[Film] Tage des Zorns (2008 DK/DE/NOR/FR/SE/FI/CZ)

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Nachdem wir es am Mittwoch aufgrund von The Imitation Game bereits von einer realen Persönlichkeit zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hatten dachte ich mir, ich hole diesen älteren Text aus der Versenkung. Auch hier, in Ole Christian Madsens Tage des Zorns, handelt die Geschichte von zwei Männern, die es so tatsächlich gegeben hat, und ihren Widerstand gegen das deutsche Reich sowie dessen Schergen- wenn gleich in aktiver Form.

Dänemark zur Zeit der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg: Die beiden Untergrundkämpfer „Flammen“ (Thure Lindhardt) und „Citronen“ (Mads Mikkelsen) gehören der dänischen Widerstandsgruppe „Holger Danske“ an. Ihre Befehle erhalten sie von Staatsanwalt Winther. In seinem Auftrag liquidieren sie dänische Kollaborateure. Um dabei nicht unnötig aufzufallen, beschränken sich diese Attentate zunächst ausschließlich auf dänische Denunzianten, durch denen die Widerstandsgruppe ständig Gefahr droht, aufzufliegen. Dabei ist die Arbeitsteilung zunächst klar: Citronen fährt, Flammen schießt. Und das gnadenlos. Doch mit weiteren Aufträgen wird nicht nur der Kampf gegen die Nazis ausgetragen, auch der Kampf gegen das eigene Gewissen zehrt an den Männern. Denn unter den Zielpersonen befindet sich schließlich auch eine Frau. Aber auch die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten können mit der Zeit nicht mehr nur in schwarz oder weiß unterteilt werden. Citronen hat zwar seine Überzeugung für die er einsteht, aber dass sich das alles als nicht so simpel herausstellt, macht ihm zu schaffen. Daneben hat er auch familiäre Probleme, die er in den Griff zu bekommen versucht. Genauso mit Flammen. Von seinem Vater losgesagt steht er bis auf seine Gruppe vollkommen alleine da, bis er auf die mysteriöse Ketty trifft.
Und hier beginnt die Geschichte von Verrat, Moral & Überzeugung, Schuld & Unschuld und auch Widerstand.

Hier gibt es keinen strahlenden Sieger, die Hemden bleiben nicht blütenrein. Stattdessen beobachten wir, wie zwei Widerstandskämpfer immer tiefer in die Wirren des Krieges gezogen werden. So leicht wie man sich den Begriff „Widerstand“ immer vorstellt, so verwirrend kann es doch gleichzeitig sein, vor allem wenn persönliche Interessen eine immer größer werdende Rolle spielen. Wenn man nicht mehr das eigentliche Ziel verfolgt und man sich deswegen betrogen fühlt. Wenn man an seinem Auftrag überhaupt zweifelt. Schließlich riskieren diese aktiven Freiheitskämpfer ihr Leben für diese eine Sache: Die Nazis aus Dänemark zu vertreiben.

Das alles klingt jetzt so wahnsinnig interessant und spannend. Ihren Möglichkeiten entsprechend versuchen besonders die beiden Hauptakteure Thure Lindhardt und Mads Mikkelsen das Beste aus ihren Rollen zu holen. Leider bleiben sie drehbuchbedingt kaum mehr als Abziehbilder eines Kämpfers mit innerem Zwist. Die Figuren berühren mich kaum, da vermag auch die typisch rührselige Familie im Hintergrund kaum was daran zu ändern. Leider setzt der Film zu sehr auf ebendiese Figuren, denn wirkliche Hintergründe der Widerstandsgruppe „Holger Danske“ und des Widerstands in Dänemark werden zu oberflächig abgehandelt. Stattdessen geht es irgendwann in die Richtung eines Spionagefilms, der sich zu sehr auf seiner Geschichte über Verrat ausruht. Die interessanten Ansätze am Anfang werden unterschlagen, womit auch die Spannung massiv verloren geht. Da kann noch so viel geschehen, die Luft ist irgendwann einfach raus, zumal der Film mit seinen 136 Minuten auch ziemlich lang geraten ist.
Dafür ist Tage des Zorns ein optisches Schmankerl, was sich auch historisch gesehen recht natürlich anfühlt. Besetzungsbedingt stolpert man immer wieder über bekannte Gesichter, die Kulissen sehen ebenfalls sehr schick aus. Auch die Tatsache, dass solche Widerstandskämpfer im Film nicht immer als unschuldige Lämmer dargestellt werden und auch Fehler machen, wirkt reizend. Aber leider gefiel mir die eingeschlagene Richtung nicht so recht. Hätte man gerade am Anfang die historischen Hintergründe noch weiter beleuchtet und nicht für so selbstverständlich genommen, vielleicht hätte er dann besser abgeschnitten. Gerade im Hinblick auf die beiden realen Personen Jørgen Haagen Schmith und Bent Faurschou-Hviid, auf denen die ganze Geschichte beruht und rein und für sich genommen mit grundliegendem Interesse umgesetzt wurde, so ist es doch schade wie lustlos der Film über die gesamte Länge nur so vor sich hin plätschert. Das Potenzial war nämlich da.

Wenn man interessenbedingt einen Film über Widerstandsgruppen zur Zeit des Nationalsozialismus auch außerhalb des damaligen deutschen Reichs sehen will, der kann bei Tage des Zorns durchaus mal einen Blick riskieren. Ansonsten langt es einfach nicht für sehr viel mehr, auch wenn die der Geschichte zu Grunde liegenden Ereignisse wirklich faszinierend klingen, bzw. es auch sind.

6/10 Punkte

Tage-des-Zorns-PosterTage des Zorns [Flammen og Citronen]
Jahr: 2008 DK/DE/NOR/FR/SE/FI/CZ
Regie: Ole Christian Madsen | Drehbuch: (+) Lars Andersen
Cast:
Mads Mikkelsen, Thure Lindhardt, Hanns Zischler, Christian Berkel, Stine Stengade, Peter Mygind

Trailer (orig. mit eng. UT):

Bilder via: tagedeszorns.de

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2 Kommentare zu “[Film] Tage des Zorns (2008 DK/DE/NOR/FR/SE/FI/CZ)”

  1. Ach, schwierig. Uns geht es da glaube ich ziemlich ähnlich, was den Film betrifft. Ich fand den insgesamt sehr realistisch dargestellt, was ja eigentlich wünschenswert ist. Aber ich mochte keinen einzigen Charakter und das ist vielleicht auch der Grund, warum dich die Charaktere nicht so wirklich berühren konnte.
    Bei mir führte das dazu, dass ich den ganzen Film nicht mochte. Das ist bei mir häufig so. Was eigentlich schade ist, denn vielleicht ist der Film realistischer als das was man sonst so zu sehen bekommt…

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    1. Der hatte definitiv den Bonus, dass sich ein anderes Land, von dem man in dem Zusammenhang recht selten hört, dem Thema angenommen hat. Da war das Interesse, wenn auch meist nur auf unterschwelliger Ebene, immer da.
      Mit den Charakteren ist wirklich so eine Sache: Zumindest lassen sich die Motive nachvollziehen, auch wenn man mit den Figuren nichts anzufangen weiß. Da hatte ich glücklicherweise nicht ganz so meine Probleme mit.
      Im Prinzip hat er sich wie ein solider TV-Zweiteiler angefühlt. Nicht mehr, und auch nicht weniger. Aber schön dass er wirklich so bodenständig/realistisch geblieben ist.

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