[Film] Lone Survivor (2013 US)

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Ich muss zugeben mich hat der Film von der ersten Einstellung an gefesselt. Ein eingängiger Score von Steve Jablonsky und warme, fast schon gemütliche Bilder und fantastische Panoramen.
Dann der Blick zu einer handvoll Typen in ihren Baracken, irgendwo in Afghanistan. Sie alle haben ihre Liebsten Zuhause, stehen in Mailkontakt. Der eine muss sich über das Hochzeitsgeschenk den Kopf zerbrechen, ein anderer über die melonenfarbene Wandfarbe des gemeinsamen Hauses. Dabei fühlt man sich gleich zu Beginn wie unter Kumpels, irgendwelche Kerle, die einem trotzdem am Herzen liegen. Mit denen man sich beschissenes Essen teilt, die man fragen kann was so ein Araber (Pferd!) kostet und eine bescheuerte Antwort darauf bekommt.
Ein freundschaftlicher Laufwettbewerb zwischen Kameraden noch, ehe es für die vier Navy SEALs ins Niemandsland nach Afghanistan geht; – mitten in die Scheiße sozusagen.

Jeder kennt die Geschichte um Operation Red Wings, jeder weiß wie sie ausgeht. Vier Navy SEALs im Einsatz, um einen gesuchten Talibanführer zu finden. Doch noch bevor sie sich ihrem Ziel nähern können, werden sie im Gebirge von Ziegenhirten entdeckt. Wie sollen sie auf diesen „Umstand“ reagieren? Nach einer kurzen Diskussion entschließen sie sich, sie ziehen zu lassen. Im Wissen, das unter ihnen gleich die Hölle losbrechen wird, versuchen sich die Männer rund um Marcus Luttrell so gut es geht zu verschanzen und aus der fehlgeschlagenen Mission heil rauszukommen…

Der grundlegende Konflikt der Einheit, und damit die Wende der Geschichte kommt recht spät, wird dann aber von allen Seiten (wenn auch oberflächlich) beleuchtet: Einfach abknallen? Sie fesseln und den Wölfen zum Fraß vorwerfen? An die Gefechtsregeln halten? Sie laufen lassen und sofort aufliegen? Auf Verstärkung warten, während das Ziel unten im Dorf seelenruhig von einem Haus zum nächsten läuft?
Ein Entscheidung muss her, und das ohne Funkkontakt zur Basis, ohne das Wissen der Verstärkung im Rücken, dafür mit der Erfahrung das es nicht lange dauern wird, bis die Kacke so richtig am dampfen ist?
Fuck.

Ob es noch andere Auswege gegeben hätte, man weiß es nicht. Die Geschichte ist wohl so passiert, und daran lässt sich auch nichts mehr ändern. Das ist nunmal der Knackpunkt, wenn man ein Buch verfilmt, dass auf tatsächlichen Ereignissen beruht.

Die handgemachte Action inszeniert Peter Berg astrein. Die Kamera und der Ton stets nah am Mann, man fühlt sich wie das 5. Mitglied der Truppe. Dreck, Blut, Knochen, Granatsplitter, Steine und Kugeln fliegen mit einer Wucht nur so um die Köpfe, nicht gerade wenige verfehlen ihr Ziel. Es geht nicht zimperlich von Statten, ein gewisser Realismusgrad lässt sich hier nicht absprechen, auch wenn ich mich oftmals fragen musste, wie die Jungs noch laufen konnten. Der ständige Wechsel zwischen dem Ort des Geschehens und der Basis hat zusätzlich zur intensiv bedrückenden Stimmung beigetragen, wenn man sehen konnte wie alles nur erdenkliche schief ging, was auch nur im Ansatz schiefgehen konnte. Auch die Nebenrollen sind sympathisch besetzt, leider war mir eine bestimmte Szene zu lapidar abgehandelt. Da hätte man ein bisschen mehr rausholen können. Ansonsten gefielen mir die Castentscheidungen durchgehend gut, speziell Taylor Kitsch hat mir imponiert. Einzig Emile Hirsch wirkte für mich fehl am Platze.

Inwiefern das alles nun der Wahrheit entspricht sei mal dahin gestellt. Ob Marcus Lutrell hier und da etwas beschönigt hat, etwas ausgefeilt oder ent-/verschärft hat, ich kann es nicht sagen. Niemand kann das, außer er. Und bis auf ein paar Ausnahmen ist mir das auch egal. Mit patriotischen „fuck yeah ‚murica“ Tiraden wird relativ sparsam umgegangen, wenn sie denn aber mal kommen, dann richtig. Da war mir Matt „Axe“ Axxelson (Ben Foster) schon arg unangenehm:

3„Du kannst für dein Land sterben. Ich werde für mein Land leben!“

Auch die Tatsache dass beinahe alle Afghanen zu den Bösen gehören wird erst sehr spät, beinahe schon zu spät, relativiert. Nämlich dann, wenn sich zeigt dass es durchaus Helden auf beiden Seiten gibt.
Über Logik sollte man ebenfalls besser nicht nachdenken, zwar gehören SEALs zur Elite der Einsatzkräfte und sind darauf trainiert, eine Menge einzustecken, aber wenn sie dreimal von einem Hang runterkullern, in Zeitlupe mehrmals mit dem Rücken (oder dem Kopf…) auf scharfe Felsen knallen, dann wird es unerträglich unrealistisch. Selbst die Härtesten haben ihre Grenzen. Aber gut, wie schön dass das nur ein Film ist…

Trotz all der Nörgelei hat mir Lone Survivor außerordentlich zugesagt. Spannend, intensiv und wuchtig in der Action und kumpelmäßig aufgezogen, was mich vom ersten Augenblick an gepackt und bis zum Abspann nicht mehr losgelassen hat. Definitiv mehr wert, als der Act of Valor-Schund. Hier steckt wenigstens noch Gefühl drin.

8,5/10 Punkte

lone_survivor_ver4Lone Survivor
Jahr: 2013 US
Regie & Drehbuch: Peter Berg
Cast:
Mark Wahlberg, Ben Foster, Emile Hirsch, Taylor Kitsch, Eric Bana, Yousuf Azami, Ali Suliman, Alexander Ludwig, Rich Ting, Dan Bilzerian, Jerry Ferrara, Rick Vargas, Scott Elrod, Marcus Luttrell (Cameo)

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3 Kommentare zu „[Film] Lone Survivor (2013 US)“

  1. Gefühl habe ich hier keines gefunden, aber es war ein okayaner Actionfilm 😀 In vielen belangen ziemlich doof: Wackelkamera, fast einen ganzen Berg runterfallen, nerviger Patriotismus.
    Gibt bessere Kriegsfilme. Hab ihn auch nur wegen der einen Oscarnominierung gesehen 😀

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    1. Es gibt aber auch wahrlich schlechtere Kriegsfilme. Ich fand den hier ziemlich druckvoll und heftig.
      Aber stimmt schon, die Szenen wo sie den Berg runterkullerten war sehr stumpfsinnig gemacht. Sah der Kinosaal damals wohl genauso…
      Den Patriotismus empfand ich hier kaum als Störfaktor, einzig mit „Axe“ seiner Art kam ich überhaupt nicht zurecht. Aber gut, es braucht schon eine Menge bis ich von einer Patriotismusmasche genervt bin. Hier jedenfalls nicht.

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