Media Monday #165

Der Sommer hier weicht merklich, es ist nur noch kalt und nass wenn man das Haus verlässt und die Sonne kommt zum Abend raus, genau dann wenn man das Haus betritt. Aber warum rede Ich bei Wulfs Media Monday eigentlich immer nur über das Wetter?!
Auf geht’s lieber in die nächste Runde des MM!

1. Wenn SchauspielerInnen unter die SchriftstellerInnen (wahlweise alternativ: MusikerInnen) gehen ______ .
Dann ist das mal so mal so. Ich halte nicht sonderlich viel davon, zumal in eine der beiden Richtungen meistens das Talent fehlt.
Wobei ich es eher andersrum kenne, nämlich dass Musiker unter die SchauspielerInnen gehen. Im Falle von Jared Leto zum Beispiel, ging das erstaunlich gut und er ist mittlerweile definitiv eine enorme Bereicherung für jeden Film.

2. Biografien interessieren mich nur, wenn sie lebhaft geschrieben sind. Ein furztrockenes Abhangeln der Lebensereignisse ist mir meist zu langweilig. Es muss einen mitreissen können. Genauso wie Biopics im Film. Man muss den (Zeit-)Geist der Zeilen spüren können, ohne dass es unecht wirkt.

3. Unterschiedliche Schnittfassungen sollte man heutzutage eigentlich nicht mehr sehen müssen, denn ich hasse Bevormundung jeglicher Art.
Weder wenn es um FSK-Freigaben geht, noch wenn ein Filmvertrieb einen Film so zurecht schneidet, dass er einer massentauglichen Sehgewohnheit entspricht. Zum Glück trifft es uns in DE nicht so schlimm wie die Amis, denn allein die asiatischen Filme The Grandmaster oder Snowpiercer würden vom Vertrieb am liebsten so dermaßen geschnitten, zerschnitten, chronologisch verändert und aus ihrer Intention gerissen werden, dass es dem cinephilen Kinogänger die Tränen in die Augen treiben dürfte. Es macht einen sprachlos, wenn man lesen muss was und wieso Szenen entfernt werden sollen. Kleines Beispiel zu anfänglich geplanten Veränderungen an Snowpiercer gefällig?
„Apparently the scenes that are to be removed are primarily ones that flesh out the characters’ backgrounds and development, and by getting rid of them, Snowpiercer will come across more as a pure action movie than a drama. The goal, said TWC [The Weinstein Company] when explaining the request to Bong [Joon-ho (Reggiesseur)], is to make sure his film “will be understood by audiences in Iowa… and Oklahoma.
Da bleibt einem das Grinsen doch echt im Halse stecken… Zum Glück konnte sich Bong am Ende durchsetzen. Dafür wurde das Release in den Staaten auf weniger Kinos beschränkt, wenigstens aber ohne jegliche Änderungen. Wong Kar-wai’s The Grandmaster hatte damals weniger Glück. Ich finde ja schon unsere europäische Version nicht ganz so zugänglich, wie den originalen Cut…
http://screenrant.com/snowpiercer-deleted-scenes-us-theatrical-cut-version/

4. Die Koreanischen New Wave Filme war sind für mich die großartigste Überraschung der jüngeren Vergangenheit, weil ich diese verzweifelten Emotionen gepaart mit Brutalität (nicht nur im blutigen Sinne, sondern auch gegenüber der Psyche des Menschen) im Film einfach gerne sehe. Auch die Enden sind ganz nach meinem Geschmack, wenn es nicht immer diese larifarimäßigen Friede-Freude-Eierkuchen-Hollywood-Happy Ends sind. Diesen authentischen Touch und die etwas andere Erzählstruktur haben es mir angetan. Mit Südkorea hat sich die letzten Jahre ohnehin ein wahnsinnig interessantes Filmland entwickelt, dass sich keinesfalls verstecken muss.

5. An Büchern schreckt mich am ehesten ein uninteressanter Nebenstrang der Handlung ab, denn dann wird das Lesen zu Qual. Daher bin ich schon auf die „Das Lied von Eis und Feuer„-Bücher gespannt. Aus der Serie habe ich schon ein, zwei Handlungsstränge entdeckt, durch die ich mich in den Büchern vermutlich kämpfen werden muss. Und in der Literatur ist das leider nicht innerhalb von 5-10 Minuten durchgestanden…

6. Aus Filmen/Büchern/Serien zu zitieren kann deine Gesprächspartner zum Lachen oder weinen bringen, ihnen die Sprache verschlagen und/oder einfach nerdig cool sein.
Dummerweise vergesse ich in den passenden Situationen meistens das perfekte Zitat und ärgere mich eine Stunde später über die vertane Chance…

7. Zuletzt gesehen habe ich Ein Aufstand alter Männer von Volker Schlöndorff und das war gut, weil es mir am ehesten gefällt, wenn Rassismus im Film mit einer gesunden(!) Prise Humor entgegengetreten wird. Dabei geht, wenn man es wie Schlöndorff hier anging, der Ernst der ganzen Angelegenheit nicht verloren und der Film kommt nicht ganz so trocken rüber. So berühren zumindest mich die Charaktere eher, wenn ihnen dann doch Unrecht zuteil wird. Davon abgesehen ist Ein Aufstand alter Männer ein kleines, gelungenes Südstaatendrama, mit einer tollen Grundidee.


Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche!

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8 Kommentare zu “Media Monday #165”

  1. 1. Stimmt, da kannte ich auch zuerst seine Musik und dann als Schauspieler hab ich ihn auch schon immer gemocht.
    3. Aaaaaaaalter. Ich schimpf ja viel über „die dummen Amis“, aber das Klischee wird halt IMMER bestätigt. Ob das jetzt im US-Urlaub war oder wenn ich sowas lese… Ich scher nicht alle über einen Kamm, aber ich schätze der Dummheitsgrad muss da auf jeden Fall höher sein als in Europa oder Asien.
    4. Südkorea zählt heute neben Schweden, Italien, Frankreich und Japan zu den besten Filmländern, die es gibt. Ganz ohne Zweifel. Das hat sich auch nicht erst entwickelt, sondern war schon immer eine megagute Filmnation. Damals wurde sogar ein südkoreanischer Regisseur von Nordkorea entführt, um für diese Propagandafilme zu drehen (konnte nach ein paar Filmen auch wieder fliehen). Ist zwar grausam, aber wenn Nordkorea sowas macht, spricht das neben der Dummheit Nordkoreas nur für die schon immer währende Qualität des südkoreanischen Kinos (das ganze war schon in den 80ern oder so).

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    1. 4. Die Story kannte ich noch nicht, bei den Nordkoreanern wundert mich aber auch gar nichts mehr.
      Ich wusste das sich jemand am Begriff „entwickeln“ aufhängen würde… Ich kenne die meisten „alten“ koreanischen Filme nicht, bei mir fängt es erst so Ende der 90er an. Von davor kenne ich auch nicht wirklich was. Es war also mehr auf den gesteigerten, hochqualitativen Output bezogen, der nach einer Pause wieder voll eingeschlagen hat und auch heute noch währt.

      Hättest du vielleicht die ein oder andere Empfehlung für Filme vor dem „großen Knall“?

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  2. Was „A Song of Ice and Fire“ angeht, so hast du Recht. Da gibt es (speziell in Band 4) so einige Handlungsstränge die eher anstrengend sind — und in der Serie auch ziemlich gekürzt sein sollen. Dennoch viel Spaß mit den Büchern, sie lohnen sich auf jeden Fall!

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