[Film] Dracula Untold (2014 US/UK)

Header

Manchmal ist es schon merkwürdig, wohin die Liebe fällt…
Vor einem halben Jahr circa, als ich den ersten Trailer zu Dracula Untold im Kino sah, saß ich schon mit einem breiten Grinsen im Saal. Nicht zuletzt wegen Luke Evans, der hier endlich seine erste große Hauptrolle abgreifen konnte und den ich seit dem zweiten Hobbit erst so richtig zu schätzen gelernt habe (auf den ich auch definitiv noch eine Lobeshymne verfassen muss), sondern weil seit langer Zeit mal wieder alles für mich gestimmt hat: Das Setting, die Handlung, die Optik, die Darsteller. Und so habe ich den Film bereits im Vorfeld innerlich immer weiter gehyped und ihn zu meinem persönlichen Kinohighlight auserkoren. Und wow. Ich war nach dem Kinobesuch selten glücklicher.

Ich schätze viele, die mit Dracula Untold nicht so zurecht kommen, kommen von den alten Filmen nicht weg. Das soll jetzt keinesfalls negativ gemeint sein, aber zwangsläufig wird immer wieder ein Vergleich zum blutlüsternen Vampir und seinen Fängen gezogen, wie er erfolgreich und kultvoll von Größen wie Christopher Lee, Max Schreck oder Gary Oldman gespielt wurde.

Hier wird jedoch nicht die Geschichte von Dracula erzählt, sondern seine Vorgeschichte:
Das wie. Das warum. Vorallem aber das wer.

Dracula2
Graf Dracul, Sohn des Teufels

Wer war Dracula, bevor er zu dem Wesen wurde, das der häufig zitierte Bram Stoker umschrieb und das unzählige Filme, u.a. von den Hammer-Studios, zum zeitlosen Kultthema machte?
Regisseur Gary Shore nimmt sich dieser Frage an und beginnt mit seiner Erzählung bei Vlad dem Pfähler (Luke Evans). Ein Monster, das bei den feindlichen Armeen für Grauen sorgte. Ein Mann, der ein unschuldiges Dorf pfählte, um zehn weitere zu retten.
Shore erzählt vom Monster. Einem menschlichen Monster. Einem Jungen, der von den Türken zum Monster gemacht wurde und diesen schrecklichen Ruf nie vergessen machen konnte.

Zugegeben, gerade zu Beginn rast der Film förmlich durch seine Vorgeschichte, reißt den Pfähler lediglich an und lässt durch seine knappe Einführung einiges so stehen. Etwas, das ich nach der ersten Sichtung leicht bemängelt hatte, nach einer zweiten Runde aber umso schmackvoller war, da sich der Film selbst nicht in zu vielen Nebenhandlungen verstrickt. Stattdessen konzentriert er sich auf das, was er erzählen will: Die Vorgeschichte Draculas. Ohne viel Rumgeplänkel beginnt der Film also mit der kurzen Geschichte Vlads dem Pfähler und zügelt sein Tempo anschließend mit dem Fürsten Vlad Dracul. Sein inneres Monster weggesperrt, herrscht er über ein kleines Reich, sorgt sich um seine Familie und gilt unter seinem Volk als akzeptierter Herrscher.  Zumindest bis die Türken an seine Türen klopfen und einen Tribut fordern. 1000 Jünglinge sollen zu türkischen Janitscharenkämpfern ausgebildet werden, um weiter nach Europa vordringen zu können. Vlad muss eine Entscheidung treffen. Nicht nur für sein kleines Reich, sondern auch für sich selbst und seine Geliebten.

Jetzt mal fernab meiner Schmeicheleien für Luke Evans: Er bringt schlicht und ergreifend eine enorme Packung Präsenz in diesen Film. Unterstützung erhält er dabei zwar von seiner Leinwandfrau Sarah Gadon (hätte auch die Tochter sein können…) und Art Parkinson, als Sohn Vlads, jedoch liegt der Fokus der Geschichte ganz klar auf Vlad und seinem (inneren) Kampf: Einerseits gegen die Türken, angeführt von Sultan Mehmed II. (Dominic Cooper), um sein Fürstentum und die Leben seiner Untergebenen zu schützen, als auch seine Familie vor dem grausamen Feind zu retten.
Um überhaupt gegen die Ottomanen anzukommen, muss der Fürst einen Faustischen Pakt mit einem furchteinflößenden Wesen aus dem Reißzahngebirge eingehen.

MehmedII
Der Sultan fordert einen Tribut

Bombastisch, ohne aufgedunsen zu wirken, effektvoll, ohne sich allein in seinen Bildern zu verlieren: Dracula Untold ist flott und vermochte mich emotional mitzureißen. Die Tragik des einen Mannes, der so viel auf sich nimmt um seine Liebsten zu schützen. Und am Ende?
Klar hat der Film die ein oder andere Schwäche. Der Beginn ist beispielsweise etwas hölzern geraten. Es ist schlicht und ergreifend übertrieben, wenn Dracula allein gegen 1.000 Mann antritt und diese einfach wegfegt. Er ist an manchen Stellen unfreiwillig komisch. Aber mich hat ein Film selten so dermaßen mitgerissen, wie es Dracula Untold tat. Ein Film, der mich selbst nach einem zweiten Kinobesuch zu keinem Moment gelangweilt hat, mich stattdessen wieder mit einem breiten Grinsen aus dem Kinossaal entlassen hat, und es am Montag auch ein drittes Mal schaffen wird.
Der einzige Wehrmutstropfen an diesem Film bleibt für mich einzig und allein der unscheinbare Score von Ramin Djawadi (Game of Thrones). Der ist in der Tat etwas schmal um die Brust, um es mal so zu formulieren. Da hätte ich mir etwas greifbareres gewünscht, als nur diese kleinen Orchesterexplosionen, bei denen aber kaum etwas für längere Zeit im Gehörgang verweilt. Aber wie gesagt, das ist nur eine Kleinigkeit, die mich während des Schauens nicht gestört hat.

Dracula
Nimmt es mit mehr als 10.000 Mann auf: Dracula

Dracula Untold erhebt keinerlei Anspruch darauf, sich mit seinen Draculafilmvettern messen lassen zu müssen, geschweige denn, sich überhaupt auf irgendeine Art vergleichen lassen zu müssen. Und das ist gut so. Denn Shore zieht mit dem Monsterstoff sein eigenes Ding durch. Er erzählt eine eigene Geschichte rund um den Fürsten der Dunkelheit und bringt diese ohne Umschweife auf den Punkt. Etwas, das ich an dem Film wirklich liebe. Knackige 92 Minuten im kleinen Blockbustergewand und ansprechend düsterer Optik, mit einem Hauptdarsteller, der die notwendige Leinwandpräsenz (und noch so viel mehr) aufbietet und dem „Monster“, Dracula, einen glaubwürdigen, tragischen Charakter verleiht.
Aus irgendeinem Grund hat mich diese komplette Packung vollkommen aus dem Nichts weggefegt und ich habe einen neuen Lieblingsfilm gefunden. Da gehe ich gerne auch noch ein drittes Mal ins Kino. Und ein viertes Mal…

10*/10 Punkte

PosterDracula Untold
Jahr: 2014 US/UK
Regie: Gary Shore | Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Cast:
Luke Evans, Sarah Gadon, Dominic Cooper, Samantha Barks, Art Parkinson, Charles Dance, Charlie Cox, William Houston, Ferdinand Kingsley, Noah Huntley, Dilan Gwyn, Zach McGowan, Ronan Vibert, Diarmaid Murtagh, Thor Kristjansson

Advertisements

24 Kommentare zu „[Film] Dracula Untold (2014 US/UK)“

    1. *lach* Du bist nun schon der Dritte, der mir genau das an den Kopf wirft.
      Ich weiß ja auch nicht so genau, weshalb es gerade dieser Streifen sein musste, aber komischerweise empfinde ich keinerlei Langeweile beim sehen… Sachen gibt’s… 😉

      Gefällt mir

  1. Hmmm, bisher wollte ich mir den Film eigentlich nicht ansehen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass Luke Evans die richtige Präsenz für diese Rolle mitbringt. Ich empfand ihn nämlich im zweiten Hobbit als eins der wenigen Highlights.

    Gefällt mir

    1. Ich weiß auch nicht woran es liegt. Naja, eigentlich schon… spar ihn dir, wenn du ohnehin keine Lust drauf hattest, aber Evans macht seine Sache einfach so verdammt gut… dass es mich morgen schon wieder ins Kino drängt… 😉

      Gefällt mir

  2. ich freue mich irgendwie auch auf den, ohne dass es eine groß rationale Begründung gebe 😀
    sieht einfach nach nem verdammt coolen, atmosphärischen Fantasy-Blockbuster aus – und nach deinem Text zu urteilen hält der Film seine Versprechen 😉

    Gefällt mir

      1. ich fand ihn geil 😀 genau das, was der Trailer versprach, einige echt geile Effekte und Gänsehautmomente
        (Achtung, Spoiler:)
        wenn beispielsweise die Vampir-Armee am Ende gegen die Türken zieht sieht das einfach nur extrem geil aus, für diese Momente wurde Kino gemacht 😀

        Gefällt mir

  3. Ich hatte mich schon gewundert, was der Dracula Untold darstellen sollte. Es ist also die sogenannte vorgeschichte. Wenigstens viel Realität mit Fiktion oder eher andersherum? Immerhin war Vlad Dracul keine Sagengestalt sondern ein echter und realer Herrscher.

    Anschauen werde ich mir den Film garantiert auch noch.

    Gefällt mir

    1. Es ist ein guter Mix aus Realität und Fiktion, da die Fiktion erst mit dem Vampirdasein richtig beginnt. Danach könnte es für Realitätsfreunde eng werden, weil er doch recht fantasymäßig vorangeht, aber immer mit einem Fuß auf dem Boden bleibt, es also nicht zu sehr ausschweifen lässt.
      Fällt mir schwer zu erklären…

      Gefällt mir

      1. Naja, ab dem Vampir ist ja fast alles erlaubt 😉 Wenn er noch mit einem Bein am Boden bleibt, dann kann ich damit leben. Der Trailer ist ja recht vielversprechend.

        Für mich sind Sachen wie Murnaus Nosferatur, Christopher Lees Dracula und natürlich Bram Stokers Dracula die Maßeinheiten für gute Vampirfilme.

        Gefällt mir

        1. Wie ich schon schrieb, den Film solltest du nicht mit den Klassikern vergleichen. Der macht sein eigenes Ding und geht auch kaum in diese Richtung. Nicht das du genau damit auf die Nase fällst. 😉

          Gefällt mir

      2. Vergleichen sowieso nicht. Da nimmt man sich jeden Spaß 😉 Dies hier ist ja kein klassischer Vampirfilm, da gelten eh andere Maßstäbe.
        Den werde ich mir ohne Vergleiche ansehen… Ich geb dir dann Bescheid 🙂

        Gefällt mir

  4. Bisher habe ich viele negative Stimmen zu dem Film gehört, aber ich habe richtig richtig viel Lust den doch noch zu schauen. Das mag zum einen sicherlich auch an Luke Evans und Dominic Cooper liegen 🙂 vor Allem aber auch an diesem realistischeren Ansatz. Ich mag das sehr – so wie bei Batman Begins. Nur das es hier ja doch übernatürlich wird. Jetzt hab ich wieder doppelt Lust den anzuschauen. Aber ein irgendwie schlechter Ruf eilt dem Film voraus … es will keiner mit. Schweinerei :-/

    Gefällt mir

    1. Ja, der kommt im Allgemeinen nicht sonderlich gut weg, aber man muss ja nicht alles fressen, was einem die Medien, etc. sagen. Lieber die eigene Meinung entscheiden lassen, als sich einen vielleicht doch gar nicht so schlechten Film entgehen zu lassen.
      Und so wie du schreibst hoffe ich, das du den Schritt ins Kino machst. 😉

      Gefällt mir

  5. Ich fande den Film einfach nur hammer:) mich hat er wirklich gepackt und wird definitiv einer meiner neuen Lieblingsfilme:) dennoch hätte ich eine Frage zum Schluss: Warum sagt Caligula am Ende „Das Spiel kann beginnen“? Caligula wurde doch von Vlad befreit und er wiederum von seinen erschaffenen Vampiren.Was möchte Caligula also vin Vlad?

    Gefällt mir

    1. Naja, Caligula wurde damals ja von einem hinterlistig in sein Schicksal gelockt. Da also Caligula noch lebt, ist auch anzunehmen, dass der „Urvampir“ ebenfalls noch ‚leben‘ muss. Und Vlad steht noch solange in Caligulas Schuld, bis sie beglichen ist, also der Urvampir zur Strecke gebracht wurde.
      Die Befreiung Caligulas war dabei nur ein sekundäres Ziel. Er strebt nach Rache. Und wenn ihm dazu noch ein Werkzeug (Vlad) zur Verfügung steht… warum nicht nutzen?

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s