[Serie] Hellsing Ultimate OVA VI (2009 JP)

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Und da wären wir auch schon wieder mit der nun 6. OVA zu Hellsing Ultimate. Es war im Prinzip nur eine Frage der Zeit, doch jetzt ist der Fall der Fälle eingetreten, von dem sich die Serie bisher mit ausdauernder Beständigkeit fernhalten konnte. Welcher gemeint ist?

Handlung

Die Stadt London hat sich in eine wahre Hölle verwandelt. Unschuldige werden von Nazivampiren niedergemetzelt und verwandeln sich selbst in Vampire und Ghouls. Das erfreut nicht nur den Major des letzten Bataillons, sondern auch Bischof Maxwell, den Leiter der XIII. Abteilung des Vatikan, Iscariot. Dieser zieht nun selbst ein katholisches Heer zusammen, während Leutnant Zorin Blitz das Hellsing Hauptquartier ins Visier nimmt.

Die Serie

Zum ersten Mal in der Serie macht sich der Gedanke breit, mit OVA VI einen Lückenfüller serviert zu bekommen. Die Handlung selbst wird nicht unmittelbar vorangetrieben, stattdessen offenbart sie einen Überblick der Situation: London ist ein flammendes Inferno, die Katholiken wollen alle Ungläubigen, Dämonen und Ketzer brennen sehen, Integra steht unter der Obhut Pater Andersens, Alucard nähert sich langsam aber sicher dem britischen Festland und Seras muss sich mit der Söldnergruppe „Wild Geese“ auf einen harten Kampf gegen die vom Major entsandte Zorin Blitz einstellen. Etwas anderes bekommt der Zuschauer diesmal auch nicht geboten, was jedoch schlimmer klingt, als es letzlich ist.

Denn auch hier mangelt es nicht an charismatischem Humor (speziell ausgehend von ‚mon dieu‘ Pip Bernadotte, dem Anführer der Söldnereinheit) und abgedrehten Einfällen. So nimmt es Seras beispielsweise im Alleingang mit einem deutschen Zeppelin auf, der mal eben so 24 V1-Raketen auf einen Schlag abschießt, während Fräulein Polizistin vollkommen tiefenentspannt ihre neue Waffe, die 30mm Halconnen 2, einweiht. Und dieses 350kg schwere Bleigerüst hat einen Wumms, bei dessen Rückstoß es einen normalen Menschen wohl vom Dach des Hellsing Anwesens pusten würde. Gegen die herannahende Gefahr ist jedoch jede Geschossgröße eine Nummer zu klein, denn es kommt wie es kommt und Blitz überlebt den Abschuss mit einer Handvoll Männer, die sich rechtzeitig aus dem brennenden Gerüst der „Graf Zeppelin“ retten können. Getrieben von lakonischer Blutgier sieht es für die verschanzten Hellsingtruppen furchtbar aus; Es ist, als würde der Tod direkt an die schweren Eichentüren des Ordens klopfen. Und um das vollends auszukosten, nimmt sich die OVA selbst etwas Zeit, um sich vor dem unausweichlichen Kampf ihren Figuren zu widmen. Gerade die nicht ganz unwichtigen und in gleichen Maße als Katalysatoren dienenden Randfiguren bekommen tiefere Einblicke in ihr Seelenleben spendiert. Speziell Captain Bernadotte, der hier seinen ganz eigenen Charme spielen lässt und sich mit Leichtigkeit ins Herz des Zuschauers stiehlt. Seine Neckereien mit Seras, der Respekt, mit dem er ihr von nun begegnet…
Er weiß um die drohende Gefahr. Dennoch muss er seiner Rolle als Anführer nachkommen. Seiner Männer wegen. Auch wenn es nur Söldner sind, die für ein bisschen Kleingeld ihre Loyalität verkaufen: Ein Rest Ehre ist ihnen noch verwahrt geblieben. Doch was nützt Ehre in dieser bevorstehenden, ja man kann es schon fast als Schlacht betiteln?
All das, was sich zuvor in OVA V nur im Hintergrund abspielte, auf das in Gedanken hingearbeitet wurde, wird nun mit bestürzenden Bildern gezeigt, in denen die Hoffnungen der Beteiligten immer weiter sinken.  Es ist eine regelrecht ungemütliche Episode, in der sich kein strahlend unbefleckter Held hervortut. Krieg ist Krieg, und Krieg ist hier gleichzusetzen mit dem herannahenden Tod, der mit aller Härte zuschlägt. Denn die Frau mit der Sense klopft unermütlich an die Türe…

Zorin Blitz scheint schon von vorn herein ein ganz anderes Kaliber zu sein, als beispielsweise noch Rip van Winkel in OVA IV. Dieser weibliche Hüne, Muskel- und Tattoobepackt und eine glänzende Sichel geschultert, strahlt alles andere als junge Unschuld aus. Noch dazu verfügt sie über übernatürliche Fähigkeiten, die sie durch Experimente der Nazis zur Züchtung von Untoten zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs erhielt. Und diese Eigenschaften dienen nur dem einen Zweck: Hellsing vernichten. Allen voran Seras Victoria, die Blitz ein persönlicher Dorn im Auge ist. Seras hingegen muss nun alles daran setzen, die gegnerische Macht aufzuhalten, denn auch sie weiß: Gegen Vampire haben die Söldner kaum eine Chance. Dabei lässt sie von ihre eigenen Überzeugungen ab und zumindest in angeschnittenem Rahmen lässt sich beobachten, wie das junge Fräulein Polizistin immer tiefer in ihre Rolle als Vampirin schlüpft. Doch die letzte Grenze wird erst in der nächsten OVA überschritten…

Es ist etwas schade zu sehen, wie sich hier vieles im Stillstand zu befinden scheint. Zwar werden auch hier wieder Einzelschicksale wie das von Bischof Maxwell etwas genauer unter die Lupe genommen, doch wirklich voran kommt diese OVA nicht. Dafür lässt sich durchaus erkennen, wie die Vorbereitungen auf das alles überstrahlende Finale großzügig und nicht minder größenwahnsinnig angepackt werden und die zerstörerische Auseinandersetzung unausweichlich näher rückt. Vielleicht braucht es in diesem Schlachtengetümmel auch nur einen Alucard, der hier leider wieder nur sein Dasein als Randfigur fristen darf, anstatt mächtig auszuteilen.
Doch das lässt die Lust auf die nächste OVA nur noch größer werden, statt die eigenen Erwartungen sinken zu lassen.

Fazit

Es grenzt schon fast an ein Wunder, erst jetzt in OVA VI leichte, ganz leichte Ermüdungserscheinungen zu sehen. Die Handlung tritt weitestgehend auf der Stelle und kündigt stattdessen die große Ankunft Alucards und das bombastische Zusammentreffen aller Beteiligten an. Es wirkt fast so wie das Luftholen vor dem großen Sturm. Und der wird mit Sicherheit gewaltig.
Hellsing Ultimate OVA VI lehnt sich erstmalig etwas zurück und präsentiert wie gewohnt harte und explizite Bilder, wenngleich man diese in früheren OVAs bereits ausführlicher betrachten konnte. Immerhin lassen die Extras wieder aufhorchen, denn es gibt wieder den blanken Abspann zu bestaunen, der sich in Comicreliefmanier mit dem Geschehen der Folge befasst. Darüber hinaus gibt es ebenfalls wieder kleine Infohäppchen im Booklet und ein höchst lesenswertes Interview mit Storyboard- und Animationsregisseur Hisashi Abe (u.a. X – Der Film und Vampire Hunter D).

Kleine Randnotiz: Die in der vorigen Review angesprochenen Abmischungen der Synchronspuren fielen hier nicht negativ auf. Es klingt tatsächlich wieder so, wie zu Erscheinen der ersten vier OVAs. Saubere Arbeit, Nipponart!

OVA I: 7,5/10 Punkte
OVA II:  8/10 Punkte
OVA III: 8/10 Punkte
OVA IV: 9/10 Punkte
OVA V: 10/10 Punkte

OVA VI: 6,5/10 Punkte

Im Handel ab dem 31.7. erhältlich – ungeschnitten natürlich.

Hellsing-Ultimate-OVA-VI-CoverHellsing Ultimate OVA VI
Jahr: 2009 JP
Genre: Action, Horror, Military, Seinen, Supernatural, Vampire
Regie: Hiroyuki Tanaka | Drehbuch: Hideyuki Kurata
Animationsstudio: Madhouse
Sprecher (orig. – deutsch):
Alucard – Jouji Nakata – Torsten Münchow
Seras Victoria – Fumiko Orikasa – Shandra Schadt
Sir Integra Hellsing – Yoshiko Sakakibara – Simone Brahmann
Alexander Andersen – Norio Wakamoto – Oliver Stritzel
Der Major – Nobuo Tobita – Gerhard Jilka
Enrico Maxwell – Hideyuki Tanaka – Matthias Klie
Heinkel Wolfe – Mitsuki Saiga
Pip Bernadotte – Hiroaki Hirata – Ole Pfennig

© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE

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5 Kommentare zu “[Serie] Hellsing Ultimate OVA VI (2009 JP)”

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