[Film] Fifty Shades of Grey (2015 US)

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Oops I did it! Etwas irritiert saß ich ja im Kinosessel als der Schwenk von der Orion-Werbung hin zum Trailer von Ostwind 2 kam, und dann kommt so etwas bei raus…

Zugegeben, Fifty Shades of Grey beginnt recht reizend und es dauert auch gar nicht lange, bis „Miss Steele“ (Dakota Johnson) mit ihrem treudoofen Blick in das Büro von „Mr. Grey“ (Jamie Dornan) stolpert. Die Sympathien zieht Anastasia sofort auf ihre Seite, auch die des Zuschauers, aber wirklich funken zwischen den beiden Darstellern tut da rein gar nichts. Jamie Dornan wirkt in meinen Augen fehlbesetzt, das arrogante selbstbewusste Auftreten wirkt zu gewollt statt gekonnt und diesen Drang, unbedingt immer die Kontrolle behalten zu müssen, kauft man ihm gerade in den Schlüsselszenen nur selten ab. Immerhin versuchen einige Kameraeinstellungen eben dies zu kaschieren.

Die Inszenierung im Allgemeinen hingegen wirkt edel und ist durchaus schön anzusehen. Vor allem das entsättigte Spiel mit den Farben zu Beginn zieht auffällig, ebenso das immer wiederkehrende Motiv der unterschiedlichen Graufacetten. Hier haben sich die Macher ihre Gedanken gemacht, und das merkt man. Allerdings kann das Drehbuch ebenso wenig wie der eigentliche Beweggrund des Films punkten.
Dabei macht das Drehbuch am Anfang noch so einiges richtig und lässt auf einen passablen Film hoffen. Es hält sich schön eng an die Vorlage und trödelt nicht allzu lange herum. Warum nun aber einige der furchtbar schlechten Dialoge unbedingt aus dem Buch übernommen werden mussten, das vermag nur die Drehbuchschreiberin zu beantworten. Es kommen Passagen vor, die einen schlichtweg peinlich berührt im Sitz versinken lassen. Leidtragender bleibt hier Dornan, der noch dazu einige dieser hölzernen Oneliner so steif und bierernst rüberbringt, dass es zu zahlreichen (unfreiwilligen) Lachern kommt.

Überhaupt fehlt schon allein zwischen den beiden der Biss. Zwar wirkt Dakota Johnson in ihrer Rolle als unerfahrenes Mauerblümchen etwas trittsicherer, aber es hätte etwas mehr von diesen Machtränkeleien zwischen den beiden gebraucht, um der Geschichte mehr Drehmoment zu verleihen. So bleibt alles zu eintönig, um sich auf kurzweilige Art über die 125 Minuten zu retten. Da helfen auch etwaige Hintergrundbeziehungen und Familienmomente nichts, die dem Protagonistengespann mehr Leben einhauchen sollen. Diese werden schon so lieblos eingebaut, dass man sich bei jedem bedienten Klischee an den Kopf greifen möchte. Spätestens hier fällt der Film in ein erzähltes Loch, verrennt sich in unnötigem Storytelling so fernab vom Schuss und beginnt erstmals so richtig zu langweilen.

Aber kommen wir zu dem, was den verruchten Fifty Shades of Grey ausmacht. Oder eher gesagt, ausmachen sollte: Die pikanten Szenen.
Ich hatte nach Buchlektüre ja erwartet, zumindest etwas kreatives vorgesetzt zu bekommen. Etwas, das einen unruhig im Sessel sitzen lässt, oder etwas, das einen irgendwie anmachen soll. Aber nichts da. Die erste Sexszene bietet bereits den größten Schauwert und allein der Einsatz von sexy Liedern á la Beyoncé vermag so etwas wie Erotik oder Sexdunst zu versprühen. Leider wird durch unglückliche Schnitte und Kamerawinkel jedoch so viel dem Kopfkino überlassen, dass man sich fragen muss: Warum verfilmt man den Stoff dann überhaupt? (Money money money natürlich…)
Ein bisschen oberkörpernackten Jamie Dornan, der ja nun wirklich keinerlei Ausstrahlung mitbringt und unglaublich viele Aufnahmen von Dakota Johnsons Brüsten und Ansätze ihres Intimbereichs. Da war keinerlei Abwechslung dabei, nichts was einen erröten ließe und ich muss zugeben- recht schnell wurde ich Brustmüde. Die eigentlichen BDSM-Szenen waren dementsprechend auch für die Katz, da man nicht einmal den Eindruck bekommt, der Film wolle mehr wagen, bzw. zeigen. Dafür einigt er sich auf die „weder Fisch noch Fleisch“-Variante und lässt sich nicht auf das Abenteuer ein.
Für den Hype, den der Film im Vorfeld und selbst jetzt noch auslöst, ist das schlichtweg unbefriedigend und langweilig geraten. Da wird eine erweiterte Fassung auf DVD und Blu-ray auch nicht mehr viel reißen können.

Warum um den Film nun so ein Gewese gemacht wird bleibt unverständlich, ebenso die Gedanken, dass dieser Film in irgendeiner Weise frauenverachtend sein soll. Grey will unbedingt, Steele weiß es nicht, sagt dann ja, dann nein und eigentlich vielleicht und so weiter… Am Ende gibt es die klipp und klare Antwort. Und ganz ehrlich: Eigentlich benutzen sich die beiden gegenseitig, um ihre jeweilige Wollust nach dem eigenem Verlangen zu bedienen. So what?
Ist ja nun nicht so, dass sie sich nicht freiwillig auf das Abenteuer einlassen würde(n)…

Am Ende bleibt Fifty Shades of Grey nichts weiter, als unbefriedigender Blümchensex für einigermaßen prüde gebliebene. Die fehlende Chemie zwischen den beiden Darstellern bleibt dabei die kleinste Sorge. Stattdessen herrscht dank des holprig zahmen Drehbuchs und den keineswegs lustvollen Einlagen nur Frust, was sich kaum durch schicke Inszenierung des Drumherums kaschieren lässt.
Übrig bleibt eine weitere Liebesschmonzette von der Stange. Nur dass uns hier noch zwei weitere Teile erwarten dürften.

3,5/10 Punkte

Fifty-Shades-of-Grey-PosterFifty Shades of Grey [50 Shades of Grey]
Jahr: 2015 US
Regie: Sam Taylor-Johnson | Drehbuch: Kelly Marcel
Cast:
Dakota Johnson, Jamie Dornan, Eloise Mumford, Luke Grimes, Rita Ora, Victor Rasuk, Max Martini, Dylan Neal, Callum Keith Rennie, Jennifer Ehle, Marcia Gay Harden

Bilder via universalshowtimes.com/de/fifty-shades-of-grey/gallery; finalreel.co.uk; collider.com; blackfilm.com

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17 Kommentare zu „[Film] Fifty Shades of Grey (2015 US)“

        1. Den muss ich sowieso noch gucken, schiebe den ständig vor mir her. Bin mal gespannt. Aber von Trier macht sowieso immer das, wonach ihm gerade der Sinn steht. Der Rest ist im sche**egal. Irgendwie ja bewundernswert.

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  1. Ich fand den Film eigentlich ganz in Ordnung (natürlich nicht hammermäßig gut, aber auch nicht extrem schlecht). Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mit absolut null Erwartung in den Film bin. Spätestens seit NYMPHOMANIAC sollte doch wirklich jeder wissen, dass hinter den vermeintlichen Schmuddelfilmchen aus Hollywood meistens nur heiße Luft und Geldmacherei steckt. Dies erklärt auch die stark kommerzielle Ausrichtung des Films, er will einfach allen gefallen und das ist das Problem: Der Soundtrack ist voller A-Klasse-Sängerinnen, die Wohnung inklusive Spielzimmer sind schick und der reiche Gentlemen führt die Angebetete zu zahlreichen extravaganten Dates aus. Das ist PRETTY WOMAN für’s 21. Jahrhundert und für die medien- und sexgeile Meute.

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    1. Naja, ich kenne bis zu einem gewissen Grad das Buch und weiß auch, wie plastisch es geschrieben ist. Davon abgesehen fand ich es schade, wie die Chronologie auf einen Schlag über den Haufen geworfen wurde. Hätte ich eben das nicht gewusst, wäre er vielleicht einen Punkt nach oben gerutscht. Trotzdem krankt der Film an den vorgegaukelt interessanten Punkten. Und das ist doof.
      Den Soundtrack finde ich abseits von Beyonce und einem ungewöhnlich energetischen Danny Elfman gar nicht so prickelnd, aber da bin ich sowieso die falsche für. 😉
      Aber klar, das stimmt schon mit der Geldmacherei. Am Ende war es die Neugier und damit sind sehr viele im Saal auf die Schnauze gefallen. Trotzdem musste ich an manchen Stellen gut lachen und das ist nicht mal böse gemeint. Der Film war jetzt nicht so toll, aber mein Gott. Die Welt geht davon nun auch nicht unter.

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  2. Ich lach mich wech… da wurde so ein Hype drum geschaltet… dass ich damals schon sagte, das wird eh nix…
    Wie ich sehe, hatte ich recht und das Eintrittsgeld bzw. das Ausleigen kann man sich sparen 🙂
    Also back to 9 1/2 Weeks 😆

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