[Film] Der Herr der Ringe: Die zwei Türme (2002 NZ/US)

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Schlopsi gibt der Herr der Ringe-Trilogie eine neue Chance: Teil 2 im Extended Cut

Wo mich der Erstling also vollkommen in seine fiktionale Welt ziehen konnte, macht es sich die Fortsetzung Die zwei Türme schon etwas schwerer.
Da könnte man meinen, der unfreiwillige Roadmoviecharakter, der in Die zwei Türme klar spürbar wird, würde passen. Aber dem ist nicht so. Für mich klar der schwächste Teil der Trilogie, der auf mich einen vergleichsweise leeren Eindruck macht. Natürlich sieht man auch hier wieder viel. Lernt auch weiterhin tragende Figuren Mittelerdes wie zum Beispiel Théoden, König der Reiterherren von Rohan, oder Faramir, Heermeister von Gondor kennen. GollumAber beim schauen des Extended Cuts kam mir zwischendurch auch viel Langeweile in die Quere, obwohl der Ton erwachsener und roher wurde. Zum Filler degradiert, sehen wir unsere Freunde nur noch umherwandern, gefühlt ziellos und beinahe schon belanglos. Ein Durchhänger, oder eher das große Luftholen für das große Finale, der Rückkehr des Königs. Auch der Score war mir hier zu hintergründig, meist nahm ich nur das eine Theme in seinen unterschiedlichen Variationen wahr. Dabei zeigt Howard Shore, wie er es kann und lässt die musikalische Kulisse in Teil 1 und 3 besonders spektakulär werden. Hier war es mir jedoch etwas zu dürftig. Irgendwas fehlte, ließ Die zwei Türme zum unentspannten Lückenfüller verkommen, was schade ist.

EntVielleicht lag es an der Aufteilung der Gruppe, was mir die größte Sorge bereitete, denn irgendwie verlief die Geschichte dadurch im Sande. Sie konnte mich nicht so recht fesseln, auch wenn ich ausnahmslos alle Teilnehmer dieser Unternehmung schnell in mein Herz geschlossen habe und speziell die „Wettkämpfe“ von Legolas und Gimli mein Zwerchfell regelmäßig bombardierten. (Alter, ist Legolas eine coole Socke!) Leider gab es immer wieder diese stagnierenden Elemente, wie beispielweise das Aufeinandertreffen der Hobbits mit Baumbart, dem Ent. Die Hobbits Merry und Pippin laufen, oder werden getragen. Und sie laufen, bzw. werden getragen. Und dann ändern sie die Richtung. Aber sie laufen weiter oder werden weiter getragen… Wenn man so darüber nachdenkt, dann war eigentlich der Vorgänger sowas wie „ziellos“. Aber das bemerkte man nicht, weil es immer wieder neues zu bestaunen gab, sich alles im Fluß befand. Hier wird gefühlt fünfmal dasselbe abgearbeitet, was ihm diesen trägen Grundgedanken gibt. Es ist, als spare sich Jackson alles für das große Finale auf und schlägt hier bestmöglich die Zeit tot. Auch wenn man hier wieder eine ganze Menge zu sehen bekommt, so toll wie das noch im Erstling war, ist das hier nicht mehr.

TheodenAndererseits kam mir hier erstmals der Gedanke, wie stimmig die einzelnen Figuren doch besetzt wurden. Ich habe die Bücher nie gelesen, aber so von den Eigenschaften herrührend, wirkt das alles so verdammt passend. Wie man sich das eben vorstellt. Richtig bewusst wurde mir das erst bei der Besetzung von Bernard Hill als König Théoden, was sich rückblickend natürlich auch auf sämtliche andere Figuren ausbreitete. Dominic Monaghan und Billy Boyd als kleine, unbekümmerte Hobbits, die jedoch nach und nach mit der Realität konfrontiert werden, Orlando Bloom als verdammt coolen Elben, John Rhys-Davies als der kleine grummelige, aber gutmütige Zwerg, Viggo Mortensen als Streicher, Ian McKellen als Gandalf und und und… Nirgends hatte ich das Gefühl, jemand wäre dort fehl am Platze. Stattdessen hatte ich dieses Empfinden, als seien die Schauspieler nur für diese eine Rolle prädestiniert. Wenn sie in ihren Rollen aufgehen und eine nachvollziehbare Entwicklung durchleben.

Haldir

Und wenn die Orks dann Helms Klamm erstürmen und sich unter den Gefährten wahre Führungsqualitäten zeigen, oder sie (noch) verborgen bleiben. Aber bei Momenten wie:

„Das Horn Helm Hammerhands soll erschallen in der Klamm… ein allerletztes Mal. Dies möge die Stunde sein, da wir gemeinsam Schwerter ziehen! Grimmetaten erwachet. Auf zu Zorn, auf zu Verderben und blutig Morgen. Auf, Eorlingas!“

Woah. Genau diese Momente sind für die Ewigkeit. Wenn sie durch und durch gehen und einem Film diese epischen Anleihen schenken… Bei dem Finale und der Schlachtenszene, die ungemeinen Hunger auf mehr macht, lässt sich im Nachhinein so einiges verzeihen. Oder wenn unerwartete Unterstützung für die wenigen Männer in Helms Klamm anrückt, Gandalf im Osten erscheint und… das sind diese Augenblicke, von denen man einfach nicht genug bekommen kann. Was ist die Vorfreude auf Teil 3 nun groß.

Aragorn: „Gondor wird helfen.
Théoden: „Gondor? Wo war Gondor als die Westfold fiel? Wo war Gondor als unsere Feinde den Kreis um uns schlossen? Wo war Gon-? Nein, mein Herr Aragorn, wir sind allein.“

8/10 Punkte

PosterDer Herr der Ringe: Die zwei Türme [The Lord of the Rings: The Two Towers]
Jahr: 2002 NZ/US
Regie: Peter Jackson | Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Stephen Sinclair, Peter Jackson
Cast:
Elijah Wood, Sean Astin, Viggo Mortensen, Ian McKellen, Dominic Monaghan, Billy Boyd, Orlando Bloom, John Rhys-Davies, Andy Serkis, Christopher Lee, Bernard Hill, Miranda Otto, Karl Urban, Brad Dourif, Liv Tyler, Hugo Weaving, David Wenham, Cate Blanchett, Craig Parker, John Leigh, Bruce Hopkins, Sean Bean, John Noble

 

 

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6 Kommentare zu „[Film] Der Herr der Ringe: Die zwei Türme (2002 NZ/US)“

  1. Ich hab ja den zweiten bei Moviepilot als Lieblingsfilm angegeben. Bei mir ist es absolut eine psychologische Sache. Ich mag den zweiten am meisten, weil ich nicht am Anfang meiner Reise stehe, es aber auch noch nicht vorbei ist. Außerdem liebe ich die Musik von Rohan.

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    1. Klingt einleuchtend und absolut legitim.
      Hatte erst überlegt den in der zweiten Runde im Originalcut zu schauen, es dann aber doch gelassen. Die normale Version steht noch auf der Agenda, vielleicht schaue ich die in ein paar Monaten in der Hoffnung, dass sich die ein oder andere Länge verflüchtigt.

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    1. Hmm, du bist jetzt der zweite, der mir innerhalb kürzester Zeit sagt wie toll die Musik in Rohan ist. Habe mir daher nochmal einen Zusammenschnitt angehört und muss das bestätigen. Aus welchem Grund auch immer fiel mir das während des schauens nicht so auf. Hmm, muss ich wohl nochmal ran. 🙂

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  2. Von den drei Teilen mag ich diesen auch am „Wenigsten“.
    Teil 1 hat einen wunderbaren Anfang.
    Teil 2 ist einfach ein Übergangsfilm, wo alles etwas vertieft wird, nur damit in Teil 3 der Punk abgeht.

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