[Serie] Hellsing Ultimate OVA V (2008 JP)

Hellsing-Ultimate-OVA-V-Header2Nun ist es also endlich passiert. Nachdem im Jahr 2008 OVA IV erschien, wurde es plötzlich still um die Reihe – zumindest hier in Deutschland. Angepeilte Veröffentlichungstermine wurden nicht eingehalten und nach und nach schwanden sämtliche Hoffnungen der Fans, auch die restlichen sechs OVAs in deutscher Sprache genießen zu dürfen. Dieses Jahr folgte dann wie aus dem Nichts der Paukenschlag, mit dem Fans wohl schon gar nicht mehr gerechnet hatten: Nipponart konnte sich die Lizenzen sichern und wird den Vertrieb für die fehlenden Teile übernehmen. Wenn alles glatt läuft und der monatliche Rhythmus eingehalten wird, werden wir im November sogar noch den finalen Teil OVA X in Händen halten können. Alles ungeschnitten natürlich. Und das beste? Die Stammsprecher, wie schon in den Teilen I-IV, sind wieder mit an Bord! Aber dazu gleich mehr.

Handlung

Zeppeline über London! Nachdem der Major Alucard ein Bauernopfer brachte und dieser nun auf einem Flugzeugträger mitten im Meer festsitzt, bricht währenddessen in London das totale Chaos aus. Zeppeline über London, aus denen Nazivampire abgeworfen werden, welche sich anschließend durch die Zivilistenschar meucheln. Während Lady Integra und Sir Penwood versuchen die militärischen Instanzen funktionstüchtig zu halten, entsendet der Major Zorin Blitz zum Hauptquartier Hellsings, um sich dort um die Frauen zu „kümmern“. Der völligen Vernichtung Londons soll schließlich nichts mehr im Wege stehen…

Die Serie

OVA V ist die bisher am erwachsen wirkende Episode, obwohl der surreale „Willisland“-Einstieg (ja, der Bruce Willis!) durchaus für ein kurzes Zweifeln an dieser Tatsache sorgt… Das Schicksal Londons liegt in dieser Folge nicht in den Händen Alucards, der hier ohnehin kaum zu sehen ist, sondern in den Händen der gewöhnlichen Menschen. Und das erdet diese Geschichte, die mit den Luftschiffen zwar ziemlich abgehoben daherkommt, aber durch die Augen der ängstlichen Bevölkerung erzählt wird, nie die Bodenhaftung verliert. Denn erstmals werden die Folgen dieses Konflikts für die ganze Stadt sicht- und vor allem spürbar: Es ist ein erbitterter Kampf, der bis dahin im Untergrund geführt werden sollte und nun mit vollster Härte die Zivilbevölkerung Großbritanniens trifft. Da erstaunt es mich um ehrlich zu sein sogar etwas, dass diese OVA mit einer Freigabe von 16 Jahren durch die Zensurbehörde kam. Spätestens wenn ein Nazivampir mit einem kleinen Kind zwischen den Zähnen… Nun ja.

Es gleicht sprichwörtlich einer Achterbahnfahrt der Gefühle, zu sehen wie normale, ja unschuldige Menschen auf diese Kriegserklärung des verrückten Majors reagieren. Sir Penwood beispielsweise, General der britischen Armee und einer der engsten Vertrauten Lady Integras, muss in dieser Krise Entscheidungen treffen und wie bereits in OVA II lässt es sich kaum bestreiten, dass er ein äußerst verängstigter Mensch ist. Die blanke Furcht vor dem herannahenden Tod ist immens, doch am Ende zählt nur der Gedanke das eigene Land pflichterfüllend zu schützen und möglichst wenige seiner Untergebenen bei diesem aussichtslosen Unterfangen in Gefahr zu bringen. Manch einer nennt dies auch Loyalität.
Und genau dieser Moment, in dem Sir Penwood dies erkennt, genau das verleiht dieser Episode ihre größte Stärke. Nicht nur Monster können Monster bekämpfen, auch ein kleiner Mann als winziges Rädchen in einem viel größeren Getriebe ist notwendig, um die gesamte Maschinerie am laufen zu halten. Hier schimmert innerhalb weniger Minuten so viel Menschlichkeit durch, wie nie zuvor und liefert der brutalen Gewalt einen ebenbürtigen Kontrast, der schlichtweg beeindruckt. Vielleicht, weil man ihn nicht erwartet.

Auch wenn diese Folge nicht mehr ganz so alleinstehend daherkommt, wie die vorherigen und sich dadurch das schleichende Gefühl entwickelt hier nicht wirklich etwas antreibendes zu sehen zu bekommen, so ist diese Folge doch paradoxerweise enorm in ihrem Subtext vollgepackt und genüsslich in Szene gesetzt. Dabei werden Randfiguren wie die auf dem Cover präsentierten Heinkel Wolfe und Yumie eingeführt, die gleich mit einer schicken Kampfeinlage punkten können, oder aber auch alte Gesichter wie Pater Andersen in das Geschehen involviert. Am faszinierendsten scheint jedoch „der Kapitän“ zu sein, ein stillschweigender Offizier mit tief ins Gesicht geschobener Totenkopfmütze unter der Leitung des Majors, über den man nichts weiß. Absolut nichts. Und doch ist seine Präsenz sowie die von ihm ausgehende Bedrohlichkeit so intensiv zu spüren, wie kaum bei einer anderen Figur auf Seiten der Gegner. Von ihm geht eine ungebrochene Faszination aus, weshalb es auch schön ist, ihn hier endlich in weniger erstarrter Aktion zu erleben. Denn dass er nicht ganz menschlich sein kann, das dachte man sich schon…

Hellsing-Ultimate-OVA-V-Sir-Penwood

Das Handwerkliche

Hatte ich vorher schon das Handwerkliche von Hellsing Ultimate angerissen, möchte ich das nun vertiefen. Mit dem erfolgten Studiowechsel zwischen OVA IV und OVA V, von Satelight zu Madhouse, hat sich am Feeling der Serie rein gar nichts verändert. Allerdings sind die Zeichnungen nun ein absoluter Genuss, der kaum einen Punkt zur Kritik zulässt. Wo am Anfang schon Details durchschimmerten, jedoch immer einen faden Beigeschmack hatten, weil sie in vereinzelten Bildern zu grob wirkten, tobt sich Madhouse hier so richtig aus. Die Beleuchtung allein wirkt nun so dynamisch, dass es einem im direkten Vergleich mit den Vorgängern die Sprache verschlägt und die in Flammen stehende Umgebung perfekt in den angstverzerrten Gesichtern der Figuren widerspiegelt. Auch die Zeichnungen und Animationen wurden weiter verbessert und geizen nicht mit flüssigen Übergängen in den Bildern sowie nur so strotzendem Detailreichtum. Es ist ein riesen Schritt nach vorn, den das Studio Madhouse hier hinlegt, wodurch eine unglaublich dichte Atmosphäre in der brennenden und blutenden Stadt erzeugt wird. Unterstützt wird das ganze vom bisher abwechslungsreichsten Soundtrack unter den einzelnen OVAs. Von industriellem Rock über durchaus lässigen Jazz ist nun eine breite Palette an Sounds vorhanden, die das Geschehen begleiten. Besonders hervorgehoben sei hier der rhythmisch vorantreibende Titel Broken English, ein Cover der japanischen Band Schaft. Ursprünglich von Marianne Faithfull im Jahre 1979 performt, war der zugehörige Text damals deutlich vom europäischen linksradikalen Terrorismus inspiriert, zu dessen Klängen in der Serie nun die rechtsradikale Gruppe Millennium seine Truppen nach London entsendet und dessen begierige Vampire nach frischem Blut dürsten.

„I could have got through anytime
Cold, lonely puritan
What are you fighting for?
It’s not my security
It’s just an old war
Not even a cold war

Don’t say it in Russian
Don’t say it in German
Just say it in broken English
Just say it in broken English […]“
– ‚Broken English‘ by Schaft

Zusammen mit den gebotenen Schauwerten ist es eines der prägnantesten Stücke in der gesamten Hellsing Ultimate Reihe, welches dieses unaufhaltsame Anrücken des Feindes gekonnt in Szene setzt und mit der traurigen Historie des Krieges spielt. Was für ein fieser Ohrwurm noch dazu…

Ein weiterer Aspekt, auf den ich nun endlich eingehen möchte, ist die deutsche Synchronisation. Ich möchte keine Grundsatzdebatte anleiern und finde die originale japanische Tonspur als grundsätzliche nicht OmU-Schauerin auch absolut gekonnt und habe sie durchaus genossen. Aber die deutsche Stimmbesetzung in Hellsing Ultimate hat sich einen besonderen Platz in meinem Herzen verdient, weshalb ich ganz aus dem Häuschen war, als feststand, dass die restlichen OVAs auch in Deutschland – mit deutscher Tonspur – veröffentlicht werden. Zwar sind vereinzelte Nebenrollen nicht ganz so glücklich gewählt und wirken zuweilen etwas unbeholfen, wird dieser Punkt aber durch die Hauptsprecher mehr als nur ausgeglichen. Allein Torsten Münchow, der Vampir Alucard seine tiefe Stimme leiht, die ihn so erhaben und sadistisch, selbstgefällig und anmutig alt wirken lässt, ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Wie Münchow die einzelnen Facetten seiner Figur gekonnt vorbringt, lässt die Ohren ganz rot werden. Aber auch Simone Brahmanns tiefe Stimme für Lady Integra untermauert ihre dominante Persönlichkeit und fügt sich ausgezeichnet in ihre Rolle ein, wohingegen Shandra Schadt in der stimmlichen Rolle der unschuldig anmutenden Seras Victoria, dem Fräulein Polizistin, glänzt. Und wenn wir schon dabei sind, dann darf natürlich auch Dieter Memel als Walter C. Dornez nicht fehlen, der mit seiner eingängig entspannten Stimme dem Butler im Hause Hellsing die Stimme leiht. Bei ihm schwingt immer diese selbstsichere Art mit, die einem klar macht, dass man sich mit ihm besser nicht anlegt, selbst wenn man den Eindruck hat mit dem alten Knaben ein leichtes Spiel zu haben.
Der einzige, bei dem nicht ein bisschen Veränderung zu hören ist, ist Oliver Stritzel, der in der Rolle des Alexander Andersen so selbstgefällig und arrogant lachen kann, wie eh und je. Bravo! Demjenigen, dem diese lange Pause deutlich zu gute kam, ist der Major, gesprochen von Gerhard Jilka. Er klingt gerade zu Beginn der Episode nicht mehr ganz so hohlspitzig wie noch zuvor und der größenwahnsinnige Teil der Stimme wird nun von einem bedrohlich ernsten Tonfall begleitet, von dem eine ernstzunehmende Gefahr ausgeht. Das passt nun sehr viel besser und wertet diese Episode im kleinen Rahmen merklich auf.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass hier zwischen der letzten OVA und der aktuellsten Fassung sieben Jahre dazwischen liegen. Und man merkt diesen Bruch, wenn auch nur leicht. Die Stimmen haben sich verständlicherweise minimal in ihren Ausprägungen verändert, allerdings ist es wunderbar, auch weiterhin dieser tollen Synchronisation zu lauschen. Vielleicht würde ein kleines Spiel mit dem Soundmix der ganzen Geschichte zuträglich sein, aber das ist Meckern auf ganz hohem Niveau. Denn dort wo es darauf ankommt, funktioniert es einwandfrei.

Die Aufmachung

Wie schon zuvor wird das schicke Format des Mediabooks beigehalten. Es wirkt durch die Maserung sehr edel und hält gewiss einiges aus. Das beiligende Heftchen ist eingeklebt und ist somit vor etwaigen Beschädigungen beim ein- und ausklappen gut geschützt. Inhaltlich bietet es neben knappen Beschreibungen und ergänzendem Bildmaterial u.a. zu den Figuren des Doc sowie des „Kapitäns“ auch kurzgehaltene Informationen zu (historischen) Details wie dem „Unternehmen Seelöwe“ oder der V1-Rakete. Abschließend folgt ein zweiseitiges Interview mit Hiroyuki Tanaka dem Regisseur dieser OVA, in dem Tanaka munter über die schwierige Aufgabe spricht, der 5. OVA, nicht zuletzt auch wegen des Studiowechsels, neue Seiten abzuringen und außerdem etwaige Inszenierungsmethoden und Vorgehensweisen in ihrer Machart erläutert. Für Hintergrundinteressierte also höchst lesenswerter Stoff.
Einzig bei den Discextras wurde gespart. So lassen sich lediglich die DTS-HD MA 5.1 Tonspuren Deutsch/Japanisch sowie deutsche Untertitel auswählen. Auf nette Gimmicks wie zum Beispiel der Trailervorschau oder dem blanken Abspann wurde verzichtet. Sehr schade, denn auch in der kurzen Zeit werden kleine sehenswerte Geschichten erzählt. Nach dem Abspann weiterzuschauen lohnt sich übrigens!

Fazit

Hellsing Ultimate OVA V macht nun endgültig Nägel mit Köpfen, zeigt die abgrundtief hässlichsten Seiten des vom Major angezettelten Krieges, stellt dieser pure Menschlichkeit entgegen und zeigt dabei, dass diese Serie nicht nur vom furchteinflößenden Obervampir allein leben kann. Es ist eine willkommene Überraschung und ebnet den Pfad für unzählige Konflikte, die alle ihren eigenen (verdorbenen) Motiven folgen. Es wird außerordentlich spannend, an diesem Wendepunkt der Geschichte!

OVA I: 7,5/10 Punkte
OVA II:  8/10 Punkte
OVA III: 8/10 Punkte
OVA IV: 9/10 Punkte
OVA V: 10/10 Punkte

Hellsing-Ultimate-OVA-V-CoverHellsing Ultimate OVA V
Jahr: 2008 JP
Genre: Action, Horror, Military, Seinen, Supernatural, Vampire
Regie: Hiroyuki Tanaka | Drehbuch: Hideyuki Kurata
Animationsstudio: Madhouse
Sprecher (orig. – deutsch):
Alucard – Jouji Nakata – Torsten Münchow
Seras Victoria – Fumiko Orikasa – Shandra Schadt
Sir Integra Hellsing – Yoshiko Sakakibara – Simone Brahmann
Alexander Andersen – Norio Wakamoto – Oliver Stritzel
Walter C. Dornez – Motomu Kiyokawa – Dieter Memel
Der Major – Nobuo Tobita – Gerhard Jilka
Doc – Hiroshi Naka Gerd Meyer
Heinkel Wolfe – Mitsuki Saiga
Sir Pennwood – Masashi Hirose – Ulf J. Söhmisch

Bilder © 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE

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12 Kommentare zu „[Serie] Hellsing Ultimate OVA V (2008 JP)“

  1. Man merkt deine Begeisterung sowohl für die DVDs als auch für die Serie, toll! 🙂
    Ansonsten, schön, dass die deutsche Synchro so gut ist, das ist ja nicht immer so, obwohl es einige hervorragende Vertreter gibt (X zum Beispiel).

    PS: Bei Integra denke ich dennoch immer an einen Mann, die Zeichnung ist hier sehr maskulin. ^^

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    1. Hängt dank der Serie eben auch sehr viel Nostalgie hinten dran, wobei sie mir heute fast noch besser gefällt als damals. Aber ist toll, wenn man diese Begeisterung aus den Zeilen lesen kann. Dann ist es wenigstens nicht gänzlich vergeudete Liebesmüh. 🙂
      In der Tat: Nicht jede Synchro ist schlecht. Gibt oft angenehme Sprecherkonstellationen. Zwar nicht immer, aber oft genug.
      PS: Japp, das dachte ich in der Folge sogar auch. Die haben ihr ein extrem breites Kreuz gezeichnet, bei dem so mancher Typ neidisch werden könnte *lach*

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      1. Wieso vergeudet? Ich find es toll, zu lesen, mit welcher Begeisterung du schaust. 🙂
        Und darum geht es ja auch beim Bloggen, seine Leidenschaften (mit-) zu teilen. 😉

        Stimmt, ich schau mir die gute Integra an und denke mir, dass sie mir ruhig etwas abgeben könnte. XD

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  2. Wow – was für eine ausführliche Review, in der ja wohl so ziemlich nichts unbeachtet bleibt. 🙂 Finde ich immer sehr schön soviel Begeisterung in Animereviews rauszulesen.
    Finde es auch mal ganz erfrischend, dass du nicht um alles in der Welt OmU schauen musst. 😉

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    1. Wie ich zu pi schon sagte: Das hat auch viel mit Nostalgie zu tun, weshalb mir die Serie so am Herzen liegt. Da wird sich bei den Texten extra viel Mühe gegeben. 🙂
      Ach, diese Debatte… ich finde es schade, wie penetrant manche darauf bestehen, dass nur der O-Ton zählt und alles andere totaler Käse ist. Finde ich nicht, es gibt tolle Sprecher und je nach Studio auch stimmige Übersetzungen, auch wenn in der deutschen Synchronisation ein paar kleinere Faux pas durchaus vorhanden sind. Aber mich stört es nicht und zur Not gucke ich es eben nochmal OmU. Davon geht die Welt ja nun wirklich nicht unter. Aber um ehrlich zu sein: Für Untertitel bin ich schlicht und ergreifend zu faul (Ausnahmen bestätigen die Regel). 😛

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