[Film] Only Lovers Left Alive (2013 GB/DE)

Only-Lovers-Left-Alive-Quad-Poster KopieNach all den knalligen, hektischen Blockbustern dieses Jahr wird es nun Zeit für etwas ruhiges. Was läge da also näher, als Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive? Die ultimative Entschleunigung und zeitgleich mein erster Jarmusch überhaupt.

Der Film vermag es schon zu Beginn mit seiner ästethischen Bildsprache einen Sog zu entwickeln, dem man sich nur sehr schwer entziehen kann. So verliert man sich schnell in den unterschiedlichen Welten, in denen Adam und Eve ihr unendliches Dasein fristen.

Die beiden Figuren, Adam (Tom Hiddleston), der deprimierte und in Detroit lebende, zurückgezogene Undergroundmusiker und seine Frau Eve (Tilda Swinton), welche tausende Kilometer von ihm entfernt in Marokko lebt, sind so minimalistisch gehalten und gespielt, zeitgleich aber auch so aussagekräftig in ihrer Essenz.
Alles ist reduziert, es passiert so wenig und doch so viel. Die Launen der Charaktere werden zusätzlich durch den wunderbaren Klangteppich, der mal psychedelisch und dunkel, mal voller Energie ertönt, so treffend untermalt, dass einem die Laufzeit von 2 Stunden gar nicht richtig bewusst wird. Leider vermag es einzig Mia Wasikowska, die hier wie ein Fremdkörper wirkt, die entspannte Ruhe zu durchbrechen. Auch wenn ihr Auftritt zur ein oder anderen komischen Situation führt und den Film in seiner Gesamtheit etwas auflockert, ja förmlich das uns bekannte Leben einhaucht, reißt sie einen mit ihrer kindlichen Art aus dem sonst so gemächlichen Film. Sie ist der einzige Störfaktor, der mir die aufgebaute Atmosphäre zunichte macht.  Wer es jedoch gerne etwas aufgeregter mag und für die Abwechslung offen ist, der wird mit Ava (Wasikowski) größte Freude haben.
Als kleinen Ausgleich dieser Ausgelassenheit bietet uns Jarmusch die Randfigur des Ian an, welcher von Anton Yelchin kauzig und mit einem Hauch neben der Spur verkörpert wird. Er lässt Adams Lebenslust, wenn auch nur kurz, zurückkehren, wenn er dem des Lebens überdrüssigen, musikalisch jedoch begabten Vampirs rare Instrumente liefert. Zudem dient Ian als einzige Verbindung Adams nach außen, zur „Zombiewelt“. Neben ihm findet sich sonst nur noch Marlowe (John Hurt), als der einzig nennenswerte  Nebencharakter des Films. Hurt würde ich ohnehin jedesmal wenn ich ihn sehe mit Preisen überhäufen, denn bei ihm reicht ein Blick in die Kamera vollkommen aus, womit jedwede weiterführenden Worte reinste Verschwendung wären.

Und dennoch sind es die eigentlichen Helden des Films, Tilda Swinton und Tom Hiddleston, die hier einer schauspielerischen Wucht gleichkommen. Anders kann man es gar nicht ausdrücken. Wenn man ihnen in die Augen sieht und dieses Funkeln in ihnen erkennt, dann rückt alles andere in den Hintergrund. Die Liebe zwischen den Beiden, die Ekstase, wird spürbar und greifbar, selbst wenn sie sich nur unterschwellig anbahnt. Der schmale Grat zwischen Hingezogenheit und Eigendestruktivismus wird in einem Drahtseilakt gekonnt beschrittem und zieht einen förmlich in seinen Bann.
Gerade Hiddleston als dieses kleine Häufchen Elend mit seinem eigenzerstörerischen Verhalten und den trockenen, schwarhumorigen Bemerkungen, spielt die Rolle so gelassen und verdammt anziehend, auch wenn er hin und wieder zum kleinen Kotzbrocken wird. Auf ihn ist nunmal Verlass, zumal seine Figur auch eine gewisse Identifikationsbasis bietet.

Will man denn unendlich lange leben und der Menschheit dabei zusehen, wie sie sich nach und nach selbst zu Grunde richtet? Will man sein Leben lang unentdeckt bleiben, oder ab und an doch mal ein Echo der eigenen Existenz hören?

Only Lovers Left Alive ist die romantisch verklärte Liebesgeschichte zweier Wesen, die sich bereits durch die Jahrhunderte zog und nun in der Moderne angelangt ist. Ein Film, der den Zuschauer in seiner angehem depressiven Grundstimmung treiben lässt, ohne sich auf allu konstruierte Tragik und erzwungene Elemente zu stützen. Und ganz nebenbei gelingt es Regisseur Jim Jarmusch mit Bravour,  den (geistigen) Verfall der Menschheit oder wie Adam es ausdrücken würde, die Entwicklung der Menschen zu Zombies, auf subtile Weise zu thematisieren, wenn nicht sogar zu erläutern.

8/10 Punkte

only-lovers-left-alive-poster-dtOnly Lovers Left Alive
Jahr: 2013 GB/DE
Regie & Drehbuch: Jim Jarmusch
Cast:
Tom Hiddleston
Tilda Swinton
Mia Wasikowska
Anton Yelchin
John Hurt
Jeffrey Wright

Bilder: [© Recorded Picture Company]

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2 Kommentare zu „[Film] Only Lovers Left Alive (2013 GB/DE)“

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