[Serie] Terror in Tokio (2014 JP)

Gut, dem Hype wird Terror in Tokio nicht ganz gerecht, dafür wird die ansprechende Prämisse zu allgemein gehalten und nicht minder platt aufgelöst. Aber…

Handlung

Japans Hauptstadt Tokio wird terrorisiert. Zwei junge Burschen, „Nine“ und „Twelve“, die auf einer bekannten Videoplattform unter dem Pseudonym „Sphinx“ auftreten, stellen die Polizei vor ein Rätsel und drohen derweil mit weiteren Anschlägen.
Polizist Kenjirou Shibazaki, der auf den Posten eines Archivars strafversetzt wurde, nimmt die Verfolgung auf und wittert einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Bedrohung durch Spinx und dem Diebstahl einer erheblichen Menge Plutonium…

Die Serie

Wer auf herausragende Zeichen- und Animationskost steht, der kommt um diese 11-teilige Serie gewiss nicht herum. Hier werden sämtliche Register in der Optik gezogen, da verzeiht man sonstige inhaltliche Schwächen vergleichsweise gern. Diese Liebe zu den Details, die dynamischen Lichter und die gestochen scharfen Reflektionen… hier werden mal eben so sämtliche OVA-Werke in die hintersten Reihen verbannt, denn wenn sich etwas als Referenz im Animebereich bezeichnen lässt, dann bitte schön Terror in Tokio.

Auffällig schwach hingegen ist die Entwicklung der Geschichte. Während die ersten fünf bis sechs Folgen eine ansprechende Handlung mit durchtriebener Fokussierung der beiden Terrorbuben an den Tag legen, so baut die zweite Hälfte im direkten Vergleich leider rapide ab. Zum einen, weil man sich unweigerlich an gleich zwei andere Kultanime erinnert sieht und zum anderen, weil die an sich sehr präzise gezeichneten Figuren keinen erheblichen Reiz ausüben. „Nine“ und „Twelve“ sind grundverschieden. Der eine der zurückgezogene, intellektuelle und durchdachte Typ, der andere eher von der aufgedrehten Sorte, waghalsig und impulsiv. Im Prinzip ist das sehr gut gemacht, mit dem Auftauchen einer weiteren Person jedoch, verflüchtigt sich dieses Interesse zügig, da den beiden Herren in der Runde doch deutlich die Luft genommen wird, auch wenn sich zumindest letzteres im weiteren Verlauf auf einfühlsamste Weise ändert. Es wird prinzipiell zu zahm, nach dem beeindruckenden Anfang ebbt die Faszination schnell wieder ab, zumal die Macher ein Mädchen in der Runde auch nicht oberflächlicher hätten darstellen konnten, als wie hier geschehen… Und Polizist Shibuya ist zwar auf ungemein cool und lässig getrimmt, aber so wirklich hundert prozentig will man ihm das auch nicht abkaufen.

Das mag nun vernichtend klingen, aber es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Viel kritischer muss die Geschichte selbst betrachtet werden. Und das wird ab der Hälfte schlichtweg ernüchternd.
Fängt die Geschichte vollkommen schnörkellos an und ist die Bedrohung am Anfang noch wesentlicher Bestandteil der Serie, verliert sich auch diese mit zunehmender Folgenzahl. Zum einen hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Bevölkerung Tokios erhebliche Sorgen macht und regelrecht teilnahmslos auf die unzähligen Leinwände in der Innenstadt starrt sobald es mal wieder in der Millionenmetropole gerumst hat, zum anderen ist dann auch glasklar das restliche Vorhaben, also die plumpe Auflösung der Geschichte an diesem Umstand schuld. Schon fast lächerlich dreist wird sich hier etwas aus dem Hut gezaubert, was sich noch dazu vollkommen offensichtlich an einen sehr bekannten Anime anlehnt und das, allein das, brachte mich mächtig auf die Palme. Die Kehrtwende bringt Unruhe in diesen an sich sehr vielversprechenden Anime und noch dazu führt sie einen absolut uninteressanten und aufgeblasenen Charakter ein, welcher mir schieren Frust bescherte. Da entwickelt sich purer Hass in mir, der jedwede Empathie sofort im Keim erstickt. Wäre da nicht dieser eine Moment, diese eine ultimativ berührende Szene, die alles verändert und der Serie gerade noch die Wende verleiht… Richtig in Szene gesetzt, gehen einem die Zeichnungen eben doch nahe, lassen in den erstarrten Gesichtszügen die pure Menschlichkeit durchscheinen.

Das wiederum bringt mich zum Soundtrack. Hier zeigt sich Altmeisterin Yōko Kanno verantwortlich, die euch spätestens seit Ghost in the Shell: Stand Alone Complex ein Begriff sein sollte, aber auch u.a. für Cowboy Bebop die musikalische Feder schwang. So ganz zufrieden bin ich mit dem Score nicht. Sicher, er ist abwechslungsreich und reicht von jazzigen Einschüben bis hin zu eisigen Liedern und schwerfälligen Pianostücken. Dennoch war es mir hier zu viel der musikalischen Diktiererei; was in welchen Augenblicken gefälligst gefühlt zu werden habe. Der Jazz wird aufdringlich und dominant, während die gemächlich beginnenden Klavierstücke in ausufernde und schwülstige Balladen münden, die so schwer sind, dass sie den Trauerkloß förmlich heraufbeschwören. Beinahe schon ein Sinnbild für die unerwünschte Richtung, in die sich dieser Anime entwickelt.

Fazit

Alles in allem habe ich die eingeschlagene Richtung von Terror in Tokio nicht erwartet. Vielleicht wurmt es mich deshalb so sehr, dass mir dieser hochgelobte Anime nicht so zusagte, wie ich es mir erhoffte. Aber zum Glück sind es ja nur elf Folgen, die sich super in einem Rutsch schauen lassen. Wer sich nach einer anspruchsvollen Optik sehnt, der muss bei Terror in Tokio den Blick wagen, denn hier wird die Geschichte tatsächlich schon beinahe zweitrangig. Schade nur, dass sie ihren Mut nicht beibehält uns sich lieber mit einem saloppen Ende zufrieden gibt.

6,5/10 Punkte
(Allerdings nur unter Vorbehalt. Beim erstellen der Screenshots packte mich die Lust, dem Anime eine Zweitsichtung zu spendieren.)

© Universum Film GmbH

Terror in Tokio [Zankyō no Terror; 残響のテロル]
Jahr: 2014 JP
Genre: Psychological, Thriller
Regie: Shinichiro Watanabe | Drehbuch: Hiroshi Seko, Jun Kumagai, Kenta Ihara, Shōten Yano
Musik: Yōko Kanno
Opening: „Trigger“ / Yuuki Ozaki (from Galileo Galilei)
Studio: MAPPA Co., Ltd.
Sprecher (orig. – deutsch):
Arata ‚Nine‘ Kokonoe – Kaito Ishikawa – Julius Jellinek
Toji ‚Twelve‘ Hisami – Sōma Saitō – Dirk Petrick
Lisa Mishima – Atsumi Tanezaki – Lisa Mitsching
Five – Megumi Han – Anja Stadtlober
Shibazaki – Shunsuke Sakuya – Thomas Schmuckert
Mukasa – Mitsuaki Kanuka – Lutz Schnell

Spoiler im Trailer ab 01:21 Minuten!
https://www.youtube.com/watch?v=Y3naPC53vzc

Bildquelle: Screenshots

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10 Kommentare zu “[Serie] Terror in Tokio (2014 JP)”

  1. Wow, also die Screenshots sehen schon sehr beeindruckend aus! 😮
    Hm, das hört sich ja jetzt nicht so überragend an, fällt wohl in die Kategorie „Kann man schauen, wenn man es günstig bekommt“, oder?

    PS: Du hast verschwiegen, an welche Anime du dich erinnert gefühlt hast. 😉

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    1. Naja, ich habe TiT vorrangig nur wegen der Optik geschaut. Und die haut einen um. Ganz einfach. Ich schätze, dir wird die Geschichte sehr viel mehr zusagen, deshalb bekommst du eine dicke Empfehlung ausgesprochen. So. 😛
      PS: Nein, das war Absicht. Möchte doch niemandem den Spaß verderben, weil es eine Wende in der Handlung bedeutet. Aber wenn du es unbedingt wissen möchtest… 😉

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      1. Die Optik ist ja auch umwerfend! 😮
        Oh, ok, und du willst sicher nicht nur meinen Geldbeutel killen? 😛
        Hm, mal schauen, jetzt bin ich neugierig. 😳

        PS: Ah, ok, ne, dann erwähne das besser nicht, Spoiler sind ein bisschen doof. 🙂

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  2. Oha… das klingt wirklich gut… die Story hat mich immer ein bisschen abgeschreckt, jedes Mal, wenn ich was darüber gelesen habe… aber jetzt… könnte ich mich vielleicht doch noch dazu hinreißen lassen 😀

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