[Film] Crimson Peak (2015 US)

Mehr Schein als Sein, dessen bedient sich Guillermo del Toro in seinem neuesten Film Crimson Peak.

Was versprach der Trailer nicht für ein Fest des Grusels, im ansehnlich viktorianischem Setting und noch dazu mit dieser Traumbesetzung. Allein optisch hat del Toro alles fest im Griff und zaubert malerisch trügerische Bilder aufs digitale Zelluloid und sorgt mit kräftigen Filtern für eine herrlich schaurige Gruselatmosphäre. Ob nun im Sinne einer Allegorie, oder durch schaurig schöne Effektspielereien, welche Crimson Peak zum Leben erwachen lassen: Wem läuft nicht der kalte Schauer über den Rücken, wenn Edith (Mia Wasikowska) nur mit Kerzenleuchter bewappnet durch die dunklen Flure des modrigen Anwesens schleicht und der warme Kerzenschein einem bläulich dunklen Filter weichen muss, bei dem einem so kalt wird, als würde man den starken Ostwind selbst bis in jede Ritze spüren?

Crimson Peak ist optisch eine Wucht, del Toros feines Gespür für das unheilvolle Setting des viktorianischen Gebildes und seines Gothiclooks schmücken die Geschichte mit zahlreichen Details, in denen man sich nur zu gerne verlieren möchte. Dazu die handverlesene Besetzung, die sich bis in die kleinste Nebenrolle in dieses Gothicromanzengruseldrama einfügt, angeführt von der unscheinbaren Mia Wasikowska, die jedoch keinerlei Mühen hat, den Zuschauer sofort an die Hand zu nehmen. Und wenn dann noch Tom Hiddleston als immerwährender Melancholiebolzen erscheint, dessen gespielter Schwermut aber auch wirklich immer zieht, dann ist das durchaus etwas, mit dem sich arbeiten lässt. Der Film hat alles was es braucht und doch… ist es die Geschichte, die enttäuscht. Nach einer ewig langen Exposition darf endlich das schaurig marode Anwesen in den Mittelpunkt des Geschehens gerrückt werden, das so viel Potenzial beinhaltet, dass man gut und gern gleich mehrere Filme damit hätte erzählen können. Stattdessen darf sich hin und wieder in äußerst geringem Maß gegruselt werden (die mit Abstand schönsten Szenen!), doch inhaltlich wird zu früh zu vieles offengelegt, das Mysterium rund um Crimson Peak wird recht nebensächlich abgehandelt, ehe dann der Twist der Twists, den man vermutlich ohnehin schon meilenweit gegen den Wind erahnen konnte, aufgetischt wird, was ein Gefühl auslöst, als sei das gesamte Geschehen plötzlich nichtig geworden. Die feine Spannung, während Edith Cushing allmählich hinter das Geheimnis von Crimson Peak kommt, weicht dem lächerlichen Wahnsinn, den man so schon in zahlreichen anderen Filmen wesentlich geschmackvoller päsentiert bekam. Und das ärgert. Ärgert, weil die Trailer weniger Plattitüden und mehr übernatürliches versprachen. Dass sich del Toro aber gerade mit letzterem so zurückhält, enttäuscht wohl am meisten, waren doch gerade das die Szenen, die Crimson Peak im Vorfeld bereits so anziehend machten. Da hilft auch etwaiges portaithaftes Inszenesetzen der Hauptakteure herzlich wenig, was im Spiel mit den Perspektiven zwar tatsächlich genussvoll wirkt, aber kaum einen Nutzen für die lahmende Geschichte beinhaltet. Style over Substance in jeder Pore, dabei wäre so viel mehr möglich gewesen.

Womöglich waren die Erwartungen zu hoch, was bei dem Talent auf dem Regiestuhl aber niemanden verwundern dürfte. So plätschert Crimson Peak lange seelenlos vor sich hin, nur um dann im Mittelteil sämtliches Potenzial auszuschöpfen, welches man nur zu gerne über die gesamte Laufzeit hinweg bewundert hätte. So bleibt dieses Gothicromancedrama zu gezähmt und muss sich für das Ende schon beinahe unkreatives Denken vorwerfen lassen, was mit anderen Schauspielern aber zumindest noch undankbarer hätte enden können…

6/10 Punkte

Crimson-Peak---Poster(via-crimson-peak-film.de)Crimson Peak
Jahr: 2015 US
Regie: Guillermo del Toro | Drehbuch: (+) Matthew Robbins
Cast:
Mia Wasikowska, Tom Hiddleston, Jessica Chastain, Jim Beaver, Charlie Hunnam, Burn Gorman, Leslie Hope, Doug Jones. Jonathan Hyde

Bilder via crimson-peak-film.de/gallery; artsbham.com [© Universal Pictures | Legendary Pictures]

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24 Kommentare zu “[Film] Crimson Peak (2015 US)”

  1. Jetzt habe ich schon mehrfach gelesen, dass der Film nicht hält, was er verspricht. Schade, ich hatte mich wirklich auf ihn gefreut und gedacht, das sei nun der Film, der mich von Tom Hiddleston überzeugt.

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    1. Vielleicht gefällt er dir ja besser als den anderen? Aber um ehrlich zu sein: Hiddleston spielt hier auch wieder das, was er in vorigen Rollen immer wieder (gekonnt) gezeigt hat. Neues wirst du ihm in CP vermutlich nicht abgewinnen können.

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  2. Bei mir ist Del Toro über die letzten paar jahre eh kontinuierlich aus der Sicht gerutscht. Wo er überall als Produzent drauf stand, geht auf keine Kuhhaut und PACIFIC RIM war auch der Oberfail…

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    1. „Pacific Rim“ hatte mir damals erstaunlich viel Spaß gemacht. Aber hast schon recht, gerade durch die unzähligen Produzentenrollen hat er sich sehr von seinem Ursprung entfernt. Seine Konzepte gefallen aber nach wie vor, abervao ein kleiner Film von ihm wäre wieder wünschenswert.

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  3. Jupp… das mit dem „mehr Schein als Sein“ und auch den erhöhten Erwartungen kann ich so nur unterschreiben. Ging mir genauso (weswegen wir wohl auch die gleiche Punktzahl vergeben 😀 ). Optisch war der echt toll, obwohl ich die Geister ein bisschen schwach fand, aber der Rest… naja… vieles lag für mich an Wasikowska. Die Rolle der Edith fand ich einfach unspannend. Da waren Hiddleston und Chastain sehr viel interessanter.

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    1. Die Geister fand ich gerade am Anfang genau richtig, da sie sehr auf das gruselige getrimmt waren. Aber auch das hatte sich im Verlauf etwas geändert.
      Mit den Rollen war esbei mir genau umgekehrt, gerade Chastain war mir too much. Mit Mia Wasiksowska habe ich zwar nicht unmittelbar mitgefiebert, aber doch mehr Empathie empfunden, als gegenüber den anderen beiden. Auch wenn „Empathie“ in diesem Falle das falsche Wort wäre… 😉

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      1. Stimmt, anfangs fand ich die Geister noch ganz gut… aber zum Ende des Films war ich immer mehr der Meinung, man hätte sie weniger stark einsetzen sollen. Ich dachte die ganze Zeit, die werden noch eine größere Bedeutung haben als nur Wegweiser zu sein…

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    1. Finde ich auch schade, glaub mir. Hatte soo tolle Hoffnungen da rein gesetzt. Vielleicht wird er beim zweiten Mal aber besser.
      Aber ärgere dich dann nicht, wenn du denkst: „Man, im Kino wäre der richtig gut gekommen“… 😉

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                    1. Ach iwo. Wenn das passieren sollte, dann hätte ich geschrieben dass ich immer schon während des Vorworts von Kings Romanen aufgegeben habe. Selbst als Hörbuch… Upps.

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