[Film] Der Babadook (2014 AUS)

Der-Babadook-Header2-(via-capelight.de)

„If it’s in a word or it’s in a look,
You can’t get rid of the Babadook.
If you’re a really clever one
And you know what it is to see,
Then you can make friends with a special one,
A friend of you and me.
His name is Mister Babadook
And this is his book.
A rumbling sound then three sharp knocks
Ba BA-ba DOOK! DOOK! DOOK! […]“

Der australische Horrorfilm Der Babadook ist erfreulich weit entfernt von platten Jumpscares und müdem Monsterhorror. Dennoch ist auch diese Gruselgeschichte nicht frei von Makel.

Die Australierin Jennifer Kent beweist ein feines Gefühl für subtilen Horror. Die nüchterne Farbgebung erinnerte mich zwar etwas an den spanischen Film Das Waisenhaus, der unangenehmen Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Stattdessen spricht die wunderbar ruhige Kameraführung Bände und lässt allein mit den Totalen schon eine unbequeme Atmosphäre entstehen. Man erwartet der Schrecken liege auf der Lauer und schleiche sich von hinten heran, die Soundkulisse wird immer bedrohlicher, die Spannung zieht an und… gemach, gemach.

Das Drehbuch sorgt zu Beginn für eine entspannte Kennenlernphase und überlässt dem Mutter-Sohn-Duo genug Raum sich zu entfalten. Ein traumatisches Erlebnis wird beleuchtet, welches den Sohnemann (Noah Wiseman) so in seine eigene Welt zog, dass sich dieser schwertut, Anschluss zu finden. Das bleibt natürlich an der Mutter Amelia (Essie Davis) hängen und gequält muss diese nicht nur mit ihrem eigenen Unglück zurechtkommen, sondern auch noch ein zweites Auge auf dem Jungen haben.
Dieser Stress unter dem Amelia steht, wird von Essie Davis so vortrefflich eingefangen, dass sie einem nur leidtun kann und man von ihr förmlich gezwungen wird, mitzufühlen. In ihrer Haut zu stecken. Nicht minder schlecht spielt Noah Wiseman den Sprössling. Zwischen furchtbar enervierend hyperaktiv und apathisch geschockt, ergänzen sich die beiden prächtig, was dem Film speziell in der zweiten Hälfte zu Gute kommt, wenn der Schrecken Gestalt annimmt.

Allerdings merkt man früh, in welche Richtung Der Babadook beständig wandert. Der Horror, der von dem Kinderbuch Mister Babadook auszugehen scheint wird zwar genutzt, dennoch verlagert sich der Schwerpunkt zusehends in Richtung der Figuren und ihrer wechselnden Dynamik untereinander. Zwar ist das Monster auch fortwährend da, doch statt purem Gruselhorror wird der Zuschauer mit hartem Psychoterror konfrontiert, der keinesfalls deplatziert wirkt und den Film nicht in die Klischeefalle rennen lässt. Davis und Wiseman spielen zu gut miteinander, als dass man sich während des Schauens über diesen Wechsel zu ärgern vermag und der Horror bleibt weiterhin bestehen. Regisseurin Kent spielt ihn unterschwellig aus, beinahe schon wieder so subtil, dass es gefühlt zu kurz kommt.

Und doch gibt es was zu meckern. Handwerklich betrachtet ist Der Babadook allerfeinste Horrorkunst, die Erwartungen tänzeln und der Schrecken manifestiert sich im brillanten Spiel der Akteure. Doch so ganz überzeugend ist dieser australische Film auch wieder nicht, was wohl dem veränderten Grundton in der zweiten Hälfte geschuldet ist. Natürlich ist es schön, wenn ein Gruselfilm nicht ständig auf altbekannten Pfaden wandert. Allerdings fällt das wieder so gewöhnlich aus, dass es schier schade ist um das Potenzial, welches nun mal in dieser (fiktiven) Kindergeschichte steckt. Es greift nicht so zu wie man es sich erhofft, es bleibt gezähmt und man wendet sich innerlich ab, verabschiedet sich vom Gedanken hier nochmal so richtig von der Gestalt ergriffen zu werden. Und da liegt der Hund begraben. Egal wie toll das alles gemacht ist, in der Quintessenz funktioniert er eben nicht, wie man es sich erwünscht.
Abgerundet wird das alles von einem Ende, das für gemischte Gefühle sorgt. Es holpert und poltert, ist abrupt und definitiv etwas, das förmlich darum bettelt, ausdiskutiert zu werden. Zum Kontext passt es, ob es jedoch gefällt, das ist wohl die größte Frage die sich daraus ergibt.

Der australische Horrorfilm Der Babadook bietet weitaus mehr, als der Trailer glauben machen möchte. Filmisch betrachtet eine Augenweide, doch bei genauerer Betrachtung entpuppt er sich trotz seiner lohnenswerten Ambitionen als verschenktes Lüftchen im Horrorgenre, in welchem es derzeit an clever konzipierten Geschichten mangelt. Dieser australische Ausflug ist ein Tanz zwischen den Stühlen. Was bleibt ist das Kopfkino, wenn es dreimal klopft:

„Ba BA-ba DOOK! DOOK! DOOK!“

6,5/10 Punkte

Der-Babadook-Poster-(via-capelight.de)Der Babadook [The Babadook]
Jahr: 2014 AUS
Regie & Drehbuch: Jennifer Kent
Cast:
Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Benjamin Winspear, Cathy Adamek, Craig Behenna, Adam Morgan

Bilder via capelight.de/der-babadook [© Capelight]

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19 Kommentare zu “[Film] Der Babadook (2014 AUS)”

  1. Sehr differenziert beschrieben. Allerdings dachte ich nach dem Lesen, dass der Text mehr als 6,5/10 entspräche. Gut dass du das noch mal hingeschrieben hast 😉 Auf jeden Fall werde ich mir den irgendwann mal anschauen. Aber leider nicht im Kino. Da steht momentan einfach zu viel auf dem Programm.

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    1. Der Blick zur 7 war auch ständig da. Leider verlor er zusehends das, was ihn eigentlich ausmachen sollte. Zum Teil war er auch ungewollt witzig, was nicht so ganz passen wollte. Ist schwer, den genau einzuordnen, finde ich.

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  2. Wajakla, dass du den Film besprechen musstest, was? Hat dir nicht gereicht, mich in den Kommentaren oder auf Youtube damit zu erschrecken, ein ganzer eigener Beitrag dafür! 😯

    Ich sitz jetzt den Rest des Abends mit der Decke überm Kopf und den Fingern in den Ohren da! 😛

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  3. Ich habe immer wieder das Gefühl, einen ganz anderen Film gesehen zu haben… (muss doch mal noch ne Kritik schreiben) Hast du den Film in OV gesehen? Ich „musste“ ihn mir auf Deutsch ansehen – und da fand ich, so wie auch meine Begleitung schauwerte) die beiden Hauptschauspieler (Mutter und Sohn) sowas von schlecht! Und dann gab es einfach Storylines, die völlig abrupt endeten (Wohin verschwand denn der Arbeitskollege? In einer Minute noch im Gespräch mit dem Sohn, im nächsten Moment geht die Mutter in den Keller…)… Ich fand eigentlich fast nur gut, wie der Film fotografiert war.

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    1. Hmm, immer her mit den Worten!
      Habe ihn auf deutsch gesehen. Fand die Stimmen gar nicht so schlecht gewählt. Klar, der Sohn hat genervt wie Sau, aber es passte eben zum Grundkonzept. Fand die beiden eigentlich ziemlich stark aufspielend. Das mit dem Arbeitskollegen weiß ich gar nicht mehr, fand aber eigentlich vieles schlüssig. Ist eben so ein Film, über den man ewig lange diskutieren kann.
      Wie fandest du denn die Geschichte rund um den Babadook? Also die Erklärung dessen?

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      1. Erklärung??? 😀 Fand ich überhaupt nicht schlüssig. Will ja jetzt hier auch nicht spoilern…

        Das erstaunt mich umso mehr, dass du die Schauspieler auch auf Deutsch gut fandest (allerdings bin ich ja Synchro gar nicht mehr gewöhnt). Gut, es gab ein paar Momente, wenn der Junge vor den harschen Worten seiner Mutter erschrocken ist, die fand ich ganz gut, aber ansonsten fand ich das alles viel zu over-the-top. Würde zwar nicht so weit gehen wie schauwerte ( https://schauwerte.wordpress.com/2015/05/26/hirnloser-spuk-babadook/ ), die den Film schon als „schlechtesten Film, den ich je gesehen habe“ einordnen wollte, aber auf 6,5 komme ich bei weitem nicht…

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        1. [MEGAbigassSPOILER]: BlablablubbundumdenheißenBrei rede….
          Na das Ungeheuer war ja psychologischer Natur. Es nährte sich von dem Trauma, dass die Mutter durchleiden musste, was dann auf den Sohn abfärbte. Daher auch der abstrakte streitlustige Schluss, als sie in den Keller ging und es fütterte. So etwas vergisst man eben nicht, es ruht für immer in einem. [MEGAbigassSPOILERENDE]
          Von daher eigentlich ziemlich clever und die psychologische Seite der Geschichte zu einem schönen Abschluss gebracht. Muss man nicht gut finden, aber es passt halt doch irgendwie.
          Also so schlecht fand ich den wirklich nicht, auch wenn er in eine völlig andere Richtung ging, als ich erwartet hatte.

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