[Serie] Extant – Staffel 1 (2014 US)

Staffel 1 von Extant ist so ein Unfall. Und wie ein Unfall. Und was für ein Unfall. Man will nicht hinsehen, aber man muss. Weil man wissen möchte, was dahinter steckt. Ganz egal wie blöd der Rest auch sein mag.
Die Prämisse ist dabei gar nicht mal soo schlecht:
Molly Watts (Halle Berry) kehrt nach 13 monatiger Solomission aus dem Weltraum zurück und ist plötzlich schwanger. Obwohl alles dagegen spricht, ist die Wissenschaftlerin und Astronautin schwanger. Und natürlich sind alle daran interessiert Was folgt, kann man sich ja flugs ausmalen. Das ist der Handlungsstrang der Frau. Der ihres Mannes John (Goran Višnjić) lautet so: Als Tüftler hat er es mit seinem Team endlich geschafft, einen Roboter so zu konstruieren, dass er menschliche Züge annimmt und sich dementsprechend entwickelt. Der Humanichs ist geschaffen.
Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Tjaaa. Um ehrlich zu sein habe ich mich das bis zum Ende hin andauernd gefragt.

Die ersten beiden Folgen schienen durchaus vielversprechend zu sein. Science Fiction, die leider viel zu glattgebügelt ausschaut und diesen eklig sterilen Look pflegt, aber trotzdem einen gewissen Reiz ausübt (wenn ich trotzdem noch einmal ein Elektroauto hören muss, bekomme ich Brechreiz). So manches Ambiente hingegen ist äußerst schick geraten. Aber hauptsächlich sind es die Figuren und die Geschichte, die am Anfang vollends interessant und vielseitig gestaltet sind.
Und der Cast… Was für ein Traum. Goran Višnjić (immer ein sympathischer), Hiroyuki Sanada (immer ein sympathischer), Michael O’Neill (auch immer ein sympathischer)… und auch Halle Berry sind am Anfang noch durchaus sehenswert. Aber dann. Dann…
Dann kommt recht zügig der Punkt, wo die Serie stagniert. Es geht weder vor, noch zurück, stattdessen wird sich über vier bis acht Folgen irgendwie durchgeschleppt, ohne dass die Handlung auch nur in irgendeiner Form vorangetrieben wird. Da lassen sie die Figuren eben von A nach B fahren, wo sie leider zu spät ankommen, also müssen sie über C nach D, wo sie es aber auch wieder vergeigen also geht es weiter nach E. Und F. Und G. Und so weiter und so fort… Dabei gehen etwaige Charakterentwicklungen hopps und es wird keinerlei Rücksicht mehr genommen. Vermeintlich intelligente Wendungen in der Geschichte verderben das Handlungskonstrukt, das immer weiter ins Wanken gerät und kurz vor Schluss hatte ich schlichtweg gar keine Lust mehr zu erfahren, was denn nun hinter diesem Mysterium im Weltraum steckt, da jedes Mal wenn ein Schritt darauf zugegangen wurde, es wieder um drei Schritte zurückwich. Da werden Figuren auf so abstruse und unglaubwürdige Pfade geschickt, dass sich weder um Glaubwürdigkeit gesorgt wird, noch die Empathie ihnen gegenüber wachgehalten wird. Es wird schon fast widerlich kitschig. Oder interessante Figuren werden eingeführt, dann aber einfach links liegen gelassen. Beispielsweise Mollys Ärztin Sam Barton (gespielt von der grundsympathischen Camryn Manheim). Sie wird so ehrlich und locker in die Serie eingefügt und bis zu einem gewissen Plotpoint sieht man sie wirklich gerne. Und dann wird wegen vermeintlicher „Dramaturgie“, die nebenbei bemerkt so gut wie gar nicht zieht, ihr Charakter abrupt gegen die Wand gefahren. Sie wird mit einem mal kaum noch beachtet (also von den Serienschreibern) und das ist schade. Aber auch kein Einzelfall. Andere trifft es da weitaus schlimmer, wenn sie unglaubwürdige 180° Wendungen in ihren Motiven durchziehen. Das alles geht so unbeholfen und holprig von statten, dass man sich fast schon fragen muss, wie mit diesen löchrig lahmen Drehbüchern eine solch hochwertige Besetzung an Land gezogen werden konnte. Von etwaigen Logikfehlern wirklich ganz zu schweigen. Und da bin ich für gewöhnlich gar nicht so empfindlich. Aber hier…

Aber die Serie hat auch gute Seiten. Zwar nicht gerade glanzvolle und auch nicht gerade viele, aber sie hat sie. Dieser Mix aus Raumfahrt und dem Humanix, der sich langsam aber sicher in die Welt der Menschen einzufügen versucht, sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe, die nach beenden der Staffel auch nur einen einzigen wirklichen Sinn zu verfolgen hatten. Aber das wäre ein Spoiler, hier weiter darauf einzugehen. Während der reine Science Fiction Part also so vor sich hin dümpelt und nicht weiß, wie es eine Geschichte spannend und flüssig erzählen soll, ohne sich dabei ständig selbst zu wiederholen, geht die Story rund um den Jungen Ethan (Pierce Gagnon) viel beholfener mit der Situation um. Auch wenn hier gerade die interessanten Fragen, etwa über KI, Selbstempfinden, Selbstbewusstsein, etc. nur kurz angeschnitten werden, ehe sie wieder unter den Teppich gekehrt werden, so gibt es doch ein paar reflektierende Augenblicke, die zum nachdenken anregen und die Fragen aufgreifen, wie die Menschheit in Zukunft mit einer künstlichen Intelligenz umspringen könnte. Der junge Pierce Gagnon liefert dabei wohl die beste Leistung der Besetzung ab, denn man pendelt bei ihm ständig zwischen dem Eindruck, er sei ein verwöhnter Satansbraten, der gleich etwas böses ausheckt und technisch kühl wie eine Maschine kalkuliert oder sich einfach nur wie ein Mensch in einer ganz normalen Familie fühlen möchte und darunter richtig leiden kann. Was ihm jedoch durch seine Laborherkunft und diverser anderer (auf der Hand liegenden) Gründen unermüdlich verwehrt wird. Hätte die Serie genau die gleiche Sensibilität in allen Belangen auf die restlichen Faktoren der Serie angewendet, es hätte der Hit werden können. So bleibt einzig dieser Humanix der Lichtblick in Staffel 1 von Extant, was äußerst bitter ist. Denn viel lieber wird sich damit rumgeschlagen, klischeebehaftete und nichtige Charakterentwicklungen voranzutreiben, bei denen der Zuschauer und selbst die Figuren selbst schon nicht mehr wissen, was sie voneinander halten sollen und wie sie auf das Geschehen reagieren sollen. Und so strampeln diese thematischen Wiederholungen im Leerlauf vor sich hin.
Steven Spielberg (hier als Produzent), wo ist dein narrativ flotter Charme nur hin? Versehentlich in den Weltraum geschossen?

Und mal ehrlich: Das Ende lässt einen genauso planlos zurück, wie die erste Folge. Es ist schon fast eine Dreistigkeit, wie hier mit dem übergreifenden Konstrukt der zweiten Staffel gespielt wird. Cliffhanger sind ja schön und gut, aber auch hier wurde gnadenlos geschlampt. Dank des Casts, den ich trotzdem viel zu gerne sehe, als das ich mir die sonst so bescheidene Serie kaputt machen lasse, werde ich die Serie noch weiter verfolgen (müssen). Denn wie gesagt: Die erste Staffel von Extant ist wie ein Unfall… man will nicht. Aber man muss. Auch wenn es ungemütlich wird.

5/10 Punkte

Extant---Poster-(via-impawards.com)Extant Staffel 1
Jahr: 2014 US
Idee: Mickey Fisher
Cast:
Halle Berry, Goran Višnjić, Pierce Gagnon, Hiroyuki Sanada, Michael O’Neill, Grace Gummer, Camryn Manheim, Maury Sterling, Annie Wersching, Brad Beyer, Sergio Harford, Tyler Hilton, Louis Gossett Jr., Tessa Ferrer, Charlie Bewley, Jeannetta Arnette

Trailer (orig.):

Bilder via serienjunkies.de; cbs.com; impawards.com  [© 2014 CBS Broadcasting, Inc.]

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12 Kommentare zu „[Serie] Extant – Staffel 1 (2014 US)“

  1. Ich habe die Staffel jetzt auch durch, relativ schnell, weil ich doch wissen wollte wie es weiter geht. Man ist ja schon dankbar für ein wenig Science Fiction im TV. Ich fand die Ausstattung Klasse, viele kleine Spielereien, die für mich funktioniert haben. Darsteller Super, Pierce Gagnon als Ethan sticht hervor. Ich muss dir Recht geben, der Mittelteil war nix, merklich viele Wiederholungen, nichts entwickelt sich. Für mich haben aber die letzten beiden Episoden wieder funktioniert und die Staffel zu einem guten Ende geführt. Das so auch für sich stehen kann, den Cliffhänger finde ich verkraftbar.

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    1. Jepp, die letzten beiden Folgen haben es ganz klar rausgerissen. Staffel 2 wird auch geschaut, allein wegen Jeffrey Dean Morgan, der alles etwas besser macht. Hoffe nur, dass es sich nicht wieder so verliert wie hier.

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  2. Zustimmung in allen Punkten. Das ganze hin- und hergefahre hat mich auch wahnsinnig gemacht. Ich hab nur darauf gewartet, dass sie irgendwann in Yasumotos Höhle rauskommen … . Habe schon überlegt daraus ein Trinkspiel zu machen. Jedes Mal wenn Halley Berry sagt „Er ist nur ein kleiner verängstigter Junge“ hätte ich einen Schnapps getrunken. Aber dann hätte ich wahrscheinlich furchtbare nächste Morgende gehabt. XD
    Was sehr enttäuschend ist, denn ich vom ersten Moment an sehr Feuer und Flamme für die Idee der Serie. Und natürlich für Hiroyuki Sanada … und übrigens: wenn du mal Helix schauen solltest, erlebst du wahrscheinlich ein Déjà-vu.

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    1. Das wäre es gewesen!
      Die nötigen Aspirin für das Trinkspiel hätte ich sponsoren können, aber da wirste ja wirklich nicht glücklich mit… am Anfang war es wirklich vielverpsrechend, aber wirklich zu erzählen hatten sie nur am Anfang und dem Ende. Sehr schade.
      Hmm, mist! Auf „Helix“ hatte ich mich eigentlich gefreut, lese aber nur noch mittelgutes darüber. Schade. Aber wird wohl oder übel doch gesehen. Sanada ist einfach zu toll, um deswegen zu kneifen. 😉

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      1. Wir hatten das Thema Helix ja auch schon mal … das was ich mit dem Déjà-Vu meinte ist, dass der nette Herr Sanada da im Prinzip fast dieselbe Rolle spielt wie in Extant. Einen reichen Wissenschaftler usw. mit bestimmten …. usw. … ich spoilere nicht. Gucks dir an 🙂
        Nein, im ernst. Gucks dir an. Ich finde, dass Helix besser ist als Extant. Keine 10/10 … vielleicht auch keine 9/10. Aber sehenswerter als Extant mit einigen sehr interessanten Ideen. Hab gerade mal nachgeschaut … ich hab Helix S1 eine 6/10 gegeben. 🙂 Das ist eindeutig nicht so schlimm wie Extant. Und mit Hiroyuki Sanada. 🙂 Wieder.

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        1. Hätte ich gar nicht mal so ein Problem mit. ;D
          Ja, die Tage wird mal reingeschaut und 6/10 ist ja noch solider Durchschnitt. Vielleicht wird es auch ein Reinfall, aber wer weiß das schon. Danke für die Verköstigungen! 😀

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