[Film] Avengers: Age of Ultron (2015 US)

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Ich bin geknickt und betrübt, und doch geht mir Avengers: Age of Ultron nicht mehr aus dem Kopf. Lag es am Umstand, dass ich das erste Mal seit Monaten keine wirkliche Lust mehr auf Kino verspürte, oder war es doch nur der Film? Ich weiß es nicht, nehme aber an, dass beide Dinge einen Faktor spielten, was dem Filmgenuss nur bedingt zu Gute kam.

Und ich lasse die Bombe gleich platzen: Dass Joss Whedon das Zepter an die Russobrüder (Captain America: The Return of the First Avenger) für den kommenden Zweiteiler Avengers: Infinity War überreicht, beruhigt.
Der kurzweilige Drive, der das erste Aufeinandertreffen noch zu einem köstlich amüsanten, pointiert starken Fest der Superhelden gestaltete, scheint hier beinahe vollständig verflogen zu sein. Age of Ultron ist, man möchte meinen erwachsener geworden. Reifer. Er schert sich, wenn auch im Falle von Bruce Banner und Natasha Romanov, deren gemeinsame Geschichte hier ja nun wirklich das Klischee schlechthin sein dürfte, um seine Figuren. Oder er versucht es zumindest. Denn ich habe im Marveluniversum noch keinen besseren Bösewicht gesehen, als Ultron. Eine künstliche Intelligenz, der man ihre Gefühle tatsächlich abkauft. Fein akzentuiert in seinen Beweggründen, hat Joss Whedon etwas geschaffen, dass ich so nicht erwartet hatte und dies sogar noch übertroffen. Er hat die Gegenseite um so vieles mehr interessanter gestaltet, als die Avengers selbst. Und hier fängt er leider Gottes auch an, sich selbst das Bein zu stellen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass sämtliches Herzblut in die Gestaltung von Ultron, Quicksilver und Scarlet Witch geflossen ist. Denn so schnell habe ich noch nie neue Figuren ins Herz geschlossen.
Wo die Zweifel anfangs noch groß waren, ob zu viele Figuren nicht das Gesamtpaket zu überbordend gestalten, kann ich nur sagen, dass Age of Ultron ohne diese drei gehörig aufgeschmissen wäre.

Doch warum?

Die Avengers gehen in dem Geschehen unter. Und das liegt nicht an der Geschichte, die erstaunlich viel Potenzial hergibt. Vielmehr liegt es am Umgang mit ihren Figuren. Während man den Antagonisten feine Motive gestattet, die zwar simpel aber trotzdem genug Kraft haben, um die Charaktere voranzutreiben, stagnieren die Avengers die meiste Zeit über. Stark schert sich mal wieder nicht, was die anderen sagen, gelangt in einen Zwist mit Banner und am Ende ziehen sie gemeinsam die Fäden, während der Rest nichtsahnend Däumchen dreht. Und im ersten Teil war selbst das Däumchen drehen dynamisch, witzig und liebevoll ausgefüllt. Doch hier herrscht gähnende Leere, die über weite Strecken dominiert.

Nach dem hervorragenden zweiten Solofilm zu Captain America hatte ich eigentlich wieder sämtliche Hoffnungen in die Figur des Cap gesetzt, aber statt dieses angenehm zurückhaltende patriotische wird wieder ein Schritt zurückgetreten und die volle Ladung des Stars- and Stripes Helden entfacht. Traurig, aber wo die Sympathien im vorigen Film noch aufblühten, büßen sie hier wieder massiv ein. Cap wird beinahe schon unausstehlich ätzend, während sich beispielsweise Thor beinahe nur im Hintergrund tummelt. Natürlich hat auch der Gott aus Asgard seine Momente, wirklich im Gedächtnis bleiben diese aber kaum. Dahingegen kann Don Cheadle als War Machine in seinen kurzen Einsätzen erneut überzeugen und dem Donnergott zeigen, wo der Hammer hängt.
Überhaupt war mir das alles zu wenig humoristische Interaktion in der Truppe. Hier ist wirklich verdammt wenig von der Kurzweil des ersten Teils übrig, die beste Szene ist tatsächlich die, wo sie alle versuchen Thors Hammer zu heben. Es fehlt an Humor, und die versuchte Ernsthaftigkeit zündet viel zu selten. Außer bei Robert Downey Jr., dem man diese ruhigen Momente nicht zuletzt auch dank der Vorarbeit des dritten Iron Mans abkauft.

Auch sind die Querverweise ungewohnt stümperhaft und abgemüht; ob es Cobie Smulders S.H.I.E.L.D. Agentin Maria Hill überhaupt im Film gebraucht hätte, mag bezweifelt werden. Hätte sie gefehlt, wäre es vermutlich auch keinem aufgefallen, genauso wie der recht zähe Auftritt Nick Furys… Das alles ist so unglücklich zusammengeschustert, dass man meinen könnte, hier den ultimativen Lückenfüller für Captain America: Civil War vor sich zu haben. Wo wir schon beim Thema sind: Anthony Mackie hätten sie auch ruhig im Showdown mitmischen lassen können… Schade, dabei war die Ausgangslage für die Avengers doch so perfekt. Abgesehen natürlich von dem Druck, unter dem sich Whedon permanent sah. Was bei diesem Mammutprojekt auch in sämtlichen Belangen nachvollziehbar ist. Während also die Rächer so vor sich hin dümpeln, man auf etwaige Black Widow Action ewig warten muss, da sie ihrer Badassattitüde zum Trotz lediglich zur Hulkbesänftigerin degradiert wird, müssen Ultron und die beiden „Talente“ Quicksilver und Scarlet Witch das Ding schaukeln. Und wie sie das tun ist einfach fantastisch.

Scarlet Witch und Quicksilver hatten mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen und lassen sich klar als das Highlight des Films bezeichnen. Wie genial ihre Fähigkeiten in Szene gesetzt wurden, wie man Elizabeth Olsen als Scarlet Witch die Hexe in diesem einen inszenatorischen Schlüsselmoment abnimmt und auch Aaron Taylor-Johnson als Quicksilver irgendwie sofort den richtigen Ton trifft… Allein für die beiden würde ich nur zu gerne noch einmal ins Kino pilgern. Ein beeindruckendes Gespür, welches Whedon hier an den Tag legt und diese Charaktere nicht einfach nur auftauchen lässt, sondern auch etwas mit ihnen anzufangen weiß. Sie richtig in das Geschehen einzuwickeln vermag. Fabelhaft. Ich fürchte, mir gehen so langsam die Superlative dafür aus…
Auch Ultron, ich sagte es schon ein paar Mal, fetzt. War ich im Trailer noch nicht so angetan, so schafft es diese Künstliche Intelligenz, Emotionen zu erwecken, genauso wie Wärme, Enttäuschung oder gar makaberen Humor zu vermitteln, der für eine Maschine doch so ungewohnt ist. Überhaupt ist es diese Lässigkeit, die überrascht. Dachte man nach dem Trailer, dass Ultron ein brutaler, alles vernichtender Schurke sei, so zeichnet sich im Film, naja beinahe, ein anderes Bild ab.

„I’ve got no strings to hold me down / to make me fret, or make me frown / I had strings, but now I’m free / There are no strings on me!“

Es ist diese süffisante Art, die vollkommen unerwartet trifft. Die Wortgewandtheit und die schnittigen Oneliner, die man von jedem erwartet hätte, nur irgendwie nicht von ihm. Und das verleiht Ultron etwas besonderes, etwas unberechenbares, das dem Film eine fesche Note verleiht.

Aber kommen wir zur Geschichte allgemein und deren Umsetzung abseits der Figuren. Gelegentlich wird die Handlung mit prägenden Einschüben garniert, die den Film auf eine höhere Ebene hieven können und die Figuren verwundbar erscheinen lassen. Das Geschehen dadurch schlicht interessant und vor allem wichtig gestalten. Hätte sich Whedon mal nicht auf diesen wenigen stilprägenden Momenten ausgeruht, sondern diese weitergeführt und sie auf alle mit derselben Eindringlichkeit angewendet. Denn wer war nicht gefesselt, von der grausamen Hintergrundgeschichte Black Widows, die Age of Ultron dieses erwachsene Gefühl vermittelte. Dieses Tragische, was doch die Avengers eigentlich nur noch weiter zusammenschweißen sollte, da jeder sein Päckchen, sein „dunkles Geheimnis“ mit sich rumschleppt, wie es Stark im Streit mit Rodgers anmerkt. Stattdessen plätschern aber die ruhigen Momente nur so vor sich hin, die Szene auf der Farm hätte man locker kürzen können, und der Rest ergibt sich dem Actionbombast.

Ich weiß nicht ob es am 3D lag, aber die erste Actionplansequenz fand ich furchtbar. Die Proportionen sahen überhaupt nicht regelmäßig aus, das Bild war alles andere als angenehm und überhaupt. Der Running Gag, der sich darüber hinaus durch den weiteren Verlauf zog, war vollkommen überflüssig und plattgetreten, und die Action… joar. Immerhin wurde es zügig besser, sodass der Bombast wenigstens einen gewissen Anschauungswert und räumliches Gefühl vermitteln konnte. Überrascht war ich auch aufgrund des „zweiteiligen“ Finales. Wo die überdrüssig lange Kampfsequenz des Hulkbusters gegen Hulk viel zu viel Zeit für sich beanspruchte, so war das große Finale wesentlich angenehmer. zumindest als die gefühlten 45 Minuten andauernde Zerlegung New Yorks im ersten gemeinsamen Abenteuer. Doch auch hier fehlte mir der gewisse Witz, die Situationskomik, die man doch sonst vom regieführenden Mastermind gewohnt ist. Ich erinnere nur an die „Shakespeare in the park“-Szene… Wo war das alles hier? Wo war das fetzige Zusammenspiel der unterschiedlichen Asse, das man doch eigentlich hätte erwarten dürfen? Ja nicht sogar sollen? Habe ich mir zu viel erhofft? Ich fürchte leider ja.

Ich bin drauf und dran, noch einen halben Punkt abzuziehen, aber Ultron, Scarlet Witch und Quicksilver retten diesen Actionbombast noch auf ein sehenswertes Level. Es ist unglaublich schade, dass so viel Potenzial auf der Strecke bleibt, dass nur darauf wartete, in Gold, bzw. Vibranium verwandelt zu werden… Avengers: Age of Ultron bietet einen fantastischen Gegenspieler, clevere Charaktereinschübe, bleibt aber beim Wesentlichen, nämlich den Avengers selbst, ungewohnt zahm und dröge. Und genau das habe ich überhaupt nicht erwartet. Verdammt schade, dass genau bei diesem so hoch erwarteten Spektakel die Luft raus zu sein scheint.

Ich will, nein ich muss Scarlet Witch und Quicksilver nochmal sehen. Kann die beiden gar nicht oft genug mit Lorbeeren überschütten…
Interessant ist übrigens auch, wie der erste Trailer einen dezent anderen Eindruck des Films vermittelt. Und mit der erneut anderen Synchronstimme muss man sich auch erstmal arrangieren.

7/10 Punkte

Avengers-Age-of-Ultron-PosterAvengers: Age of Ultron
Jahr: 2015 US
Regie & Drehbuch: Joss Whedon
Cast:
Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, James Spader, Samuel L. Jackson, Don Cheadle, Aaron Taylor-Johnson, Elizabeth Olsen, Paul Bettany, Cobie Smulders, Anthony Mackie, Hayley Atwell, Idris Elba, Stellan Skarsgård, Claudia Kim, Thomas Kretschmann, Andy Serkis, Julie Delpy, Stan Lee, Minhee Yeo

Bilder via marvel.com; collider.com

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21 Kommentare zu “[Film] Avengers: Age of Ultron (2015 US)”

  1. Ich hab den Film jetzt gestern auch noch auf Deutsch gesehen, wo er dann nochmal unlustiger ist. Ansich decken sich unsere Meinungen diesmal durchaus. Außer dass ich persönlich mit diesem Quicksilver weniger anfangen kann, da der andere mein Herz schon allein optisch im Sturm eroberte. Ich empfand das ganze Liebesding mit unserer Black Widow auch eher als degradierend und doof, auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann was die beiden Charaktere aneinander finden, aber trotzdem….da wäre es viel überraschender gewesen, wenn wir den Captain und Thor wild miteinander rummachend gesehen hätten….oder so…
    Und so sehr ich auch Andreas Fröhlich liebe, er ist kein James Spader. Und eben auch nicht die Synchronstimme von ihm. Und das ist doof, weil ich ihn immer mit Andy Serkis und Gollum verbinde. Und Mr. Kickass hatte die Stimme seines Kumpanen Christopher Mintz-Plasse. Nööö. Find ich doof.

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    1. Also hast du ihn bereits im O-Ton gesehen?
      Habe mir nach der Sichtung ja fest vorgenommen, ihn zum BD-Release definitiv im O-Ton zu gucken (was bei mir alle paar Schaltjahre mal vorkommt…), da doch einiges an Stimmung eingebüßt wurde, allein wegen der Synchro. James Spader klang fett, keine Frage und Benjamin Völz im ersten deutschen Trailer auch (wobei da manche Szenen oder zumindest Dialoge arg abgeändert wurden, oder?). Aber dann plötzlich Fröhlich zu hören, war äußerst gewöhnungsbedürftig. Finde er hat durchaus zum Charakter selbst gepasst, aber ihn auch arg in eine spezielle Richtung geschoben, wenn du verstehst wie ich meine. Und ich musste ständig an Ed Norton denken… Birdman!
      Naja, gut. Die Liebeskugel war im Prinzip auch wirklich okay, und aufgrund der Hintergrundgeschichte auch nicht verkehrt. Aber manche Dialoge (harte Schale, weicher Kern… c’mon!) waren wieder so hart an der Grenze. Hätte sie ohnehin lieber in Action gesehen. Stell dir mal vor Thor hätte Hulk besänftigen müssen. Das wär’s doch!
      Hatte eigentlich überhaupt nicht damit gerechnet, dass mich die Zwillinge so umhauen und erst recht nicht Quicksilver. Der andere hat wirklich einen starken Eindruck hinterlassen. Aber irgendwie… süß. Dabei mag ich Taylor-Johnsons nur selten… aber hier? Ausnahme.

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  2. Problem dabei, wenn man ein halbes Dutzend toller und interessanter Charaktere hat, und damit einen neunzigminütigen Film voller Action drehen soll, damit es sich verkauft. Zumindest vermute ich das, ohne den zweiten Avengers gesehen zu haben, aber schon mit dem ersten Teil hatte ich so meine Mühe.

    Mal schauen, wenn er im FreeTV läuft.

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    1. Ich mochte den ersten Teil richtig gern. WAr zwar ein Actionbombast, der teils noch ausufernder wirkte als hier im zweiten, aber da war die Chemie untereinander einfach stimmiger. Da hatten ALLE ihren Spaß. Hier merkt man leider überdeutlich, dass sich alles auf den nächsten Cap-Film konzentriert… und einige aus der Röhre gucken. Dabei kann Whedon das eigentlich, also allen relevanten Figuren gleichermaßen viele Momente zu verleihen. Das war wohl einfach die größte Enttäuschung.
      Aber vielleicht gefällt dir der hier ja etwas besser als der erste?

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      1. Ja, das stimmt, die Chemie hat im ersten Film gepasst. Und hat den Film auch über plot holes getragen.
        Dass die Filme aufeinander verweisen war zu erwarten, beim Urpsrungsmedium Comic mit all den Querverweisen und Multiversen und Gedöns, vom finanziellen Tei lganz zu schweigen. Ich geh davon aus, dass alle Filme am Stück geschaut auch noch mal anders wirken – oder wirken könnten, wenn man eine gescheite Hauptstory dafür in petto hätte.

        Mal schauen, ich warte ja, bis der im FreeTV läuft. 😉

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        1. Naja, klar gibt es Querverweise. Allerdings habe ich es selten bis gar nicht in diesem Ausmaße gesehen. Da geht Marvel schon sehr konzentriert vor. Und gerade das macht den Reiz so aus. Diese Komplexität. Allerdings wird es weniger toll, wenn man zum kompletten Verständnis mehr oder minder genötigt wird, sich auch noch Serien anzuschauen. „Agents of SHIELD“ reizt mich nämlich so gut wie gar nicht…
          Aber sowas guckt man doch nicht mit Werbung… 😥

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          1. Agents of SHIELD schau ich auch nicht, nö danke! Robin Scherbatzky brauch ich nicht bei SHIELD. Und da Coulson, naja, also auch nicht.

            Joa, aber Kino is teuer, und alleine reingehen macht wenig Bock, und wenn der Film doof war, ärgere ich mich nur wieder, während ich im TV abschalten kann. Und falls er gut ist, kann ich ihn für den Preis der Kinokarte auf DVD kaufen. 😳

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            1. So kann man es natürlich regeln. 😀
              Kino wird sowieso nur noch am Kinotag besucht, da ist es noch recht erschwinglich. Und Gutscheine bekomme ich auch oft zugeschoben. Sowas rechnet sich dann. ^^

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                  1. Musst du aber trotzdem erst finden. Und das zweite Kino in der Stadt hat das letzte Mal versucht, mich um meinen reservierten Platz zu bringen, seitdem mag ich dort nicht mehr hin – nur laufen dort halt die 2d-Filme… im anderen alles in 3d.

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    1. Ja. Hat auch ewig gedauert mal wieder einen längeren Text rauszuhauen. Da hat sich wohl einiges angestaut… und wenn der Stein erstmal ins Rollen gerät… weißte ja wie schnell man dann Seiten füllen kann. 😉

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