[Literatur] Doctor Who: Die Blutzelle (2015)

Ich schaute zurück auf die Bilder der Zellenkamera und erschrak. Es war beinahe, als starre 428 mich direkt durch die Linse an. Diese Augen. Diese furchtbaren Dinge, die sie gesehen hatten.
Hastig trennte ich die Verbindung. Und dann plärrte der Alarm richtig los.

Handlung

Ein Gefängnis auf einem Asteroiden, irgendwo am Rande des Universums: Nur die grausamsten Verbrecher finden hier ihren Platz – fernab jeglicher Zivilisation. Eines Tages wird ein Mann eingeliefert: Gefangener 428. Er soll der schlimmste von allen sein, zahlreiche Lebewesen fielen ihm im Laufe der Zeit zum Opfer. Ein Mann, mit einem vorauseilenden Ruf.
Doch ein anderer Rufname wäre ihm lieber. Denn er ist… der Doktor.
Insasse 428 unternimmt während seiner auf Lebenszeit angesetzten Haftstrafe ständig Fluchtversuche, um sich Gehör beim Gouverneur des Gefängnisses zu verschaffen: „Es werden Morde geschehen.“ Der Gouverneur jedoch weist ihn ständig zurück und hält ihn für verrückt. Doch dann passiert es und niemand weiß wer oder was es ist…
Und wer ist eigentlich die adrett gekleidete Frau, die den Doktor jeden Tag besuchen kommt…?

Das Buch

Die Geschichte wird aus Sicht des Gefängniswärters erzählt, der gleich zu Beginn schon Ärger riecht, als er dem ominösen Gefangenen 428 zum ersten Mal gegenübersteht. Von der Dreistigkeit dieses Mannes sichtlich überrascht, versucht der Gouverneur schlau aus dem Verhalten seines neuesten Zugangs zu werden, doch es will ihm nicht gelingen. Zumal der Gefangene mit seiner schnippischen Art alles andere als leicht im Umgang zu sein scheint. Trotz aller Zweifel und der dicken Akte, die über 428 existiert, versucht er mit dem „Doctor“ zurechtzukommen. Denn eigentlich möchte er das Gefängnis ruhig und entspannt leiten, ohne dass es dabei zu Zwischenfällen kommt. Aber der Doctor wäre nicht der Doctor, wenn genau das nicht passieren würde…

Die Sache mit 428 ist, dass er nie mit seiner Tour aufhörte. Es war genau das, was mich plötzlich ungeheuer wütend machte. Dieses Gehabe von ruhigem, arroganten Amüsement.

Es ist das erste Romanabenteuer des 12. Doctors und zugleich mein erster Roman aus der unglaublichen Masse an Printmedien zur Serie. Und um ehrlich zu sein: Am Anfang hatte ich selten das Gefühl, es hier mit Doctor Who in spe zu tun zu haben. Die Blutzelle liest sich flott, spart nicht mit Ironie und Action. Aber vom Wesen her hat es noch nicht ganz gepasst, was dem Schreibstil geschuldet sein mag. Dadurch dass der Leser alles aus der Sicht des Gouverneurs erlebt, herrscht schon von Beginn an eine Distanz, die schwer zu überbrücken scheint. Zumindest hat man selten das Gefühl, beim Doctor würde es sich um den Doctor handeln. Zwar ist seine schnippische und nicht minder überhebliche Art auch hier zu genießen, aber es greift in den ersten Berührungspunkten noch nicht so ganz. Stattdessen hat man das Gefühl, es hier mit gleich mehreren Inkarnationen zu tun zu haben, so wie die Probleme von dem Mann angegangen werden. Was allerdings auch der Tatsache geschuldet sein mag, dass er hier ausnahmsweise mal nicht aus seiner TARDIS in das Abenteuer stolpert, sondern es damit beginnt, dass er sich für seine Taten verantworten muss…

Etwas überrascht hat mich die Deftigkeit, mit der es hier gerade zum Ende hin erstaunlich explizit wird. Es ist ungewöhnlich für den Helden, der statt einer Waffe lieber einen Schallschraubenzieher mit sich herumträgt, mit dem er wiederum Sachen auf gewisse Weise repariert, ohne Gewalt anwenden zu müssen. Daher ist dieser gewaltbereite Kontext, sowie die recht plastischen Bilder innerhalb der Geschichte vielleicht zu anfang noch überraschend, bei genauerer Betrachtung fügt es sich jedoch nahtlos in die Geschichten des 12. Doctoren ein, der auch in der Serie schon nicht ganz ohne handelte, wenn es die Situation nunmal erforderte. Dennoch bleibt nicht nur der lakonisch ironische Unterton dieser Heldenfigur erhalten, sondern auch sein Einsatz für den Umstand, dass jeder Mensch, jedes Wesen gleich ist und er oder sie sich schon mächtig ins Zeug legen muss, um den Time Lord zu verärgern oder gar abzuschrecken. So folgen beispielsweise kurze Monologe wie der folgende, die trotz seiner Marotten die Güte in seinen Handlungen durchschimmern lassen:

Ich werde Ihnen etwas erzählen, Herr Gouverneur. Dort draußen? Der wunderschön funkelnde Nachthimmel? Jedes Fünkchen setzt ein tapferes Gesicht auf. Jedes einzelne hat seine eigenen Probleme. Und irgendwann komme ich dazu, mich darum zu kümmern. Aber im Moment haben Sie für mich Priorität.

Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wem ich Die Blutzelle nun eher empfehlen soll: Den hartgesottenen Whovians, die stellenweise eine schöne Ergänzung zur Serie erhalten, oder doch eher den Science Fiction-Fans allgemein? Es liest sich ruck zuck, ohne dass Hintergrundwissen der Serie vorausgesetzt wird und es dadurch zuweilen wie eine gewöhnliche Sci-Fi-Novelle wirkt. Der Preis von 12,80€ für 260 Seiten ist zwar arg ambitioniert, aber wer auf eine deftige Handlung mit Hang zur Ironie steht, der kann durchaus zugreifen. Das Doctor Who-Feeling ist durchaus vorhanden, auch wenn man ganz sicher keine feinfühlige Serienepisode erwarten darf. In die kommenden Geschichten Silhouette und Der kriechende Schrecken werde ich wohl dennoch reinschauen, denn für kurzweilige Unterhaltung sorgt allein dieser Roman auf alle Fälle.

3/5 Punkte

© BBC/Doctor Who/Cross Cult via thalia.de
© BBC/Doctor Who/Cross Cult via thalia.de

Doctor Who: Die Blutzelle [Doctor Who: The Blood Cell]
Autor: James Goss
Erscheinungsjahr: 2015 (dts)
Verlag: Cross Cult
Ausgabe: 05/2015
Seiten: 260
ISBN-10: 386425745X
ISBN-13: 978-3864257452
1. Abenteuer des 12. Doctors

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13 Kommentare zu „[Literatur] Doctor Who: Die Blutzelle (2015)“

  1. Hm, schwierige Sache. Als jemand, der nie Dr. Who gesehen hat, fehlt mir schon der Bezug zum Stoff. Dazu kommt, dass ich den Preis dann doch arg happig finde, und die Befürchtung hege, dass ich, falls ich Gefallen daran finden sollte, doch noch die Serie sehen möchte. 😳
    Aber das wäre ein Fass ohne Boden, also mach ich trotz deiner Empfehlung mal lieber einen Bogen und bleibe Nicht-Whovian. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Vielleicht fällt es dir ja mal „günstig in die Hände“… 😉 Nee, ernsthaft: Ich weiß wirklich nicht, wem ich zu diesem Büchlein eher raten sollte, da es beide Seiten durchaus anspricht.

      Oii, so schlimm wäre das ja gar nicht! *grins*
      Aber mal unter uns: Dann lieber mit der Serie anfangen, als mit dieser Geschichte. Irgendwann schube ich dich noch über diesen Abgrund. 😛

      Gefällt 2 Personen

      1. Naja, in meinen Händen landen viele Bücher, Games und DVDs, also, wer weiß? 😀
        Hahaha, ja klar, führe mich nur wieder in Versuchung! :mrgreen:
        Klar, das denk ich mir auch, wenn, dann fang ich mit der Serie an, aber ob ich mich da so leicht reinschubsen lasse? 😛

        Gefällt 1 Person

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