[Film] Colossus: The Forbin Project (1970 US)

Die Angst vor künstlicher Intelligenz ist geschätzt so alt wie der Computer selbst. In Colossus: The Forbin Project strebt die Menschheit rund um den Wissenschaftler Charles Forbin (Eric Braeden) nach einer Welt, die in den Händen der maschinellen, nüchternen Vernunft liegt, anstelle von menschlichem Verhalten. Ein Vergeltungsschlag, der durch kühle Berechnung initiiert wird, bei der ein Mensch womöglich zögern würde. Das Rechengebilde Colossus soll Abschreckung und Sicherheit zugleich sichern. Nur blöd, wenn sich die Maschine, die nur für diesen einzigen Zweck erbaut wurde, plötzlich weiterentwickelt.

Colossus mag vielleicht ein trockenes Thema behandeln, welches bereits vor und nach seiner Veröffentlichung in zig anderen Variationen verfilmt wurde. So lassen sich bspw. etliche Parallelen zu anderen Filmen (und sogar Computerspielen) ziehen, aber das stört hier nicht. Nicht im geringsten. Denn der Film entwickelt eine spannende Eigendynamik und hält mit dem Fortschritt des Computers gut mit, mag sich dabei vielleicht in seiner Essenz wiederholen, packt diese jedoch immer wieder in ein neues Gerüst und langweilt trotz der nüchtenen und distanzierten Erzählung nicht ein Stück. Zwar steckt schauspielerisch nicht all zu viel drin, dafür punktet die clevere Kameraführung, die dem ganzen ohne aufdringlich zu sein noch eine ganze Menge Schauwerte entlockt und dabei angenehm zeitlos und modern wirkt.

Die Geschichte selbst erinnert in ihrer Grundaussage der wohl gewaltigsten Krise, der die Menschheit im Jahr 1962 nur knapp entging, und zeigt dabei (mal wieder) auf, dass der Mensch geschätzt nicht aus seinen Fehlern lernen will. Der Hang zur Selbstdestruktion ist immerwährend, auch wenn er nicht immer bewusst gelebt wird. Auch wenn man rund 45 Jahre nach Veröffentlichung von Colossus und anderen Genrevertretern noch immer über die Geschichte der selbstständig denkenden Maschine schmunzeln möchte: Entwickelt sich die Menschheit nicht stetigen Schrittes in genau diese Richtung? Nimmt der Gedanke der künstlichen Intelligenz nicht jetzt schon sichtbare Grundzüge an? Natürlich sind wir noch weit davon entfernt, aber wird der Gedanke in Hinblick auf den aktuellen Forschungsstand nicht zumindest etwas beunruhigender? Die Bereitschaft, auf den Menschen als direkte Kontrollinstanz zu verzichten und die Berechnungen zuerst von einer Maschine durchführen zu lassen? Wie dem auch sei…
Natürlich kommt Colossus nicht umhin, wieder an die Menschlichkeit zu appelieren, wenn Ost und West im Hinblick auf die drohende Krise zusammenarbeiten müssen, was hier extrem plastisch und simpel dem Zuschauer aufgetischt wird. Wenn doch alles nur so einfach wäre, wie zwei atomare Supermächte zur Zusammenarbeit zu bewegen, um eine atomare Krise abzuwenden, dann hätte es so ein Gerät wie Colossus doch überhaupt nie gebraucht.

Aber sieht man erst einmal von solch offensichtlichen Ungereimtheiten ab, dann ist Colossus: The Forbin Project ein spannender und kammerspielartiger Ausblick auf eine (ferne?) Zukunft, in der sich der Mensch vom Verantwortungsgefühl lossagen und diese stattdessen einer entmenschlichten und distanziert durchrechnenden Maschine anvertrauen möchte. Beunruhigend ist das nicht nur als gedankliches Experiment.

„Vermenschlichen Sie die Maschine nicht. Der nächste Schritt ist die Vergöttlichung.“

7/10 Punkte

via imdb.com

Colossus [Colossus: The Forbin Project]
Jahr: 1970 US
Regie: Joseph Sargent | Drehbuch: James Bridges (lit. Vorlage: D.F. Jones)
Cast:
Eric Braeden, Susan Clark, Gordon Pinsent, William Schallert, Leonid Rostoff, Georg Stanford Brown, Marion Ross, Byron Morrow

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9 Kommentare zu „[Film] Colossus: The Forbin Project (1970 US)“

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