[Film] Herz aus Stahl (2014 US/GB)

Herz-aus-Stahl-Header

In Herz aus Stahl (OT: Fury) rollt die verrohte, kriegerische Gewalt tatsächlich wie ein Panzer über den Zuschauer hinweg.

Schon allein das erste Gefecht verlangt viel Willen, sich dabei nicht abzuwenden. Die Regie rund um David Ayer zieht alle nur erdenklichen Register, um ein größtmöglich bedrückendes Kriegsszenario zu erzeugen und auf Zelluloid zu bannen. Ich musste nicht lange nach dem passenden Begriff suchen, denn „einschüchternd“ schoss mir während der besagten Szene mehrmals durch den Kopf, wenn die Panzer in Richtung der gegnerischen Abwehrstellungen rollen und alles und jeden niedermachen, der ihnen vor die Kette gerät. Dabei wird eindringlich draufgehalten und die Spannungskurve durchgehend oben gehalten. Begleitet werden diese Kampfhandlungen von einem passenden Soundtrack von Steven Price, der sich angenehm zurückhält, um im richtigen Moment für Gänsehaut zu sorgen. Liegt gut im Ohr und kann man sich definitiv öfters anhören.

Wie ich es mir schon dachte, liegt der Knackpunkt in Herz aus Stahl meiner(!) Meinung nach beim Erzählstil.
Dabei ist es absolute Geschmackssache, doch ich persönlich kann mit diesem hämmernden Destruktivismus in solch wichtigen Filmpassagen wie dem Zusammensitzen bei Emma partout nichts anfangen.
Wenn ‚Wardaddy‘ (Brad Pitt) mittels simpler Verdrängung wenigstens etwas normalen Alltag in den Wirren dieses dreckigen Krieges sucht und seine Kollegen schon so dermaßen abgestumpft sind, ja sich überhaupt gar kein normales Leben mehr vorstellen können, dann schlägt das aufs Gemüt und verleiht jedem Charakter seine eigenen kleinen und feinen Züge. Allerdings zieht es sich hier unverhältnismäßig und bringt die sonst recht flott erzählte Geschichte ordentlich aus dem Tritt. Finde ich schade, obwohl es den Figuren dienlich ist und symbolisch für den Krieg selbst steht. Aber das ist wie gesagt dem eigenen Geschmack verschuldet.
Immerhin lassen sich sonst einige Macken der Figuren erahnen und Brad Pitt verleiht seinem Inglourious Basterds-Alterego weitere Facetten. Er ruft mir doch immer wieder in Erinnerung, was für ein grandioser Schauspieler er doch ist… Auch Shia LaBeouf kann man lobend erwähnen, wenngleich der Rest der Crew nicht allzu viel zu tun hat. Logan Lerman wird ohnehin immer sympathischer, wirkt in seiner Darstellung des anfänglichen Unschuldlamms hin zum abgebrühten Soldaten allerdings etwas zu gehetzt und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit. Aber wirklich tiefgründige Charaktere habe ich hier sowieso nicht erwartet, da ist das sicherlich zu verschmerzen.

Crew-Herz-aus-Stahl-Poster
Die Crew des Sherman Panzers

Erfrischend ist außerdem, dass sich der Pathos weitesgehend zurückhält. Da schlug der Trailer noch ganz andere Töne an, aber nach dem Kinobesuch ist man ja immer schlauer. Dass sich einige über das pathetisch aufgeladene Ende echauffieren ist nachvollziehbar, wenngleich es im Kontext nicht unmittelbar stört, eher sogar zum angeschlagenen Grundton des Films passt. Der kleine Wehrmutstropfen bleibt dennoch die Darstellung der beinahe komplett unfähigen Gegenwehr am Ende, um wenigstens etwas Pathos versprühen zu können… aber von irgendetwas muss so ein Kriegsfilm ja auch leben.

Alles in allem überwiegt in meinen Augen die ungemein erdrückende und zermürbende Kriegsaction den Makeln und macht Herz aus Stahl dadurch zu einem unerwartet positiven Auftakt des noch jungen Kinojahres 2015.

7/10 Punkte

Herz-aus-Stahl-PosterHerz aus Stahl [Fury]
Jahr: 2014 US/GB
Regie & Drehbuch: David Ayer
Cast:
Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman,  Michael Peña, Jon Bernthal, Jason Isaacs, Kevin Vance, Xavier Samuel, Brad William Henke, Jim Parrack, Anamaria Marinca, Alicia von Rittberg, Scott Eastwood

Bilder via: filmstarts.de; screenrant.com; nextprojection.com; moviepilot.de; kino.de; deadline-magazin.de

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