Drei Buchempfehlungen zum Tag des Buches

Okay, das kommt jetzt doch arg kurzfristig. Aber wenn man schon Bücher auf dem eigenen Blog behandelt, dann kann man diesen Tag des Buches doch nicht verstreichen lassen, ohne zumindest etwas kleines damit zu machen. Naja, also könnte man schon. Aber dann wäre es doch langweilig. Daher habe ich mal in meinem dürftigen Bücherregal nach Büchern gesucht, die ich euch einfach so mal empfehlen möchte.

3Buchempfehlungen-BattleRoyaleBattle RoyaleKoushun Takami

Es gab vor einiger Zeit mal einen richtigen Hype um den gleichnamigen Film, der auf diesem Roman basiert. Und bevor ich mir die doch recht dürftige Verfilmung von Battle Royale reinpfeifen sollte, musste rein aus Interesse erst die literarische Vorlage her. Und ungelogen: Noch nie zuvor habe ich ein Buch dieser Ausmaße innerhalb von zwei Tagen verschlungen.
Handlung: Japan und China existieren in der nahen Zukunft nicht mehr. An ihrer Stelle trat die Republik Großostasien, in der Furcht und Unterdrückung zur Tagesordnung zählt. Und die Bildungsreform „Battle Royale“ zur Bekämpfung hoher Arbeitslosigkeit sowie Jugendkriminalität.
Der junge Schüler Shuya Nanahara befindet sich mit seiner Schulklasse 3-B (im deutschen entspräche dies etwas der 9. Klasse) im Bus. Es steht ein Ausflug an. Doch nichtsahnend wurde seine Klasse für die Battle Royale ausgewählt: Auf einer verlassenen Insel sollen sich die Schüler gegenseitig umbringen. Unterschiedliche Waffen sowie ein zeitliches Ultimatum werden gestellt, das einzige Ziel soll es sein, einen „Gewinner“, einen Überlebenden zu ermitteln, der dann als Vorzeigeschüler für die Bildungsreform dienen soll. Battle Royale wird definitiv nicht für jeden zu empfehlen sein. Die Gewalt ist explizit, die Satire auf Mediengeilheit und der Irrsinn dieses Experiments sind nicht zu übersehen. Und doch reizt das Buch. Es bringt einem psychologische Abgründe näher. Dadurch dass die 42 Schüler allesamt unterschiedlich sind, kommt es unter ihnen zu unterschiedlichen Reaktionen auf die Ereignisse. Kampf, Gefühlskälte und Resignation sind nur Beispiele der Auswirkungen dieses Gemetzels.

Allerdings muss ich auch warnen: Es ist unter Umständen etwas anstrengend, die 42 Schüler auseinanderzuhalten, gerade wegen der japanischen Namen, bei denen ich teilweise überhaupt Probleme hatte, die Geschlechter auseinander zu halten. Wenn man sich jedoch die Zeit nimmt und diese im Laufe der Geschichte etwas verinnerlicht, dann klappt das schon. Zur Hilfe gibt es im Buch auch eine kleine Liste, sowie eine Übersichtskarte der Insel. Zum Schluss möchte ich zum Roman gerne Stephen King zitieren:

„Battle Royale ist wahnsinnig unterhaltsam – oder vielleicht einfach nur wahnsinnig.“


3Buchempfehlungen-VonBismarckVon Bismarck zu Hitler Sebastian Haffner

Ich hatte damals das Glück, dass mein Geschichtslehrer die Schulbibliothek verwaltete und dadurch versehentlich doppelte oder ungebrauchte Bücher unter den Schülern verschenkte. Sie fiel mir dieser geschichtsträchtige Stoff in die Hände. Wer Sebastian Haffner schon einmal gelesen hat, der weiß, dass Haffner einen wirklich grandiosen Schreibstil pflegte und die trockenen Fakten in ein ansprechend lebendiges Gewand verpacken konnte. Beinahe so, als würde man einen historisch korrekten Unterhaltungsroman lesen. In seinem Werk Von Bismarck zu Hitler beschrieb Haffner eben diesen Zeitraum der deutschen Geschichte. Von den Anfängen Bismarcks, dem Niedergang des deutschen Kaiserreiches bis hin zum Zweiten Weltkrieg und seinen Auswüchsen. Dabei offenbart er interessante Einblicke in das öffentliche Leben, politische Verwicklungen und überhaupt massen an relevanten Fakten rund um die Geschichte der Deutschen.
Für Geschichtsinteressierte, die an lebendiger Literatur interessiert sind, definitiv zu empfehlen.


3Buchempfehlungen-EinüberdimensionalesMeerschweinEin überdimensionales Meerschwein frisst die Erde aufMarkus Karg & Die Ärzte

Es ist die Biografie zu der ulkigsten Punkrockband Deutschlands im Megaformat. Vermutlich hat jeder etwas größere Fan der die ärzte dieses, auf den liebevoll getauften Namen „Meersau“, Zeitdokument im Regal stehen. Und Zeitdokument trifft es wahrlich gut: Von Zitaten wie „Wenn ficken eine Philosophie ist, dann war es seine“ bis hin zu Fotos aus längst vergangenen Zeiten, Fischstäbchen- und Kartoffelbrei-Anekdoten, dem Skandal um die Indizierung von „Geschiwsterliebe“ und sonstigen Geschichten: Hier drin scheint alles von der Gurkentruppe aus Berlin verewigt worden zu sein. Und wem das nicht reicht, bekommt mit diesem riesen Teil von Biografie auch noch sämtliche literarische-, fanmerchdesigntechnische-, Gigposter-, Eintrittskarten und Albumdesigns und sonstige -Ergüsse hinterhergeworfen. Leider nur bis 2001, denn in diesem Jahr erschien die Erstausgabe.

 Für alle die gerne einen Audioeinblick in dieses Werk erhalten möchten, dem muss ich die Clips zur Lesetour „Männer haben kein Gehirn“ empfehlen. NSFW natürlich, aber was erwartet man bei den Ärzten denn auch? 😉


Vielleicht findet sich für den ein oder anderen ja etwas lesenswertes. Ich für meinen Teil schnappe mir jetzt wieder mein Buch und lese noch ein paar Seiten. Auch wenn ich das ebenso gemacht hätte, wäre heute nicht der Tag des Buches.
Und nein, ich suche meine Bücher für gewöhnlich nicht nach den Farben des Covers aus… 😉

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30 Kommentare zu “Drei Buchempfehlungen zum Tag des Buches”

  1. Komischerweise hat mich „Battle Royale“ trotz so einiger kleiner Macken auch ziemlich gut unterhalten. Die Empfehlung kann ich also im Grunde unterschreiben. 🙂 Den Film kenne ich nicht, allerdings hat mich die Aufregung darum auch auf’s Buch aufmerksam gemacht.

    Von der ärzte-Lesung gibt es aktuell das „Hörbuch“ auch als gratis mp3-Download: http://www.gratis-hoerspiele.de/die-aerzte-maenner-haben-kein-gehirn/

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  2. Ha! Zwei der drei Bücher habe ich auch. Muss gestehen, der Schreibstil von „Battle Royale“ war gar nicht meins. Und die Bibel ist halt die Bibel, wa!? Am besten gefällt mir die Seite 242 im Meerschwein und die Lesetour kann ich komplett mitsprechen.

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  3. Schöner Eintrag zum Tag des Buches – den ich leider lesend verpasst habe. 😀

    Battle Royale reizt mich, nicht zuletzt, weil das ja Vorbild für Panem stand, aber deutlich besser sein soll – was, zugegebenermaßen nicht allzu schwer sein sollte.

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    1. War ’ne vollkommen spontane Aktion, als ich beim EMP-Blog von der Sache wieder hörte *lach*
      Ja, Parallelen sind da. Aber Battle Royale ist deutlich intensiver, dreckiger, blutiger, dystopischer, einfach kaputter. Musst aber Glück mit der Ausgabe haben: Die o.g. Heyne (Ausgabe 10/2012) hat eine schreckliche Aufmachung bekommen. Namensvertauschungen, Dopplungen und Syntaxfehler. Zwar war ich beim lesen so gebannt von der Geschichte, aber es war doch alles andere als lustig, über die ganzen Macken hinweg zu sehen.

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      1. Ja, Heyne-Ausgaben sind wohl nicht immer so toll, ich meine, mich zu erinnern, dass es da auch bei manchen Stephen King-Büchern Probleme gab. Aber immer noch besser als die alten Blanvalet-Sachen, glaube ich. Aber gut, vielleicht besorg ich mir auch eine englische Ausgabe, da hab ich vielleicht mehr Glück. Danke für den Hinweis! 🙂

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        1. Hatte bisher eigentlich kaum Probleme, auch bei Blanvalet hatte ich scheinbar immer Glücksgriffe gelandet.
          Ob’s in Englisch besser ist? Die Übersetzung stellt dir hier und da ein Bein, von daher ist es bestimmt schon wieder egal. 😉

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          1. Nee, beim Schwert der Wahrheit war es nicht immer so gut (ok, lag vielleicht am Ausgangsmaterial, aber ich hab auch meine Fehlgriffe ^^), un dbei Game of Thrones haben sie ja in der neueren Übersetzung alle Namen eingedeutscht, was ich jetzt nicht so toll finde.

            Vermutlich, ja. 😀

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              1. Naja, aus Theon Greyjoy wird halt Theon Graufreud, wenn ich mich recht entsinne. Aber ich hab die auf Englisch hier, weil ich für die ersten vier Bände als Taschenbuch im Schuber und den fünften gebunden weit weniger gezahlt habe, als für die übersetzten Taschenbücher. *seufz*
                Was, abgesehen von der Übersetzungsfrage halt ein weiterer Grund für die englischen Originale ist.

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                1. Achso, dann bleibt es ja bei den Namen, die auch in der TV-Fassung zu hören sind. Damit kommt man doch zurecht- sofern man eben nicht mit den englischen Teilen angefangen hat.
                  Das mit den geteilten Büchern ist sowieso ein finanzielles Unding…

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                  1. Vermutlich haben sie sich bei der Synchro an diese neuere Übersetzung gehalten, und klar, dann stört sich der deutsche Seher weniger daran, solange er eben nur die neue Übersetzung kennt.

                    Ha, wem sagst du das! Rad der Zeit, Englisch, 15 Bände, 7-9 € pro Taschenbuch. Deutsch: Alte Übersetzung, 35 Bände (oder so) zu 8-10 €, neuere Version 15 Bände zu 18 €. Genial, einfach nur genial…

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                    1. Gut, bei der Übersetzung ins Deutsche werden die englischen Bücher sowieso immer deutlich länger, was irgendwann dazu führt, dass die nicht mehr in ein Buch passen. Aber manchmal wird das auch einfach nur übertrieben, wenn aus einem Roman nach Übersetzung vier werden. Das ist schlicht Abzocke.

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  4. Ach … du bist so vorbildlich. Am Tag des Buches einen Artikel in die Welt schicken UND dann auch noch alle Titelbilder in schwarz, weiß, rot … sag mal: war das Absicht, dass die farblich aufeinander abgestimmt sind!? 😀
    Sehr cool, dass Battle Royal dabei ist. Ich muss ja gestehen, dass ich weder Film noch Buch kenne, aber so wahnsinnig viel darüber gelesen habe, dass es fast unverschämt ist, dass ich es noch nicht geschaut habe … was mach ich denn nun? Lesen? Angucken? So wie es bei dir klingt eher lesen.

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    1. Ja, nech? 😀
      Nein, das was wirklich keine Absicht und fiel mir erst beim knipsen auf. Die Titel waren vollkommen spontan gewählt. Übrigens lese ich gerade schon wieder ein Buch („Intrige“ von Robert Harris), welches sich farblich auch perfekt einfügen würde. Vielleicht gehe ich ja doch sehr unbewusst beim Bücherkauf vor? *lach*

      Wenn dich beide Versionen interessieren: erst gucken, dann lesen. Sonst ärgerst du dich nur. Davon abgesehen sind die Enden ohnehin anders und die Sichtweise ist im Buch fokussierter, als im Film, ergo noch intensiver und dahingehend spannender. Außerdem kannst du den Film dann wenigstens unvoreingenommen schauen. Schätze das würde dir besser so passen. 😉

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      1. Haha, eine rot-schwarz-weiß-Fixierung … mich kriegt man übrigens viel zu leicht mit irgendwelchen hübschen Covern. Das ist sehr bösartig. Auf die Weise habe ich mir schon temporär ganz miese Sachen ins Regal gestellt. Und dann diese Ernüchterung beim Lesen … aber solange das bei dir nicht unterbewusst zu Fehlkäufen führt, ist alles gut 😉

        Okay – ich bin sowieso so ein Langsamleser, da wäre anschauen jetzt auch meine erste Wahl gewesen 😉

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        1. Cover sind ohnehin fies. Siehst du einmal eines dass dir gefällt, fällt es dir im Buchladen STÄNDIG ins Auge. Bis du es dann endlich mitnimmst. Kenne ich nur zu gut. 😉
          Ignorierst du denn die Klappentexte, oder wie kommt es zu den „temporären“ Miseren? 😉

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          1. Nein, die lese ich trotzdem noch. Aber manchmal klingen die auch ziemlich gut. Einer der größten Reinfälle war für mich „Ritus“ von Markus Heitz. Ich fand das Buch ganz schlimm. Im Klappentext klang es wie die wahre Geschichte hinter „Pakt der Wölfe“, im Buch selber war es dann Fantasy-Trash, bei dem Werwölfe über die Vorherrschaft kämpften und irgendein Jäger mit weißem ledermantel durch die Gegend heizt und die umnieten will … das war mir zu pseudo-cool. Klappentexte können sooo fies sein.

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            1. Ohje, der Heitz. Das klingt alles andere als schön. Liebäugle schon seit einer ganzen Weile mit „Exkarnation“- vielleicht lasse ich doch besser die Finger davon?
              Ja, das können sie. Und das sind sie. Und andere Bücher die vermutlich total spannend sind, werden mit einem 0815 Text abgespeist, der es nicht wert wäre, gelesen zu werden…

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              1. Schwer zu sagen … mir hat „Exkarantion“ vorher nichts gesagt, habe mir gerade eben das erste Mal was dazu durchgelesen. Rein vom Klappentext (!) her klingt es ganz gut. Und ich kann dir nur schwer einen Ratschlag geben, habe ja nur einen Roman von Heitz angefangen zu lesen und abgebrochen (übrigens das einzige Buch, das ich jemals abgebrochen habe).
                Im Zweifel für den Angeklagten oder wie war das? 🙂
                Innerlich schreie ich aber „tus niiiihiiiicht!“

                Exakt … und schade! Am schlimmsten ist es aber, wenn gar kein Klappentext da ist. 😦

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                1. Hehe, vielleicht fällt es mir ja günstig in die Hände, wirklich favorisieren tue ich es ja sowieso nicht… 😉
                  Bisher bin ich glaube ich noch nie über ein Buch ohne Klappentext gestolpert. Solche Rebellen gibt es?

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                  1. Ja, gibt es! Zum Beispiel „F“ von Daniel Kehlmann. Das hat aber auch den Vorteil, dass die von so eine speziellen Ruf umwabert werden … ich habs tatsächlich aber erst gekauft, als ein Buchblog so nett war mal zu schreiben worum es darin geht.

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