[Film] Bin-jip (2004 JP/KR)

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Bin-jip (zu deutsch: Leere Häuser) ist großes Kino der kleinen Worte.

Die erste Dreiviertelstunde des Films ist so schwelgerisch wie malerisch schön und wird von einem treibenden, eingängigen Soundtrack untermalt, wenn wir Tae-suk (Lee Hyun-kyoon) durch die Straßen begleiten, immer auf der Suche nach einer Bleibe für die nächsten Tage. Er bricht nicht nur in Wohnungen ein, wenn die Inhaber verreist sind, er bricht auch in die Privatsphäre jener Menschen ein. Doch tut er das nicht auf egoistische Weise. Er ist wie ein guter Geist, nutzt er seine Zeit in den Wohnungen und repariert klammheimlich kaputte Alltagsgegenstände der Bewohner. Als kleine und stille Geste des Danks. Immer hatte er Glück, doch zieht es ihn im Haus von Sun-hwa (Lee Seung-yeon) und ihrem vielbeschäftigten Mann geradezu in das Unglück, direkt zwischen die Fronten.

2 Wenn Liebe auf ihre kleinsten Nenner reduziert wird. Zuneigung, Hingezogenheit… Blicke sagen mehr als tausend Worte und mehr als tausend Worte zeigt uns das Stillschweigen der beiden Liebenden. Nicht ein Wort wechseln sie und doch ist das Knistern spürbar. Sie sind Fremde und doch fühlen sie sich beieinander geborgen. Sie teilen. Sie leben. Sie vertrauen und scheinen seit langer Zeit wieder glücklich.

Dass Sun-hwas Ehemann sich (in seinem Stolz) verletzt fühlt und sich nach der unerfüllten Liebe seiner Frau sehnt, ist das einzige, das zwischen den beiden Liebenden stehen mag. Wie für Ki-duk Kim beinahe schon üblich, spielt Gewalt eine Rolle, wenn auch nur untergeordnet. Nie verkommt sie als reines Mittel zum Zweck, sie dient lediglich zur Wahrung der Distanz zwischen den Figuren. Ein interessanter Ansatz, der mich zugegebenermaßen etwas überrascht hat, kenne ich doch sonst nur die blutgetränkten Cover anderer seiner Filme.

03Es hätte gerne ewig so weitergehen können. Doch leider überschlagen sich die Ereignisse in der zweiten Filmhälfte so sehr, dass sie mich aus diesem entschleunigten Leinwandliebestaumel rissen. Dabei hatte ich so sehr gehofft, dass mich Regisseur Ki-duk Kim hier nicht enttäuscht. Doch irgendwann war mir die Kluft zwischen gesunder Skurrilität, Surrealität und alberner Übertriebenheit doch etwas zu groß, sodass es nach und nach in behäbigen Tempo bergab ging. Erfreulicherweise konnte das Ende einiges davon wieder gut machen und mich trotz dessen mit einem gesunden Gefühl aus dem Film entlassen.
Dieses wortkarge, künstlerische Drama ist sicherlich nicht für jeden etwas. Wenn man sich aber nur ein klein wenig dafür öffnen und sich darauf einlassen kann, wird man mit einer kleinen koreanischen Filmperle belohnt. Versprochen.

Ein wirklich schöner Liebesfilm der etwas anderen Sorte. Eigenwillig, aber gerade am Anfang so wunderschön.

Läuft heute übrigens um 23:05 Uhr auf EinsPlus. (Aufnehmen) Schauen und genießen.

8/10 Punkte

Poster Bin JipBin-jip – Der Schattenmann [Bin-Jip]
Jahr: 2004 JP/KOR
Regie & Drehbuch: Ki-duk Kim
Cast:
Lee Seung-yeon
Lee Hyun-kyoon
Kwon Hyuk-ho
Ju Jin-mo
Choi Jeong-ho

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