[Literatur] Die Beute des Adlers – Adler-Reihe Band 5 (2013)

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Simon Scarrow – Die Beute des Adlers

Nach Jahren der Warterei und Ungeduld war es letztens so weit: Ich beschloss mit Simon Scarrows Adler- oder auch Rom-Reihe fortzufahren, die ich vor einigen Jahren durch zufälliges Coverbetrachten in meiner Stammbuchhandlung erstmals entdeckte. Und sofort war ich gebannt von den Abenteuern der ungleichen römischen Legionäre Macro und Cato.

Macro, ein altgedienter Veteran und Centurio unter der Adlerstandarte der zweiten Legion Augusta und Cato, der schmächtige, aber clevere Sohn eines Palastsklaven, der durch Umstände eine neue Heimat in der römischen Legion findet und Macro als dessen Optio (Stellvertreter) fungiert.
Da die Reihe nun endlich bis Band 11 komplett ins deutsche übersetzt wurde (die ersten vier Bände erschienen im Blanvaletverlag, ab Band 5 kam die Reihe mit zusätlicher Auffrischung beim Heyneverlag unter) und Nummer 12 schon in den Startlöchern steht, war es nur eine Frage der Zeit. Aber genug des Gequatsches, denn ich schweife schon wieder zu sehr ab.

Großbritannien, 44 AD: Nachdem Cato zum Centurio befördert wurde und nun sein eigenes Kommando über eine 80 Mann starke Centurie in der 2. Legion innehat, plant General Plautius den finalen Schlag gegen den britschen Stammesfürsten Caratacus. Caratacus, der als Kopf des britischen Widerstands gilt, den Römern seit bereits zwei Jahren das Leben auf der verregneten Insel zur Hölle macht und mit ständigen Angriffen den vom Kaiser Claudius eigentlich als Durchmarsch geplanten Feldzug zur mühseligen und vorallem teuren Angelegenheit verkommen lässt, steckt nun in der Zwickmühle. Bei einer Furtüberquerung plant Plautius den Widerstandskämpfer mitsamt seinen Truppen beim Versuch sich zurückzuziehen in die Zange zu nehmen, und ihn so zu stellen. Doch dank einer fatalen Fehleinschätzung gelingt Caratacus die Flucht. Schnell finden sich die Sündenböcke und die Centurionen Macro und Cato müssen um mehr kämpfen, als nur ihre Ehre. Auch ihr Leben befindet sich in größter Gefahr, als der General eine Dezimation der schuldigen dritten Kohorte fordert…

Wer den großen Anspruch sucht, der ist hier sicherlich an der falschen Adresse. Stattdessen liefert Simon Scarrows flotter Stil einen Pageturner nach dem anderen ab. Die Sprache ist einfach und militärisch knapp gehalten, was einem das Setting der antiken Kriegsführung stets verinnerlichen lässt. Auch Personenbeschreibungen fallen spärlich aus, der eine hat ein „wettergegerbtes Gesicht“, der andere „schwarze Locken“. Viel mehr gibt es in der Hinsicht nicht zu holen, stattdessen konzentriert sich Scarrow stets auf seine Geschichte. Und den geschichtlichen Rahmen, in den er seine Handlungen jeweils bettet.

Scarrow (*1962), der vor seiner Autorenkarriere selbst als Geschichtsdozent gelehrt hat, zeigt ein glückliches Händchen für fiktive Geschichten in historisch genauem Kontext. So ist es immer wieder spannend, sich beim Lesen die genau beschriebenen Kriegsmanöver der Römer vorzustellen, wie sie mit akribisch einstudierten Bewegungen und eiserner Disziplin gegen kampfwütige und wilde Stämme der Briten kämpfen. Selbst mit der besseren Ausrüstung und ebenjener Disziplin bleibt es für die Legionäre jedoch ein harter Kampf bis aufs Blut, der seine Opfer fordert. Die Kämpfe werden roh, brutal und manchmal auch recht einseitig geschildert. Doch genau das macht den gewissen Reiz dieser Geschichten aus: Römer, die mit allen Mitteln die britischen Provinzen unter römischer Standarte sehen wollen und Briten, die sich gegen diese Unterwerfung verzweifelt wehren. So stellt man es sich vor und genau so wird es auch beschrieben.

Obwohl sich Scarrow erzählerisch die meiste Zeit über auf das Hier und Jetzt seiner Protagonisten konzentriert, erlaubt er sich am Rande kleine Ausflüchte nach Rom und somit zu Kaiser Claudius selbst, wenn er dem kaiserlichen Sekretär Narcissus den führenden Posten der entsandten Legionen seine Drohungen aussprechen lässt. Die Macht des Kaisers, oder viel mehr die Macht der politischen (Macht)strukturen innerhalb dieses Gefüges, sorgt für eine knisternde Grundstimmung und sogleich eine (unsichtbare und subtile) Gefahr für jeden, der es wagt sich mit ihr anzulegen. Solche Einlagen sorgen für ein Unbehagen unter den Figuren und treiben sie zu Entscheidungen, die sie schnell bereuen, oder gar in Entschlüsse, die selbst den moralisch gefestigsten unter ihnen auf eine harte Probe stellen. Dadurch erhält die Geschichte eine weitere Ebene, die auch ein Stück weit das römische Imperium fernab der verregneten Insel greifbarer macht und den Leser mit weiteren Bildern füttert, ohne dabei vom Geschehen abzulenken.

„Der Anblick der wohlgeordneten Zeltreihen stimmte ihn zuversichtlich. Jedes Zelt wies auf die Anwesenheit von acht Männern hin. Manche exerzierten im Lager, andere schärften ihre Schwerter oder kehrten gerade von Expeditionen ins Umland zurück, auf denen sie Getreidekörbe und Nutztiere beschlagnahmt hatten. Diese disziplinierte Ordnung ließ die unbezwingbare Macht Roms erahnen. Mit einer so gewaltigen, gut ausgebildeten Truppe war es nur schwer vorstellbar, dass der Plan des Kaisers, diese Insel und seine Stämme dem Imperium einzuverleiben, scheitern könnte.“ (S. 41)

Leider bricht die Spannung in Die Beute des Adlers im Vergleich zu den Vorgängergeschichten leicht ein. Die Geschichte selbst fängt dabei spannend an und schafft es zu Höhepunkten, aber es hilft alles nichts, wenn die Handlung etwas zu gestreckt daherkommt. Scarrow hangelt sich zwar in relativ flottem Tempo von einer Station zur nächsten, doch wird manches gerade zum Ende hin zu plump geschildert, um eine wirklich tiefgreifende Stimmung zu schaffen. Dabei könnte es kaum schlechter um die beiden Protagonisten Macro und Cato stehen… Wahrscheinlich liegt es an der Story selbst, die eine Richtung eingeschlug, mit der mein Interesse nicht ganz aufrecht erhalten werden konnte. Auch der Fokus, der diesmal nicht auf Macro, beziehungsweise auf dem kampferprobten Duo Macro und Cato lag, sondern größtenteils auf den jungen Cato allein, entwickelte sich das Ganze zu einer Situation, mit der ich so meine Probleme beim lesen hatte. Da sich der frisch gebackene Centurio erst noch auf seinem neuen Posten behaupten und aufgrund eines unrühmlich schiefgelaufenen Plans zur Verantwortung ziehen lassen muss, ist er im weiteren Verlauf der Geschichte auf sich allein gestellt. Für mich ist diese Konstellation etwas unglücklich, da mein Lieblingscharakter Macro dadurch ins Hintertreffen geriet und seine spannenden, markigen Momente zu rar gesät waren, wenngleich sie da waren.
Zwar ist das klar dem persönlichen Geschmack geschuldet, aber dadurch fiel das Lesen nicht ganz so gemütlich aus, wie noch in den vorigen Geschichten. Hat eben ausnahmsweise mal nicht ins Schwarze getroffen. Doch zu allem Überfluss gesellt sich zur saloppen Geschichte ein überstürztes Ende, das dem Band unnötigerweise einen Lückenfüller-Charakter verleiht, um die Weichen für den nächsten Teil der Adler-Reihe zu stellen: Die Prophezeiung des Adlers. Dieses offensichtliche Vorausschauen auf die Fortsetzung hätte ich persönlich nicht gebraucht, da die Geschichte dieses Teils eigentlich recht entspannt und ohne Zwang hätte auslaufen können…

Wer einen Pageturner über das Leben in der römischen Legion sucht, der kann bei Simon Scarrow beherzt zugreifen. Dann aber bitte cleverer als ich sein und auch mit dem ersten Band Im Zeichen des Adlers anfangen. Denn dieser Kosmos, den Scarrow mit dieser Reihe erschaffen hat, wartet mit grundsoliden und spannenden Geschichten in historisch genauem Kontext auf. Die unterschiedlichen Abenteuer der so verschiedenen Legionäre Macro und Cato lassen das Militärhistorienherz höher schlagen, wenn auch dieser Band nach vier höchstbrisanten Geschichten etwas abflacht. Zum Ende hin konnte ich das Buch trotzdem nicht mehr aus der Hand legen und sehe dieses Buch daher als kleinen Ausrutscher, der trotzdem noch mit einigen spannenden und intensiven Passagen aufwarten kann.

3/5 Sterne

BeutedesAdlers
(c) Heyne

Die Beute des Adlers
– Adler-Reihe Band 5
[The Eagle’s Prey]
Autor: Simon Scarrow
Erscheinungsjahr: 2012
Verlag: Heyne
Ausgabe: 1. Auflage 2013
Seiten: 592
ISBN-10: 3453471180
ISBN-13: 978-3453471184

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4 Kommentare zu “[Literatur] Die Beute des Adlers – Adler-Reihe Band 5 (2013)”

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