[Film] Mad Max: Fury Road (2015 US/AUS)

MadMax-FuryRoad-header2-(via-madmaxmovies.com)

Wo fängt man denn beim wahnwitzigsten Film des Jahres an?



Geht ins Kino und genießt das Ding.

Mad Max hatte mich ja nie interessiert. Klar schaut man mal rein wenn die Filme im TV laufen, aber sie waren so… punkig überdreht, das es einfach nie gefunkt hat. Dann kam der Trailer zu Fury Road. Und ich war hin und hergerissen. Auf der einen Seite diese pure Substanzlosigkeit und auf der anderen das Wissen um das Handgemachte. Dieses total kaputte und vollkommen echte. Das, was die niederen Instinkte anspricht und das was man innerlich abfeiert. Und dann kam der Hype und der Entschluss ins Kino zu gehen. Ich meine, wer sagt zu Tom Hardy und Charlize Theron schon freiwillig nein?

Und du meine Güte, was war das bitteschön für ein Adrenalinkick?! Man schmeckt den sandigen Wüstenwind förmlich der einem ins Gesicht schneidet, spürt die Hitze der Flammen und bekommt bei all der wahnwitzigen Action eine trockene Kehle. Und doch ignoriert man den Durst, traut sich nicht die Augen von der Leinwand zu lassen und nach der Wasserflasche zu greifen, um die der Hals so inständig bettelt.
Mad Max: Fury Road ist genau das, wonach sich der actionaffine Mensch so sehnt. Handgemacht. Es ist vollkommen egal, über wie wenig Substanz Handlung dieser Film im Grunde verfügt. Die Geschichte hätte man in zwei Tagen zusammenschustern können, aber daran verschwendet hier niemand einen Gedanken. Warum? Weil der Zuschauer hier genau das serviert bekommt, von dem es in den letzten Jahren einfach viel zu wenig gab. Reale und total kaputte Stunts, bei denen man sich zwischenzeitlich fragen muss, wie zum Teufel es nicht zu gravierenden Unfällen am Set kommen konnte (toitoitoi).
Die Autos sind real. Die Flammen sind real. Die Stunts sind mit so viel Liebe gestaltet, dass einem regelmäßig der Atem stockt. Greenscreen? Beinahe vollständige Fehlanzeige. Hier wird es höchstens als notwendige Ergänzung verwendet, der Rest ist in sorgsam geplantem Handwerk entstanden. Und schon allein dafür kann dieser Bolide von Action gar nicht genug gefeiert werden. Es ist die ungebrochene Zelebration des Oldschoolkinos.

Dennoch kommt man nicht umhin, bei dieser wirklich dünnen Geschichte Skepsis walten zu lassen. Und das ist in Ordnung. Allerdings lässt der alte Haudegen George Miller nicht nur ein Spektakel vom Stapel, sondern er weiß, wie er seine Figuren richtig anpacken muss um so gekonnt über die gähnende Leere hinwegzugleiten. Dialoge gibt es wenige, und wenn dann kommt es gefühlt über ein Grunzen nicht hinaus. Dafür bietet Miller seinen Charakteren so denkwürdige Momente, dass es gar keiner Backgroundstory bedarf. Der krasse Gitarrentyp wird so schnell nicht mehr aus dem Gedächtnis verschwinden und Hugh Keays-Byrne’s Immortan Joe sieht mit der Maske so fies und unheimlich aus, dass man von seinem Anblick allein schon so gefesselt ist, womit der Rest schon wieder so irrelevant wird. Ein Film und Figuren, die für das hier und jetzt geschaffen wurden.
Was man sich allerdings mal auf der Zunge zergehen lassen muss, ist der Umgang mit den Frauen in diesem Streifen. Warum dauerte es gefühlte 30 Jahre, um mal wieder eine vollständig emanzipierte Frau zu sehen, die so aufrichtig wirkt, wie Charlize Therons fantastisch gespielte Imperator Furiosa? Eine Frau, mit der man durch die Hölle und zurück gehen würde, aus dem einen simplen Grund: Weil man sie versteht und nachvollziehen kann. Verletzlich und schlagkräftig, aufopferungsvoll und zurückhaltend, wenn sie es sein muss. Aber Gott behüte diejenigen, die sich ihr in den Weg stellen.
Sicherlich eine der reizvollsten Darstellung einer Frau im Film. Warum es heutzutage also so schwer zu sein scheint, sie vernünftig in einen Film einzugliedern, das dürfte spätestens jetzt auf absolutes Unverständnis treffen. Und auch die anderen stehen dem in nichts nach, aufgrund von Spoilern werde ich dahingehend aber nicht tiefer graben. Überhaupt gefiel mir die Idee sehr, Furiosa als eigentliche Protagonistin in Mad Max: Fury Road zu sehen. Sie gibt den Ton an und steht den Männern in nichts nach, mit „Mad Max“ Rockatansky steht sie mal mindestens auf Augenhöhe. Und da kommen wir auch schon zu Tom Hardy. Ohnehin schon längst ein Liebling unter Filmkennern, bringt er den verrückten Max voll auf Touren. Mit lakonischem Witz und einer wortkargen Lässigkeit, die ihm sichtlich Spaß zu machen scheint, schlagen wir uns mit ihm durch die Wüstenebene, müssen unweigerlich in so manchem Moment lachen plötzlich dreht der Prügelknabe auf einem Tanklaster durch. Er hat hier nicht allzu viel zu tun und doch ist es vollkommen auf den Punkt gebracht. Und im Zusammenspiel mit Furiosa gestaltet sich dieses Duo als umso schlagkräftiger. Und das ist noch nicht einmal alles, womit Fury Road punkten kann.

George Miller setzt hier einen unverkennbaren Stil ein. In die durchgeknallte Action gesellen sich Zoom Ups, die stark an einen Graphic Novel Panellook erinnern und dem Film diese kaputte Rohheit noch zusätzlich als Unterbau liefern. Ebenso die knalligen Farbfilter sowohl am Tag als auch in der Nacht. Das beißende Blau leuchtet noch so stark, dass man in Gedanken schon beim nächsten Tag hängt. Sich diese vermeintliche Verschnaufpause also gar nicht richtig ausnutzen lässt und man als Zuschauer bereits auf das nächste furiose Spektakel schielt.
Zudem gesellt sich eine erstaunlich übersichtliche Kameraführung dazu, die in all dem Getöse und Motorgeheule den Blick auf das Wesentliche nicht aus den Augen verliert. Stattdessen fängt sie den Wahnsinn in all ihren Auswüchsen ein, bleibt beständig und rutscht nie in die Hektik ab. Das man so etwas noch erleben darf…
Doch nicht nur optisch ist das hier ein wahres Schmankerl. Für den musikalischen Bombast zeigt sich niemand geringeres als JunkieXL verantwortlich, bei dessen Nennung dem geneigten Soundtrackliebhaber schon vorab das Herz in die Hose rutschen dürfte. Zwar wird sich hier kaum ein wirklich eingängliches Stück finden lassen, aber wenn es darum geht dem visuellen Wahnsinn einen eindrucksvoll drückenden Soundtrack zu verpassen der mitunter für pure Gänsehaut sorgt, dann ist man bei ihm definitiv an der richtigen Stelle. Mit dem imposanten Leitmotiv, das auditiv an den röhrenden Motor eines V8ers erinnert, stürmt er ins Feld. Und wenn man sich bei all dem bildlichen Krawall noch kurz die Zeit nehmen kann, seiner Begleitung mitzuteilen, wie geil doch bitteschön dieser Soundtrack ist, ja dann hat er wiedermal alles richtig gemacht.
Dass das alles die vorab kritisch beäugten zwei Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen lassen würde, damit hätte wohl kaum einer gerechnet. Doch mit dem Abspann konnte ich mir eben diesen Gedanken nicht verkneifen und musste ungläubig auf die Uhr starren, das man soeben Zeuge eines der besten Actionfilme der letzten Jahre wurde.

MadMax-FuryRoad-Warriors-(via-madmaxmovie.com)

Wer den Film im Kino verpasst, dem ist wahrlich nicht zu helfen. Denn statt gewohnt CGI-lastigem Bombast bietet Mad Max: Fury Road etwas, das man heutzutage gar nicht mehr zu fressen bekommt. Dieses exquisite drei Gänge Actionmenü, gespickt mit Humor, Tragik und aberwitzigen Einfällen, erinnert und besinnt sich auf längst vergangene Kinozeiten, macht dabei unglaublich viel Spaß und lässt die Mundwinkel wie festgetackert im erhobenen Zustand einfrieren. In jeder einzelnen Pore lässt sich nicht nur Staub und Benzin erkennen, sondern vor allem das Herzblut, welches hier sichtlich reingesteckt wurde. Patient reinrassiges Actionkino ist also doch noch nicht tot. Und sagte ich schon, dass an diesem Film beinahe alles in gekonnter Handwerksarbeit beinahe vollkommen ohne CGI-Gedöns auskommt?
Ich weiß ja nicht einmal, warum ich hierfür keine 10 springen lasse…

9/10 Punkte

MadMax-FuryRoad---Teaserposter-(via-comingsoon.net)Mad Max: Fury Road
Jahr: 2015 US/AUS
Regie: George Miller | Drehbuch: (+), Brendan McCarthy, Nico Lathouris
Cast:
Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Hugh Keays-Byrne, Josh Helman, Nathan Jones, Zoë Kravitz, Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keaough

Bilder via madmaxmovie.com, madmaxmovies.com, forbes.com, comingsoon.net [© Warner Bros. Pictures]

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32 Kommentare zu “[Film] Mad Max: Fury Road (2015 US/AUS)”

                    1. Jepp, sollen fünf werden. Ob es danach weitergeht, das weiß ich nicht. Wissen vermutlich die Entwickler noch nicht. ^^
                      Ich bin ja gespannt, wie es alles aufgelöst werden soll, die Zeichen verdichten sich in Episode 3, dass etwas ganz und gar nicht rund läuft.
                      Und der Teaser für Episode 4 ist richtig fies!

                      Gefällt 1 Person

                    2. Wem sagst du das… erst gestern kamen die MGS-Spiele dazu, von 1 bis 4 (den sie gebraucht für 5 € hatten, da hab ich zugeschlagen ^^). Mein SuG dankt. 😛

                      Nur zu, ich bin gespannt, was du davon hältst! 🙂

                      Gefällt 1 Person

  1. YESSSS, der Film hat bei dir genauso eingeschlagen!!!! *highfive* Tolle Kritik, meine kommt mir dagegen ganz mikrig vor… 😉

    Jetzt hab ich heute zwei weitere euphorische Kritiken gelesen, so steht mein Entschluss fest, dass ich heute Abend nochmal reingehe. Allein. Egal – es bleibt eh keine Zeit für den Sitznachbarn! 😀 Mal sehen, wie er in 2D wirkt…

    Gefällt 1 Person

    1. Aber hallo! War selbst überrascht. Was für ein Trip! Würde auch glatt nochmal reingehen… Denke in 2D nimmt es sich nicht viel. Der 3D Effekt war ja im Prinzip nur für die eine Szene konzipiert, wie mir scheint… 😉 Wünsche dir viel Spaß bei Round 2 on the „Fury Road“! 🙂

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