[Film] Jack Ryan: Shadow Recruit (2014 US/RU)

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Jetzt mal abgesehen davon, dass Chris Pine als Jack Ryan einfach nicht funktioniert (er ist für mich ein reinrassiger Actiondarsteller und Vorlagengeber Tom Clancy würde sich wohl im Grabe umdrehen), empfand ich Jack Ryan: Shadow Recruit glücklicherweise als nicht ganz so schlecht. Zwar weit entfernt von gut, aber auch ebenso weit entfernt von einem Reinfall. Durchschnitt eben.

Die alten Jack Ryan Filme waren für mich immer clevere Politthriller, die sich nur periphär mit Actioneinlagen beschäftigen mussten, um ihren Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Da ging es wirklich um die Figuren, um das Drumherum. Die Geschichte stand im Vordergrund, nur vereinzelt gab es effektive und intensive Action, die dem rollenden Stein zur rechten Zeit etwas Geschwindigkeit verlieh. Das funktionierte damals einwandfrei. Shadow Recruit versucht nun, dieses Schema auf die Moderne zu übertragen und scheitert bedingt daran.

Einerseits ist es dem Film hoch anzurechnen, dass er versucht seine Action im Zaum zu halten. Da gibt es ein, zwei laute Momente und das wars auch schon. Das stille und heimliche aus alten Zeiten steht also im Mittelpunkt, lieber mit Köpfchen als mit Kugeln. Ist ja eigentlich nicht schlecht. Gut gegen Böse in Zeiten der Wall Street-Geldmaschinerie, in der eine Bedrohung schon allein mittels Geldbewegungen stattfinden kann. Infolgedessen muss aus einem Datenanalysten in Rekordzeit ein Feldagent werden, der diesem Treiben ein Ende bereiten muss, um gegen die unglaublich nachtragenden Russen anzukommen. Natürlich könnte das auch kein anderer in der CIA machen…
Wer über einige solcher Storypatzer hinwegsieht, wird mit einer larifarimäßigen, schalen Geschichte abgespeist, die weder Spannung noch Thrill verspricht. Also etwas, was man schon mehrere dutzende Male besser und gewiefter gesehen hat.

Denn ein gewitzter Politthrill lebt nunmal von seiner Handlung und den involvierten Figuren, die miteinander interagieren. Doch hier bleibt alles zu oberflächlich, selbst Ryans Vorgeschichte wird lustlos dahingeschludert. Und die unnötige Lovestory mit ihren fürchterlich platten Nonsense-Dialogen geht einem schon bald unweigerlich auf den Sender, musste aber unbedingt in die Handlung eingebunden werden, nur damit Jack für die Zukunft verheiratet wird. Etwas muss man sich von den Namensvetterfilmen ja abgeschaut haben…
Ist dann auch vorerst dieser Teil der Geschichte absolviert, darf die Hatz auf die Bösen endlich beginnen. Zwar etwas unaufgeregt, aber durchaus mit Potenzial. Welches leider vorschnell verschwendet wird.
Kommen wir nämlich zu Kenneth Brannagh (über Costners unterfordernde Rolle muss kein Wort verloren werden). Brennagh ist durchaus ein guter Schauspieler, doch genau wie seine unspektakuläre Regie bleibt auch sein Antagonist zu blass, als dass eine Faszination für seinen Charakter von ihm ausgehen könnte. Das Motiv bleibt zu nichtig, um wirklich zu interessieren. Schon allein dadurch wird die von ihm ausgehende Gefahr zu lasch präsentiert, der Film bleibt defacto reine Durchschnittskost. Dabei blitzte gelegentlich ein undurchsichtiges Spiel von ihm durch, was dem Film einen guten Schuss Pfeffer verpassen konnte. Leider waren diese Momente zu rar gesät, als das sie noch etwas hätten reißen können. Dabei lebt ein Politthriller von genau solchen Einlagen, die unweigerlich die Spannungsschraube anziehen und einem Film seine Kontinuität verschaffen.

Brennagh-SR
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Mit einem sattelfesteren Drehbuch wäre hier durchaus ein flotter aber bodenständiger neumodischer Agententhriller drin gewesen. Aber hätte, wäre, wenn… dann doch lieber wieder die alten Filme aus dem Regal ziehen, wenn man sich schon mit dem Namen „Jack Ryan“ im Titel brüstet. Die wussten nämlich, wie man’s macht.

5,5/10 Punkte

PosterJack Ryan: Shadow Recruit
Jahr: 2014 US/RU
Regie: Kenneth Brannagh | Drehbuch: Adam Kozad, David Koepp
Cast:
Chris Pine, Kenneth Brannagh, Keira Knightley, Kevin Costner, Nonso Anozie, Colm Feore, Gemma Chan, David Paymer, Karen David, Mikhail Baryshnikov

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3 Kommentare zu “[Film] Jack Ryan: Shadow Recruit (2014 US/RU)”

  1. Den habe ich in einer Sneak gesehen. War okay. Die Zuschauerkommentare waren witziger.
    „So sieht also Liebe bei Jugendlichen aus.“
    „Der sich den Wolf tanzt.“

    Wusste auch gar nicht das es dazu schon andere Filme gibt.

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    1. Glaub ich gern.
      Aber: Die Stunde der Patrioten, Das Kartell und Jagd auf Roter Oktober kennst du nicht? Aiaiai. Das ist perfekte 90er Jahre Unterhaltung. Über „Der Anschlag“ hülle ich wohl besser den Mantel des Schweigens, auch wenn ich den noch gar nicht gesehen habe.

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