[Serie] How to Get Away with Murder – Staffel 1 (2014 US)

Viola Davis. Viola fu**ing Davis. Wer vor diesem Pitbull im Hör-/Gerichtssaal nicht vor Furcht im Sitz herunterrutscht, der hat wohl zu viel Selbstvertrauen.

How to Get Away with Murder ist eine erfrischende Serie, die sich nicht in eine Schublade stecken lässt.

Was anfängt wie eine Stunde vor Gericht (nur im Unihörsaal der juristischen Fakultät), entpuppt sich zügig als handlungsübergreifender Mordfall, der die gesamte Staffel über für Twists und Turns sorgt, ohne sich dabei totzulaufen. Viel mehr werden Indizien gestreut, über die man sich den Kopf zerbricht, eigene Theorien entwickelt und immer wieder an den Aussagen der Beteiligten zweifelt. Es ist die pure Freude, Viola Davis in dieser skrupellosen Rolle der Annalise Keating zu sehen, die das Unmögliche regelmäßig möglich macht. Sie boxt ihre Klienten aus den schwersten Fällen vor Gericht raus und kommt damit durch. Weil sie es kann. Und weil sie weiß, wie das juristische System funktioniert. Sie ist abgeklärt, unnahbar und vollkommen fokussiert. Und doch überrascht diese Serie, die sich im Prinzip nur um das im Titel angesprochene Thema dreht, mit vielschichtigen Figuren. Am Anfang mögen diese vielleicht uninteressant wirken und nach abgedroschenen Strickmustern entworfen sein, im weiteren Verlauf der Serie bekommen sie aber alle ihre Ecken und Kanten und wandeln sich. Ob zum guten oder schlechten… da ist für jeden etwas dabei.
Aber das geile ist, wie sie allesamt ihre Pokerfaces tragen. Annalise Keating scheint so unnahbar zu sein, so gefühlskalt wie eine Statue und dann kommt Episode 4, die nebenbei bemerkt einen der besten musikalischen Einsätze mit sich bringt, den ich je gesehen habe (Spoiler). Der Soundtrack von Photek gehört sowieso gesondert erwähnt, denn dieser treibt die Spannung zum jeweilien Folgenende noch ein ganzes Stück weit höher, als es die Bilder und die Handlung allein können. Das Zusammenspiel dieser Ebenen ist ausgeklügelt, fein akzentuiert und weiß ganz genau, wie man prägnante Einstellungen kreiert.
Hier lässt sich niemand in die Karten blicken, man stellt unzählige Aussagen in Frage, denkt sich, dass der und die, die und der, irgendetwas im Schilde führen und dann überrascht die Serie wieder und wieder, deckt neue Kleinigkeiten auf und und und.

Die Machart kann unter Umständen anstrengend sein, gerade die unzähligen Flashbacks zehren anfangs etwas an der Geduld. Sobald man sich jedoch daran gewöhnt hat, sitzt man mit Argusaugen vor dem Fernseher und versucht möglichst viele Informationshäppchen aufzuschnappen, um sich ein eigenes Bild des Tathergangs zu bilden. Das Konzept geht vollkommen auf und sorgt für durchgehend intensive Spannung. Ob das für Staffel 2 auch funktioniert steht in den Sternen. Aber diese Staffel… verknüpft so viele Aspekte einwandfrei miteinander und leistet sich bis auf die etwas aus dem Ärmel geschüttelte Auflösung ein hinterhältiges Katz- und Mausspiel, das einen am amerikanischen Rechtssystem zweifeln lässt.

How to Get Away with Murder macht Spaß. Noch viel mehr Spaß macht es, wenn man die 15 Folgen mit jemandem zusammen guckt und sich nach den Episoden zusammensetzt und eigene Theorien zur Tat ausheckt. Die Anzahl an Möglichkeiten erscheint hier riesig.
Diese Serie macht einen zum wissbegierigen Jurastreber, der eigentlich nur eine Frage hat. Nämlich „Wie man mit Mord davon kommt“. Staffel 2 kann kommen!

Die erste Staffel läuft ab dem 2. September jeweils in Doppelfolgen um 20:15 auf VOX.

8,5/10 Punkte

HowToGetAwayWithMurder---PosterHow to Get Away with Murder
Jahr: 2014 US
Idee: Shonda Rhimes
Cast:
Viola Davis, Billy Brown, Alfred Enoch, Jack Falahee, Katie Findlay, Aja Naomi King, Matt McGorry, Karla Souza, Charlie Weber, Liza Weil, Tom Verica, Conrad Ricamora, Megan West, Arjun Gupta

Trailer (orig.):

Bilder via imdb.com [© 2014 American Broadcasting Companies, Inc.]

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10 Kommentare zu “[Serie] How to Get Away with Murder – Staffel 1 (2014 US)”

  1. Soundtrack von Photek? Wie geil ist das denn? Der Mann ist einer der absoluten Drum and bass und Jungle Urgesteine! Allein wegen dem score muss ich das jetzt sehen (es klingt aber generell interessant)…

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      1. Als Klassiker gelten seine Alben FORM & FUNCTION (1998) und SOLARIS (2000). Vorher hatte er aber auch einen Haufen Singles, die in der Drum & Bass Szene ziemlich eingeschlagen sind, z.b. NI TEN ICHI RYU (Kennt man vom Soundtrack zu BLADE) oder RINGS AROUND SATURN. Er gehörte damals auch zu einer Gruppe Künstler um das Label METALHEADZ, welches den Sound der ganzen Musikrichtung (zumindest der düsteren Facetten davon) maßgeblich geprägt hat. Anfang der 2000er wurde es gefühlt etwas ruhiger, dann kam er mit nem eigenen Label und (aus DJ Sicht) ziemlichen Abgeher-Singles zurück. Dazu kommt, dass er neben dem Namen Photek auch unter mindestens zehn Pseudonymen veröffentlicht hat, teilweise recht experimentelles, oder eher dancefloor orientiertes Zeug (z.b. Als Special Forces oder The Sentinel). Goldgrube der Typ 😉

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