[Film] Maze Runner: Die Auserwählten (2014 US/CA/GB)

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Ganz selten kommt es vor, das ich im Kino sitze und mir denke, was ich mit meinem Geld hätte anderes sehen können, als so einen Murks…

„Echt jetzt?!“

Dabei hatte mich der Trailer nach und nach fasziniert. Irgendwie sah es ja schon ganz interessant aus. Dieses riesige Labyrinth. Eine Gruppe Jungs die auf einer Lichtung inmitten eines riesigen Irrgartens leben. Ein Aufzugsschacht, der einen jungen Burschen nach oben auf ebenjene Lichtung bringt…
Und die ersten beiden Drittel waren auch wirklich okay gemacht. Teils sogar recht heftig, für eine Jugendbuchverfilmung.

Wie war noch sein Name?
Wie war noch sein Name?

Zwar kann ich nicht sagen das mit Dylan O’Brien der Charismabolzen schlechthin für die Leadingrole gewonnen wurde, aber es hätte auch schlechter kommen können. Zumindest werden ihm noch einige sympathische Sidekicks wie Thomas Sangster (Game of Thrones) oder Ki Hong Lee zur Seite gestellt und die Jugendlichen stellen sich anfangs auch gar nicht so doof an, wie man es vermuten könnte. Immerhin haben sie es geschafft, sich eine gewisse Ordnung und ein Leben aufzubauen. Wie und warum sie allerdings dort sind, das wissen sie nicht. Da braucht es erst einen Neuling, der auf die Grundregeln der Gesellschaft pfeift und alles durcheinander bringt. Auf der einen Seite erhält Thomas (O’Brien) Unterstützung, man will ja schließlich einen Weg hinaus finden, andere boykottieren ihn bei jedweder Gelegenheit, um die soziale Hierarchie zu wahren. Außerdem lauert im Labyrinth eine Gefahr, von der niemand so recht etwas weiß. Außer das sie von den Jungs gefürchtet wird.
Soviel zur Prämisse, die wie gesagt, gar nicht mal so schlecht ist.

Und alle stehen sie so völlig ahnungslos da
Und alle stehen sie so völlig ahnungslos da

Doch selten habe ich einen Haufen Schauspieler in einem Film gesehen, die mir vollends egal waren. Vereinzelt sticht mal einer raus, aber fragt mich nicht nach deren Namen, die sind schon längst wieder vergessen. Wer es schafft und wer nicht weiß man ohnehin schon von Beginn an… Aber gut. Die besten Szenen sind die anfänglichen Läufe durch das Labyrinth, welches von den sogenannten Läufern erkundet wird. Die hohen, von Efeu behangenen Mauern und Stahltore machen schon etwas her und bei Nacht schafft es der Film sogar, eine Spannung aufzubauen. Wenn dann noch die erste Begegnung mit den ‚Griewern‘, den Monstern, die durch das Labyrinth streifen kommt, dann schöpft Maze Runner aus den Vollen. Auch gerade, weil man als Zuschauer nichts weiter weiß, wie die Protagonisten. Doch dieser Spannungsbogen hält nicht allzulange an. Vielmehr macht das überaus platte letzte Drittel mit Logiklöchern, so tief wie der Aufzugsschacht im Film, alles was auch nur ansatzweise positiv zu bewerten wäre kaputt. Da wäre zum einen ebenjene Logiklöcher, über die man anfangs noch großzügig hinweg gesehen hat. Dann schlägt Will Poulter als Unsymphat Gally eine Kurve in der Charakterentwicklung. Seine Motive sind ja absolut lobenswert und nachvollziehbar. Weniger aber die erzwungene (Drehbuch-)Entwicklung seiner Figur zum Vorzeigearschloch schlechthin, die noch dazu so lächerlich konstruiert wirkte. Irgendeinen Feind braucht es ja, damit wenigstens etwas Drama aufkommt.

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Thomas und Minho nehmen die Fäden in die Hand

Und dann wäre da dieses Ende… Was habe ich einen Hass auf dieses kommerziell bescheuerte Ende.
Macht es erst die einigermaßen ansprechende Atmosphäre kaputt, versucht es dann auf hektischste und holprigste Art und Weise noch ein kleines bisschen die immer abstruser werdende Situation zu erklären und führt daraufhin das alles auf lächerlichste Weise selbst ad absurdum. Die Regie wirft dem Zuschauer sozusagen den Knochen hin, mit dem man aber nichts anfangen kann und lässt die Tür für die Fortsetzung(en) sperrangelweit offen. Eine ausreichende Erklärung findet man hier abschließend so gut wie nicht.
Im Prinzip bin ich jetzt genauso schlau wie vorher, nur weiß ich das ich mir die Zusammenfassung der Bücher durchlesen werde, anstelle diesen verhunzten Bockmist weiterzuverfolgen. Kommerzgedanken aller erster Güte. Wenn man den Teil wenigstens im Kern in sich abgeschlossen hätte und den Zuschauer nicht so hilflos und verärgert zurückgelassen hätte…

Maze Runner: Die Auserwählten ist trotz des anfänglichen Potenzials die dämlichste und schwächste Jugendbuchverfilmung, die ich bis dato gesehen habe. Absoluter Beschiss auf ganzer Linie, wo der Gedanke der Geldmacherei, statt Geschichtenerzählerei, neue Dimensionen annimmt.

2,5/10 Punkte

PosterMaze Runner: Die Auserwählten [The Maze Runner]
Jahr: 2014 US/CA/GB
Regie: Wes Ball | Drehbuch: Noah Oppenheim, Grant Pierce Myers
Cast:
Dylan O’Brien, Kaya Scodelario, Thomas Sangster, Will Poulter, Patricia Clarkson

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16 Kommentare zu “[Film] Maze Runner: Die Auserwählten (2014 US/CA/GB)”

  1. Oops, diese vernichtende Kritik bestärkt mich darin, mir den Film zu sparen. Schon eine Freundin – hat Dylan O’Brian schon auf einer Convention, bei der Darsteller aus „Teen Wolf“ waren, getroffen (sie ist Sterek-Shipper) – hat mir gesagt, dass ich ihn mir nicht unbedingt ansehen muss. Da sie Dylan toll findet, hat sie 6 Punkte vergeben, davon einen für Dylan, Thomas Brodie-Sangster und Will Poulter.

    Das reicht nicht. Schade!

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    1. Lediglich 6 Punkte trotz Darstellerbonus ist wirklich eine Ansage, auf die du hören solltest. Aber wenn er dich interessiert: Nur zu. Immer selber ein Bild von machen. Hier wäre es nur ratsam, damit auf den nächsten Teil zu warten.

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  2. Ach, doch so schlecht? Oh je … dabei habe ich mich schon so gefreut, dass Dylan O’Brien und der JUnge aus Tatsächlich … Liebe in einem Film zu sehen sind. XD Hups … .
    Aber um ehrlich zu sein erwarte ich mir kaum was von Young-Adult-Dystopie-Trilogien-Verfilmungen.

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    1. Ich gestehe, „Die Tribute von Panem“ finde ich schick und atmosphärisch.
      „Divergent“ hätte besser sein müssen, und nach allem was ich über die Maze Runner Vorlage gelesen habe, hätte man die Verfilmung gleich bleiben lassen sollen.
      Thomas Sangster spielt toll, O’Brien okay. Die Dame die Teresa spielt kann man gänzlich knicken. Mehr ist wirklich nicht drin. Auch wenn die Kritiken anderswo auseinander gehen…

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        1. Ist ja auch so das Maß aller YA-Dystopien. Völlig zurecht, da dort eine Menge (u.a. Geld, vorallem aber auch Gefühl) reingesteckt wurde. Vermutlich auch doppelt und dreimal so viel Geld wie bei den anderen Verfilmungen. Aber gut. Irgendwer musste den Start machen und dann war es so ein Glücksgriff. Die einzige Buchreihe, von der ich vorher aber auch überhaupt mal was im Vorfeld gehört hatte. Und da wollen die anderen Studios nunmal mitschwimmen. Natürlich ohne möglichst viel Aufwand, weil die Teens gehen ja sowieso rein. War schon immer so und wird auch immer so sein. Irgendwann greift sich bestimmt nochmal einer eine wirklich interessante Reihe und die Verfilmung haut uns dann aus den Socken.

          Manche Filme sehe ich als wirklich speziell auf die Leserschaft der Bücher fokussiert, die dann mittels Mundpropaganda weitergetragen werden, während die Panemfilme da sehr viel offener auf die gesamte Jugend zugeschnitten wirken. Schon allein die Werbetrommel läuft zigmal lauter als bei jedem noch so ähnlichen Streifen.

          Aber buchtechnisch kenne ich mich in der Sparte echt nicht aus. Daher kann ich auch nicht behaupten, dass die Filme als Verfilmung per se schlecht sind. Bei Divergent empfand ich bspw. das Drehbuch als schwach. So schwach, dass ich mir nicht denken kann, dass die literarische Vorlage so schlecht sein kann/ist.

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  3. Danke für die ehrlichen Worte! Ich hab damals den 1. Teil gelesen und fand ihn GROTTENschlecht. Die Gründe waren teilweise dieselben, die du auch für den Film anführst. Mit den Figuren wird man nicht warm (die meisten gibt es eh nur, damit sie strategisch gemeuchelt werden können), die Story ist teilweise extrem unlogisch und stürzt gegen Ende in sich zusammmen und der Cliffhanger zum Schluss … Tja. An dem Punkt haben sich bei mir einfach nur noch hass-ähnliche Gefühle entwickelt. Das scheint also im Film genauso doof abzubrechen.
    Als ich den Trailer schaute, musste ich zwar eingestehen, dass der echt gut aussieht. Der Film wurde ja auch an jeder Ecke promotet, die haben da richtig Geld reingesteckt. Hätte ich das Auftakt-Buch nicht gekannt, wäre ich am Ende selbst ins Kino gerannt. ^^ So glaub ich dir deine Rezension aufs Wort: das überrascht mich alles gar nicht.

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    1. „Furstrierend“ dürfte das Wort der Stunde sein. Das Buch hätte ich wohl zum Schluss in die Ecke gefeuert. Dafür hast du meinen Respekt, dass du das knallhart durchgezogen hast.
      Den Film wollte ich ja wirklich mögen, aber auch bei mir haben sich zum letzten Drittel hin diese Hassgefühle ggü. dem Film entwickelt. Konnte wohl einfach nicht glauben, dass man mit so einem Mist tatsächlich abserviert wird.

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  4. Ich glaube der Film und Insurgent haben das selbe Probelem. Die unsympatischen/dämlichen Protagonisten der Bücher.
    Ich kenn den Film nicht, hab nur den ersten Teil gelesen und war wirklich genervt von den Charakteren.
    Bei die Bestummung das selbe. Tris nervt, Four nervt und gemeinsam sind sie ein Horror Pärchen. Auch hier kenn ich den zweiten Teil nur als Buch, ich hatte Angst ich ärgere mich dann nur im Kino 😀

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    1. Da mag duchaus was dran sein. Es sind halt sehr klischeebeladene Figuren, bei denen man die Hälfte immer schon vorausahnen kann. Und wenn zwei davon aufeinandertreffen… Gott bewahre…
      Ich weiß jedenfalls, warum ich einen großen Bogen um die Bücher mache. Hätte ich die auch mal um die Filme gemacht… 😉

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