[Film] The Raid (2012 IN/US)

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Dem walisischen Regisseur Gareth Evans gelang im Jahr 2012 mit seiner indonesisch, amerikanischen Produktion ein kleines aber feines Martial Arts Spektakel, dass ihm eine ganze Menge Respekt von Freunden des (Martial-Arts-)Actionfilms einbringen sollte.

Zurecht, wenn man diesen Film gesehen hat.

Die Handlung ist dabei schnell erzählt: Eine Spezialeinheit der Polizei soll ein Hochhaus stürmen, in dem sich ein Gangsterboss eingenistet hat. Und wie das Filmposter schon verlauten lässt, gibt es an der ganzen Sache nur einen Haken:

1 Ruthless Crime Lord
20 Elite Cops
30 Floors of Hell

Ich hatte damals das Glück, diesen Geniestreich beinahe vollkommen unvoreingenommen im Kino sehen zu können. Weder war mir vorher Gareth Evans ein Begriff, noch sein Darstellerensemble rund um den Indonesier Iko Uwais. Ein Jammer. Denn obwohl die Handlung nicht viel hergibt, ist The Raid in fast allen Belangen der perfekte Actionfilm.
Zum einen liegt das an der extrem spürbaren Präsenz der physischen Gewalt. Diese wird ohne störende verspielte Schnitte behutsam eingefangen und ist dabei roh, brutal und intensiv. Die Kicks und Schläge schmerzen schon beim zusehen, von der Zuhilfenahme anderer Objekte ganz zu schweigen. Hier geht es weder darum im Kampf möglichst ästethisch auszusehen oder die gestählten Körper der Akteure zur Schau zu stellen, sondern rein darum, seinem Gegner maximale Schmerzen zuzufügen. Doch zu sagen dass die Kämpfe deshalb nicht schön anzusehen seien, wäre falsch. Wie bereits geschrieben, nutzt Evans gerne ruhige Kameraeinstellungen um die teils sehr ausufernden Kampfsequenzen geschickt einzufangen. Statt nun auf hektische Schnitte zurückzugreifen, die eine unübersichtliche Kampfsituation widerspiegeln sollen, verpasst er diesen Szenen auf diese Weise nur noch einen kleinen Feinschliff. Den Rest überlässt er seinen Kampfmaschinen rund um Iko Uwais und Yayan Ruhian. Und wenn Uwais Charakter Rama austeilt, dann kann der Zuschauerpuls schon mal in die Höhe schnellen.
Ein weiterer, cleverer Kniff von Evans, welcher die dünne Story wettmacht, liegt in der Inszenierung an sich. Der Regisseur ist sich vollkommen bewusst dass diese Handlung nicht viel hergibt. Deshalb nutzt er lediglich die Mittel die ihm zu Verfügung stehen und baut gekonnt darauf auf. Natürlich sind die Figuren ideale Pappkameraden. Von gut 2/3 der Polizeitruppe erfährt man im Laufe des Films nicht einmal die Namen. Na und? Mal abgesehen davon dass es irgendwann ohnehin auf eine One Man Show hinauslaufen wird, kann der Film allein durch seine Bildsprache eine übermäßige Spannung erzeugen. Und ich rede beileibe nicht nur von den grandios und auf rein physische Gewalt ausgelegten Kämpfen. Sondern auch von den zahlreichen unfassbar spannenden Momenten, in denen einem als Zuschauer schier der Atem stockt. Szenen, in denen man die Anspannung greifen kann, wenn sie einem nicht vorher schon längst den Rücken hochgejagt ist. Wenn man nur darauf wartet, dass sich das angestaute Adrenalin in gewissen Szenen entlädt, man weiß, dass gleich die Hölle losbrechen wird. Wenn in versifften Wohnungen und schmalen Korridoren zwei top ausgebildete Kämpfer aufeinandertreffen…

Und genau darin liegt die hohe Kunst, aus wenig mehr zu machen.
Auch der Soundtrack von Joe Trapanese, Mike Shinoda (Linkin Park) und Chino Moreno (Deftones) passt mit seinem elektronischen Sound zur elektrisierenden Atmosphäre des Films. Gerade die zahlreichen Abwandlungen vom Creditsong „Razors.Out“ gehen nicht nur gut ins Ohr, sondern sorgen für eine nicht zu aufdringliche Untermalung des Geschehens.
Die Kampfsequenzen habe ich ja nun auch zur Genüge gelobt, denn wenn man bei diversen Aktionen zusammenzuckt, dann ist einem alles andere ohnehin egal. Da hat der Film sein Ziel schon längst erreicht und  man vergisst, dass man sich zuvor noch das Bier und Popcorn bereitgestellt hatte.

Ohne viel Firlefanz machen der walisische Regisseur Gareth Evans und seine Darsteller also genau das, was sie verdammt gut können, gönnen sich selbst und dem Zuschauer kaum Pausen zum Durchatmen und definieren das Genre der handgemachten Martial Arts-Action von Grund auf neu.

The Raid ist kurz und knapp formuliert DER auf Zelluloid gebannte Adrenalinkick, den man als Actionfan einfach gesehen haben muss. Ein Film der keinerlei Gefangene macht und ganz gewiss eine Demonstration des reduzierten, dafür aber gekonnten Handwerks darstellt. Besser, und vorallem intensiver, geht es kaum. Da steigt schon die Gier nach der Ende Juli in Deutschland anlaufenden Fortsetzung The Raid 2: Berandal hoch.

9/10 Punkte

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Jahr: 2012 IN/US
Regie & Drehbuch: Gareth Evans
Cast:
Iko Uwais
Pierre Gruno
Tegar Satrya
Eka Rahmadia
Joe Taslim
Ray Sahetapy
Doni Alamsya
Yayan Ruhian

Bilder: [© Pt. Merantau Films, Celluloid Dreams, XYZ Films]

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2 Kommentare zu “[Film] The Raid (2012 IN/US)”

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