[Doppelreview] Olympus Has Fallen & White House Down (2013 US)

OHF vs. WHD

Heute gibt es die Action im Doppelpack.

Über die Jahre gab es immer wieder Filme, die sich im Prinzip gleich sind, bei genauerer Betrachtung aber doch deutliche Unterschiede aufweisen und deshalb gerne als Vergleichsmaterial zu Rate gezogen werden. So kann man die berüchtigte Gretchenfrage bei Filmen wie Heat und Ronin oder Con Air und The Rock – Fels der Entscheidung stellen. Letztes Jahr kamen mit Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr und White House Down wieder zwei solche Filme ins Kino. Nur diesmal ist die Ausgangslage vollkommen identisch und einige Plotpoints verlaufen ebenfalls gleich.

Zumindest an den Kinokassen konnte sich Antoine Fuqas‘ White House Actioner Olympus Has Fallen (intl. knapp $99 Mio) gegenüber Emmerichs Streifen (intl. $73 Mio) durchsetzen. Doch welcher Film ist nun „besser“? Und wer sollte zu welchem Film greifen?

Olympus Has Fallen ist ein straighter Actioner, der absolut keine Gefangene macht. Schon nach wenigen Minuten gibt der Film ein Tempo vor, an das man sich erstmal gewöhnen muss. Denn wer hier nicht bei drei in Deckung ist, wird von Kugeln förmlich durchsiebt. Das CGI-Blut spritzt und quillt, das Weiße Haus ist im Nu von einer Guerilla-Truppe eingenommen. Doch schon zu Beginn entwickelt sich ob dieser Actionorgie ein äußerst fader Beigeschmack: Die Darstellung des Bösen.

Die grünen Teufel von 1968 wäre im Vergleich hierzu echte Kindergartenpropaganda. Denn genau so wie es der Film anstellt, werden Feindbilder geschaffen. Ironie hin oder her, manchmal ist es schon fast widerlich, was hier vom Stapel gelassen wird.
olympus-has-fallen03 Jetzt wird der eine vermutlich sagen, aber das trägt doch zur Härte bei! Ja, in gewisser Weise schon. Aber wenn hier u.a. noch zig mal auf bereits Tote geschossen wird, dann hört der Spaß auf. Zur Schau gestellte Gnadenlosigkeit mag einigen zwar gefallen, aber hier ist für mich eine Grenze überschritten. Dazu gesellt sich ein bierernster Ton, der zwar von Frontsau Gerard Butler und seinen Onelinern versucht wird zu durchbrechen, aber der Film strotzt nur so vor Ernst. Und das zeigt uns Fuquas Inszenierung schon früh: Für Späße ist hier kein Platz.
Die Bösen kennt man zwar nicht, aber ihre Motive sind glasklar. Vielleicht vorhersehbar, aber hier wird sich nicht in eine Richtung verrant, die den Streifen nur unnötig in die Länge zieht.

xgerard-butler-stars-in-olympus-has-fallen.jpg.pagespeed.ic_.aUVf1Vl4saDas wiederum sorgt für eine enorm stringente Handlung.
Butler walzt alles nieder was sich ihm in den Fluren des Weißen Hauses in den Weg stellt und macht dabei keinerlei Gefangene. Für eine Lovestory ist nur am Rande etwas Platz, allerdings stört diese hier keinesfalls. Auch Morgan Freeman rettet den Film mit seiner gottgleichen Art, immer alle Fakten im Blick. Manchmal ist es doch ganz nett eine Verschnaufpause gegönnt zu bekommen. Statt sich aber in unzähligen Nebenhandlungen mit verschnörkelten Ideen zu verlieren, geht der Film konzentriert vor, hat nur eine Mission, von der er sich nicht abbringen lässt. Testosteron im Überfluss, gespickt mit markanten Logiklöchern, bei denen es mich schüttelt. Aber zum Glück sprechen wir hier von einem Actionfilm. Die dürfen das ja… Geheimcodes sind über 18 Monate aktiv… *kicher*

Doch der größte Störfaktor ist der beißende Amipatriotismus. Ich kann über sowas für gewöhnlich sehr gut hinwegsehen, aber hier wird einem die Amiflagge förmlich links und rechts ins Gesicht geklatscht, kaum eine Szene kommt ohne das heilige Symbol und Selbstbeweihräucherung aus. In Verbindung mit dem gnadenlos auf seriös getrimmten Grundton wird dieses Gehabe schon fast zur Qual.

Olympus Has Fallen ist ein harter, kompromissloser und temporeicher Actionfilm, der nur leider vor soviel Patriotismus strotzt, dass einem wirklich schlecht wird. Das einzig positive war Butler und die heftige, nüchterne Gangart, die heutzutage für solche Streifen recht unüblich geworden ist.

Kommen wir zu Roland Emmerichs neuestem Streich. White House Down.
Wer es nüchtern, hart und rein auf die Action reduziert mag, wird hier nicht glücklich werden und ist mit Olympus Has Fallen weitaus besser bedient. Denn White House Down braucht erstmal eine halbe Ewigkeit, bis überhaupt die Exposition  abgeschlossen ist und es einigermaßen zur Sache geht. Obwohl der Film im Gegensatz zu seinem Pendant ein Stück weit besser, soll heißen quantitativ „besser“White-House-Down2 besetzt ist, kann er diesen Trumpf nicht ausspielen. Die bösen Buben bleiben blass, einer von ihnen kann immerhin durch sein Charisma glänzen. Auf der guten Seite hat man nur selten das Gefühl einer nahen Bedrohung, da kann auch die Vater-Tochter-Kiste nicht viel dran ändern, obwohl Joey King als Tatums Filmtochter Emily wohl noch das beste rausholt. Nur leider verliert sich der Film dadurch immer wieder in unzähligen Situationen, welche nur unnötig Zeit rauben. Zeit, die hier mit 2 Stunden und 11 Minuten viel zu lang bemessen ist.

Wo OHF auf Stealthrambo macht, geht es in WHD so dermaßen dialoglastig zur Sache, dass die über zwei Stunden Laufzeit zur Qual werden. Es wird gesprochen und gelabert, Taktik hin, Taktik her, am Ende weiß man doch eh dass das alles nichts wird. Stattdessen wird sich auch hier wieder so blöd angestellt, dass man sich fragen muss, wie manche Menschen überhaupt an ihre Führungsposten gekommen sind.

Was den Emmerich-Film aber weitestgehend erträgerlicher als seinen Gegenspieler macht, ist die recht locker gedrehte Patriotismusschraube. Zwar weht auch hier häufig die Flagge durchs Bild, untermalt vom typischen Score, aber dieser ganze Quark wird einem von Emmerich wie sonst auch immer mit dem gewissen Augenzwinkern präsentiert. Das ist bei so einem Streifen auch bitter nötig.

Dass sich der ganze Film nicht so ernst nimmt, liegt dabei zum einen an den aufgeweckten Sprüchen des Mr. President / Jaimie Foxx und zusätzlich an der relativ offen gehaltenen Struktur des Films. 1183878 - WHITE HOUSE DOWNSo gibt es ein paar recht ulkige Einfälle, wie die Verfolgungsjagd im Garten des Weißen Haus. Die Kulissen sehen allesamt schick aus, auch wenn ich mich wundern musste, ob die Räume wirklich alle nur so klein sind… Anyway, Channing Tatum sehe ich mittlerweile auch recht gern, nur muss er sicht nicht alle fünf Minuten in Slow-Mo durch eine Fensterscheibe werfen, um zu beeindrucken…

White House Down ist eine typisch amerikanische 0815-Actionproduktion, die sich glücklicherweise nicht allzu ernst nimmt und einen ansehnlichen Cast vereint. Obwohl vorhersehbar bis zum Schluss und vor Logiklöchern nur so triefend, hätte es weitaus schlimmer kommen können. Weniger Dialognonsens und dafür ein stetigeres Erzähltempo hätte hier jedoch wahre Wunder vollbracht. Somit reicht es, ihn wenigstens einmal gesehen zu haben. Ausbaufähig ist er zwar definitiv, trotzdem macht er stellenweise richtig Laune; dank dem typischen Emmerich-Faktor und zahlreichen Anspielungen auf die Actionfilme der 90er.

Wer es also roh, reduziert und kompromisslos mag, der ist mit Olympus Has Fallen weitaus besser bedient, sofern man sich nicht vom überbordenden Patriotismus erschlagen lässt.
White House Down braucht eine Ewigkeit bis er überhaupt mal zu Potte kommt, auch die zur Schau gestellte Gewalt ist nicht ganz so heftig wie in seinem Gegenstück. Dafür nimmt sich letzterer nicht allzu ernst, was man Roland Emmerichs leicht ironischer Handschrift verdankt und auch bei den Figuren werden sich immerhin (unnötig) Gedanken gemacht. Das alles macht die Patriotismusklatsche weitestgehend erträglicher. Nun liegt es an euch: Welcher Film zerlegt das Weiße Haus auf ansprechendere Art und Weise?

Olympus Has Fallen: 5,5/10 Punkte
White House Down: 6,5/10 Punkte

olympus_has_fallen_ver10Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr [Olympus Has Fallen]
Jahr: 2013 US
Regie: Antoine Fuqua | Drehbuch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt
Cast:
Gerard Butler
Aaron Eckhart
Morgan Freeman
Rick Yune
Dylan McDermott
Melissa Leo
Angela Bassett

white-house-down-plakat-hWhite House Down [White House Down]
Jahr: 2013 US
Regie: Roland Emmerich | Drehbuch: James Vanderbilt
Cast:
Channing Tatum
Jamie Foxx
Maggie Gyllenhaal
Jason Clarke
James Woods
Richard Jenkins
Joey King

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