[Film] Chappie (2015 US/MEX)

Leichte Plotspoiler voraus!

Was zu Beginn noch aussieht wie ein stylisches und actionorientiertes Musikvideo, wandelt sich recht zügig in kurzweilige Science Fiction Unterhaltung. Leider ist auch Neill Blomkamps neuester Film Chappie nicht ohne Fehler und nimmt sich einiges raus.

Immerhin liegt der größte Pluspunkt bei seinem Titelhelden, der die Batterie am rechten Fleck hat. Dem ausgesonderten Polizeiroboter Scout 22/Chappie dabei zuzusehen „erwachsen“ zu werden, ist rührend gemacht und verleitet nicht nur zum schmunzeln, sondern bringt auch  angenehme Tragik mit.

Während man Chappie also zügig in das roboteraffine Herz schließt, macht es einem der Rest des Films nicht gerade leicht, hier mit vollem Filmgenuss dabei zu sein. Denn der Plot „3 Gangster und ein Roboter“ hangelt zwischen emotionalen Einlagen, Witz und vollkommen fehlgeleiteter Überzogenheit.
Der gebürtige Südafrikaner Blomkamp führt uns durch die von Warlords regierten Viertel Johannesburgs und zeichnet eine grimmige Ausgangslage vor. Weil die Hipstergangster „Ninja“ (Watkin Tudor Jones), Yolandi (Yolandi Visser) und America bei Gangsterboss „Hippo“ (Brandon Auret) in der Kreide stehen, entschließen sie sich für einen großen Coup: Sie wollen den Entwickler der Scouts, Deon Wilson (Dev Patel), in die Finger bekommen, um ihm den Ausknopf für die unzähligen Polizeiroboter abzupressen. Da es diesen Knopf aber nicht gibt, müssen sie auf Plan B ausweichen und den ausgemusterten Scout 22, der als Versuchsobjekt für Deons neuestes Experiment dient, für ihre Zwecke gewinnen. Es beginnt eine Lehrstunde der Künstlichen Intelligenz…

Hin und hergerissen zwischen dem asozialen Gangsterdaddy Ninja und dem immer stärker humanoid wirkenden Roboter der schlicht und ergreifend von den falschen „Eltern“ großgezogen und auf die schiefe Bahn gezerrt wird, schafft der Film nie so recht den Spagat zwischen emotionaler Komponente und der Lächerlichkeit, die größtenteils von Ninja ausgeht. Während mir letzterer die meiste Zeit über mächtig auf die Eierstöcke ging, durften sich Yolandi und America schon eher an die Sympathien des Zuschauers anbiedern und als Gegenpol zum Obermacker dienen. Der Inbegriff einer Hassliebe sozusagen.
Eine kleine Sternstunde hingegen liefert Hugh Jackman als Fiesling, der aber im Indielook mit Vokuhila und hochgezogenen Strümpfen zum davonlaufen aussieht. Während man also immer wieder durch die schrillen Looks der Protagonisten vom Geschehen abgelenkt wird und man innerlich akzeptieren muss, Sigourney Weaver wieder einmal in einer unbedeutend kleinen Rolle versauern zu sehen, dürfte einem der Kragen bei den zahlreichen Plotlöchern platzen, die zum Ende hin exponentiell ansteigen und einen Showdown anzetteln, der so dermaßen über die Stränge schlägt, dass man erst einmal kurz rekapitulieren, muss was man überhaupt gerade gesehen hat. Es passt vorne und hinten nicht, von Nachvollziehbarkeit fehlt hier jede Spur.

Was sich allerdings zu keinem Zeitpunkt lumpen lassen muss, ist die Optik des Films. Nicht nur die hundertdrölfte Zeitlupensequenz passt hervorragend zum Look des actionorientierten und doch auch Indiependent anmutenden Roboterflicks, sondern auch die eigenwilligen Styles des Die Antwoord-Gespanns. Am Ende schließt man sie dann doch irgendwie ins Herz, auch wenn der Weg dorthin steinig und schwer ist. Ebenso gefällig ist die Kulisse Johannesburgs, die in Zukunft vielleicht öfters durch mögliche andere Produktionen  in den Fokus gerückt wird. Und doch bleibt bei all dem handwerklichen Geschick die rührende Animation Chappies im Gedächtnis. Hier bekommt man tatsächlich den Eindruck, der Roboter wäre real existent und sei zum menscheln nah. Schon allein die Bewegungen wirken durchdacht und geben ihm seine eigene Note. Chapeau.

Chappie

Wieder einmal bekommt man als Zuschauer das Gefühl, Neill Blomkamp wüsste nicht so recht, was er mit seinem Film erzählen möchte. Es wird wie schon zuvor in Elysium so viel zusammengeworfen, ohne dass etwas nachvollziehbares bei herauskommt. Auch das stete Abdriften der Figuren und ihrer Handlungen wirken irgendwann willkürlich und so fernab vom Schuss, dass einige für das Sehgefühl irrelevant wirken. Und doch wird man das Gefühl nicht los, dass einen doch irgendetwas an diesem Film gepackt hat.
Dem menschlichen Roboter Chappie kann man sich wohl nur schwer entziehen. Abgenickt, nächster Film bitte.

6/10 Punkte

Chappie-PosterChappie
Jahr: 2015 US/MEX
Regie: Neill Blomkamp | Drehbuch: (+) Terri Tatchell
Cast:
Sharlto Copley, Hugh Jackman, Dev Patel, Sigourney Weaver, Jose Pablo Cantillo, Yolandi Visser, Watkin Tudor Jones, Brandon Auret

Bilder via collider.com; technologytell.com; lottecinemavn.com; uproxx.com

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3 Kommentare zu “[Film] Chappie (2015 US/MEX)”

  1. Hmmm, schade! Neill Blomkamp hatte damals mit „District 9“ so ein furioses Erstlingswerk hingelegt! Es ist bedauerlich, dass er mit seinen nachfolgenden Filmen nicht die richtige Balance zu finden scheint. Ich werde „Chappie“ wohl auslassen, auch wenn es mich „reizen“ würde, Hugh Jackman im Vokuhila zu sehen! 😀

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    1. „District 9“ habe ich noch nicht gesehen, bin aber schon gespannt drauf. Der wird ja wirklich über den Klee gelobt.
      Jackman macht, abgesehen vom Ende, richtig Spaß im Film. Ein Blick schadet sicherlich nicht, vermutlich aber besser der aus dem Heimkino. 😉

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