[Film] Revenge of the Green Dragons (2014 US/HK)

Als damals der erste Trailer zu Revenge of the Green Dragons, einer Zusammenarbeit der Macher von Infernal Affairs und Martin Scorsese, das Licht der Welt erblickte, war mir das Resultat schon zu nüchtern. Dennoch, die Hoffnung stirbt für gewöhnlich zuletzt und das beide Parteien durchaus etwas auf dem Kasten haben, ist auch ein nicht zu vernachlässigender Fakt. Kann also nur gut werden…?

Tagträumer
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Der Zuschauer begleitet die zwei Jungs Sonny und Steven, wie sie in Amerika mit ihrem Flüchtlingsleben klarkommen müssen. Keine Familie, kein Geld, die Arbeit als Tellerwäscher in einem abgeranzten Chinarestaurant stinkt und Freunde finden die beiden auch nicht so leicht. Die Pflegemutter ist sowieso nur scharf auf das ihr zustehende Geld und so müssen sich die beiden irgendwie alleine durchschlagen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich mit einer der unzähligen Gangs im Chinesenviertel konfrontiert sehen, deren Jacken sie zügig tragen und sich in ihrer Hierarchie rasch hocharbeiten. Irgendeine Familie braucht ja jeder und diese gewährt ihnen zumindest Schutz. Den gibt es allerdings nicht umsonst.

Kann also nur gut werden…?
Nein. Zwar schaffen es Scorsese, Lau und Loo durchaus, eine treffsichere 80er Jahre New York Gangatmosphäre aufzubauen, doch das ist auch schon alles, was ihnen hier gelingt. In diesem auf wahren Begebenheiten beruhenden Thriller, der von chinesischen Flüchtlingen handelt die sich ein besseres Leben im Stile des amerikanischen Traums erhoffen, gelingt nichts, aber auch rein gar nichts. Von stumpfen Gangfilmen zusammengeklaubte motherfu**ing Floskeln, über Vulgaritäten bis hin zu harten Gewalteinstellungen dümpelt Revenge of the Green Dragons ohne nennenswerte Höhepunkte wahllos vor sich hin und schafft es nur vage, wenigstens eine Figur zu präsentieren, mit der man in diesem Chinaghetto mitleiden kann. Die meisten werden von vornherein entweder völlig überzogen dargestellt, oder sind diese typischen Ghettobubis, die auf dicke Hose machen, um mit ihren Wummen den Macker raushängen zu lassen. Gut, ist eben Gangstamilieu. Doch selbst der Versuch, dabei eine einigermaßen sinnvolle Geschichte zu erzählen, scheitert ebenso wie der ganze Rest. Zu lustlos aneinandergereihte Szenen verhindern das Aufkommen von Spannung und irritieren in ihrer willkürlich gewählten Figurenkonstellation den Durchblick. Ray Liotta, der hier endlich mal wieder ein bisschen von seiner Spiellust zeigen kann, ist im Prinzip nichts weiter als ein kleiner Störfaktor im großen Ganzen, während Harry Shum Jr. als Paul Wong, dessen Rolle mir aufgrund des mangelnden Interesses sowieso schon wieder entfallen ist, keine Ahnung was macht. Einzig Sonny (Justin Chon), kann einem zumindest Teile des Dramas schmackhaft machen, aber auch hier ist es mit schniefendem Erzählen aus dem Off nicht getan.

Als wäre das alles noch nicht genug, wirkt der Film wie ein Musikclip, der zwar in den Anfangsminuten durchaus über einen gewissen Stil verfügt, aber zusehends zu einem so unangenehm hektischen Schnittgewitter verkommt, dass allein dieser Fakt schon Zweifel an der Regie aufkommen lässt. Hier gibt es all das, was Andrew Lau (/Wai-Keung Lau) und Andrew Loo in ihrem dreifachen Meisterstück Infernal Affairs so perfekt aufeinander abgestimmt haben, nicht. Es ist dieser Fakt, der umso mehr schmerzt, weil man doch ganz genau weiß, was allein diese beiden können. Und wo hier Martin Scorsese drin sein soll? Nunja, ein Gangsterepos ist das nicht gerade.

Ironischerweise sind es dann die besten Momente des Films, wenn sich die beiden Regisseure in den letzten Augenblicken mehr schlecht als recht selbst kopieren (siehe Headerbild und vergleiche mit diesem hier, das Finale zeigt es noch deutlicher)
Revenge of the Green Dragons hätte als Hong Kong Film bestimmt super funktioniert, im Amisetting hingegen wirkt vieles einfach zu lächerlich aufgesetzt, um es tatsächlich für voll nehmen zu können. Schonungslose Darstellung? Vorhanden. Interessiert das hier aber? Nope. Hier tun sich viel zu viele Baustellen auf, da hätte man das Gebäude besser gleich eingerissen.

3/10 Punkte

Revenge-of-the-Green-Dragons---CoverRevenge of the Green Dragons
Jahr: 2014 US/HK
Regie: Andrew Lau (/Wai-Keung Lau), Andrew Loo | Drehbuch: Michael Di Jiacomo, Andrew Loo
Cast:
Justin Chon, Kevin Wu, Harry Shum Jr., Eugenia Yuan, Leonard Wu, Jin Auyeung, Jon Kit Lee, Shuya Chang, Alex Fox, Michael Gregory Fung

Trailer (engl.):

Bilder © Koch Media

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10 Kommentare zu “[Film] Revenge of the Green Dragons (2014 US/HK)”

  1. Och, wie schade.. Dabei denkt man, bei dem Personal könne nichts schief gehen. Naja, Scorsese hat bei mir mit WOWS eh einiges verspielt – wobei ihn als Produzenten sicher die geringste Schuld trifft…

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        1. Im Prinzip ist meine Aussage ja auch doof. Es ist ein amerikanischer Film, der über chinesische Flüchtlinge in New York handelt. Also eigentlich müssten die Macher ihr Ziel ja erfüllt haben. Daher muss ich das nochmal klarstellen: Speziell die Gangszenen waren mir zu amerikanisch abgekupfert. Vielleicht hat das ja in der Realität tatsächlich auf die chinesischen Banden abgefärbt, aber ich hoffe du kannst nachvollziehen was ich damit meine. Es gibt nichts amerikanisches im Film, womit man das Verhalten der Gangmitglieder vergleichen könnte. Ach was weiß ich… 😉

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          1. Ich verstehe genau was du meinst. HK Regisseure sollten eigentlich so einer Produktion noch einen gewissen Spin in Richtung Heimat geben. So wie STOKER sich beispielsweise auch absolut nicht rein amerikanisch anfühlt…

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            1. Ganz genau. STOKER werde ich auch mal in Angriff nehmen müssen. Schätze aber, dass er es schwer haben wird. Es ist nur immer schade, wenn diese talentierten Regisseure kaum in Hollywood ankommen, sich schon alles darauf ausrichtet. War bspw. bei John Woo ja auch nicht anders. Zumindest ging er Schritt für Schritt weiter Richtung Hollywood, ehe man seinen Stil kaum noch nachvollziehen konnte.

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                1. Upps, da haben die Augen doch glatt das „nicht“ verschluckt. Dann ist das natürlich sahne.
                  Aber wo wir schon dabei sind: Du hast ja scheinbar MY BLUEBERRY NIGHTS von unserem „Liebling“ Wong Kar-Wai schon gesehen. Der reizt mich ja null, aber wenn man ihn jetzt einzig und allein unter dem Aspekt der Ästethik betrachten würde, wie er sich damit auf amerikanischem Boden auseinandersetzt, dann könnte es doch ganz spannend sein?

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