[Film] Prinzessin Mononoke (1997 JP)

Ghibli-Filme zeichnen sich stets aufs neue damit aus, ihre zumeist fantastischen Geschichten mit Subtext zu versehen, die auch – oder gerade – erwachsene Menschen ansprechen und zum Grübeln anregen. Obwohl ich mich im Œuvre des Animationsstudios unter Leitung Hayao Miyazakis noch zu wenig auskenne (Chihiros Reise ins Zauberland konnte ich leider kaum etwas abgewinnen), wage ich jedoch trotzdem schon vorab die These, dass es sich bei Prinzessin Mononoke um einen Film handelt, der mit seinem inhaltlichen Anspruch überrascht. Ob nun im offensichtlichen Sinne, wie zum Beispiel die profitorientierte und skrupellose Gesellschaft und ihre interne, komplexe Verzweigung, auf die der junge Prinz Ashitaka während seiner Suche nach Rettung trifft, oder im unterschwelligen Sinne der belebten Natur, was teils auch nur mittels kleiner, mit den Köpfen klappernder Waldgeister vorgeführt wird.

Die wahre Kunst dabei ist, wie Miyazaki es schafft, all diese Themen und Ebenen miteinander zu verknüpfen. Ohne dass es den Anschein erweckt, er würde sie lediglich aneinanderreihen, konzipiert er mit der Geschichte rund um den Prinzen Ashitaka ein Geflecht aus unterschiedlichen Konzepten, die nahtlos ineinander übergehen ohne sich dabei auch nur in einem einzigen überflüssigen Handlungsstrang zu verirren. Alles hat seine Ordnung, alles ist an seinen rechten Platz gerückt. Ein durchdachtes Konstrukt, dessen ökonomischer und ökologischer Lehrcharakter vielleicht etwas plakativ geraten sein mag, aber durch so viele Kleinigkeiten glänzt, dass man dieses Konstrukt nur als ein großes Ganzes wahrnehmen kann. Niemand stört sich daran, wenn eine Horde Wildschweine geradewegs in ihr Verderben rennt. Warum auch, wenn in diesem Film das einzig rationale das eigene Herz ist. Das Herz, das sich vom ersten Augenblick an in diese fantastische Geschichte verguckt hat und mitfiebert. Bei dem jede Partei ihre Berechtigung hat und die Sympathien lange aufrechterhalten werden. Bis man hinter die Fassade blickt.
Allein hier entpuppt sich eine weitere subtile Stärke des Films: Er lehrt Motive auf gewisse Weise zu hinterfragen. Lässt den Zuschauer an bestimmten Stellen moralische Aspekte genauer betrachten und anschließend ein Urteil fällen. Zwar gibt er später die Richtung seiner Antwort durchaus vor, lässt aber vorher noch genug Raum frei, um den Betrachter selbst mit seinem Denkprozess zu involvieren und diese Gedanken im Anschluss auch zu evaluieren. Denn in simple schwarz/weiße Schubladen lässt sich hier rein gar nichts stecken.

Prinzessin Mononoke mag vielleicht das Herz offen mit sich herumtragen. Doch gerade darin verbirgt sich dessen Quintessenz. Dass der Mensch Güte zeigen muss, um in dieser Welt zu bestehen. Es ist nicht nur die Tat eines einzelnen notwendig. Die Menschen müssen gemeinsam anpacken, ehe sie aufgrund fehlgeleiteter Überzeugungen ins Elend stürzen – und ihre Umwelt gleich mit.
Kaum ein Film vermag das so klar und gleichzeitig so feinfühlig zu vermitteln, wie dieser Animationsfilm. Was für eine Perle, die auch weit über ihre Genregrenzen hinaus strahlt.

Und ich sage es gleich: Beim nächsten Mal fällt bestimmt die 10.

9/10 Punkte

Prinzessin-Mononoke---Poster

Prinzessin Mononoke [Mononoke-hime]
Jahr: 1997 US
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Laufzeit: 134 Minuten
Regie & Drehbuch: Hayao Miyazaki
Kamera: Atsushi Okui
Musik: Joe Hisaishi
Animationsstudio: Studio Ghibli
Sprecher:
Rolle – JP – DT
Ashitaka – Youji Matsuda – Alexander Brem
San (Prinzessin Mononoke) – Yuriko Ishida – Stefanie von Lerchenfeld
Eboshi Gozen – Yuuko Tanaka – Marietta Meade
Gonza – Tsunehiko Kamijou – Holger Schwiers
Toki – Sumi Shimamoto – Claudia Lössl
Jiko Bou – Kaoru Kobayashi – Mogens von Gadow
Hii-sama – Mitsuko Mori – Alice Franz
Kaya – Yuriko Ishida – Shandra Schadt
Kouroku – Masahiko Nishimura – Claus Brockmeyer
Moro no Kimi – Akihiro Miwa – Mady Rahl
Okkotonushi – Hisaya Morishige – Jochen Striebeck

Bilder © 1997 Studio Ghibli; Cover © [Universum Film]

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14 Kommentare zu “[Film] Prinzessin Mononoke (1997 JP)”

  1. Ich weiß nicht, was in meinem Leben falsch läuft, aber ich kann seit meiner Kindheit diesem Film nichts abgewinnen. Aber ich bin empört, denn ich frage mich zeitgleich, was mit dir nicht stimmt, dass du mit mir und Chihiro nicht ins Wunderland willst. Das war mein erster Anime im Kino!

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  2. einer der wenigen Filme, die mich sprachlich zurückgelassen haben!

    richtig faszinierend fand ich die Konstellation: der Film bietet so viele verschiedene Antagonisten, hat aber am Ende nicht einen einzigen

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        1. Naja, sie will ja ihre (Eisen)Stadt wieder aufbauen. Es wird nicht mehr näher darauf eingegangen aber vermutlich wird sie es ökologischer angehen, als es beim brutalen Abholzen des Waldes, etc. der Fall war. Nur wie lange dieser Gedanke bei ihr anhält…
          Da gibt sich wohl die Pessimistin in mir zu erkennen.

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