[Review] Transformers: Ära des Untergangs (2014 US)


Transformers
. Ein flackerndes Leinwandparadoxon, das so verteufelt wird und gleichzeitig in regelmäßigen Abständen für volle Kinokassen sorgt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Machen wir uns nichts vor, nach dem wirklich schlechten dritten Teil The Dark of the Moon waren die Erwartungen im Keller und die Vorstellung auf ein Reboot/Sequel/Rebootquel(?) ließ nicht gerade große Freude aufkommen. Die Ära des Untergangs musste sich also gewaltig auf was gefasst machen.

Umso überraschender ist es, wie Michael Bay in manchen Dingen dazugelernt hat und dem Reboot somit reelle Chancen einräumen kann, nicht gleich sofort in Grund und Boden gestampft zu werden. Angefangen bei der nötigen Änderung im Hauptcast, jetzt mit Mark Wahlberg als Robotiktüftler Cade Yaeger an der Spitze und als Anhängsel eine Tochter-Freund Kiste. Kann funktionieren, klappt hier sogar ganz gut, nur muss der Zuschauer nicht alle 10 Minuten daran erinnert werden, dass die hübsch anzusehende Nicola Peltz Marky Marks Filmtochter statt Freundin/Verlobte/Frau spielt. Genauso wenig muss anfangs alle paar Minuten die derzeitig finanziell dürftige Situation der Familie durchgekaut werden. Aber gut. Ansonsten stimmt die Chemie der Truppe, mehr braucht es bei dieser Art Film ja auch nicht. Immerhin haben wir hier keine hyperaktiven Eltern an Bord, die einen innhalb von Sekunden auf die Palme bringen. Auf der anderen Seite haben wir Kelsey Grammer, der den Standardfiesling mimt, was ihn dahingehend nicht allzu interessant gestaltet. Zu versessen eindimensional ist sein Ziel und sein Handlanger Savoy (Titus Welliver) bekommt beinahe eine noch undankbarere Rolle als der damalige John Turturro in den Vorgängerfilmen spendiert, wird doch schon aufgrund der most epic Inszenierung á la BAYHEM sämtliche Häme auf ihn gerichtet. Armer Kerl. Immerhin darf Stanley Tucci seine Bodenhaftung wahren und im weiteren Verlauf des Films für sympathische Lacher sorgen. Wer ihn nicht gerne sieht, der hat auch sonst keine Freude im Leben… falls doch, bitte nicht böse nehmen, aber Tucci ist einfach einer dieser Sympathieanker. So auch hier und im Doppelpack mit Wahlberg und Co. macht er noch mehr Spaß.

Sobald die Figuren dann endlich auf platt ausführliche Weise vorgestellt wurden („Du kannst doch nicht all unser Geld für diesen Schrott ausgeben!“ „Aber wir haben doch kein Geld, was willst du dann mit diesem Schrott?“ „Wie willst du denn[…]?“ Ihr versteht?), darf sich der Film auf seine eigentlichen Elemente konzentrieren. Nach einer dreiviertel bis ganzen Stunde wird es ja auch mal Zeit. Wie Bay-typisch dürfen hier weder die übersättigte Bildsprache, noch Explosionen fehlen und kaum kommt die Handlung in Fahrt, gibt es auch schon die ersten Krachbummaktionen. Die Action fetzt, so soll es ja auch sein, und wenn Optimus Prime nach ewig langer Wartezeit endlich zu seinem alten (neuen) Design zurückkehrt, mit Bumblebee und den anderen Autobots im Anschluss, dann geht das Fanherz auf und vertröstet über den gemächlich langatmigen Anfang. Dummerweise habe ich schon wieder vergessen was nun folgt, daher erspare ich euch die unzähligen Storyelemente im Detail.

Soundtechnisch konnte mich Steve Jablonskys sonst so gelungener Transformersscore leider nicht vollends überzeugen. Gut, das eingängige Hauptthema der Autobots ging auch hier wieder gut ins Ohr, der Rest ging im Actiontumult jedoch gnadenlos unter, was u.a auch einem unglücklichen Soundmix geschuldet sein mag. Zumindest kamen die melodiösen Stücke immer nur in den explosivsten Sequenzen vor. Schade. Genauso verhielt es sich mit dem Soundtrack der Imagine Dragons. Was bei Linkin Park noch wohlplatziert wirkte, erscheint hier wie unüberlegt reingequetscht. Ganz ohne Sinn und Verstand und letztlich auch unpassend.

Was handlungsmäßig auffällt, ist die Überladenheit des Films. Wir haben eine Familie, die Autobots, Lockdown, Decepticons, Chicago, Beijing, Hongkong, eine Bombe, Dinobots, Alienwaffen, Raumschiffe und ganz viel anderes Zeugs. Und doch schafft es Bay sich zwischendrin in so vielen Nichtigkeiten zu verlieren, dass man sich wirklich fragen muss, was er mit den knapp 3 Stunden überhaupt macht und wofür er nun dies und das eingebaut hat. Wenn sich schon nicht in Actionorgien verloren wird, dann lässt er seine Figuren nämlich jetsetten und reden.

Sehr sehr viel reden. Es fühlt sich teilweise schon Hobbitmäßig an, wenn wenig Inhalt mit ganz viel Nichts aufzufüllen versucht wird. Aber jedem das seine. Übersteht man diese größtenteils nüchternen Phasen, gibt es actionmäßig wieder ordentlich auf die Mütze, was auch richtig schick aussieht. Slow-Mo, Explosionen, entgegenfliegende Funken oder Aschepartikel (gestochen scharfes 3D, abgesehen davon und einigen räumlichen Elementen aber völlig unnötig) und noch mehr ausufernde Action, etc. Es sieht gut aus, es wird mit kessen Sprüchen der Autobots aufgelockert, aber irgendwann erscheint es einfach zu viel, manchmal kam mir schon der Gedanke wie herzlos manches doch ausschaut. Ich kann es nicht genau erklären, man konnte der Action gut folgen, aber zu viele Einfälle ließen manche Szenen wie zusammengeschustert aussehen – ganz ohne Herzblut darin. Vielleicht erging es euch ja auch so, irgendwie hat zuweilen der besondere Pepp gefehlt.
Tjaa, und dann kamen die Dinobots. Ich komme ja immer noch nicht auf dieses Bild klar, Optimus Prime mit Schwert in der Hand, reitet auf einem feuerspuckenden Mechadino durch Hongkong. Diese Dinobots sind so dermaßen cool gemacht, sodass man sich selbst beim freudigen Lachen erwischt. Nur leider kommen diese viel zu spät. Man hat den größten Teil hinter sich, im Prinzip dienen diese nicht als unbedingt notwendiges Handlungselement, aber hauptsache man hat sie mal gezeigt. Ich mein mich freuts, nur wären sie doch bitte mal früher eingebaut worden…

Doch zwischen so manch herzlosem Schund überzeugt Transformers – Age of Extinction auf’s Neue mit seinen Schauwerten und abgefahrenen Ideen. Zwischen all den Scharmützeln mit interessanten Autobots, deren Special Effects fabelhaft aussehen (Drifter der Samuraibot!), dem amüsanten Cast und dem krachenden, zerstörungswütigen Hin und her zwischen Gut und Böse, machten sich mehr als nur eine Handvoll Lacher breit. Es versteckt sich ein seltsamer Charme im Film, etwas, das mich das gute darin sehen lässt. Es fühlte sich nunmal richtig sommerlich popcornmäßig an. Nichts was fordern will, sondern so, wie wenn Kinder mit riesigen Bauklötzen oder Actionfiguren spielen. Wer fühlt sich nicht gleich wieder wie 12 und muss ein Schmunzeln unterdrücken, wenn Optimus Prime auf einem verdammten feuerspeienden Dinobot durch Hongkong stürmt?!

Ja, der Film ist übermäßig lang, zuweilen unausgewogen, setzt nur auf seine optischen Werte und kann keinesfalls dem kultigen Erstling der Reihe das Wasser reichen.
Aber hey, trotzdem kann Transformers: Ära des Untergangs zwischendurch für Spaß sorgen, auch wenn Bay nicht der übermäßig große Wurf gelungen ist. Ob es nach einer zweiten Runde immer noch so spaßig ist und wie die beiden kommenden Teile abschneiden werden, kann natürlich nur die Zukunft sagen. Bis dahin bleibt mir nur zu sagen, dass ich doch einigermaßen positiv überrascht worden bin. So schlimm wie zuvor befürchtet war es nämlich keinesfalls, auch wenn es als Auftakt der neuen Trilogie noch etwas dürftig erscheint.

6/10 Punkte

Transformers-4-Aera-des-Untergangs-PosterTransformers: Ära des Untergangs [Transformers: Age of Extinction]
Jahr: 2014 US
Regie: Michael Bay | Drehbuch: Ehren Kruger
Cast:
Mark Wahlberg
Nicola Peltz
Jack Reynor
Kelsey Grammer
Stanley Tucci
Titus Welliver
Li Bingbing

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5 Kommentare zu “[Review] Transformers: Ära des Untergangs (2014 US)”

    1. Passiert! Ich mag die Reihe nach wie vor, da machen mir die ganzen verschmähenden Kritiken schon gar nichts mehr aus. Wäre ja auch langweilig, wenn jeder die selben Filme mögen würde. 😉

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  1. Den Teil hab ich leider noch nicht gesehen, aber das werde ich ganz sicher noch. Klar sind die Teile inhaltlich nicht anspruchsvoll. Was soll`s? Ist doch kein Verbrechen ins Kino zu gehen (und ja: die Dinger sind gemacht für die große Leinwand), weil die Filme nun mal so verdammt genial aussehen! Nacher ist man immer so wunderbar aufgekratzt. 😉

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