[Serie] Hellsing Ultimate OVA IX (2012 JP)

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“ Du wurdest zum Monster, weil du nicht mehr weinen wolltest.“

Die Ereignisse überschlagen sich, das große Finale, welches uns in der letzten OVA erwartet, wurde offengelegt. Und ich bin zutiefst erschüttert und deprimiert, ob der Tragweite dieser Episode von Hellsing Ultimate. Doch besser könnte das alles gar nicht sein.

Handlung

Der gnadenlose Kampf zwischen Alucard und Pater Andersen ist noch nicht vorbei, da betritt bereits ein weiterer Feind unerwartet die Bühne, was den Hellsing-Orden schwer trifft. Kann Alucard seine Kräfte mobilisieren und zum letzten Schlag ausholen, oder muss er sich vor dieser unerwarteten Gefahr beugen?

Die Serie

Es gibt in Hellsing Ultimate nicht sonderlich viel Platz für Gefühle, welche nicht der Rache oder dem Hass entspringen. Umso erstaunter ist man dann, wenn man wie in OVA VII von der ganzen Palette an Emotionen überrollt wird und man in einem Gefühlschaos versinkt. Und das alles geht noch nicht einmal von der „guten“ Seite aus. Auch hier werden wieder gegensätzliche Versatzstücke zur Hilfe genommen, die einen harten Kontrast bilden und dadurch die Wirkung erhöhen.
Krieg ist grausam, das ist klar. Aber was zum Teil mit den Lebenden im Krieg geschieht, das erscheint mitunter noch grausamer zu sein… so grausam, dass selbst diese Erlebnisse in der kommenden Mini-OVA The Dawn nochmal gesondert aufgegriffen werden.

Im Verlauf der Serie ließ uns die Geschichte bereits kurze Einblicke in die Vergangenheit erhaschen. Für ein klares Bild hielt sie sich jedoch zu bedeckt, weshalb nun in OVA IX die Zeit reif erschien, auch die Vergangenheit aufzuarbeiten. Und das weckt einige schmerzhafte Erinnerungen. Besonders für den sonst so souveränen Alucard, der erstmals die Contenance zu verlieren droht, als er mit seinem Schicksal konfrontiert wird und versteht, auf welch teuflischen Pakt er sich damals eingelassen hat. Damals, vor 523 Jahren.
Es ist der klassische Draculamythos der allgemeinhin bekannt sein dürfte, und doch überrascht die Intensität, mit der sich die Bilder vor dem Zuschauer ausbreiten auch jetzt noch. Vielleicht, weil es wieder etwas neues ist. Etwas, das in der Reihe noch nicht mit ganz so viel Platz gesegnet war und nun zum genau richtigen Zeitpunkt so wuchtig präsentiert wird. OVA IX tritt die Türen der Vergangenheit wie auch die der Zukunft auf, und bringt diese beiden Handlungen gleichermaßen voran. Sie schenkt dem Zuschauer nun endlich die Gewissheit, ohne dabei auf die typischen Merkmale der vorigen Episoden zu verzichten. Womöglich ist dies sogar die aussagekräftigste Episode der gesamten Serie, was sich auch in der Wahl der Musik, beispielsweise die Wiederverwendung des Creditstücks „Marche Funebre“ aus OVA II, welche die Trostlosigkeit dieser Episode besonders gut unterstreicht, sowie es sich im handwerklichen niederschlägt.

Das Handwerkliche

Vor kurzem schrieb ich an anderer Stelle ein wenig über die Angelegenheit, wie die OVA mit der Mangavorlage umspringt. Nicht nur dass sie äußerst nah am Geschehen der literarischen Vorlage liegt, sondern auch, dass sie teilweise die exakt gleichen Einstellungen verwenden, die jeweiligen Panels des Manga quasi 1:1 animieren. Eine Sache, die in dieser Folge den Höhepunkt erreichen dürfte, denn wer einmal auf die einzelnen Bilder und Animationen achtet, der dürfte diesen Gedanken nachvollziehen können.
Für gewöhnlich ist Hellsing Ultimate impulsiv, schlagfertig und zuweilen auch hektisch. Die Bilder befinden sich die meiste Zeit über im Fluss, stagnierende Bilder gibt es nur ganz selten und wenn, dann sind sie mit Bedacht gewählt. Ob als Hommage an den Mangaka Kohta Hirano, oder dem Geschehen eine gesonderte Wirkung zu verleihen. Was nun hier auffällt ist, wie sehr diese Folge mit ebensolchen Einstellungen umgeht. Es gibt viele Standbilder, in denen nur partielle Teile einem Bewegungsablauf unterliegen. Mal zuckt der Mundwinkel ununterbrochen vor Zorn oder Unglauben, mal sind es nur die Haare, während der Mantel und das Haar im Wind flattert. Für eine animierte Serie kann diese Stagnation äußerst bedrohlich sein, schnell ist dem Animationsstudio ein zu kurzer Produktionszeitraum unterstellt, weshalb in der Eile alles entschlackt werden musste. Und diesen Eindruck könnte man in OVA IX tatsächlich bekommen, wenn man sie sieht. Mit den eben genannten Bildern entsteht ein entschleunigter Eindruck, der vielen den Drive rausnehmen könnte. Allerdings muss man das im Kontext der Handlung betrachten, dann ergibt diese Herangehensweise nämlich sehr viel mehr Sinn.

Dadurch dass sich diese Episode neben einem ausufernden Kampf vehement um ihre einzelnen Figuren bemüht, kann man eben diesen „Standbildern“ sehr viel mehr Bedeutung zumessen, als es sonst der Fall wäre. Wie in keiner vorigen Folge werden hier unzählige Close-ups, also Nahaufnahmen, benutzt, welche das Gefühlsleben aller Beteiligten einfangen und ihnen einen Sinn vermitteln. Als Stilmittel sozusagen, das als Spiegel der Seele funktioniert. Die Verzweiflung und Zorn wiederspiegeln, aber auch Trauer und Unglauben über das Erlebte in die einzelnen Gesichter brennen.
Ein weiterer Kniff, den das nun schon dritte Animationsstudio Graphinica verwendet, um der Hellsing Ultimate-Serie neue Seiten abzuringen. Jedoch soll nun nicht der Eindruck entstehen, diese OVA wäre nicht dynamisch. Keinesfalls. Auch hier werden zahlreiche Möglichkeiten genutzt, um optimale Schauwerte in ihrer dreckigen Verrohtheit zu zeigen, welche animationstechnisch ohne jeden Makel auskommen. Abgerundet wird dies dazu vom harten Rockbrett Maon Kurosakis, die mit ihrem Creditsong „SCARS“ in die gleiche kompromisslose Scherbe schlägt, wie es auch die OVA selbst tut. Denn Narben trägt hier jeder. Wenn auch nicht immer sichtbar, was gerade durch den Abspann wieder einmal in der Aussage bekräftigt wird.

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Der Engel des Todes: Walter
DVD-/BD-Verwertung

Wie gehabt kommt auch OVA IX im edlen Mediabookgewand von nipponart mit entfernbaren FSK-16 Aufkleber daher. Die Laufzeit des zugrundeliegenden Blu-ray-Exemplars beträgt dabei rund 46 Minuten, bietet die Folge im Zweikanalton (japanisch und deutsch) mit zuschaltbarem deutschem UT. Im Mediabook selbst befindet sich zudem wieder ein kleines Booklet mit den üblichen Charakterinfos und einem weiteren lesenswerten Interview der Macher. Diesmal wurde die Animationsregie, namentlich Ken’ichi Suzuki und Yasuhiro Matsumura, vor das Diktiergerät gezerrt, die übrigens auch nochmal auf den von mir bereits angesprochenen Punkt eingehen, warum sie gerade diese nahe Mangastruktur in den Bildern der OVA gewählt haben.

Fazit

Hellsing Ultimate befindet sich nun auf der Zielgeraden und hat das Feld des ultimativen Finales mit OVA IX abgesteckt. Mit charakterlicher Tiefgründigkeit überrascht diese Episode, ebenso wie mit stilistischer Durchdachtheit des bewegten Bildes. Hier muss auf nichts verzichtet werden, alles bekommt seinen Raum und bietet so viel Abwechslung wie nur selten zuvor. Nun kann es gar nicht schnell genug gehen, bis wir mit OVA X den Abschluss dieses kultigen Splatterfestes präsentiert bekommen.
Doch vorher darf das deutsche Publikum noch in den Genuss der Mini-OVA The Dawn (VÖ 27.11.2015) kommen, welche die Geschichte von Walter und Alucard im Zweiten Weltkrieg in Bilder fasst und ebenfalls aus der Schmiede des Mangaka Kohta Hiranos stammt.

„Menschen töten Monster. Menschen allein töten Monster.“

OVA I: 7,5/10 Punkte
OVA II:  8/10 Punkte
OVA III: 8/10 Punkte
OVA IV: 9/10 Punkte
OVA V: 10/10 Punkte

OVA VI: 6,5/10 Punkte
OVA VII: 10/10 Punkte
OVA VIII: 10/10 Punkte
OVA IX: 10/10 Punkte

Hellsing-Ultimate-OVA-IX---CoverHellsing Ultimate OVA IX
Jahr: 2012 JP
Genre: Action, Horror, Military, Seinen, Supernatural, Vampire
Regie: Kenichi Suzuki | Drehbuch: Hideyuki Kurata
Animationsstudio: Kelmadick, Graphinica & Marvy Jack
Sprecher (orig. – deutsch):
Alucard – Jouji Nakata – Torsten Münchow
Seras Victoria – Fumiko Orikasa – Shandra Schadt
Schrödinger Ryouko Shiraishi
Der MajorNobuo Tobita – Gerhard Jilka
Sir Integra HellsingYoshiko Sakakibara – Simone Brahmann
Alexander AndersenNorio Wakamoto – Oliver Stritzel
Heinkel WolfeMitsuki Saiga
Walter C. DornezMotomu Kiyokawa – Dieter Memel

Logo via Screenshot
© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE

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9 Kommentare zu “[Serie] Hellsing Ultimate OVA IX (2012 JP)”

  1. Oh, Hellsing, großartig. Das war damals mein erster Anime, bevor ich überhaupt wusste, was das bedeutet (zugegeben, das war nicht gerade altersgemäß, aber hey…). Als jemand, der mit Animes nicht ganz so viel anfangen kann, habe ich trotzdem die normale Hellsing Complete Edition und den Soundtrack im Regal stehen. Ultimate, das mir viel besser gefällt, kommt natürlich auch irgendwann, aber erst wenn es fertig ist 🙂
    Ist zudem meiner Meinung nach eine der wenigen Serien, wo ich sowohl japanische als auch englische als auch deutsche Sprachausgabe sehr sehr gut finde. Normalerweise spare ich mir die japanische komplett und schaue nach bedarf deutsch oder englisch (auch wenn englisch ja gerne mal verpönt ist bei Animes. Aber Persona 4 The Animation auf englisch ist schon ziemlich geil).
    Auf The Dawn freue ich mich auch sehr. Bin mal echt gespannt, wie sie das handhaben.

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    1. Ging mir damals genauso, wobei ich auch erst mit der regulären Serie angefangen habe. Daumen hoch für den Soundtrack, der ist aber auch grandios. um Welten besser als der, der für die OVA herhalten muss. Für Ultimate musst du ja nicht mehr lange warten. Mit etwas Glück ist es im Dezember fertig. 🙂
      Mittlerweile arrangiere ich mich mit dem O-Ton und wollte eigentlich auch endlich etwas zu der originalen Synchro schreiben, aber das hätte wiedermal den Rahmen gesprengt. Folgt dann zum Finale. Aber die Synchro kann ich generell nur loben, sowohl das Original, als auch die deutsche Sprachausgabe. Kommt hier wieder prima zur Geltung. Mit den englischen… hmm. Ja. Die sind nicht so mein Fall, auch wenn manch ein Sprecher doch positiv herausragt. Meine Erfahrungen sind da aber eher nicht so prall.Vielleicht schaue ich mal in Persona 4 rein, um mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen? 🙂
      Japp, ich auch. Ab jetzt bewege ich mich ohnehin auf unbekanntem Terrain, OVA X und The Dawn habe ich seither gemieden, in der Hoffnung es als deutsche VÖ zu genießen. Und siehe da: Ein gefühltes Jahrzehnt später dürfen wir das sogar!

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        1. Mhh. In so einem Rhytmus wie Hellsing wird es wohl vorerst nichts mehr geben. Derzeit schaue ich noch sporadisch S2 von „Higurashi no Naku Koro ni“. Danach mal sehen. Vielleicht „Attack on Titan“ oder andere Klassiker, wie bspw. „Full Metal Alchemist (Brotherhood)“. Muss mal sehen. Kannst ja ein paar Titel vorschlagen, vllt. ist was passendes dabei. 🙂

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          1. Hm, ersteres sagt mir nichts, Attack on Titan kenne ich als Manga, hat mich jetzt aber nicht überzeugt, also von der Handlung, das fand ich nicht so prickelnd. Brotherhood war eins der Geburtstagsgeschenke, das steht also schon hier. 😀
            Ansonsten schau ich gerade „X“ weiter, parallel dazu Death Note und danach dann wohl Last Exile, Ergo Proxy oder eben FMA Brotherhood. Oder was aus der Herlock-Saga, da hab ich auch genug da. ^^

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