[Film] Die Tribute von Panem: Mockingjay Part 2 (2015 US)

Hachja. Wenn du schon aus dem Kino rausgehst und dich vor Lachen nicht mehr einbekommst… dann ist definitiv etwas schiefgelaufen.
Von einem zweiteiligen Finale kann man ja halten was man will. Die meisten Filme könnten gut darauf verzichten, und wenn sich die Drehbuchschreiber doch nur mal die Mühe machen würden, unsinniges und langatmiges von vornherein aus dem Script zu streichen, dann hätten viele Geschichten auch gar nicht erst diese Moneymaker-Attitüde. Und dann wiederum lassen sich die finalen Ereignisse vielleicht auch in einen zweistündigen Film packen und vermasseln den Schluss nicht so gekonnt, wie es Die Tribute von Panem: Mockingjay Part 2 eben tut…

Wo Mockingjay Part 1 noch die richtigen Schritte in Richtung psychologischen Diskurs geht und alles noch düsterer gestaltet als es damals schon bei Catching Fire der Fall war, will Mockingjay Part 2 noch einen draufsetzen. Und scheitert kläglich daran. In meinen Augen wurden die Filme rund um Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) immer erst dann richtig ausdrucksstark, wenn die treffsichere Bogenschützin auf sich alleingestellt war. Hilfe erhielt sie zwar aus dem Hintergrund, vorrangig musste sie jedoch um ihr eigenes Überleben kämpfen, was zum Teil mit unvorhersehbaren Überraschungen für Spannung sorgte. Etwas, das im ersten Teil des Finales schon nicht mehr so im Fokus stand und jetzt… nunja.

Während sich der Vorläufer also noch auf eine narrative Konsequenz berufen kann, verläuft sich im letzten Teil alles im Sande. Die im Trailer angepriesenen Hungerspiele wirken im Film selbst als notgedrungen rein gezwängt und erstaunlich innovationslos. Charakterentwicklung sucht man in den meisten Fällen vergeblich und überhaupt schafft es der Film an gerademal zwei Stellen für so etwas wie emotionale Beklommenheit zu sorgen, während in der restlichen Laufzeit die Menschen nur so wie die Fliegen sterben. Und das schlimme daran? Es ist vollkommen egal. Es ist mir als Zuschauer egal, wenn selbst aus den vorangegangenen Teilen vermeintlich interessante Figuren auf elendigste Weise krepieren. Wenn unschuldige Menschen über den Haufen geschossen werden. Das mag jetzt geschmacklos klingen, ist in Mockingjay 2 aber leider bittere Realität. Regisseur Francis Lawrence schafft es einfach nicht, das alles flüssig wirken zu lassen, es mit Spannungsmomenten die man nicht vorhersehen kann zu füllen und vor allem: Gefühl reinzustecken. Wenn es nicht gerade vorhersehbar ist was als nächstes passiert, dann zumindest wen es trifft. In einer Hektik, die spätestens seit Part 1 völlig überflüssig geworden ist, werden die Charaktere so lieblos in die Szenen geklatscht, sodass absolut nichts an Empathie ihnen gegenüber aufkommen will. Sie sind nicht nur total plakativ gezeichnet, sie handeln auch so und werden genau so auch wieder aus dem Spiel genommen. Alles was der Vorgänger so mühevoll aufbaut, wird allein in dieser Hinsicht rapide über den Haufen geworfen. Vom Ende mal ganz zu schweigen. Da schüttel ich auch einen Tag später noch vehement mit dem Kopf.

Gut. Die meisten Charaktere sind also sowieso austauschbar. Aber eines macht der Film dann doch ganz gut. Er schleppt Peeta Mellark (Josh Hutcherson) nicht mehr ganz so lieblos durch die Filme. Mehr Screentime, mehr innere Zerrissenheit und die ständige Gefahr lassen ihn ausnahmsweise mal nicht zum Punchingbag werden, sondern wecken ganz leichte Sympathien für ihn. In meinen Augen schon beinahe die nennenswerteste Stärke im Drehbuch. Denn wenn man einmal überlegt wie man die letzten beiden Filme zusammenpacken hätte können, dann wird schnell klar, was der Abschluss gar nicht gebraucht hätte: Die finalen Hungerspiele. Als Mittel zum Zweck dient das Minenfeld von Panem lediglich der Zeitüberbrückung, um sich möglichst lange mit unnötigen Aktionen herumplagen zu müssen und sonstige lieblos aneinandergereihte Szenen zu begutachten. Es lässt sich ja nicht einmal von Dramatik sprechen, wenn das alles so zusammengeklatscht wird, dass es einen gruselt. Und wenn dann endlich die Scheuklappen abgelegt werden, sämtliche Intrigen offengelegt sind, dann ist es sowieso schon vorbei. Während Katniss sämtliche Dreiecksbeziehungsprobleme zwischen ihr, Peeta und Gale mit einem Küsschen hier und einem dort zu lösen scheint, wird das wichtigste der gesamten Reihe – nämlich das endgültige Aufeinandertreffen zwischen dem Spotttölpel und Präsident Snow bravourös und unter tosendem Applaus an die Wand gefahren. Denn nachdem man gut 1 1/2 Stunden mit dem Weg zum Kapitol vollgestopft hat, geht zum Ende hin alles Schlag auf Schlag und man möchte es kaum glauben, aber es wird noch dreister und plakativer aufgelöst. Alles. Aber auch wirklich alles wird plötzlich so verbogen, dass das Finale schlechthin so glattpoliert wirkt, dass es schon von selbst auf die Schnauze fallen muss. Sämtlichen Konsequenzen aus den vorherigen Teilen wird mittels eines Fingerschnippens aus dem Weg gegangen, sämtliche Störfaktoren, auf welche Weise auch immer, eliminiert und der Rest komplett an den Haaren herbeigezogen. Etwaiges Verständnis für so manchen Sinneswandel erschließt sich mir auch jetzt noch nicht. Denn egal wie absehbar so manches auch gewesen sein mag, es passte vorne und hinten nicht.
Sinnbild hierfür kann daher auch das Lösen der Dreiecksbeziehung sein, welche sich von Teil zu Teil immer mehr verschachtelte und dann so salopp aus dem Weg geschafft wird. Stattdessen verschwendete man ungewollt viel Lebenszeit damit, zu überlegen wie sich das denn überhaupt lösen ließe. Zufriedenstellend, wohlgemerkt!

Und da wären wir dann auch schon beim Ende vom Ende angelangt. Derzeit scheint es ja in Mode zu sein, dem Zuschauer selber die Wahl zu überlassen, wann er denn den Stop-Button auf der Fernbedienung betätigt. Der Zuschauer darf also doch noch mitreden. Toll. Und so werden auch hier vier Sequenzen gezeigt, nach denen der Film jeweils beruhigt hätte enden können. Die beste natürlich zuerst, danach eine, die eine schöne Symbolik als Abschluss hätte werden können, danach wiederum eine, mit der man aufgrund der Erklärbäreigenschaft und der plastischen Zurschaustellung schon zu kämpfen hat und dann zu guter Letzt natürlich das „In your face!“-Finale, welches sich gar nicht mehr als abgedroschen bezeichnen lässt, so verflucht dämlich das geworden ist. Es tut mit leid, normalerweise versuche ich solcher Emotionen beim Schreiben Herr zu werden, aber das hat den Vogel einfach komplett abgeschossen. (Spoiler: Einen besseren Werbespot hätte auch eine bekannte Cornflakeswerbung nicht drehen können!)

Francis Lawrence‘ Die Tribute von Panem: Mockingjay Part 2 fängt mit beeindruckender Eindringlichkeit den zermürbenden Kampf der Rebellen zu Beginn noch verdammt gut ein. Doch was darauf folgt ist in jedem Maße verschwenderisch an Personal, Psychologie und vor allem Potenzial, welches dank des Vorgängers nur hätte weitergetragen werden müssen. Doch anstelle eines alles in den Schatten stellenden Abschlusses dieses Generationenphänomens wird zu vieles wiedergekäut und ohne jeglichen Anspruch an sich selbst in Szene gesetzt. Spannung vermag hier leider nur spärlich aufzukommen, während der gesamte Rest einfach nur an den Haaren herbei gezerrt zu sein scheint. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie, da können auch Schauspielgrößen wie Jennifer Lawrence, Philip Seymour Hoffman, Donald Sutherland, Woody Harrelson, Stanley Tucci und Elizabeth Banks kaum etwas reißen. Das Problem liegt am viel zu plastischen Ansatz, alles Notwendige mit zu wenig Substanz und Ideenreichtum auflösen zu wollen. Schade, denn das ist dieser Reihe nun wirklich nicht gerecht geworden.

4/10 Punkte

Die-Tribute-von-Panem---Mockingjay-Part-2---PosterDie Tribute von Panem: Mockingjay Part 2 [The Hunger Games: Mockingjay – Part 2]
Jahr: 2015 US
Regie: Francis Lawrence | Drehbuch: Peter Craig, Danny Strong (liter. Vorlage: Suzanne Collins)
Cast:
Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Willow Shields, Sam Claflin, Elizabeth Banks, Mahershala Ali, Jena Malone, Jeffrey Wright, Paula Malcomson, Stanley Tucci, Natalie Dormer, Evan Ross, Wes Chatham, Patina Miller, Michelle Forbes, Gwendoline Christie, Robert Knepper

Bilder via imdb.com [© 2015 Lionsgate], Poster & Trailer [© 2015 Studiocanal]

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13 Kommentare zu „[Film] Die Tribute von Panem: Mockingjay Part 2 (2015 US)“

    1. Im Vergleich zu den anderen: Ja. Womöglich gefällt er dir etwas besser, aber vor Freude Bäume ausreißen wirst du vermutlich nicht. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt was du davon hälst. Mich hat der Trailer wohl einfach etwas anderes erwarten lassen, deswegen hat es mich nicht so mitreißen können.
      Den ersten Teil fand ich gestern nach wiederholter Sichtung übrigens wesentlich stimmiger(6,5-7 Pkt.). Der wird dir mit Sicherheit gefallen.

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      1. Ich hab den ersten Band gelesen und den ersten Film gesehen. Meine Meinung zu beidem war einer meiner ersten Beiträge auf dem Blog. 😉
        Und ich mochte den Text nicht, und den Film auch nicht, obwohl – oder gerade weil? – er eine recht gute Umsetzung des Buches war. 🙂

        Ich hab auch in den Divergent-Roman reingelesen und fand den nach 70-100 Seiten nicht toll. Hatte noch mit dem Gedanken gespielt, mal Maze Runner zu probieren, aber der SuB wächst gerade wieder… XD

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        1. Ah, muss ich bald mal schauen! Zum finalen Buch von Panem höre ich auch aus meinem Freundeskreis ziemlich verhaltene Stimmen. Schade. Von Divergent kenne ich nur die ersten beiden Filme und das bleibt auch so. Wird richtig Mist obwohl die Ausgangslage recht gut gemacht war. Und Maze Runner… davon habe ich Teil 1 (Film) richtig gehasst. 😀 Soll dein SuB lieber in andere Richtungen wachsen… 😀

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          1. Mach ruhig! 😉
            Ja, im Prinzip bieten viele diser Bücher interessante Ideen und Ansätze, aber die Umsetzung ist nicht immer gelungen. Jedenfalls nicht in meinen Augen, und die zählen ja für mich. Andererseits kann ich den Reiz auch verstehen, den diese Filme oder eben auch Serien wie The 100 ausüben.

            Hehe, ja, mein SuB wächst ja momentan täglich. *pfeif*
            Dazu kommt demnächst auch noch was. 😀

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    1. Eigentlich schade. Der Vorgänger konnte nach einer Zweitsichtung solide überzeugen. Bei dem hier sind die Mängel leider so gravierend, dass da auch eine zweite Chance nicht viel bringen wird. Sehr schade, die Reihe hätte ein stärkeres Ende verdient gehabt.

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