Roger Deakins

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Roger Deakins

Es gibt verschiedene Arten von Kameramännern/-frauen: Die einen nimmt man als gegeben hin. Sie spulen ein Standardprogram ab und sind einfach da, als notwendiger Baustein eines Films. Diese gibt es zuhauf. Dann gibt es diejenigen, die dich allein durch ihre Bilder und geschickte Kamerafahrten zum Staunen bringen. Hier wird das Feld schon enger, aber mitunter zähle ich Emmanuel Lubezki mit seinem Händchen für wahnsinnig intensive Plansequenzen („Gravity“, „Children of Men“) zur Creme de la Creme dazu. Da kommt einem gut und gerne mal der Gedanke hoch: „Wie zum Geier macht er das überhaupt?“ und man sitzt mit einem breiten Dauergrinsen im Kino. Auch wenn man mit Lubezki schon einen unheimlich talentierten Mann hinter der Kamera hat, diese Art der Kameraführung gehört für mich zu der Gruppe „Ab hier nimmt man (überdeutlich) Notiz von der durchdachten Arbeit“.

Und dann, dann gibt es die Kategorie des glücklichen Händchens für die ultimativen Bilder. Auch wenn ich mich mit diesem Bereich des Films nie sonderlich beschäftigt habe und auch nur eine Handvoll Namen zusammenkratzen kann, so gibt es den einen der mich mit seinen Bildern förmlich in den Film saugen kann.

Es war damals im Kino zu „James Bond: Skyfall“. Da gab es diese eine Szene, in der Bond in dem Hochhaus in Shanghai auf den Profikiller Patrice trifft. Der gläserne Turm ist in der Nacht verschwunden, das Glas reflektiert vereinzelte Lichter von der einzigen Lichtquelle weit und breit: einem blau gelb leuchtenden Reklameschild. Die Kamera ist auf Bond gerichtet, welcher ruhig hinter der reflektierenden Scheibe schleicht, das Gesicht in blau getaucht. Ansonsten nur Dunkelheit und ein Licht vom Tower gegenüber.

"James Bond: Skyfall"
„James Bond: Skyfall“

Ernsthaft, ich war noch nie zuvor von einer solch ästhetischen Bildkomposition beeindruckt wie hier. Allein die Bilder die ich in mich aufgesogen habe. Der Wahnsinn. Also den Abspann abgewartet und den Namen gelesen. Ahaa. Dieser Mann ist also dafür verantwortlich. Dann, letztes Jahr das gleiche Spiel im Kino zu „Prisoners“: Den Film fand ich zwar schwach, aber diese Bilder. Diese wunderschönen Bilder. Allein die Szene an der Tankstelle. Wieder Nacht, die Tankstelle, mittig, hell erleuchtet, links die Frontscheinwerfer eines Autos und die einzeln stehende beleuchtete Tankstellenreklamewand. Und dann sehen wir uns mit Detective Loki den Wohnwagen an, der zuvor in die Böschung gekracht ist. Auch hier wieder die beleuchtete Tanke im Hintergrund, das Auto strahlt den Wohnwagen an, und sorgt so für einen verstärkten Kontrast. Auch das Bild wirkt jetzt nicht mehr so matt und verregnet, sondern knallig, der Wohnwagen und Detective Lokis Silhouette stechen förmlich heraus. Allein das Spiel mit Licht und Schatten funktioniert hier tadellos:

Prisoners_shot_08a
Entliehen von http://mattscottvisuals.com/

Das ging den ganzen Film so und zuhause musste sofort ergooglet werden, wer denn hier wieder für die Kamera Sorge tragen musste. Überrascht hat es mich nicht, dass ich schon wieder auf Roger Deakins‘ Namen gestoßen bin. Denn Parallelen zu seiner Arbeit in „Skyfall“ hatte ich definitiv noch im Kopf und irgendwie war da dieses vertraute Gefühl da, dieses Gefühl diese Handschrift schon einmal gesehen zu haben. Täuschen sollte ich mich nicht…

Danke Roger Deakins. Danke für diese perfekten Bilder die sich in meinem Kopf festgesetzt haben, für die Erkenntnis was man wie alles bewerkstelligen kann, um einem Film noch mehr zu geben. Allein durch eine adäquate Verwendung von Licht und Schatten, kräftige, satte Farben und und und. Selten habe ich Filme nur durch ihre Bildsprache so intensiv wahrgenommen wie bei ihm. Bei einem Meister seines Fachs. Da freue ich mich gleich dreifach auf die noch ungesehenen Coen-Filme, Jesse James, Die Verurteilten… Huii, da geht mir ja jetzt schon das Herz auf.

Hier hat sich übrigens jemand die Mühe gemacht und Deakins‘ Arbeit in „Prisoners“ genauestens analysiert. Interessanter und lesenswerter Stoff, nicht nur für Kamerafetischisten:

http://mattscottvisuals.com/blog/2014/1/10/-what-are-you-looking-at-disecting-the-work-of-a-master

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4 Kommentare zu “Roger Deakins”

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