[Film] Punch (2011 KR)

Punch-Header2

Die Welt wäre entschieden schöner, wenn es mehr Kim Yun-seoks in dieser Rolle gäbe…

(Angehende) Lehrer mögen sich bei seinen Methoden vielleicht entsetzt abwenden, dafür kümmert er sich um seine Schüler. Selbst um die hoffnungslosen Fälle. Auch wenn diese es nicht wahrhaben wollen und speziell Do Wan-deuk (Sang-ho Kim), der auch noch Haus an Haus mit ihm leben muss, die Schnauze gehörig voll hat.

„Wan-deuk!
Come out! […] Hey, DOH Wan-deuk! You took your sweet time. Quick!
Throw me a pack of rice.“

‚Taking food from a student
living on food aid..‘

„Here.“
„No black rice?“
„Just white rice this month. The rest is gone.“
„Why didn’t you save…“

Aber ich greife vor. Do Wan-deuk ist einer dieser hoffnungslosen Fälle. In der Schule ist er schlecht und die notwendige Motivation bringt er auch nicht auf. Sein alleinerziehender Vater musste sein Cabaret schließen und tritt von nun an mit „Onkel“ Min-ku auf Märkten in der Umgebung auf, obwohl es ihm sein krummer Rücken kaum noch erlaubt. Aber irgendwie müssen sie ja über die Runden kommen. Und für Wan-deuk platzte auch gleich der Traum, wenn er einmal groß sein würde, im Carbaret seines Vaters mitzumischen.

Regisseur Lee Han greift in seiner Verfilmung der Novelle „Won-Deuk Yi“ unglaublich viele Themen wie Armut, die unwillkürliche Konfrontation einer länderübergreifenden Heirat, Religion, Migration, Sport und Liebe auf und bringt diese in einem amüsanten Drama-Comedy-Mix unter. Wer jetzt glaubt das wäre vollkommen überladen, irrt.
Denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen lediglich der in ärmlichen Verhältnissen lebende Do Wan-deuk und Lehrer Lee Dong-ju, die beide von grundauf unterschiedlich sind. Während Wan-deuk seinen Antrieb verloren hat und ihn sein penetrant nervender Nachbar und Lehrer Dong-ju eines Tages nach seiner Mutter fragt, bringt er Wan-deuk ordentlich aus dem Konzept. Er habe keine Mutter, zumindest könne er sich nicht mehr an sie erinnern, doch Dong-ju überzeugt ihm vom Gegenteil und will sie miteinander bekannt machen. Fortan sieht sich Wan-deuk mit einigen unterschwelligen Vorurteilen behaftet, denn seine Mutter ist keine Koreanerin…
Es entsteht eine unscheinbare Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler, die zwar geprägt ist von Sticheleien, aber so langsam entdeckt der junge Wan-deuk, dass sein Lehrer mehr drauf hat, als es zunächst den Anschein erweckt. Er pusht ihn, ohne dass er es überhaupt wahrnimmt, und obwohl Dong-ju schon sämtliche Hoffnungen in seinen Schützling begraben hat, unterstützt er ihn stets. Und eröffnet ihm einen Weg, wie er mit dem ganzen auf ihn einstürzenden Stress umzugehen lernt.

Was Punch oder auch Wan-deuk-i zu etwas besonderem macht? Punch ist einer dieser ursympathischen Filme. Getragen von den beiden wunderbar sarkastisch miteinander agierenden Hauptdarstellern Sang-ho Kim und Kim Yun-seok, werden viele Aspekte des Lebens förmlich aus dem Leben gegriffen und zu einer kleinen unscheinbaren Perle der Moderne umgemodelt. Hier wird aus dem zurückhaltenden Teenie mit all seinen Problemen kein lupenreiner Held geformt, der plötzlich zum Supertypen mutiert, sondern lediglich ein junger Mann, der sein Leben in den Griff bekommen will. Und manchmal braucht es dazu Hilfe. Auch wenn sie von einem miesepetrig arschigen Lehrer kommt… für den Zuschauer wird gerade das zum Genuss. Denn die Dialoge zwischen den beiden sind einfach zum Niederknien.
Auch die Tatsache, dass Lee Han mit seiner Inszenierung nur selten vom wesentlichen abweicht, ist lobenswert. Er verbindet unscheinbar wirkende Themen zu einem spannenden und gleichermaßen aberwitzigen Geflecht, in dem nicht nur Friede-Freude-Eierkucken-Stimmung herrscht. Hier werden existente Probleme verarbeitet, was den Film vermutlich so authentisch wirken lässt, obwohl einiges so fernab vom Schuss erscheint. Hier hat jede noch so nichtig wirkende Figur ihre Daseinsberechtigung und erhält die nötigen Konturen, um die Geschichte voranzutreiben. Denn diese lässt sich die nötige Zeit, ohne dabei jedoch aus dem erzählerischen Rhythmus zu kommen.

Und das macht Spaß.

Wer asiatische, speziell koreanische Filme mag, muss hier einfach mal reingeschaut haben. Ich brauche jetzt jedenfalls mehr von Kim Yun-seok (♥).

8/10 Punkte

Punch-PosterPunch [Wan-deuk-i]
Jahr: 2011 KOR
Regie: Lee Han | Drehbuch: Kim Ryeo-Ryeong (liter. Vorlage), Kim Dong-Woo, Lee Hae-Je
Cast:
Sang-ho Kim, Kim Yun-seok, Jasmine Lee, Park Hyo-Joo, Kang Byul, Kim Sang-Ho, Park Soo-Young, Kim Young-Jae, Ahn Kil-Kang, Sudip Banerjee

Bilder via: asianwiki.com/Punch_%28Korean_Movie%29

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4 Kommentare zu “[Film] Punch (2011 KR)”

    1. Macht nichts! Den habe ich damals auch nur extrem zufällig gesehen, als meine Sitznachbarin im Zug den auf ihrem Netbook geschaut hat und ich unauffällig mitgeschaut hatte. Habe zwar kein Wort verstanden weil die UT undefinierbar asiatisch waren, aber selbst so war der wirklich gut. 😉

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