[Film] 2001: Odyssee im Weltraum (1968 US/UK)

Header

Es gibt Filme, die kann ich ohne mit der Wimper zu zucken einordnen. In ein Wertungsschema, in Interpretationsfreudigkeit, in das was einen guten Film (für mich) ausmacht. Spricht er mich an? Kann ich was aus dem Film mitnehmen? Hat er mich unterhalten?

Bei Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum stehe ich nun vor einem gehörigen Problem. Technisch ist er nämlich eine ganz klare Meisterleistung, die ich in keinster Weise schlecht reden werde und es auch gar nicht möchte. Schon allein das Sounddesign ist für damalige Verhältnisse eine Wucht, mir fällt gerade der Vergleich zum aktuellen Gravity ein, der ebenfalls mit seinem Sound spielt und dabei enorm viel rausholen kann. Auch die Modelltricktechnik der Raumschiffe sieht fabulös aus, genauso wie die ganzen futuristischen Setdesigns. Alles toll, gar keine Frage.

2Aber mir gibt der Film einfach nichts. Nada, niente. Beim ersten Anlauf habe ich nach der ersten halben Stunde abschalten müssen, der erste Akt ging mir mit zunehmender Dauer auf den Zeiger. (Nebenbeibemerkt ziehe ich Filme zu 99% komplett durch, wenn ich sie mir vornehme.) Am nächsten Abend habe ich mich also wieder rangesetzt und durchgehalten. Gerade so. Denn obwohl der Film unwahrscheinlich viele (essentielle) Fragen stellt und diese zu Interpretationszwecken offen lässt, ließ mich das alles kalt. Klar ist HAL9000 cool. Selbstredend steckt allein in diesem Bewusstseinskonflikt von Mensch und Maschine schon eine ganze Menge drin und man kann sich Hirnstränge wund interpretieren und analysieren. Aber die ganze Aufmachung war mir mitunter zu anstrengend.

Kubrick, ein Perfektionist in Sachen Film, ist sich seiner Sache vollkommen bewusst. Und das merkt man beim Schauen auch. Schon allein wenn Bowman in der Raumkapsel sitzt und die Displaylichter beinahe vollständig symmetrisch über sein Gesicht zucken und huschen… da merkt man wie sehr jede einzelne Einstellung durchdacht ist. Darf Kubrick ja auch gerne machen. 3Aber wenn dann irgendwann angefangen wird, diverse Szenen zu strecken, sie für sich selbst zu genießen (ob es der Zuschauer auch so sieht, steht auf einem ganz anderen Blatt), ja sie förmlich selbst zu zelebrieren, dann wird es mir einfach zu viel. Natürlich darf der wie die Faust aufs Auge passende Soundtrack von u.a. Johann Strauss nicht fehlen, wenn sich das Raumschiff der Basis zu den Klängen von „An der schönen blauen Donau“ vorantrabend, bestimmt und stetig nähert. Es ist so auf das extremste feierlich und präzise gehalten. Zwar ruhig, und doch passt es zu dem altbekannten Walzer. Die einen finden das genial, mich hat es mit zunehmender Dauer einfach nur gelangweilt. Aber mit Kubricks Perfektionismus tat ich mich ohnehin schon immer etwas schwer.

Ich finde es toll, wenn jemand etwas für sich essentielles aus diesem Film ziehen kann. Wenn es ihn auf gleich mehreren Ebenen anspricht und er den Film dann auch so zelebrieren kann, wie er es selbst ebenfalls tut.
Für mich glich 2001: Odyssee im Weltraum jedoch einer Qual. Spannende Momente wurden so dermaßen gedehnt, dass ich das Interesse zu schnell verlor und er mich auch nicht mehr auffangen konnte. Insgesamt ist der Film wirklich nichts für mich, und doch bewundere ich ihn für seine technischen Meisterleistungen (im Jahr 1968!), die in vielerlei Hinsicht klar sichtbar und herausstechend sind.

Daher ist mir eine Wertung echt nicht möglich.
Wie ging es euch nach der ersten Konfrontation mit dem Film? Gehe ich zu hart damit ins Gericht und bringe eure Cineastenherzen zum bluten? Oder ist das verständlich?

Poster2001: Odyssee im Weltraum [2001: A Space Odyssey]
Jahr: 1968 US/UK
Regie: Stanley Kubrick | Drehbuch: Stanley Kubrick & Arthur C. Clarke
Cast:
Keir Dullea
Gary Lockwood
William Sylvester
Douglas Rain (engl.), Peter Schiff (dt.) [HAL9000]
Robert Beatty
Leonard Rossiter
Margaret Tyzack

Advertisements

14 Kommentare zu “[Film] 2001: Odyssee im Weltraum (1968 US/UK)”

  1. Absolut nachvollziehbar, habe den auch nie bewerten können. Musik und Bilder fand ich herausragend, aber ich habe mich mit der Zeit einfach zu Tode gelangweilt. Die letzte halbe Stunde habe ich dann nur noch durchgezappt, fühle mich immer noch ganz schuldig deswegen. 😀 Vielleicht bin ich aber auch noch zu jung und hibbelig für den Film. Man hat mir mal gesagt, „2001“ muss man öfter gucken, es besteht die Chance, dass er einen irgendwann umhaut. Vielleicht gibt’s ja irgendwann mal in ’nem Berliner Kino ein Special Screening oder so…

    Gefällt mir

    1. Oh, ich war so oft versucht einfach vorwärts zu spulen, habe es dann aber doch unterlassen.
      Ob ich den (in absehbarer Zeit) nochmal sehen werde, sei mal dahin gestellt, wirklich Lust habe ich darauf nämlich nicht. Eigentlich schade, aber das ist immer diese Sache mit Klassikern und gehypten Filmen und Filmen überhaupt. Bei manchen fliegt man einfach mächtig auf die Schnauze. Passiert. 😉

      Gefällt mir

      1. Das stimmt, freue mich immer sehr, wenn ich einen „Klassiker“ großartig finde (was ja immer ein bisschen das Vertrauen in den eigenen Filmgeschmack stärkt). Ist ja auch nicht so, dass wir den Film aus Angst vor „Du hast den ja gar nicht verstanden!“-Rückmeldungen nicht bewerten. Denn in dem Fall stimmt das ja sogar, dementsprechend hält man sich erst einmal zurück. Naja, mal gucken. Irgendwann vielleicht…

        Gefällt mir

        1. Man muss auch nicht immer alles in ein Schema quetschen. Auch wenn es mich wurmt das ich ihn echt nicht richtig einordnen kann, wie ich es gerne hätte.
          Das mit den Klassikern stimmt natürlich und wenn man hin und wieder gegen den Strom schwimmt (ohne zu trollen), dann ist es doch auch egal. Wäre doch blöd wenn jeder den gleichen Filmgeschmack hätte. So macht es doch viel viel mehr Spaß!

          Gefällt mir

  2. Ich weiß, der Film ist anstrengend und oft unbequem. Ich könnte ihn auch nicht jede Woche sehen. Doch ist er ein Erlebnis und fast schon ein Rausch. Man kann viel aus ihm ziehen und er ist brilliant gemacht. Möchte meine Sichtungen (einmal sogar im Kino) nicht missen!

    Gefällt mir

  3. Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu… Ich hab den Film zwar nicht abgebrochen, wusste aber teilweise echt nicht worauf das ganze hinauslaufen soll… ich war nicht für diesen intellektuellen Tiefgang gewappnet und hab danach eher mit offenem Mund vor dem Fernseher gesessen^^ was mich in Begeisterungsstürme geraten ließ (genau wie dich) war die grandiose Tricktechnik… dieses Raumschiff… die Effekte… und das alles in den 60ern!! Ich finde das sogar besser gemacht als viele heutige Filme, bei denen man erkennt, dass sie schlecht vorm PC zusammengeschustert wurden… aus dieser Sicht hat sich der Film dann doch gelohnt gehabt:) (und um hier mal erfolgreich was zu kommentieren;) )

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, tu‘ dir keinen Zwang an. 😛
      Der Film kommt in der zweiten Hälfte (abgesehen eben von der Einführung) halt wirklich auf solche tiefgründigen Pfade, mit denen man so vermutlich nicht gerechnet hätte, hätte man es nicht vorher schon gewusst. Bis dahin ist er ja ein ganz normaler Sci-Fi-Film.
      Ohja, die Tricktechnik war damals nicht nur toll anzusehen. Am Ende wollte man meist selbst soetwas machen, wenn auch nur mit einem Spielzeugraumschiff in den Händen. In der Hinsicht sei eine Empfehlung für „Lautlos im Weltraum“ ausgesprochen. Zwar 70er, aber trotzdem noch richtig schön handgemacht.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s