[Film] Tusk – Der Mensch ist das gefährlichste Tier (2014 US)

Tusk-Header2-(viaa24films.com)Soso, das ist also Kevin Smiths Crowdfundingstreich. Ich muss ja zugeben, nach dem ersten Trailer damals dachte ich noch „Das könnte was werden“… seit einigen Tagen bin ich schlauer. Sehr viel schlauer. Und ich frage mich, was sich Smith dabei nur gedacht hat. Oder vielmehr ob er überhaupt gedacht hat, als er sich diesem Projekt widmete.

In Tusk – Der Mensch ist das gefährlichste Tier begibt sich Podcastler Wallace (Justin Long) in die Unweiten Kanadas. Nachdem sein eigentliches Ausflugsziel kurzerhand nicht verfügbar ist, stößt er in einer Bar auf einen Aushang von Howard Howe (Michael Parks), seineszeichens ein alter Seebär, der eine Menge zu erzählen hat. Genau das richtige Futter für Wallace‘ Podcast. Oder ist es doch nur das richtige „Futter“ für Howe’s ‚Mr. Tusk‘?

Wer den Trailer kennt, weiß wie der Film in etwa ablaufen wird. Bodyhorror, etwas schwarzer Humor und viele Geschichten… und meine Güte, hätte das was werden können. Als aber nach 40(!) Minuten noch immer nur belangloses Zeug während der ermüdenden Exposition aneinandergereiht wurde, verließen mich schon alle guten Geister. Eigentlich war dieser Zeitpunkt bereits nach zehn Minuten eingekehrt, aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt… So auch hier.

Es ist, als wüsste Smith nicht, was er eigentlich in die 102 Minuten Laufzeit packen soll. Seine vielversprechende Rahmenhandlung rund um Wallace und Howard steht zwar, aber alles was darum herum schwebt, ist gähnende Leere. Nicht einmal der zerflissene Witz kann zünden, geschweige denn über vollkommen überflüssige Szenen hinweg retten. Es scheint, als wäre sämtliche Handwerkskunst verflogen und alles weiche nur dem Mittel zum Zweck, um eine Geschichte zu erzählen die man auch locker als knackigen Kurzfilm hätte präsentieren können. Was in Anbetracht des Resultats wesentlich lohnender geworden wäre.
Während nun alles andere gegen die Wand gefahren wird (vom im Grunde gar nicht mal so nennenswerten Cameo ganz zu schweigen), blitzen vereinzelte Momente auf, in denen der Horror erstaunlich greifbar und plastisch wird. Wenn Wallace allmählich begreift und Michael Parks als geschichtenerzählender Seebär seine fiesen Pläne offenbart und es mit dieser groteskt absurden Direktheit zur Schau gestellt wird, dann hat man als Zuschauer schon ein wenig zu knabbern. Die ständige Gratwanderung zwischen bitterer Komödie und einem waschechten Horrordrama gelingt zwar viel zu selten, doch wenn sie gelingt, dann trifft sie genau ins Schwarze.  Und doch bleiben diese raren Sternstunden lediglich kleine Lichtstreifen am Horizont, in der fortwährenden Dunkelheit dieses cineastischen Fehlschlags, der aufgrund seines albernen Pipikackahumors kaum der Rede wert ist. Die trotteligen Einschübe eines Guy LaPointes stehen stellvertretend für sämtlichen Nonsens, den Tusk nunmal die meiste Zeit über verzapft und den Zuschauer immer wieder daran erinnert, was für eine unsägliche Geduldsprobe das alles doch ist.

Das schlimme ist ja allerdings, dass man Smith und seinem Film tatsächlich doch etwas Hirn ankreiden kann. So ist zum Beispiel das Ende eine fiese Pointe auf den Lebensstil eines verwöhnten Knabens, der sich nach Erfolg sehnt. Tja. Dieses comichafte Bild dürfte sich dann auch für immer in den Schädel des Zuschauers eingebrannt haben, da in all seiner fiesen und abstrusen Ehrlichkeit auch etwas Wahres mitschleicht. Und doch retten solche Momente dieses an Lächerlichtkeit kaum zu überbietende Filmchen nicht. Denn der Weg zum Ziel ist zu lang, zu holprig und schlicht und ergreifend zu doof, um all die schwachen und unnötigen Momente vergessen zu machen. Und doch wird dieser Streifen sicherlich seinen Zuspruch finden. Nur eben nicht hier.

Tusk – Der Mensch ist das gefährlichste Tier scheitert nicht an seiner Prämisse, sondern am Unvermögen den Horror, die Komödie und die nichtigen Dialoge geordnet unter einen Hut zu bekommen. Das kann Smith wesentlich besser. Dennoch, oder gerade deswegen, graut es mir vor den geplanten Fortsetzungen…

1/10 Punkte

Tusk-Cover-(viadvdsreleasedates.com)Tusk – Der Mensch ist das gefährlichste Tier [Tusk]
Jahr: 2014 US
Regie & Drehbuch: Kevin Smith
Cast:
Justin Long, Michael Parks, Génesis Rodríguez, Haley Joel Osment, Johnny Depp, Harley Morenstein, Ralph Garman

Bilder via cinemaslasher.com; a24films.com; nerdist.com; dvdsreleasedates-com

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31 Kommentare zu „[Film] Tusk – Der Mensch ist das gefährlichste Tier (2014 US)“

  1. Ich KANN mir das nicht ansehen. Mir wurde zwar gesagt, dass „Human Centipede“ weitaus schlimmer und ein anderes Kaliber ist, aber das erinnert mich doch sehr daran. Nein .. und nach der Kritik .. naja also einen Punkt? Das sagt schon alles 😛

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    1. Naja, „Tusk“ ist auch nicht ganz ohne. Spielt sich zusätzlich auch einiges im Kopf ab und gerade das Groteske bleibt auch hier hängen. Hat bestimmt auch seine Liebhaber, dieser Film.

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    1. Wer zwischen den Zeilen im Film lesen kann, der wird sicher etwas mehr Spaß daran haben. Er hat Momente die wirklich unter die Haut gehen, aber nunja… dann ist da noch der ganze Rest. Bin gespannt wie er bei dir ankommt.

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    1. Joa, geht mit genauso. Viel schlimmer als sowas sind aber fiese Jumpscares und fiese kleine Kinder… Na toll, und heute Abend werde ich von einer horroraffinen Freundin in „Der Babadook“ geschleppt… Ich weine jetzt schon.

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      1. Boah, jumpscares sind mies! Manche kann man zwar noch irgendwie erahnen, so nach dem Motto: Jettz sind sie in der gruseligen verlasseen Hütte, gleich kommt was. Aber manche eben nicht.

        Hör mir auf mit Kinderstimmen! Ich hab ein Wii-Spiel, Fragile Dreams, bei dem aus dem Lautsprecher in der Wiimote Geräuche kommen, unter anderem das Kindergelächter mancher Geister. Übel sag ich dir! 😮

        Viel Spaß beim Kinobesuch! 😉

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        1. Stimmt genau. Trotzdem treffen sie immer so, als waeren sie unerwartet. 😀
          Hoer du auf mit gruseligen Stimmen! Nach dem Kinobesuch gerade eben bin ich davon erstmal geheilt (If it’s in a word, or if it’s in a book
          you can’t get rid of the Babadook.
          ba-ba-ba-dook-dook-dook…).
          Durch Elektrik wirken Stimmen aber sowieso etwas grotesk und unheimlich. Fies. 😀

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  2. Wie es der Zufall so will, habe ich den Film auch ausgeliehen und gerade gestern erst geschaut. Gut, dass ich geliehen und nicht gekauft habe … ich fands so ätzend, dass ich mich sogar geärgert habe, dass ich den Trailer damals im Blog geteilt habe.
    Der war aber auch wesentlich vielversprechender gemacht. Dass der Podcaster so ein Möchtegern-geiler Schattenboxer ist, hat mich ein bisschen angekotzt. Ich kann die Sorte Mensch nicht leiden, die meint sich mit dem Web 2.0 eine goldene Nase verdienen zu können und v.A. habe ich was gegen die im Film ja auch angeprangerten Mecker-Podcasts. Das wurde ja dann sogar stellenweise genutzt, aber noch viel zu wenig. Zum Beispiel die Sache mit dem Bein ist in Gedanken an den verspotteten Typ aus dem (unglaublich schlecht!) animierten Video ja schon ein ziemlich herber Schlag. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass das was werden kann. Aber es wurde einfach immer nur schlechter. Ganz schön viele Chancen verspielt.

    Das erschreckende ist aber schon wie du sagst, dass der Typ (Kevin Smith heißt jetzt nur noch ‚der Typ‘ bei mir) scheinbar vergessen hat wie man einen Film macht ohne das man ihm das Budget ansieht. Der Kommisar, der Bodysuit, das animierte Video … eh…das ist doch nicht sein ernst??? Und der hat ‚Dogma‘ gemacht. Ich bin fast ein bisschen beleidigt. Man hätte das alles nicht mal gebraucht und hätte aus der Story eine groteske, funktionierende Bodyhorror-Komödie machen können … aber nein. Boah … was habe ich da gesehen?

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    1. Dein Ton allein spricht schon Bände.
      Kann jedem einzelnen Punkt zustimmen. Wo „der Typ“ beim Dreh(buch schreiben) gedanklich verkehrte, will ich gar nicht wissen. Aber er hat wirklich alles vermurkst, was nur zu vermurksen ging. Hätten wir besser nach den schon bescheidenen ersten zehn Minuten ausgemacht…

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