[Film] A Girl Walks Home Alone At Night (2014 USA)

Sommerpause ade, es war schön mit dir aber das Schreiben vermisse ich dann doch. Es wird also Zeit, sich wieder den schönen Dingen des Lebens zu widmen: Filme. Also besprechen wir doch gleich den einzigen Film, den ich innerhalb der letzten drei Wochen gesehen habe und bereits letztes Jahr als echter Geheimtipp galt.
Basierend auf den gleichnamigen Graphicnovels von Drehbuchschreiberin und Regisseurin Ana Lily Amirpour, handelt der abendfüllende Film A Girl Walks Home Alone At Night von einem jungen Mann namens Arash (Arash Marandi) im fiktiven iranischen Ort Bad City, der sich mit allerhand Problemen herumschlagen muss und irgendwann auf eine schweigsame junge Frau in schwarzem Gewand (Sheila Vand) trifft.

Ich tue mich ja prinzipiell schwer mit Filmen, die nicht wirklich eine Geschichte erzählen, sondern primär darauf ausgerichtet sind, den Zuschauer mit dem ganzen feilgebotenen Drumherum in seinen Bann zu ziehen. Da muss schon früh der Funke überspringen, was es hier glücklicherweise auch tat. Denn A Girl Walks Home Alone At Night ist unglaublich vielschichtig. Dabei wird nicht unbedingt geradlinig eine Handlung verfolgt, sondern diese viel mehr in mehrere kleine Nebengeschichten verpackt, die geradewegs aus dem Leben gegriffen zu sein scheinen. Abgesehen von einem weiblichen Vampir auf einem Skateboard…

Doch was hier viel interessanter ist, das ist die Machart, mit der Ana Lily Amirpour so vortrefflich für Spannung und konstantes Interesse sorgt. In einem unaufgeregten schwarz/weiß verfolgen wir Arash, wie er vollkommen lässig als James Dean-Verschnitt und in Musikclipmanier mit seinem schicken Musclecar durch Bad City fährt. Das Sonnenlicht gleißend hell, das Spiel mit dem Tageslicht in s/w eine wahre Augenweide. Im Hintergrund die iranischen Ölfelder, die genauso gut aus Texas (oder Kalifornien) stammen könnten. Doch bald läuft in seinem Leben einiges aus dem Ruder, das Licht schwindet und der Film gibt sich beinahe vollständig der Nacht hin, in der eine Frau in schwarzem Gewand durch die Stadt streift und sich unheimlich und aufmüpfig gegenüber den (männlichen) Bewohnern verhält. In der iranischen Gesellschaft unerhört.
Die Musikclipästhetik weicht einem semidokumentarischen Stil, das künstliche weicht dem authentisch anmutendem. Die Nacht legt ihre Schatten über Bad City und ihre trostlosen Gestalten. Die Kulisse wirkt zunehmend bedrohlich, der Klangteppich entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ob mittels aufgeweckter Popsongs, oder subtil instrumentalen Einschüben. Die Musik wirkt romantisch mit ihren Cembaloklängen, die immer weiter in barockesque Gefilde abdriftet und zusehends energischer wird und schließlich in elektronischem Experimental mündet. Das alles wirkt so experimentell und doch so durchdacht und vor allem gekonnt –  fließend. Alles bewegt sich in gleichbleibenden Bahnen, Ausreißer gibt es kaum. Und doch ist dieses kleine Filmchen mit seiner losen Handlung so viel mehr. So… faszinierend.

A Girl Walks Home Alone At Night ist schlichtweg eine Erfahrung, die gerade neugierige Ambiente Liebhaber unbedingt im Auge behalten sollten. Sicherlich nichts für jedermann, aber zumindest mich hat er mit seinem Stil erreicht. Positiv überrascht bin ich von diesem fantastischen Potpourri sicher. Denn das lose wirkende Konzept wird von zwei einnehmenden Darstellern getragen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch scheinen sie schon fast gleich zu ticken. Gegensätze ziehen sich magisch an. In gewisser Weise schon ein Leitmotiv dieser kleinen Perle, die so munter vor sich hin zitiert und trotzdem auf eigenen Beinen steht. Grotesk und schön.

7/10 Punkte

A-Girl-Walks-Home-Alone-At-Night---Poster-(via-bloody-disgusting.com)A Girl Walks Home Alone At Night
Jahr: 2014 IRA
Regie & Drehbuch: Ana Lily Amirpour
Cast:
Sheila Vand, Arash Marandi, Marshall Manesh, Mozhan Marnò, Dominic Rains, Rome Shadanloo

Bilder via imdb.com; blood-disgusting.com [© Capelight Pictures]

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8 Kommentare zu “[Film] A Girl Walks Home Alone At Night (2014 USA)”

  1. Das freut mich aber sehr, dass der dir auch gefallen hat! Ich war ja völlig hin und weg – allerdings lässt deine Aussage im Text vermuten, dass ich im Vergleich wahrscheinlich auch viel mehr Filmen ohne wirkliche Handlung zugeneigt bin. Ich glaube ich mag sie mittlerweile sogar lieber als Plot-getriebenes Kino… Besonders hat mir in AGWHAAN der Umgang mit Klang und Musik – die Szene wo sie mit beim Drogendealer ist, oder wie sich die Romanze mit Arash entwickelt.. Traumhaft!

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    1. Ja, ich bin doch sehr überrascht dass er so gut zünden konnte. Das liegt aber auch wie du so schön schreibst am Umgang mit der Musik, die mich doch sehr gut bei Stange halten konnte. Mein Favorit ist übrigens die Szene mit der Discokugel! Beim Drogendealer hingegen gab es diesen wiederkehrenden Klang, der mir so gar nicht gefallen hatte und später auch nochmal zu hören war… AGWHAAN kann schon sehr einlullend sein und mir gefiel vor allem dieser unterschwellige Schrecken, wenn die junge Frau den Menschen hinterherschleicht… Brr. Vom Plot her hätte ich mir hier und da ein paar Vertiefungen gewünscht. Aber mensch, so ging’s auch. Und der Schluss: Wunderbar. Echt toll, danke dass du mich da drauf gestoßen hast!

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    1. Ja. Allerdings versteift er sich nicht darauf, sondern streift solche Themen nur.

      Ich will nicht dass es vorbei ist… zwar habe ich noch ein ganzes Kapitel (von zweien) vor mir, aber dieser Gedanke dass es dann vorbei ist schmerzt. Ansonsten ist es ein bravouröses Spiel mit einer explizit krassen Stimmung.

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      1. Ich schreib gleich den nächsten Eintrag zum Thema verführerische Stimmen und so. 😛

        Ach, das kann ich verstehen, zumal ja die „Nachricht“ durchs Netz geistert, dass sich Konami bis auf PES aus dem Konsolengeschäft verabschiedet und nur noch für Smartphones entwickeln soll.

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