[Film] The Railway Man – Die Liebe seines Lebens (2013 CH/AUS/GB)

The Railway Man ist ein Film, dessen pathetisch schnulzig anmutender deutscher Beititel beinahe eine Schmonzette ankündigt, glücklicherweise aber gekonnt um dieses erste Klischee herum schippert. Dabei ist Jonathan Teplitzkys Werk einer dieser biographischen Filme, die man auf Brechen und Biegen mögen möchte, es aber aufgrund des wichtigsten Faktors – der Narrative – nicht kann.

Es war damals Liebe auf den ersten Trailer. Die Geschichte schien zu stimmen, Tragik, die nicht zu schwülstig vorgetragen zu werden schien, schöne Bilder und die Besetzung hochkarätig. Leider hat es nicht sollen sein und The Railway Man fiel im Kino durch, lässt mich aber trotzdem seit knapp einer Woche nicht mehr los.

Handlung

The Railway Man – Die Liebe seines Lebens beginnt seine Erzählung nüchtern und stellt dem Zuschauer in bedrückenden kühlen Farben Eric Lomax (Colin Firth) vor: Ein „Eisenbahnenthusiast“ und zurückgezogen lebender Mann, der lieber für sich ist. Auf einer Zugreise begegnet er Patricia (Nicole Kidman), zu der sich Lomax zügig hingezogen fühlt. Es wäre das perfekte Leben, doch Lomax schleppt noch immer eine Last mit sich herum, die seit seiner Kriegsgefangenschaft im zweiten Weltkrieg schwere Wunden auf seiner Seele hinterlassen hat. Von Patrica und seinem ehemaligen Kameraden Finlay ermutigt, begibt er sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

Der Film

Was so vielversprechend klingt, scheitert, wie eingangs schon erwähnt, an nur einer Sache: Die Erzählweise. Mittels Rückblenden in Lomax‘ Vergangenheit, als sein Trupp in die ungnädigen Hände der Japaner in Thailand fällt und diese gezwungen werden, an der „Death-Railway“ zu arbeiten, um eine Eisenbahnlinie zwischen Thailand und Burma zu erbauen, zeigt der Film in satten Bildern die schweißtreibende Vergangenheit, mit der sich damals dutzende amerikanische Kriegsgefangene konfrontiert sahen.  Wer den Aufsehern nicht gehorchte wurde unerbittlich bestraft und auch vor etwaigen drastischen Bildern schreckt The Railway Man nicht zurück. Es geht durch Mark und Bein, wenn hier gefoltert und gestraft wird, man die untersetzten Arbeiter sieht und erkennt, wie der Wille eines jeden Einzelnen immer weiter sinkt.
Gerade in diesen Rückblenden zeigt sich die ganze Qualität dieses biographischen Films. Die Jungdarsteller, angeführt von Jeremy Irvine als junger Eric Lomax, spielen ihre Parts makellos und laden förmlich zum mitleiden ein. Doch genau das wird durch die erkaltete und erzwungen nüchterne Erzählstruktur der Gegenwartsebene verhindert. Auch hier gibt es im Grunde nichts an den Darstellern zu kritisieren. Einzig an der Narrative, die es nicht schafft, beide Zeitebenen flüssig miteinander zu verbinden, sie zu kitten und stimmig zusammenzufügen. Der „Flow“ der Geschichte geht in den zu kontrastierten Bildern beider Ebenen unter, die verregnete Atmosphäre in der Gegenwart erdrückt zu gewollt und verhindert eine natürliche Empathie gegenüber dem Gepeinigten. Da hilft auch kein krampfhaftes „mögen wollen“ seitens des Zuschauers, es funktioniert einfach nicht, auch wenn manche Bilder in ihrer Effektivität durchaus auf eine Schwelle mit denen aus 12 Years a Slave zu stellen sind. Hier wird schonungslos eingeschlagen und getränkt, eingepfercht und versklavt. Natürlich gehen einem die Figuren nicht komplett vorüber, aber man spürt förmlich, dass da so viel mehr drin gewesen wäre, als es letztendlich gezeigt wird. Auch das ist ein Punkt der sich bemängeln ließe: Die charakterbildenden Momente werden zwar sichtbar ausgebreitet, jedoch an den interessanten Stellen zu abrupt abgehakt. Es gäbe noch so viel zu erzählen, doch das ständige Ziehen an der Reißleine um ebenjenes erzählenswerte unter den Teppich zu kehren, verhindert ein völliges Abtauchen in die erschreckende Brutalität des Films und ihrer sonst so feingeschliffenen Figuren.
Das ist wohl das traurigste an diesem sonst so ausdrucksstarken Film, dessen Botschaft zu kaum einer Zeit mit der Moralkeule in die Köpfe der Zuschauer eingehämmert werden, sondern schlicht und ergreifend an die Menschlichkeit appelliert. Und zumindest am Schluss sitzt man dann mit einem Kloß im Hals da, wenn Gepeinigter und Peiniger aufeinandertreffen und man erkennt, dass sie beide nicht unversehrt geblieben sind. Großartig gespielt und gezeigt von Colin Firth als Eric Lomax und Hiroyuki Sanada in der Rolle des japanischen Übersetzers Takashi Nagase.

The Railway Man – Die Liebe seines Lebens macht so vieles richtig, scheitert jedoch beständig daran, seine erschreckend bedrückenden Bilder in einen erzählerischen Fluss auf der Leinwand fließen zu lassen. Schauspielerisch vollkommen fehlerfrei, verhindert einzig die Narrative genau das, auf was der Film eigentlich hinaus will: Mit seinen Figuren mitleiden lassen, ohne dass die Bilder die zu fühlenden  Emotionen so offensichtlich diktieren. Hier wirkt es zu gewollt und künstlich, als das sich an diesem wichtigen Punkt etwas drehen ließe, weswegen dieser Film nur wiedermal aufzeigt, wie wichtig eine packende und dichte Erzählung im Umgang mit solchen schweren Themen sein sollte und was passiert, wenn sie es eben nicht ist.

6/10 Punkte

The-Railway-Man-Poster-(via-kino.de)The Railway Man – Die Liebe seines Lebens [The Railway Man]
Jahr: 2013 CH/AUS/GB
Regie: Jonathan Teplitzky | Drehbuch: Frank Cottrell Boyce, Andy Paterson
Cast:
Colin Firth, Jeremy Irvine, Nicole Kidman, Stellan Skarsgård, Sam Reid, Tanrō Ishida, Hiroyuki Sanada

Bilder © The Railway Man – Die Liebe seines Lebens / Studio Canal / Koch Media | Poster via kino.de

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11 Kommentare zu „[Film] The Railway Man – Die Liebe seines Lebens (2013 CH/AUS/GB)“

  1. Ah okay, also konntest du dem Film doch was abgewinnen. Hatte bei deinem Kommentar unter meinem Beitrag das Gefühl, dass der Film gar nix für dich war 😉 Verschenktes Potential ist immer schlecht, aber die zweite Hälfte hats für mich deutlich mehr rausgeholt. Anfangs ging es mir ähnlich und ich hatte wenig Mitgefühl für Lomax, hat sich aber gelegt und der Film sitzt mir irgendwie immer noch in den Knochen.

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    1. Der wächst IMO noch ein wenig mit etwas Abstand. Verteufeln möchte ich ihn gar nicht mehr, dafür war alles andere zu gut gemacht.
      In der zweiten Hälfte wird er wirklich erdrückend, kann ich nachvollziehen wenn die Wertung dadurch nochmal nach oben schnellt.

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  2. Da kommst du zu einer ähnlichen Bewertung wie ich. Genau dieses Gefühl, das du beschreibst („Filme, die man auf Brechen und Biegen mögen möchte“), hatte ich auch. Deswegen war ich ja regelrecht sauer, als ich rauskam aus dem Kino. So eine tolle Botschaft – so schlecht verpackt. Die Botschaft würde ich gerne weitergetragen sehen, aber den Film würde ich niemandem so recht empfehlen…

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    1. Nach dem Kino war ich direkt geknickt, genau so wie du. Mit einer Woche Abstand allerdings, finde ich ihn nicht mehr soo schwach. Das Drumherum stimmt und ich werde ihn mir sicherlich nochmal ansehen. Wobei mir eben auch die Vergangeheitsebene sehr zugesagt hat.

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