[Angeteased] Last Exile (2003 JP)

Widmen wir uns einer weiteren, neuen Animeserie, nur diesmal in einem entschlackteren, knackigeren Stil: Dem angeteasten, in welchem wir uns die Prämisse und somit der Pilotfolge der Serie zuwenden. Lasst uns in die Lüfte schwingen, mit Last Exile.

Handlung

In einer nicht näher definierten Zeit sind Claus Valca und Lavie Head Kurierflieger. Aufgrund ihres noch jungen Alters wird ihr Können gerne unterschätzt, jedoch haben sie bisher noch jeden Kurierflug ausgeführt, der ihnen übertragen wurde. Als sie einem Admiral ein wichtiges Dokument überbringen sollen, geraten sie im wahrsten Sinne des Wortes zwischen die Fronten des Krieges: Auf einem imposanten Luftschiff sehen sie sich nicht nur einer fliegenden Streitmacht gegenüber, sondern gleich noch einer weiteren…

Die Serie

Last Exile erschien bereits im Jahr 2003 in Japan durch die berühmten GONZO-Studios (u.a. Trinity Blood) und kam in den darauffolgenden zwei Jahren auch nach Deutschland herübergeflogen. Im September diesen Jahres wurde ihr hierzulande dann schließlich auch eine Blu-ray Auswertung gegönnt. Warum ich das erwähne? Weil dieser Anime einfach atemberaubend schön anzuschauen ist.
Natürlich lässt sich nach nur einer Folge noch nicht allzu viel über die Serie sagen, geschweige denn über die Dramaturgie und deren Figuren. Allerdings schindet dieser Anime sehr früh bereits großen Eindruck. Das etwas rockigere Opening, welches nichtsdestotrotz sehr schottisch mit den Dudelsackeinlagen wirkt, kündigt Tempo an, was auch durch den plötzlichen Wechsel zum elektronischen Klanghintergrund unterstrichen wird. Und mit dem Tempo wird tatsächlich schon in der ersten Folge nicht gegeizt, denn bereits nach einer kurzen Einführungsphase mit Claus und Lavie schwingen sich die beiden in ihrem sogenannten Vanship in die Lüfte. Mit einem lässigen Immelmann-Manöver lässt Claus dabei die alteingesessenen Flughasen regelrecht alt aussehen, die ihm trotz seines sehr jungen Alters angebrachten Respekt zollen.

Und luftig ist das Hauptmotiv dieses Anime. Die Technik der Fluggeräte erinnert in ihren Ausläufern an Steampunk, die monströsen Flugobjekte selbst versprechen geballte Luftaction. Und genau die gibt es bereits in der ersten Folge zu sehen. Zwei riesige Luftschiffe liegen sich mit ihren Armadas (Armaden?) gegenüber, die Besatzungen laden ihre Bleikugeln in die Gewehrkammern, ehe sich die Schoten öffnen und den Männern freies Schussfeld geboten wird. Ein altmodischer Kampf, ein ehrlicher Kampf. Doch plötzlich bricht die Hölle los. Und sowohl Claus als auch Lavie, befinden sich an Bord.

Es wird noch nicht viel erklärt, was es mit diesem in gewisser Weise futuristisch und zugleich altwähnenden Settings auf sich hat. Was die Umstände für den Luftkrieg darstellen, was die Motivation dahinter ist. Und doch schafft es Last Exile, frühe eine angenehme Spannungskurve aufzubauen, die den beiden Heranwachsenden Protagonisten geschuldet sein mag. Man weiß zwar noch nicht so ganz genau, was auch deren Motivation zu sein scheint, lediglich, dass sie ihre Leben der Fliegerei verschrieben haben. Er der Pilot, sie die Navigatorin. Und beide verdienen sie ihren Unterhalt mit dem Ausfliegen ihrer Kurierware. Ich für meinen Teil habe Blut geleckt und möchte unbedingt erfahren, wie es mit den beiden weitergeht.

Das Handwerkliche

Hätte man mir vor kurzem erklärt, Last Exile sei eine Produktion aus dem Jahre 2003, ich hätte vehement den Kopf geschüttelt. Das kann nicht sein, dachte ich, als ich die Blu-ray einschob. Stattdessen schoss der Gedanke durch die Synapsen, die Serie sei aktuell. Denn wenn man sich die Animationen und die Hintergrundzeichnungen ansieht, dann dürfte man aus allen Wolken fallen. Wortwörtlich. Mit einem Detailreichtum sind die Wolken versehen, die Zerstörungsanimationen während des Luftkampfes sehen nicht minder präzise aus, ebenso die Bordinstrumente der Flugkörper oder das westlich angelehnte Charakterdesign. Es passt alles zueinander, präzise wie ein Uhrwerk oder heutige Serien. Für eine Serie, für eine zwölfjährige Serie, ist das schier beeindruckend.
Aber Moment. Westliches Design? Ja. Blond, blaue Augen, und schon haben wir Claus. Doch keine Bange, nicht alle sind sie blond, nicht alle wirken arisch oder wie komplette Stereotypen der westlichen Hemisphäre. Stattdessen spielen die Figurendesigns mit den unterschiedlichen Zeiten und lassen vor allem die Vergangenheit zu Zeiten der industriellen Revolution, so wie wir sie kennen, wieder aufleben. Gewaltige Schnauzbärte bei den Militärs, uniformelle Kleidung unter den Piloten oder verspielte Kleider wie sie die ersten Kunden mit Würden tragen. Das alles macht es zu Beginn so schwer zu durchschauen, wirft  die eigenen Gedankengänge zur gezeigten Welt über den Haufen und manifestiert stattdessen bewusst das Vergangene mit dem Kommenden. Dadurch wird nicht nur die Geschichte spannend gestrickt, sondern auch sämtliches Drumherum. Und das macht in dieser ersten Folge sichtlich Spaß.
Auch die deutsche Synchronisation überrascht, stimmliche Fehlbesetzungen sind noch nicht zu vermelden. Stattdessen dürfen Markus Pfeiffer (Claus) und Brit Gülland (Lavie) ihren jugendlichen Gesellen Esprit verleihen, während der bisherige Rest ziemlich auf Zack ist, und mit militärischer Präzision zu Gange ist.

Die Verwertung

Die Neuauflage von Nipponart umfasst sämtliche 26 Folgen auf Blu-ray in gewohnter Collector’s Edition-Manier im Nova Slipcase, abgerundet von einem wirklich ansprechend designten Digipack. Und hier hat sich der Publisher nicht lumpen lassen. Ganze 84 Seiten werden dieser Sammelbox als Booklet spendiert, in denen nicht nur Charakterinformationen zu finden sind, sondern auch zahlreiche Artworks und Conceptarts, welche man nach Genuss der Serie zu schätzen lernt, sowie entsprechende Interviews mit den Verantwortlichen von den Gonzo-Studios.
Die vier Discs beinhalten wie gehabt die japanische (PCM 2.0) und deutsche (Dolby TrueHD 5.1) Tonspur und bieten darüber hinaus die wahlweise Zuschaltung deutscher Untertitel.
Bisher ist das also die umfangreichste Collector’s Edition, die ich hier besprechen durfte und endlich etwas, dass sich die Bezeichnung „Collector’s Edition“ würdig zeigt.

Fazit:

Die Pilotfolge von Last Exile macht schon ordentlich was her, auch wenn sich jetzt noch nicht zeigt, in welche Richtung sich das alles bewegen wird. Allerdings locken die hervorragenden Animationen und das geheimnisvolle und innovativ anmutende Setting, welches sich oftmals hoch oben in den Lüften abspielt. Ich bin gespannt wie es weitergeht und hoffe, dass wir uns in absehbarer Zeit wieder lesen, wenn wir die komplette Serie besprechen. Mal sehen wie sich das alles entwickelt, aber zu den Kurierflügen mit Claus und Lavie lässt sich nur schwer Nein sagen.

Last-Exile---CoverLast Exile
Jahr: 2003 JP
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Regie: Koichi Chigira | Drehbuch: Atsuhiro Tomioka, Koichi Chigira, Shuichi Kamiyama, Takaaki Suzuki, Tomohiro Yamashita
Animationsstudio: GONZO
Opening: Cloud Age Symphony – Shuntaro Okino
Sprecher:
Claus Valca – Mayumi Asano – Markus Pfeiffer
Lavie Head     Chiwa Saitō     Brit Gülland
Alvis Hamilton     Anna Shiraki     Katja Liebing
Alex Row     Toshiyuki Morikawa     Gregor Höppner
Tatiana Wisla     Eri Kitamura     Kordula Leiße
Alister Agrew     Natsuko Kuwatani     Ilya Welter
Dio Eraclea     Junko Noda     Simon T. Roden
Mullin Shetland     Shin’ichirō Miki     Stephan Schleberger
Lucciola     Tomoe Hanba     Oliver Neuss
Sophia Forrester     Wakana Yamazaki     Michaela Kametz
Ethan     Tomokazu Seki     Dieter Maise

Bilder © 2003 GONZO/FlyingDog

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7 Kommentare zu „[Angeteased] Last Exile (2003 JP)“

  1. Die Folge hab ich mir auf Youtube (Ich weiß, miese Qualität, aber ich war neugierig! 😳 ) schon (auf Englisch) angeschaut, und ich kann dir nur zustimmen, das sieht umwerfend aus, ist bisher technisch hervorragend und macht definitiv Lust auf mehr. Jetzt muss ich mich nur noch gedulden, und hoffentlich, bald ist ja Geburtstag und brav war ich auch… *pfeif*

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    1. Hihi, na dann warte ich auf deinen Bericht! Es wird wohl noch ein bisschen dauern, ehe ich mich der Serie wieder zuwende, aber die Saat ist gesät und das Interesse geweckt. 🙂 Viel Spaß und immer schön brav bleiben!

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  2. Ah, das steht auch auf meiner Watchliste – ist aber etwas in Vergessenheit geraten. Danke fürs dran erinnern. 🙂 Das Characaterdesign ist sehr speziell, das würde ich überall wiedererkennen: Range Murata. Von dem habe ich auch vor einer halben Ewigkeit Blue Submarine gesehen. Die weiblichen Hauptcharaktere ähneln sich ziemlich. Aber ich mag den Stil echt sehr gerne. 🙂

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    1. Gerne. Ach, daher kommt der Begriff auf dem Artwork. Mit Range Murata verband ich nichts, jetzt ist alles klar! Mhh, ich finde den Zeichenstil eine Herausforderung, aber bisher macht er ziemlich was her.

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