[Film] The Raid 2 (2014 IN/US)

raid-2-jock-1Gerade als sich Cop Rama (Iko Uwais) als einer der wenigen Überlebenden aus seinem letzten Einsatz retten konnte, steht schon der nächste Job für ihn an: Er soll verdeckt im kriminellen Untergrund Jakartas ermitteln, um Mitglieder der korrupten Oberschicht zu enttarnen.

Da war die monatelange Vorfreude wohl doch etwas zu groß. Den Vorgänger The Raid sehe ich als Meilenstein des Actionkinos, gar keine Frage, und weitestgehend sah es auch beim zweiten Teil gut aus. Ob aber die Ausweitung der Handlung auf einen größeren Zeitraum und mehrere Locations geglückt ist?

Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, mir hätte die Fortsetzung nicht gefallen. Die Kampfszenen setzen noch eins drauf, sind noch kompromissloser gestaltet und bringen einen ganzen Kinosaal zum schaudern. Aber, und jetzt kommt das große aber: Mir war in diesem Teil die Story zu vordergründig.

Wo der erste Teil durch seine Beschränktheit in Raum und Zeit eine knisternd intensive, bedrückende Stimmung erschaffen und vor allem auch über die knackigen 90 Minuten halten konnte, verliert sich das hier in den viel zu langen 150 Minuten Laufzeit. Zwar räumt Regisseur Gareth Evans seinen Figuren viel Raum ein, doch nutzen nur wenige diese kostbare Zeit. Unzählige Figuren werden storybedingt eingeführt, die mich letzten Endes jedoch kaum tangiert haben und bei denen ich im Schlussakt auch etwas durcheinander kam.
Natürlich ist es lobenswert, wenn eine Fortsetzung einen neuen Weg einschlägt, und auch die Prämisse, den Cop Rama (Iko Uwais) undercover in eine kriminelle Bande Jakartas einzuschleusen, beherbergt unzähliges an Potenzial. Doch das sollte auch genutzt werden. Bis auf Uwais vermag lediglich Arifin Putra als aufstrebender Sprößling Uco einen einigermaßen greifbaren Charakter zu mimen. Der restliche Cast geht an einem vorbei, zu irrelevant und monoton verhält es sich mit ihnen; sie sind zu uninteressant. Aber bei einem Martial Arts Kracher wie The Raid 2: Berandal sind wir ja ohnehin nicht allzusehr auf hochgradig gezeichnete Figuren aus. Allerdings macht es die Sache mit der Handlung auch nicht gerade leichter, die vielen Figuren in das riesige Machtgefüge Jakartas einzuordnen. Als einen kleinen Ausgleich dafür, und als hätte er es ohnehin schon geahnt, liefert Evans dem Zuschauer einprägsame Nebenfiguren wie das ‚Hammer Girl‘ (Julie Estelle) oder den ‚Baseball Bat Man‘ (Very Tri Yulisman), die kultverdächtig krass auf den Putz hauen dürfen. Blutig, brutal und ohne viel Firlefanz bestechen diese beiden durch einfach gehaltene Effektivität. Sie brennen sich in das Gedächtnis ein und sorgen mit ihren Auftritten für Schwung, wenn sich die Geschichte zu sehr festgefahren hat.

Und festgefahren ist hier das Stichwort. Dadurch das der Film über eine überaus lange Laufzeit verfügt, bietet er zu wenig.
Zwar kommt die Handlung nie komplett zum erliegen (dafür beweist Evans wie bei den Kampfchoreos einfach zuviel Fingerspitzengefühl), aber sie steht des Öfteren kurz davor. Szenen aus der Totalen werden künstlich in die Länge gezogen, ganz so, als ob damit auf einen ästhetischen Mehrwert gesetzt wird, der aber nur selten eintritt. Es fühlt sich wie eine zu lang geratene Kunstpause an, wie eine Aufforderung zum verschnaufen. Oft ertappte ich mich dabei, wie ich mir die nächste Schlägerei herbeisehnte, nur um so dem langwierigen Storymodus zu entfliehen. Gerade in Hinblick auf den Vorgänger hoffte ich auf einen einzigen, gewaltigen Adrenalinkick. Nur kam der erst viel zu spät.
Dabei verhält es sich keinesfalls so, als böte der Film nur Langeweile in den Zwischenteilen. Mitnichten! Schon zu Beginn legt der Film ein ungeheures Tempo vor und gibt auch gleich die knallharte Richtung an. Es gibt auch hier wieder viele ausschweifende Kampfszenen und man bedient sich einiger altbekannter Muster des Erstlings, u.a. beengter Kampforte.  Wenn sich nicht zu sehr auf dialoglastige (vermeintlich) handlungsvorantreibende Elemente verlassen wird, dann kann sogar die Geschichte selbst punkten. Zwar wird dabei das Rad nicht neu erfunden, aber es wird auch nicht zu sehr verzwickt, als das man sich Sorgen machen müsse. Man könnte also sagen, die Story reiche als Mittel zum Zweck vollkommen aus. Und der Zweck besteht bei The Raid nun mal in harten Kämpfen. Nicht mehr und nicht minder.

Der Look dessen schaut im Großen und Ganzen sehr gut aus und es fällt auf, dass sich inszenatorisch an so manch bekanntem Regisseur (wie bspw. Park Chan-wook) orientiert wurde. Optisch macht der Film nämlich schon was her; das Bild ist düster, trist und blass. Man könnte auch sagen hoffnungslos. Dazu im Kontrast steht das knallige Rot, womit nicht nur der menschliche Lebenssaft gemeint ist. Das einzige was sich dem Film und den beiden Kameramännern anlasten lässt, ist der übermäßige Einsatz der allseits verhassten Wackelkamera. Wo das Bild des Erstlings noch recht ruhig erschien, wird der Zuschauer hier auf eine harte Probe gestellt. Zwar werden die Kämpfe ohne unnötige Schnitte bedacht, damit man den Bewegungen noch folgen kann, doch das erledigt sich spätestens mit dem Einsatz der Wackelcam, die einen Großteil der Fights dominiert. Ungünstig und alles andere als authentisch versäumen sie es, die wirklich großartigen Bilder zu liefern. Zum Glück entgehen die „interessanten“ Fights diesem Missgriff und gehen mit ruhigen Einstellungen trotzdem, oder gerade deswegen, so richtig in sich geschlossen auf.

Iko Uwais darf als Undercovercop gefühlt dreimal so viele Ärsche treten und sich dabei zusätzlich der Umgebung bedienen, wenn er sich denn nicht gerade auf dem Knastklo oder in einem Auto befindet. Wobei, so eine Kloschüssel muss auch äußerst schmerzhaft sein… Dazu kommen, an Kerle wie Maddog erinnernde, skrupellose Gegner, deren durchgestylte Kämpfe die absoluten Highlights des Films darstellen.
Das, wofür man The Raid so schätzt, wird hier auf die Spitze getrieben. Die Kämpfe sind offener gestaltet, sind effektiv und brutal, und regelmäßig zuckt man auf, wenn wieder ein Knochen hörbar gebrochen wird, oder das Blut in einem großen Schwall an die Wände spritzt. Erstaunlich, dass die USK hier ohne zu murren mitgespielt und den Streifen ohne Einsatz der lästigen Schere durchgewunken hat. Wir sollen uns dafür aber nicht beschweren und uns stattdessen lieber zurücklehnen und die uns gebotene Show genießen, sofern man nicht gerade mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Leinwand blickt. Und wer bei der Massenschlägerei auf dem Knasthof noch kein Herzrasen bekommen hat, der darf sich auf einen energiegeladenen, alles zuvor gesehene, in den Schatten stellenden Showdown gefasst machen, der so manch langwierige Phase des Films wieder gekonnt wett machen kann. Der endbossartige finale Kampf, bei dem alle nur erdenklichen Register gezogen werden und der sich des langerwarteten Adrenalinkicks vollends bedient und den Sieger, sowie auch den Zuschauer mit Schweißtropfen auf der Stirn entlässt.
Bloß nicht blinzeln, damit man auch ja nichts verpasst.
So muss ein Finale aussehen, und genau so muss ein solcher Film auch enden. Alles vorangegangene gipfelt genau hier und die Spannung entlädt sich mit einem ohrenbetäubenden Knall.
Jawoll, genau so wie man es sich erhofft hat.

The Raid 2: Berandal ist gut getimtes Actionkino und bietet wiedermal extrem brachiale Schaukämpfe. Mangels einer  durchgehenden Dynamik und bedrohlichen Grundstimmung gelingt es ihm aber nicht, seinen flüssig und somit stimmiger wirkenden Vorgänger vom Thron zu stoßen. Hier mag auch die Wahl des Soundtracks eine kleine, aber feine Rolle spielen. Zwar ist Joe Trapanese wieder mit von der Partie, doch wird auf elektrisierende, unter Spannung stehende Klänge verzichtet, ohne sich zu sehr vom alten Sound zu entfernen. Womöglich hätte ein erneutes Mitwirken Mike Shinodas wieder an die altbekannte Atmosphäre anknüpfen können, aber das lässt sich nur schwer beurteilen. Sowas fällt wohl unter ‚Meckern auf hohem Niveau‘.
Ein gnadenloses Brett ist es trotzdem geworden.

7,5/10 Punkte

raid-2_675x1000The Raid 2 [The Raid 2: Berandal]
Jahr: 2014 IN/US
Regie & Drehbuch: Gareth Evans
Cast:
Iko Uwais
Arifin Putra
Tio Pakusodewo
Oka Antara
Alex Abbad
Julie Estelle
Very Tri Yulisman
Ryûhei Matsuda
Ken’ichi Endô
Roy Marten

Bilder: [© Pt. Merantau Films, XYZ Films]

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2 Kommentare zu „[Film] The Raid 2 (2014 IN/US)“

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