[Film] Whiplash (2014 US)

Whiplash-Header2

Friss oder stirb.

Friss Oder Stirb.

FRISS ODER STIRB!

„If you want the fucking part, earn it!”

Anders lässt sich Whiplash nicht beschreiben.

Der Ehrgeiz Andrew Niemans (Miles Teller) drängt ihn zu stundenlangen Schlagzeugproben. Er will besser werden. Nein, er will zu den Besten gehören. Sich einen Namen machen. Sein Leben, dieses Leben, leben. Und trotz seines Talents steht ihm alles im Weg: Die Familie, die ihm lieber etwas Vernünftiges aufschwatzen will, als mit Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zu gewissen Teilen Andrew selbst und Fletcher (J.K. Simmons), Leiter der Studioband und Vollblutmusiker mit absolutem Gehör.

Whiplash ist brutal. Gleich zu Beginn, beim ersten Aufeinandertreffen Andrews und Fletchers, weiß man wie der Hase läuft.
J.K. Simmons legt eine so extrem elektrisierende Performance hin, dass einem hören und sehen vergeht. Die schwarze Hose, das enge schwarze T-Shirt und die bewusst betonten Bizepsmuskeln lassen einen vor seiner Figur förmlich erzittern. Und dabei muss er nicht einmal fluchen, um das zu kapieren. Ehrfurcht und Respekt sind Eigenschaften, die er mit dieser Bestimmtheit verkörpert, hier aber so subtil und mühelos gespielt wirken. Und dieses einschüchternde Verhalten wird zum Leitmotiv des Films. Etwas an dem Andrew entweder wächst oder vollends scheitert.
Wie Andrew steht man als Zuschauer permanent unter dieser erdrückenden Spannung. Man wird förmlich eingesaugt in diese jazzige Welt, dominiert vom Willen immer besser und besser zu werden. Koste es was es wolle. Schmerzende und blutende Finger sind hier das kleinste Hindernis. Nach jeder bestandenen Probe löst sich etwas Anspannung, ehe der nächste Stein in den Weg geworfen wird und die Spannungsschraube noch kräftiger angezogen wird.

Miles Teller spielt seine Rolle absolut souverän und glänzt an den Drums. Er schafft es diese Tour de Force, durch die er sich quält, so greifbar werden zu lassen. Allerdings unterstützt ihn dabei auch die Regie. Ohne Schnickschnack erzählt Damien Chazelle die Geschichte. Er weiß genau wie er etwas drehen und wann er wem Konturen verleihen muss. Hier wird sich nicht in unnötigem Storytelling betrieben, denn hier gibt es nur diese eine Richtung, mit dieser einen Gangart. Schnurrstracks in Richtung Erfolg. Doch ob es dafür reichen wird? Denn bis zum bitteren Ende heißt es: Friss oder Stirb!

„There are no two words in the English language more harmful than good job.”

Whiplash ist ein Film, über den sich alles sagen lässt und doch trifft man vom formalen Standpunkt aus nicht den Kern. Denn im Endeffekt bleibt Damien Chazelles Werk ein ungemein minimalistischer, fokussierter Musikfilm, den man nicht einfach so sehen kann. Man hört ihn vielleicht. Aber wenn man mit Whiplash eines verbindet, dann ein Gefühl. Als würde man für knappe zwei Stunden an einer Starkstromleitung hängen und auf die Erlösung warten. Doch hier gibt es keine Befreiung oder gar Erlösung. Hier geht es nur um das Gefühl. Die ständige Anspannung, die bis in die letzte Pore dringt. Und deswegen… und nur deswegen muss man diesen Film fühlen. Alles andere vergisst man hier so leicht.

9/10 Punkte

Whiplash-PosterWhiplash
Jahr: 2014 US
Regie & Drehbuch: Damien Chazelle
Cast:
Miles Teller, J.K. Simmons, Paul Reiser, Melissa Benoist, Austin Stowell, Nate Lang, Chris Mulkey, Damon Gupton, Suanne Spoke, Charlie Ian, Jayson Blair

Bilder via: newyorker.com; allaboutjazz.com; collider.com; nypost.com; liveforfilms.com

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11 Kommentare zu “[Film] Whiplash (2014 US)”

  1. Fein, fein hast du das gemacht. Ging mir absolut genauso. Und war es nicht mal erfrischend, Schauspieler zu sehen, die aussahen wie Menschen? Ich meine, sein Loveinterest hat nichtmal Mascara draufbekommen. Find ich toll.
    Und ich philosophiere gerade mit mir selbst ein bisschen, warum ich J.K.s Charakter mochte, obwohl es ja ein Menschentypus ist mit dem ich nix anfangen kann.

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    1. Ja, für sowas ist man heute richtig dankbar.
      Ich wage die Hypothese und sage einfach: Weil er unter die Haut geht? Mir ging es jedf. so dass ich ihn zwar nicht mochte, aber interessant fand. Und dann die Schlüsselszene in der Bar, was mein Bild von ihm etwas ins Wanken brachte, ehe sich kurz darauf wieder alles im Lot befand. Begegnen möchte man Fletcher aber nicht in seinem Leben…

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