[Film] Perfect Number (2012 KR)

Läuten wir das Filmjahr doch mit etwas exotischem ein und versuchen dabei gleich, die nicht so erfolgreichen Punkte aus dem letzten Jahr zumindest mit Elan anzugehen und dort wo es nötig ist auszubessern.

In Pang Eun-jins Thriller Perfect Number, respektive Suspect X dreht sich alles um Logik und rationales Verhalten. Analyse und Vorhersehbarkeit, ja auch darum, eine gewisse Systematik zu entdecken und dementsprechend zu agieren.

Suk-go (Ryu Seung-beom) ist ein brillanter Kopf, zugleich aber auch ein absoluter Durchschnittstyp, der an der High-School Mathematik unterrichtet und ebenso privat der Kunst der Zahlen frönt. Er lebt zurückgezogen und allein, um Problemen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen. Als jedoch seine Nachbarin Hwa-Sun (Lee Yo-won) von einem unbekannten Mann bedrängt wird, versucht Suk-go über seinen Schatten zu springen und bietet seine Hilfe an. Nicht wie ein Kämpfer, sondern wie ein Stratege…

Was nun kryptisch klingt, ist sehr simpel gehalten.
Obwohl Perfect Number als seichtes Drama beginnt und mit hellen Einstellungen ein Bilderbuchleben der unterschiedlichen Protagonisten Suk-go und Hwa-Sun verspricht, wandelt sich das Ganze schnell in ein grobschlächtiges und düsteres Katz- und Mausspiel, das sich am ehesten mit dem englischen Begriff „gritty“ zusammenfassen lässt. Da von vornherein klar ist was geschehen ist, entsteht die Spannung erst durch das Handeln der Figuren. Während Sie in Panik verfällt und Er einen kühlen Kopf behält, sitzt ihnen die Polizei tief im Nacken. Mit einem Tunnelblick versteift sich Detective Min-Bum (Jo Jin-woong) auf die panische Frau. Obwohl die Beweislage für sie zu sprechen scheint, will Min-Bum nicht locker lassen…

Es ist ein Tanz auf Eierschalen, den die koreanische Regisseurin Pang Eun-jin vollführen muss. Nicht nur weil sie sich bewusst auf den dramatischen Effekt der Geschichte konzentriert, sondern auch, weil sie zumindest versucht, diese Hatz auf logischer und rationaler Ebene zu vollführen. Da sie das Geschehen rund um die Figur des Mathematikers Suk-go herum baut, ist dies die einzig logische Konsequenz. Dabei kann sich Perfect Number glücklich schätzen, mit Ryu Seung-beom einen Hauptdarsteller aufzubieten, der mit äußerster Sorgfalt das schüchterne Genie mimt. Als nuancierter Gegenpol zu Lee Yo-won strahlt er eine permanente Ruhe aus, die dem Thriller einen gemächlichen Einschlag verpasst, ohne ihn dabei langweilig erscheinen zu lassen. Stattdessen reizt der nüchterne Ansatz, der für Bodenhaftung sorgt. Darstellerisch gibt es ohnehin nicht viel zu bemängeln, an anderer Stelle jedoch schon.

Es ließe sich argumentieren, dass die Mathematik einem Konstrukt gleicht. Zwar folgt sie bestimmten Gesetzen und Formeln, dennoch bietet sie bis zu einem gewissen Grad Freiheiten. Und genau das nimmt sich das Drehbuch leider zu sehr zu Herzen. Statt sich auf seine Dramatik zu verlassen, kommt der Film nicht umhin, sich einige der Schlüsselmomente freiwillig selbst zu kreieren. Das wäre nur halb so wild, wären diese Augenblicke nicht so vorhersehbar und abgenutzt. Klischeebeladen stürzt sich Perfect Number deshalb immer wieder in unglücklich inszenierte glückliche Zufälle, die dem Geschehen einen neuen Spin verleihen sollen. Das ist nicht nur vom Storyansatz völlig unnötig, sondern auch vom Standpunkt der Charaktere. Oder vielmehr: Es wird ihnen nicht gerecht. Hier werden Variablen geschaffen, die beachtet werden müssen, mittlerweile aber schon so langweilen, dass selbst die Figuren nicht davor gefeit sind, sich ihnen unterwerfen zu müssen. Und das ist bei dieser Besetzung äußerst schade.
Zumindest rettet der Schluss so einiges, und lässt einen die eben genannten Mängel zumindest in den Hintergrund rücken.

Am Ende scheitert das Grundkonzept aufgrund fahrlässiger Gestaltung des Drehbuchs, die der Handlung zu oft eine glückliche Wendung verleiht. Dabei bietet Perfect Number durchaus das Potenzial auf genau diese Konstruktionen zu verzichten und überzeugt abseits dieser unglücklichen Zufälle. Was bleibt, ist ein solider und ausgesprochen unaufgeregter Thriller, dessen Grundidee zum nachdenken anregt.

6/10 Punkte

Perfect-Number---PosterPerfect Number [Suspect X; Yonguija X; 용의자X]
Jahr: 2012 KR
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Pang Eun-jin |
Drehbuch: Kim Tae-Yoon, Lee Kong-Joo, Lee Jung-Hwa (liter. Vorlage: Keigo Higashino)
Kamera: Choi Chan-Min
Musik: Ikyoung Shin
Cast:
Ryu Seung-beom, Lee Yo-Won, Jo Jin-Woong, Kim Yoon-Sung, Kim Bo-Ra

Bilder via asianwiki.com [© CJ Entertainment]

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