[Film] Cold War (2012 HK)

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Die erste Dreiviertelstunde vom Erstlingswerk der beiden Regisseure Lok Man Leung und Kim-ching Luk empfand ich als äußerst sehenswert, zeigen doch schon allein die Luftaufnahmen, warum Hongkong zu den reizvollsten Städten überhaupt gehört. Doch nicht nur die Luftaufnahmen, sondern auch die verspielte Fotografie im Allgemeinen verdient sich hier ihre Sporen, sorgt doch gerade sie für eine angenehme Hochglanzoptik, ohne dabei zu geleckt zu wirken.

Und in all dieser Schönheit beginnt die Hatz auf einen korrupten Insider innerhalb des Polizeiapparates, welcher aufgrund des internen Machtkampfs der Führungsspitze ohnehin schon angeschlagen ist. Kollegen verschwinden, ebenso ein großer Batzen Geld und der Ruf Hongkongs, als sicherste Stadt Asiens steht auf dem Spiel. Als wäre das nicht schon Sorge genug, sitzen den leitenden Beamten auch noch die Anti-Korruptionsbehörde im Nacken.

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Kann Sean Lau (Aaron Kwok) die Führung der Cold War-Ermittlung an sich reißen?

Es hätte wirklich so schön werden können: Aaron Kwok und
Tony Leung Ka Fai dürfen sich gegenseitig im offenen Büro zurechtstutzen, die Actionszene auf dem Highway sieht gut aus und die Handlung verspricht an sich ebenfalls viel, wenn der Streit darum entbricht, wie man mit Entführern umzugehen hat und wie man demzufolge rechtliche Mittel, ohne dabei das Gesetz zu beugen, einsetzen kann. Was einem dann geboten wird, ist jedoch ein Jammer:

Während sich Cold War mehr hinter seiner optischen Opulenz versteckt, rutscht die Story spätestens nach einer Stunde in die Belanglosigkeit ab. Was mit ordentlicher Zeitarbeit aufgebaut wurde, verliert sich in unzähligen falsch gestreuten Brotkrumenfährten und langwierigen Dialogen, welche die Geschichte Haken um Haken schlagen lassen. Dazu wechseln sich höchst patethisches Gehabe mit vermeintlich cleveren Dialogen ab, die nach einer gewissen Zeit an der Toleranzschwelle des Zuschauers abprallen.
Wo das langsame Tempo anfangs noch reizend war, zieht die Regie das Tempo zur Halbzeit ordentlich an, lässt die Action dabei in den Hintergrund rücken und weiß gekonnt ihren Kalten Krieg in den dialoglastigen Sand zu setzen. Zwar geht von da an alles Schlag auf Schlag, doch dabei verrennt sich die Handlung zusehends, was sie schnell an Reiz einbüßen lässt. Auch das explosive Finale vermag da nicht mehr viel zu retten. 2Um ehrlich zu sein bemüht es sich nicht einmal, wirkt diese Actionszene doch in allen Maßen dämlich und schlichtweg unpassend, während der finale Twist vor lauter Klischeebeladenheit den Vogel endgültig abschießt.

Dabei fing das alles doch so vielversprechend an und Cold War hatte wirklich alles, was es für einen kurzen, aber intensiven Thrill gebraucht hätte. Die Ambitionen, die dieser Film durchaus gehabt hätte, waren zuweilen kurz spürbar, gingen in dem Verwirrspiel aber gnadenlos unter, je weiter der Laufzeitbalken voranschritt.
Schade um die Darsteller, welche an dieses unglückliche, mehr schlecht als recht an die großen Vorbilder à la Infernal Affairs angelehnte Drehbuch geraten sind und schade um die Wartezeit, die ich auf diesen prämierten Streifen gewartet habe.

4,5/10 Punkte

PosterCold War [Hon zin]
Jahr: 2012 HK
Regie & Drehbuch: Lok Man Leung, Kim-ching Luk
Cast:
Aaron Kwok
Tony Leung Ka Fai
Kar Lok Chin
Charlie Yeung
Ka Tung LamAndy On
Andy Lau

[Bilder © Ofdb Filmworks | Edko Films]

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