[Film] Die neun Pforten (ES/FR 1999)

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Letztes Jahr entstand auf moviepilot eine tolle Communityaktion: Das User-Kommentare-Wichteln. Dabei wurden jeweils Zweierpaare ausgelost und diese sollten ihrem Wichtelpartner einen Kommentar zu einem ausgewählten Film „schenken“. Vorzugsweise sollten ebenjene Filme ausgewählt werden, die kein Reinfall sind und die der zu Kommentierende auch gut, vorzugsweise besser fand. Eine Aktion übrigens, die dieses Jahr auch wieder durchgeführt wird. Falls ihr Mitglied auf der Seite seid, könnt ihr euch ja mal unter diesem Link erkundigen. Vielleicht habt ihr ja Lust darauf, Filmfreunden eine kleine Adventsfreude zu bereiten. Mir hatte es jedenfalls ordentlich Spaß gemacht, auch wenn es hier und da so gar nicht einfach war, sich etwas passendes aus den Fingern zu saugen.

Wie dem auch sei habe ich also noch vier dieser Kommentare im Archiv, die ich in den kommenden vier Adventstagen raushauen werde (ggf. in einer leicht angepassten Version).

1. Advent:
Öhmm jaa, shit. Jetzt ist genau das eingetreten, wovor ich bei der Aktion so Muffensausen hatte: Meine Muse hat mich ordentlich im Stich gelassen. Lieber Weihnachtsmann, zum Fest der Liebe in gut drei Wochen wünsche ich mir meine Muse zurück. Du darfst auch gerne früher vorbeikommen. Oder den Nikolaus schicken. Oder einen deiner Handlanger, ich meine natürlich Elfen. Es gibt sogar leckere Kekse und ein Glas Milch dazu! (Ich war auch ein braves Mädchen, bis auf… ach lassen wir das besser… *räusper*) (Wie sich manche Dinge auch Jahre später einfach nicht ändern wollen…)

Spoiler voraus! (Aber ernsthaft, wer hat den denn noch nicht gesehen? ;))

Die neun Pforten ist im Grunde einer dieser typischen Filme, die man sich anschaut wenn sie im Fernsehen laufen, sie gegebenenfalls sogar gut findet, sie sich höchstwahrscheinlich aber nie kaufen würde. Wenn’s im herausgehangenen Socken für den Nikolaus liegt, ist es zwar nett, aber auch doof weil man ja eigentlich auf etwas anderes hoffte. Tja, so geht’s mir mit dem Film, auch wenn ich den sogar sehr gut finde.

Dean

Es ist ein seichter Thriller, der vielmehr mit seiner leicht schaurigen und mysteriösen Atmosphäre, denn mit gewaltigen Actioneinlagen punktet. Die meisten scheinen gerade dies zu bemängeln und kreiden dem Film eine Spannungsarmut an. Bei mir hingegen wecken solche okkulten Themen, wie hier das Mysterium um die „neun Pforten“, oftmals ein Interesse mit gewissem Eigenleben, dass mich die gesamte Laufzeit über bei Stange halten kann.
Dazu kommt noch eine Schnitzeljagd, die den Zuschauer an einige interessante Orte führt. Nein, nicht zum Nordpol und nein, am Ende steckt auch nicht der liebe Santa Claus mit einem Sack Geschenke in klirrender Kälte in einem viel zu engen Kamin fest. Stattdessen wird es am Ende so richtig feurig und vor allem heiß für unseren Protagonisten Dean Corso (Johnny Depp), dank des Teufels rechtem Elf, ähh rechter Hand. Wobei, einer bekommt die Rute immerhin zu spüren und brennt am Ende lichterloh wie ein abfackelnder Weihnachtsbaum, dem die letzten beiden Kerzen (wie altmodisch!) zum Verhängnis wurden. Und wenn wir schon dabei sind: Der andere bekommt doch noch genau das, was er sich unbewusst gewünscht hat. Man muss nur nett sein. (Haben das eure Eltern auch immer zu euch gesagt, als sie euch von der Existenz des Weihnachtsmanns zu überzeugen versuchten? Einfach nett sein und ihr bekommt was ihr euch wünscht?)

Depp-Seigner
Corsos Begleitung wird immer undurchschaubarer

Zur (für mich) spannenden Handlung kommt das Spiel mit den Figuren, denen Polanski (oder der Autor der Buchvorlage Der Club Dumas [orig.: El club Dumas]) Macht verleiht, aber nicht zögert, sie ihnen zugleich wieder zu entreißen. Johnny Depp, den ich gerade in diesen ernsten Rollen sehr gerne sehe, auch wenn er wirklich immer diesen skurrilen, leicht tollpatschigen, gar komischen (witzigen) Charakterzug hat, wird hier wie Rudolf, das rotnasige Rentier, vor den Schlitten gespannt und darf sich eine leichtfüßige Hetzjagd mit dem vom Teufel (ha! Nicht wirklich!) besessenen Frank Langella und einer biestigen Lena Olin liefern, und sich ganz nebenbei von der mysteriösen Fremden, gespielt von Emmanuelle Seigner, beschützen lassen. Es ist einfach was besonderes Depp dabei zuzuschauen, wie er „problematische“ Situationen auf seine spezielle Art und Weise meistert.
Der Film gefällt mir auch nach all den Jahren sehr, gerade da er als Thriller zwar ruhig und unaufgeregt, aber trotzdem die ganze Zeit über zielstrebig und bestimmt sein Ziel verfolgt. Genau das macht ihn in meinen Augen so großartig. Davon abgesehen verliert der Film nie seine Faszination, man kann ihn sich immer wieder anschauen und bleibt auch nach dem x-ten Mal bis zum Schluss gebannt vor der Flimmerkiste sitzen.

Ach, es ist ja noch gar nicht Weihnachten? Dann aber Schluss mit den ganzen fürchterlichen (vor)weihnachtlichen Allegorien. Ich fühle mich gerade so, wie wenn ich im Oktober vor dem Regal mit den ganzen Lebkuchenherzchen, Dominosteinen und Christstollen stehe. Ihr auch?
Daher gehe ich jetzt mal den dauerqualmenden Dean Corso fragen, ob er mir nicht sein Feuerzeug ausleiht, damit ich endlich die erste Kerze vom Adventskranz anzünden kann.

Dean-Corso

Denn was ich eigentlich sagen wollte:
Euch allen einen frohen ersten Advent! 🙂

9/10 Punkte

ArtworkDie neun Pforten [The Ninth Gate]
Jahr: 1999 ES/FR
Regie: Roman Polanski | Drehbuch: John Brownjohn
Cast:
Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner, Barbara Jefford, Jack Taylor, José López Rodero, Tony Amoni, James Russo, Willy Holt

 

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3 Kommentare zu “[Film] Die neun Pforten (ES/FR 1999)”

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