[Film] Enemy (2013 CA/ES/FR)

In Vorbereitung auf Denis Villeneuves kommenden Film Sicario wollte ich unbedingt noch den Doppelgängerfilm Enemy des kanadischen Regisseurs sehen. Und Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, das kann doch nur gut werden. Oder?
Oder?

Joa.
Enemy ist, wie zu erwarten war, sperrig. Eigenwillig. Vielleicht auch innovativ. Stylisch womöglich. Interessant ist er auch. Aber reicht das?
Der Anfang erinnert etwas an einen Musikclip. Aus heiterem Himmel wohnen wir als Zuschauer einem Treffen bei, ohne dass irgendwelche Zusammenhänge erklärt werden. Wie ein Sprung ins kalte Nass erleben wir diese obskure Szenerie und doch fesselt dieser durchaus als eigenwillig zu betrachtende Anfang gekonnt das Interesse für die kommende Handlung, die sich rund um den Doppelgänger eines mürben Geschichtsdozenten dreht.

In einen seichten Sepiamantel gehüllt, begleitet die Kamera Adam Bell (Jake Gyllenhaal Nr.1). Tag ein, Tag aus.
Universität – Heim; inkl. Besuch der Freundin – Unikorrekturen – Sex – Schlaf – Universität – … – … Die Routine hat von seinem Leben Besitz ergriffen und das was als Höhepunkt gelten sollte, nämlich die Treffen mit seiner Freundin, sind auch schon zur Last geworden, die Bell mit sich herumschleppt. Doch noch schlimmer scheint es zu werden, wenn er aus diesem Schema ausbricht. Daher ist es schon ein großer Schritt, dass er an diesem einen Tag nur eine Sache anders macht. Und das soll sein restliches Leben gehörig auf den Kopf stellen, als er plötzlich sich entdeckt. Nur nicht sich selbst, sondern jemanden, der ihm exakt gleicht. Sogar die selbe Stimme hat. Ebenfalls in Toronto ansässig ist und ein vollkommen anderes Leben lebt. Gyllenhaal Nr. 2

Das ist auch der Zeitpunkt, an dem Enemy versucht, das Tempo anzuziehen. Der Bruch des Schemas, vollkommenes Neuland für Adam Bell, der nun herausfinden will oder eher muss, was es mit diesem anderen Kerl auf sich hat. Es folgt eine gegenseitige Verwicklung in das Leben des jeweils anderen, die von Panik und Verwirrung getränkt ist und die die Paranoia erwachen lässt.
Und doch konnte ich dieses unwohle Gefühl nicht durchwegs spüren, an das die Doppelgängerthematik mit all ihren Unbekannten appellieren wollte. Natürlich ist es höchst suspekt, wenn du plötzlich erkennen musst das es da jemanden wie dich gibt. Dein exaktes Ebenbild. Und trotz dieses Stilbruchs, wenn die Aufregung am Tag der Verwirrung am Abend weicht, die lähmende Routine aus Tristesse und Antriebslosigkeit dem verfolgerischen Stress weicht, ist es nicht das abbremsende Tempo, das stört, sondern das konstruierte drumherum. Alles ist auf das genaue Gegenteil getrimmt, wodurch der Endspurt plötzlich so absehbar wird. Alles löst sich so simpel auf, die Problematik wird einfach abgehakt und sämtlicher Interpretationsfreiraum dicht gemacht. Alles liegt auf der Hand, das mysteriöse wird offenkundig. Für meinen Geschmack und das, was hier möglich gewesen wäre wirkt das zu glatt, zu anspruchslos, ja, zu langweilig. Der Anfang hat es doch vorgemacht: Den Zuschauer im Dunkeln tappen lassen, das Gehirn anzustrengen und Verbindungen zu suchen. Und dann wird eine Metapher eingeworfen (Hardcorespoiler: Die Spinne betrachte ich als das verwebende Element, welches die Doppelgänger zusehends stärker miteinander „verwebt“, sie sich also immer mehr in das Leben des jeweils anderen drängen. In der Hinsicht auch als „inneren Dämon“ oder die Manifestation von Furcht vor bestimmten Aspekten im eigenen Leben. Ein „Dämon“, den man immer in der kleinen Kammer im Kopf mit sich herumschleppt und der nie verschwinden will. Ergo ist für mich der Doppelgänger auch nur ein Hirngespinst, ein Brechen mit der eigenen Rolle und dem damit einhergehenden Drang, etwas neues/altes(?) von neuem zu beginnen. Dargestellt durch das Ende.), womit es sich quasi erledigt hat.

Ich möchte nur anmerken: Mich stört die Spielerei mit der Symbolik, die den Film durchstreift, in keinster Weise. Tatsächlich hatte ich sogar das Gefühl, einen Durchblick in der Geschichte zu haben. Viel mehr lag es an der fahrig lahmenden Regie, mit der Villeneuve mich zu wenig zu packen vermochte, um richtig in das Seelenleben Adam Bells (Gyllenhaal Nr. 1) eintauchen zu können. Dazu das zu perfekt wirkende Kontrastprogramm, das im Zentrum von Enemy steht, was dem ganzen zu einem gewissen Zeitpunkt jeglichen Reiz raubt. Darstellerisch gut, Gyllenhaals Timing in den Doppelgängerszenen ganz wunderbar, aber mir perönlich fehlte dann doch das herausragende an dem ganzen, um sich nicht die Hälfte der Zeit durchquälen zu müssen. Als Thriller lässt sich das jedenfalls nicht beschreiben. Nicht wirklich.

Und jetzt mal ehrlich: Bin ich die einzige, die bei diesem Ende an das von Der Babadook denken musste?

5,5/10 Punkte

Enemy---Poster-(via-impawards.com)Enemy
Jahr: 2013 CA/ES/FR
Regie: Denis Villeneuve | Drehbuch: Javier Gullón (liter. Vorlage: José Saramago)
Cast:
Jake Gyllenhaal, Isabella Rossellini, Mélanie Laurent, Sarah Gadon

Bilder © Capelight Pictures ; Poster via impawards.com

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18 Kommentare zu “[Film] Enemy (2013 CA/ES/FR)”

  1. Auch wenn ich schon viele durchwachsene Besprechungen (wie auch deine) gelesen habe, so muss ich den Film alleine schon aufgrund der Mischung Gyllenhaal und Villeneuve sehen. Kann so oder so werden für mich. Mal sehen… 😉

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  2. Ich habe immer das Gefühl, dass Filme, die so auf Metaphern etc. bauen, sich dahinter verstecken und hoffen, dass durch die Verwirrung der Zuschauer bei Laune gehalten wird, aber keiner der Beteiligten irgendwas mit dem Endprodukt aussagen will. Vielleicht bin ich auch einfach denkfaul, I don’t know. Jetzt muss ich aber echt mal „Der Babadook“ schauen.

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    1. Empfinde ich nicht immer so, aber sehr häufig. Merkt man aber sehr schnell, wenn man sich in so Kleinigkeiten verliert und man sich denkt: Ist der Vorhang jetzt einfach nur grün oder soll damit irgendwelche Hoffnung suggeriert werden und blablabla. Viele Regisseure ruhen sich dann darauf aus, das kann ich auch nicht sonderlich leiden. Hängt aber immer auch ein wenig von der Thematik ab.
      Solltest du. Allein um über den Film diskutieren zu können.

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  3. Den mochte ich ja sehr… und nachdem ich dann auch das Buch „Der Doppelgänger“ von Saramango gelesen hatte, auf dem der Film ja basiert, mochte ich ihn noch mehr. Denn Villeneuve bringt dem Ganzen doch sehr viel mehr bei als das Buch. Im Film hatte ich wenigstens das Gefühl, ich könne die Symbolik durchschauen. Ich mochte den sehr, er ist aber wirklich eigenwillig… 😀

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  4. Ich habe den Film ähnlich empfunden, wobei ich vieles gar nicht so richtig in Worte fassen konnte. Habe den Artikel dazu deshalb auch nie fertig bekommen. Ich mag Filme mit künstlerischem Anspruch, aber der war irgendwie… wenig eindruckend. Und wo der Thrill da war? Keine Ahnung.

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