[Serie] Hellsing Ultimate OVA IV (2007 JP)

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„Es ist sehr ärgerlich. Diese Leute sind wirklich sehr hartnäckig. Sie stehen immer wieder auf.“
„Wenn sie immer wieder auferstehen, werden wir sie eben immer wieder töten. Das ist ein ewiger Kreislauf.
Womit sich die Frage stellt: Sind wir denn so viel anders als sie?“

Das Cover deutet es nun endgültig an, daher kann ich auf eine Spoilerwarnung getrost verzichten: Die Untergrundorganisation Millennium ist ein Überbleibsel aus der Zeit des dritten Reichs. Es sind Nazis unter der Führung des wahnsinnigen Majors, die über die Jahre hinweg auf ihre Rückkehr hingearbeitet haben!

Die vierte OVA ist die bisher erste, die es nicht mehr zu einer 16er Freigabe geschafft hat. Stattdessen prangt nun der blutrote FSK-Aufkleber auf dem Mediabook. Und so wie die Symbolik (und ein sadistischer Gewaltakt) hier eingesetzt wird, auch zu Recht.

Handlung

Nachdem Millennium Alucard, Seras und Pip in einen Hinterhalt in Südamerika lockten, was in einem wahren Massaker endete, müssen diese für geraume Zeit untertauchen. In einem Telefonat mit Lady Integra erfährt Alucard, dass die Queen höchstpersönlich im Angesicht der Situation ein Treffen einberufen hat. Und die Queen lässt ein Charmeur wie Alucard doch nicht warten…

Die Serie

Die Serie wird immer stringenter, Handlungsfäden laufen zusammen und es werden dem Zuschauer kurze Einblicke in die Vergangenheit mancher Figuren gewährt, was hin und wieder für Überraschungen sorgt. Der perfide Plan des Majors, den man erst zum Schluss wirklich durchschaut ist größenwahnsinnig, deutet aber auf knallharte Auseinandersetzungen der einzelnen Parteien untereinander hin, welche sich sicher noch anbahnen werden. Aber auch atmosphärisch tut sich einiges:
Die vorangegangene OVA kündigte die Richtung schon an, die vierte legt nun richtig nach. Hakenkreuze, Insignien, Zeppeline, Schriften, Marschlieder: Sie alle weisen unweigerlich auf die Zeit des Nationalsozialismus hin. Anders als noch im Manga wurde hier jedoch auf eine Abstraktion der Symbole verzichtet. Stattdessen prangen die unterschiedlichen Symbole gut sichtbar  in den Zeichnungen, was der wahnwitzigen Atmosphäre zu Gute kommt. Auch die musikalische Untermalung, die vorher noch von choralen Gesängen oder elektronischen Elementen geprägt war, kommt nun ganz klassisch daher und erinnert mit ihren Marscheinlagen an die dunkelste Zeit in der deutschen Historie. Es ist eine interessante und nicht minder effektive Spielerei, mit der bewusst Nazis in die Gegenwart verfrachtet werden, nur um diese dann munter auf Befehl der englischen Königin zu „vernichten“. Und genau das passiert hier. Wenn sich der junge Schrödinger mit den Katzenohren(!), der im wörtlichen Sinne überall und nirgendwo ist, als Unterhändler des Majors bei der Sitzung der Königin von England herhalten muss, während der Major via Videoübertragung seine Pläne offenbart… während an anderer Stelle ein Trupp Nazis bereitsteht, um die erste Angriffswelle zu starten… Dann weiß der Zuschauer schon, was ihn erwartet. Ich muss das doch nicht schon wieder ausführen, oder? Spaß versteht dabei jedenfalls keine Partei. Außer der Zuschauer vielleicht. Während sich die Regierung Englands also um die Bedrohung kümmern will, bei der Alucard schon händereibend auf seinen Einsatz wartet und Seras noch immer mit sich hadert, als Vampirin menschliches Blut zu trinken, lässt die Bedrohung  durch eine Einzelne nicht lange auf sich warten:  Leutnant Rip van Winkel und ihre verwunschenen Kugeln stehen schon bereit!

Bei Hellsing Ultimate fühle ich mich immer etwas so, als müsse ich mich für meinen Seriengeschmack rechtfertigen. Oder zumindest für das hier Gezeigte. Vielleicht merkt ihr das in meinen Texten, wie ich immer um eine Argumentation bemüht bin, warum das alles zumindest in meinen Augen okay ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich die Serie schon mit jungen Augen gesehen habe. Vielleicht konnte ich damals noch nicht alles fassen, aber der Zynismus sprang mir damals schon ins Auge. Heute ist es noch einfacher geworden, wenn man all die feinen kleinen Andeutungen richtig deuten kann und sowieso ist das meiste einfach nur so makaber gestaltet, dass man herzhaft darüber lachen kann. Zu sehen, wie Nazis von einem Obervampir wortwörtlich zerschnetzelt werden, wie sich diese Ideologie immer und immer wieder selbst entlarvt, ohne es überhaupt zu merken… Wenn Leutnant Rip van Winkel theatralisch in ihrem Hubschrauber sitzt und zu den Klängen des Engellandlieds von Hermann Löns (neu vertont vom deutschen Marschkomponist Herms Niel) in Richtung des feindlichen Flugzeugträgers davonfliegt und im Anschluss „Der Freischütz„, eine Oper von Carl Maria von Weber trällert, dann mag das im ersten Moment wie die Zelebrierung der eigenen Ideologie wirken, die jeder moralisch richtig gepolte Mensch als widerlich und abstoßend empfinden würde. Wäre da nicht der gemeine Obernazi, der Major selbst, der das ganze so herrlich umdreht und die naive Rip van Winkel eiskalt ins Messer laufen lässt und ihr genau das gleiche antut, was sie gegenüber der Schiffsbesatzung schon zur Sprache brachte. Oder sich einfach nur selbst viel zu gerne feiert und in Kriegstiraden vor seinen Kameraden ausbricht, die locker über mehrere Minuten andauern können. Wie auch immer. Das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Es verstecken sich noch so viele Andeutungen im kleineren Rahmen. Und wie sich eindrucksvoll in dieser Folge zeigt: Die Nazis sind nicht die einzigen mit Blut an ihren Händen. Da gibt es noch andere Institutionen, die sich alles andere als frei von Makeln sprechen können. Und im Prinzip darf sich seit der vorigen OVA auch der Hellsing-Orden dazuzählen…

„Leutnant. Weißt du eigentlich wie der Freischütz endet?“

Fazit

Es ist dieser unglaublich schmale Grat zwischen purer Geschmacklosigkeit und gekonnter Groteske, die sich nicht einmal darum bemühen muss, sich die Waage zu halten. Und hier wird dem ganzen umhin die Krone aufgesetzt. Verniedlichungen hin oder her, es ist teilweise einfach so saublöd, dass man es doch einfach nicht für voll nehmen kann. Stattdessen heißt es:
Bitte nehmen sie ihre Plätze ein und genießen sie die makabere Blutorgie.

Übrigens: Wer sich wundert was es mit diesen Re-Cut Versionen auf sich hat: Bei ihnen handelt es sich um Neuveröffentlichungen im Zuge der kommenden Teile. Diese sind nach wie vor ungeschnitten und warten mit (geringen) Überarbeitungen der Zeichnungen und Animationen auf. Die Schnittberichte auf schnittberichte.com geben euch über weiteres Auskunft. Hier beispielsweise der zur OVA IV.

OVA I: 7,5/10 Punkte
OVA II:  8/10 Punkte
OVA III: 8/10 Punkte
OVA IV: 9/10 Punkte

Hellsing-Ultimate-OVA-IV---CoverHellsing Ultimate OVA IV
Jahr: 2007 JP
Genre: Action, Horror, Military, Seinen, Supernatural, Vampire
Regie: Hideki Tonokatsu | Drehbuch: Yosuke Kuroda
Animationsstudio: Satelight
Sprecher (orig. – deutsch):
Alucard – Jouji Nakata – Torsten Münchow
Seras Victoria – Fumiko Orikasa – Shandra Schadt
Sir Integra Hellsing – Yoshiko Sakakibara – Simone Brahmann
Alexander Andersen – Norio Wakamoto – Oliver Stritzel
Walter C. Dornez – Motomu Kiyokawa – Dieter Memel
Enrico Maxwell – Hideyuki Tanaka – Matthias Klie
Der Major – Nobuo Tobita – Gerhard Jilka
Captain Pip Bernadotte – Hiroaki Hirata – Ole Pfennig
Schrödinger Ryouko Shiraishi
Rip van Winkel – Maaya Sakamoto – Melanie Manstein

Trailer (orig.)

Bilder via Screenshots
© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE

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14 Kommentare zu “[Serie] Hellsing Ultimate OVA IV (2007 JP)”

  1. Puh, trotz allem ziemlich harter Tobak. Ich kann sehen, warum dir Hellsing so gut gefällt, sehe aber auch, dass ich damit wohl nicht zurechtkommen würde. Was wiederum seltsam ist, da ich ja auch Sachen wie X oder End of Evangelion gesehen habe, die ebenfalls nicht mit grenzwertigen Momenten geizen. Ein schmaler Grat, wie du sagst.

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    1. Wir hatten es ja schon mal: Manche Gewalt dient als Mittel zum Zweck. Dazu zähle ich ganz klar X (EoE kenne ich nicht). Gerade bei X empfand ich sie als Schockmoment extrem passend gesetzt und es wurde ja noch eine mitreißende und charakterbasierte Geschichte erzählt.
      Hier ist es auf einer viel simpleren Ebene: Gewalt als Unterhaltung, die aber so dermaßen überzogen ist, dass es zwar nicht lustig ist, sondern zu einem Schauwert ohne wirklichen Sinn und Verstand verkommt.
      („Fast wäre mir die [rote] Farbe ausgegangen, aber dann hat es doch noch gereicht.“) Erst durch den Kontext wird diese wieder rationalisiert und in ein Verhältnis zum Geschehen gesetzt (Protagonist und Antiheld ist eben ein brutales Monster).
      Zwei vollkommen unterschiedliche Herangehensweisen also, die einen unterschiedlich ansprechen. Für letzteres muss man sich mMn von selbst begeistern können, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Bei der ersten Methode ist es eine Sache, die man in einer guten Erzählung gut und gerne in Kauf nimmt und so manches mit mehr Leben/Tod füllen kann.

      Gefällt 1 Person

      1. Stimmt, die Momente in X waren eben so gut, weil sie auch handlungstreibend waren. Ich bin da eh ein wenig empfindlicher, aber damit konnte ich dann ganz gut leben.
        Die unterschiedlichen Herangehensweisen sind ja gut und richtig, somit kann man sich eben auf verschiedene Arten mit einer Thematik oder einem Geschehen auseinandersetzen. 🙂
        Vielleicht müsste ich Hellsing auch nur mal gesehen haben und wäre dann ebenso begeistert.

        EoE ist halt ziemlich übel, also, ich fand es damals heftig. Die Szene, in der Asuka gegen die Serienmodelle antritt, huiuiuiui.

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        1. Genau.

          Falsch! Du musst diese Serie nicht gesehen haben, nur um dann in Begeisterungsstimmung zu verfallen. Natürlich möchte ich meine Leser dazu animieren, dass sie genau solche Freude haben wenn sie einen Text lesen, wie ich sie bei einer interessanten Sache verspüre. Aber es hat wirklich nichts damit zu tun, ob man die Serie „mal gesehen haben müsste“. Natürlich fiele es dir dann leichter zu beurteilen, aber du weißt offenbar schon ganz genau, wo deine Grenzen liegen. Wozu also schauen, wenn du doch ganz genau weißt, was dich erwartet und du Zweifel hegst? Damit hebelst du dich ja quasi selbst aus. 😉
          (Vielleicht solltest du ja doch mal reinschauen… *lach*)

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          1. „Genau. Falsch!“ Was für eine geniale Abfolge XD 😉

            Ja, stimmt schon, ich hab ein recht gutes Gefühl, wenn es darum geht, zu erkennen, wann mir etwas zu heftig ist und wo meine Grenzen sind. Da hast du schon recht.
            Aber diese Grenzen sind auch nicht 100% in Stein gemeißelt, ich meine, meine erste Reaktion auf Nightwish damals mit „Nemo“ war: Oh Gott, wasn das?!
            Und Bayonetta hätte ich vor ein paar Jahren nicht mal mit ner Kneifzange angefasst, während ich vor einigen Monaten wahnsinnig viel Spaß mit ihr hatte. :mrgreen:
            (Mal schauen. 😉 )

            Gefällt 1 Person

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