzel? Das Abenteuer des Lebens? Es muss ja nicht mal sowas ausgefallenes wie bei Walter sein. Ein paar Stufen kleiner könnte sich das sicher jeder vorstellen. Und dennoch traut man sich viel zu selten. Schön dass man so etwas wenigstens auf der großen Leinwand bestaunen darf. Denn Ben Stiller liefert genau das mit seinem Film.

Was mich aber wirklich umgehauen hat, war die Art und Weise, wie sie ihn wohl kaum einer zugetraut hätte. Zunächst hat er einen großartigen Cast für den Film zusammengetrommelt. Stiller habe ich wohl nie besser gesehen, Kristen Wiig ist so grundlegend sympathisch als Loveinterest, Adam Scott präsentiert das Chefarschloch schlechthin, Patton Oswalt als Todd peppt mit seinen Anrufen an Walter immer wieder alles ein bisschen auf, Shirley MacLaine als Mutti wie man es sich eben vorstellen würde und Sean Penn kommt mit seinem minimalistischen Spiel einer schauspielerischen Urgewalt gleich. Die Figuren sind so wohlplatziert, Ernst und Witz gehen Hand in Hand und alles befindet sich im Fluss, es kommt nie zum Stillstand. Und wem das noch nicht reicht: Die Bilder sind so richtig großes Kino: Die gesättigt warmen Bilder umschmeicheln den Zuschauer mit einer Wohlfühlatmosphäre und werden untermalt von einem Soundtrack u.a. von Of Monsters & Men, der dezenter und passender nicht hätte sein können. Wer musste nicht innerlich in sich selbst rein grinsen, als Walter bspw. auf dem Longboard die Serpentinen auf Island runter rast oder Sean O’Connell auf dem Flieger dem Vulkan entgegenfliegt? Solche Bilder entfalten eine wunderschöne Wirkung und tragen zum positiven Grundgefühl des Films bei, das einem durchwegs erhalten bleibt und letzten Endes dazu führt, dass man mit einer verdammt guten Laune das Kino verlässt.

„Und wann drückst du auf den Auslöser?“

„Manchmal… gar nicht. Wenn ich einen Moment so schön finde, dann will ich ihn selbst erleben.“

Ist Walter endlich am Ziel?
Ist Walter endlich am Ziel?

Wer hätte gedacht, dass Ben Stiller mal solch einen wunderbaren Film raushauen würde? Ich zunächst nicht, aber schon nach dem ersten Trailer wurde ich eines besseren belehrt.

Chapeau dass dieses Niveau nahezu konstant gehalten werden konnte.

PS: Vergleiche mit „Forrest Gump“ finde ich nur teilweise angebracht. Klar, das Prinzip ist in etwa das Gleiche, aber doch unterscheiden sich beide Filme genug voneinander. Das „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ keinerlei Ambitionen hegt dem Film in irgendeiner Art und Weise Konkurrenz zu machen, sollte einem nach dem Film klar sein. Denn dieser hier hat definitiv seinen eigenen Stil gefunden und brauch sich da nichts reinreden zu lassen.

8/10 Punkte

das-erstaunliche-leben-des-walter-mitty-posterDas erstaunliche Leben des Walter Mitty [The Secret Life of Walter Mitty]
Jahr: 2013 US
Regie: Ben Stiller
Cast:
Ben Stiller
Kristen Wiig
Adam Scott
Shirley MacLaine
Patton Oswalt
Sean Penn

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