[Film] Furious 7 (2015 US)

Nachdem ich nun endlich alle Teile gesehen habe, werde ich sie nach und nach aufdröseln.

Da stand Regisseur James Wan nun vor der Bärenaufgabe, in Furious 7 nicht nur den während der Dreharbeiten verstorbenen Paul Walker zu würdigen und mithilfe seiner Brüder noch zu einem akzeptablen Abgang zu führen, sondern auch den bis dato bestgeschmücktesten Cast der Reihe ordentlich zu verarbeiten.

Dabei ist der Beginn schon reichlich furi(o)us, wenn Jason Stathams Antagonist eingeführt wird. So genial überzogen die Anfagszene auch sein mag, so wird sie leider auch zum Sinnbild des Films. Die aufgemotzten Karren werden nur noch zum dekorierenden Beiwerk, wenn eine Verfolgungsjagd der nächsten weicht und der Gedanke, sich immer weiter toppen zu müssen, immer weiter fortgesetzt wird.

Speziell wenn man sich die Vorgänger zackig hintereinander anschaut, fällt auf, wie der Zwang sich in der Action stets zu übertrumpfen im nun 7. Teil des Franchises seinen Höhepunkt findet. Natürlich braucht es eine angehobene Toleranzschwelle, um in der abgedrehten Autoaction noch etwas irrwitzig gutes zu sehen. Doch in Furious 7 wurde eben diese Grenze leider nicht nur einmal übertreten. Natürlich legt Wan Wert darauf, wieder und wieder etwas neues zu zeigen und das Rad stets neu zu erfinden, doch diesmal wurde es einfach zu viel. Wo es im 6. Teil noch relativ subtil, dafür aber mit ungewohnter Härte zur Sache ging, wird hier nun aus sämtlichen Auspuffsrohren gefeuert. Es bleibt kaum Frischluft zum verschnaufen, auf prägende Charaktermomente muss nun beinahe ganz verzichtet werden. Das ist enorm schade, gerade in Hinblick auf die Teile 5 und 6, die neben gepimpten Autos auch eine im Vergleich spannende Handlung präsentierten, die für Ausgleich im steten Handgemenge und somit für einige ruhige Momente abseits der Straße sorgen konnte.

Die Handlung hingegen ist so fußlahm, dass sie lediglich dazu taugt, müde die netten Gags (vor allem wieder zwischen Tyrese Gibson und Ludachris) miteinander zu verbinden. Was am Anfang noch eine knallharte Rachelektion verspricht, wenn Jason „The Stath“ Statham und Dwayne „The Rock“ Johnson in feinster Choreographie die Muskeln spielen lassen und gleich ein gesamtes Büro zerlegen, wird im weiteren Verlauf zu einer lahmenden Nummer, die hier und da zwar etwas an Fahrt gewinnt, aber doch ungewöhnlich lasch und lieblos präsentiert wird. Es liegt nicht unmittelbar an Statham selbst, den ich gerne noch öfters als Antagonsiten sehen möchte, sondern an einem viel grundlegenderem Problem des aktuellen Teils. Die Rede ist vom Cast. Die Gruppe rund um Dom und O’Connor ist ja schon nicht gerade klein. Allerdings wurde nun versucht, das Nonplusultra herauszuholen, indem möglichst viele aktuelle Namen in den Topf geworfen werden, in der Hoffnung ein leckeres Süppchen würde dabei rauskommen.
Kurt Russell als Mr. Nobody und Jason Statham als Antagonisten mal aus’m vor gelassen, die hier übrigens genau die passende Screentime bekommen, um der Geschichte ein paar frische Einwürfe zu liefern (ersterer hat noch immer noch die gleiche Coolness wie vor 30 Jahren!). Doch neben ihnen noch Djimon Hounsou als absolut unnötigen Charakter und Tony Jaa, sowie Ronda Rousey als kleines, aber nicht minder unnötiges Schmankerl, verderben hier den Brei. Statt sich allein auf Statham als Gegenspieler Deckard Shaw zu konzentrieren, wird ein vollkommen unnötiger Nebenstrang mit Djimon Hounsou (den ich sonst ja wirklich gerne sehe) kreiert, der einzig und allein dazu dient, die ohnehin schon angespannte Aktion noch weiter auszureizen und einen Showdown aufzubauen, der ohne ihn vermutlich noch reizvoller geworden wäre, einzig aus dem Grund, weil man so nicht schon mit einer Reizüberflutung in die finalen Minuten eingestiegen wäre. Ein Fakt, der in diesem Teil des Franchises einer harten Geduldsprobe gleichkommt und mich letzten Endes leider mehr gelangweilt als unterhalten hat.

Doch obwohl Furious 7 die meiste Zeit über enorm hektischt wirkt, ist er keinesfalls ziellos. Die Action ist trotz der schnellen Schnitte gerade noch im Rahmen der Übersichtlichkeit gehalten und beeindruckt mit Stunts und vollkommen lächerlichen Einlagen, die hier ihren Höhepunkt finden. War man es von den Vorgängern doch sowieso schon gewohnt, dass diese immer die eine Viertelmeile weiter rasen und dabei über das Ziel hinausschießen, so wird hier eine völlig neue Ebene erreicht. Und doch kommt man nicht umhin, bei den überzeugenden Momenten einfach loszulachen und zu staunen und sich zu fragen, wie James Wan sowas überhaupt bewerkstelligen kann.
An coolen Sprüchen mangelt es noch dazu in keinster Weise (ich wüsste gerne mal wieviel von The Rocks Dialogen improvisiert sind, da sie sonst keiner so genial rüberbringt), eine gewisse gelungene Dramatik lässt sich dem Film ebenso wenig absprechen, wenn es um die Familie  und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts geht und der Abschied von Paul Walker ist wahrlich auf den Punkt genau getroffen, sodass es mir sogar ein kleines Tränchen entlockt hat und im Kino für Applaus sorgte.

Furious 7 treibt das Franchise auf eine neue Actionebene, überzeugt mit ebenjener vollkommen überzogenen 0815-Handlung, auf die man sich wirklich einlassen muss, um diese genießen zu können. Wem das nicht gelingt, der wird ordentlich an dem Film zu knabbern haben. Wer es doch schafft, wird mit überbordender Action, Supergadgets und den röhrenden Motorensounds belohnt, bei denen es nicht nur um Geschiwindigkeit und gutes Aussehen geht.
Zwar ist es schade, dass zu viele neue Figuren eingebaut werden die sich stattdessen besser über die kommenden Teile verteilt hätten, um effektiver agieren zu können. So werden viele nahezu verpulvert und strecken den sonst so sehenswerten Film. Ansonsten gefällt wiedermal die ernste Härte im Franchise, sowie die erneute Zusammenführung der Familie, die einem – ob man nun will oder nicht – im Laufe der Reihe ans Herz gewachsen ist. Mit all ihren Codices, Marotten und Frotzeleien.

6,5/10; aufgrund des wirklich gelungenen Endes aber doch noch
7/10 Punkte

Furious7-TeaserPosterFast and Furious 7 [Furious 7]
Jahr: 2015 US
Regie: James Wan | Drehbuch: Chris Morgan
Cast:
Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne „The Rock“ Johnson, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Chris „Ludachris“ Bridges, Kurt Russell, Jason Statham, Djimon Hounsou, Tony Jaa, Ronda Rousey, Nathalie Emmanuel

Bilder via fast7-film.de [(c) universalstudios]

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6 Kommentare zu „[Film] Furious 7 (2015 US)“

      1. Ja aber im Horrorgenre hat der Typ praktisch eigenhändig eine neue Generation an modernem Grusel erschaffen, was ich ihm hoch anrechne, auch wenn ich nicht alles gut finde.

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        1. Sagen wir es mal so: Im Actionbereich ist er vielleicht noch etwas ungeschickt, aber wenn er weiter am Ball bleibt und noch etwas Feintuning betreibt, dann sollte man viel Spaß mit seinen künftigen Werken haben.
          Dass er im Horrorgenre die Messlatte gehörig angehoben hat, wage ich gar nicht erst anzuzweifeln. SAW hat mir ja schon verdammt gut gefallen (als der erste).

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  1. Hmm, macht eigentlich Lust auf mehr. Wenn man Action-Sequenzen mag, kommt man also voll auf seine Kosten? Ich kenn nur ein oder zwei Fast and Furious Teile. Dachte immer, dass ich da nicht verpasst habe. Den fünften Teil fand ich sogar gelungen – auch da schließt der Film einer sinnfreien und wirkungsvollen Autojagd, während ein Tresor von der Größe eines Fahrzeugs über den Asphalt gezogen wird. Vielleicht ist es auch nur der Zerstörungstrieb von kleinen Kindern, was den Reiz des Ganzen ausmacht: Sachen einfach kaputt zu machen und zu schauen, was passiert. Ich werd ihn mir sicherlich mal anschauen.

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    1. Wenn du den 5. gutfandest, dann unbedingt 6 und 7 hinterherschieben! Ab dem 5. wurde es halt wirklich vom Auto- zum Actionfranchise hochgestemmt. Und das gar nicht mal so schlecht. Der Zerstörungstrieb wird vollends bedient. 😉

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